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TagesWoche

Tages Woche

Mi, 19.06.2013

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Die Wochendebatte Braucht Basel Rheinhattan?

Standpunkte

Portrait David Wüest-Rudin

Ja

David Wüest-Rudin, Präsident Grünliberale und Grossrat

Ja, ich bin für «Rheinhattan», dass die Klybeckbrachen am Rhein verdichtet bebaut werden, also auch in die Höhe. Zwei Hauptgründe:

Erstens müssen wir städtebaulich auf die Zuwanderung reagieren. Es kommen immer mehr insbesondere gut qualifizierte Menschen in die Region Basel, um hier zu leben und zu arbeiten. Das ist im Grossen und Ganzen zu begrüssen. Allerdings wird der Wohnraum dadurch knapp und verteuert sich. Dagegen hilft nicht die Abschottung gegen Ausländer, sondern dichtes Bauen von attraktivem Wohnraum in der Stadt.

Das ist, als zweiter Grund, auch ökologisch verträglicher. Zwei unserer grossen Umweltprobleme sind die Zersiedelung (Landverschleiss, Verkehr) und die schlechte Bausubstanz (Energieverbrauch). Wir müssen also die Leute wieder zentral in die Stadt in energetisch nachhaltige neuwertige Wohnungen bringen. «Rheinhattan» soll dazu eine umfassend umweltverträgliche Vorzeigesiedlung werden, ähnlich wie Hammarby Sjöstad in Stockholm. Der politische Auftrag dazu wurde vom Grossen Rat bereits erteilt.

Ich bin für Konsequenz in der Politik – geradeaus statt links-rechts. Es ist unglaubwürdig, Zuwanderung und Ökologie zu befürworten und zugleich eine «aber-mein-Vorgärtchen-bleibt-frei-und-bei-mir-wird-nicht-gebaut»-Haltung zu vertreten, schon gar nicht in der Stadt.

Zumal sich der Ort für eine dichte und umweltverträgliche Bebauung geradezu anbietet. Der Rhein ist eine sehr attraktive Lage, an der auch einkommensstarke Haushalte gerne in Hochhäusern wohnen. Richtig gemacht, kann auch für mittelständische Familien Platz sein, zum Beispiel in gemeinnützigem Wohnungsbau. Damit könnte auch das Quartier mehr Vielfalt und buntere Gemeinschaft erleben. Der anglosächsische Expat und die schweizer Mittelstandsfamilie zusammen in einem Stadtquartier mit der anatolischen Arbeiterfamilie und der Freiraumaktivistin. Oder ist das den Gegnern von «Rheinhattan» in Kleinhüningen/Klybeck zu viel Vielfalt und möchten sie «unter sich» bleiben?

Ich bin für Konsequenz.

Portrait Heidi Mück

Nein

Heidi Mück, Grossrätin «Grünes Bündnis»/«BastA»

Das Projekt für die Überbauung des frei werdenden Platzes im Klybeckhafen – «Rheinhattan» -  ist erst eine Vision einiger Planer und Stadtentwickler, doch eines ist heute schon klar