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TagesWoche

Tages Woche

Di, 21.05.2013

DesignMarkt 

21.9.2012, 00:01 Uhr

«Wir sind keine Messe»

21.9.2012, 00:01 Uhr

Am Wochenende findet der vierte DesignMarkt statt. Die drei Initiantinnen Monica Linder-Guarnaccia, Hanna Baur und Anna-Flavia Barbier sagen, was sich seit dem ersten Mal verändert hat. Von Karen N. Gerig

Michael Würtenberg: onica Linder-Guarnaccia, Anna-Flavia Barbier (mit Hundedame Lisa) und Hanna Baur (v. l.) wollen mit ihrem DesignMarkt junge Designer und Designerinnen fo?rdern.

onica Linder-Guarnaccia, Anna-Flavia Barbier (mit Hundedame Lisa) und Hanna Baur (v. l.) wollen mit ihrem DesignMarkt junge Designer und Designerinnen fo?rdern. (Bild: Michael Würtenberg)

Den ersten DesignMarkt lancierten Sie 2009 aus dem Gefühl heraus, es bestehe Nachholbedarf bei Vermarktung des Designs in der Region. Hat sich etwas ­verbessert?

Hanna Baur: Es hat sich einiges ­verändert. Vor allem durch zwei Institutionen, das Stellwerk im Bahnhof St. Johann und den «Leuchtturm ­Kreative Wirtschaft». Und auch dadurch, dass das Amt für Wirtschaft und Arbeit die Initiative Kreativwirtschaft Basel (IKB) gründete, eine weitere Plattform, die Projekte der Region ­fördert und kommuniziert.

Monica Linder-Guarnaccia: Es gibt noch viele mehr, etwa die Gruppierung «Dynamo Basel», das «Depot Basel», «Kulturstadt jetzt» – es haben sich viele zusammengeschlossen, um wirklich etwas zu ändern. Wichtig ist auch, dass diese Gruppen nicht gegeneinander, sondern miteinander arbeiten. Gerade die Kreativwirtschafts­studie, die 2010 erschien, führte dazu, dass die Leute anfingen, aufeinander zuzugehen. Hier war vor allem das Stellwerk ein Knotenpunkt, weil es den Austausch über das ganze Jahr hinweg ermöglicht. Trotzdem ist das Bedürfnis, das wir 2009 orteten, immer noch da.

Gerade die Lücke zwischen Schule und Markt sei noch immer ungenügend geschlossen, hört man immer wieder. Stimmt das?

Anna-Flavia Barbier: Ja. Viele Leute suchen immer noch günstige Räume, in denen sie produzieren könnten. Denn erst wenn jemand ein Produkt hat, kann es auch angeboten werden. Hier ergänzen wir uns mit den anderen Förderplattformen sehr gut.

Der Kanton hat die IKB gegründet und sie im Amt für Wirtschaft angesiedelt. Viele sehen sie dort aber am falschen Ort. Ist sie das?

Linder-Guarnaccia: Kreativwirtschaft als Name finde ich super, weil er zeigt, dass die Kreativen auch wirtschaftlich denken müssen. Das ist uns ein zentrales Anliegen. Gleichzeitig kann man aber Kreativität nicht mit Wirtschaftlichkeit überdecken – das Kreative muss im Vordergrund stehen bleiben.

Baur: Kreativwirtschaft als Begriff hat wohl – wie auch Kulturmanagement – den Hintergrund, dass Kultur zwar gefördert werden soll, aber nicht immer nur über Subventionen. Das wirtschaftliche Denken muss präsenter werden.

Barbier: Dieser Gedanke zeigt sich auch im neuen Kulturleitbild: Dass das Schaffenspotenzial erkannt und diesem eine Anlaufstelle geboten wird – im Falle des Designs die IKB –, wo die ­Macher in ihren Möglichkeiten unterstützt werden können. Der Wunsch der Regie­rung nach solchen Kooperationen ist sicherlich da, aber wie er schliesslich gelebt wird, ist entscheidend.

Und doch ist es so: Wer kulturell ­tätig ist, hat beim Kanton eine klare Anlaufstelle, wer Design macht, ist für seine Wirtschaftlichkeit selbst verantwortlich. Die IKB unterstützt ja nicht einzelne Labels, sondern Projekte. Auch Sie hatten bisher das Problem, dass für den DesignMarkt beim Kanton niemand zuständig war. Hat sich da für Sie was geändert?

Linder-Guarnaccia: Ganz ehrlich gesagt, nein. Gewisse Stiftungen sind zwar offener geworden. Doch Design fällt immer noch überall durch die ­Maschen. Und gerade wenn man sagt, man mache einen Markt, dann heisst es schnell: Aha, eine Messe, die muss selbsttragend sein. Dass es sich aber um eine Förderplattform, um einen Markt, handelt und nicht um eine ­Messe, das kann unserer Erfahrung nach nur im persönlichen Kontakt, in aufwendiger Aufklärungsarbeit wirklich vermittelt werden.

Sie sagen klar, der DesignMarkt ist keine Messe. Doch er spricht auch ein Fachpublikum an. Worin genau liegt denn der Unterschied zu einer Messe?

Baur: Eine Messe ist ein Unternehmen, und im Vordergrund steht die Wirtschaftlichkeit. Bei uns ist es der Fördergedanke. Natürlich müssen wir die Finanzen decken, doch wir versuchen nicht, aus den Ausstellern Kapital zu schlagen, sondern wollen ihnen günstige Konditionen bieten. Damit sie ihre Produkte am Markt testen können.

Linder-Guarnaccia: Wir setzen, wie eine Messe auch, auf qualitativ hoch­stehende Aussteller. Aber uns geht es auch darum, Talente zu finden. Mit ­400 Franken sind unsere Aussteller dabei, damit ist alles abgedeckt, von der Standmiete bis zur Werbung. Eine Messe kostet hingegen mindestens 3500 Franken. Wir bieten das Rüstzeug dafür, dass eine Messe­teilnahme für unsere Aussteller irgendwann im Bereich des Möglichen liegt.

Was schätzen denn die Aussteller am DesignMarkt am meisten?

Linder-Guarnaccia: Das ist sehr durchmischt. Sicher gehört der direkte Kontakt zur Kundschaft dazu und ebenfalls die Netzwerkbildung untereinander oder zum Fachpublikum, zum Beispiel zu grossen Produzenten. Dass die Aufmerksamkeit für den DesignMarkt von Jahr zu Jahr wächst, wirkt sich für sie natürlich ebenfalls positiv aus.

Wie wählen Sie die Labels aus?

Linder-Guarnaccia: Progressivität, Originalität und Qualität sind für uns die Schlagworte. Vor allem die Einzigartigkeit ist uns wichtig. Wir achten aber auch auf vorhandenes Potenzial – der Platz muss da sein, dass etwas ausgetestet ­werden kann.
Baur: Ein Aussteller sollte sich nicht dreimal mit demselben Produkt bewerben. Da fehlt die Weiterentwicklung, und da geben wir manchmal auch Anregungen.

Barbier: Die Auswahl findet im Übrigen durch ein Expertengremium statt, nicht durch uns. Uns ist auch wichtig, dass sich etabliertere Labels mit ganz neuen durchmischen. Vor allem für die Ausbildung ­eines Netzwerks ist das sehr vorteilhaft.

Gibt es eine Limite, wie oft jemand teilnehmen darf?

Linder-Guarnaccia: Nein. Es hat sich eine gesunde Fluktuation ergeben. Dieses Jahr haben wir zudem das Aufnahme­prozedere etwas modifiziert, dadurch haben wir viele neue Labels im Programm.

Sind es hauptsächlich regionale ­Labels?

Linder-Guarnaccia: Der Fokus ist zwar regional, doch das Einzugsgebiet ist grösser geworden. Manche, die hier studiert haben, sind weggezogen. Und genau das wollen wir ja verhindern.

Gespräch zur Zukunft des Designs46 Labels aus den Sparten Mode, Möbel, Schmuck und Accessoires bieten am DesignMarkt ihre Produkte an. Der Eintritt ist frei.Erstmals findet am Samstag (16.30 Uhr) in Zusammenarbeit mit der Initiative Kreativwirtschaft Basel der DesignMarkt Talk statt. Unter der Moderation von Katja Reichenstein werden Joachim Kobuss (Autor), Werner Baumhakl (Leiter Institut Industrial Design HGK) und Florian Hauswirth (Designer) der Frage nach der Zukunft des Designs nachgehen. DesignMarkt: Dreispitz­halle, BaselSamstag, 22. September, 10 bis 20 Uhr, Sonntag, 23. September, 10 bis 17 Uhr; www.designmarkt.ch

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Informationen zum Artikel

21.9.2012, 00:01 Uhr

«Wir sind keine Messe»

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Text:

  • 17.05.2013 um 14:06
    Bilder gehen wohl doch auf Wanderschaft

    Teile der Sammlung sollen während der Schliessung des Kunstmuseums nun eventuell doch im Ausland zu sehen sein. An einer Medienkonferenz wurde am Freitag sonst vor allem erklärt, aber wenig Neues bekannt gegeben.

  • 08.05.2013 um 16:57
    Immer noch voller Pläne

    Seit 20 Jahren führt Tony Wuethrich seine Galerie an der Vogesenstrasse. Ein Grund zum Feiern.

  • 08.05.2013 um 10:44
    Das Kunstmuseum macht ein Jahr Pause

    Das Kunstmuseum Basel muss wegen Sanierungsarbeiten ab Februar 2015 für ein Jahr seine Türen schliessen. Gemeinsam mit dem Erweiterungsbau soll der aufgefrischte Altbau im März 2016 wiedereröffnet werden.

  • 07.05.2013 um 16:08
    Comixshop
    Zum Artikel: Basler Kult.kino Atelier will expandieren

    Liebe Frau Suess, wie mir gerade offiziell bestätigt wurde: Der Comixshop wird sicher in der Thaterpassage verbleiben – dies auf ausdrücklichen Wunsch der kult.kino-Leute, die dessen Nachbarschaft sehr schätzen, wie Suzanne Schweizer mir soeben versich...

  • 26.01.2013 um 20:14
    Fotostrecke
    Zum Artikel: Ein Auftakt nach Mass

    Lieber Kulturbetrachter, tatsächlich haben wir ansonsten noch keine Klagen erhalten, und bei uns funktionieren die Fotostrecken auch von ausserhalb. Ich leite das Problem aber gerne trotzdem mal an unsere Techniker weiter. Schönen Wochenendrest, Karen ...

  • 23.12.2012 um 14:06
    Heieiei....
    Zum Artikel: 7 Weihnachtsfilme für Stubenhocker

    Lieber Herr Wilhelm, Sie haben recht. Zwar haben wir Edward gefunden, als wir anfingen, die Liste zu erstellen - doch jetzt kommt der Film im Programm tatsächlich nicht mehr vor. Äusserst schade, finde ich. Wir haben den Tipp nun ausgetauscht gegen ein...

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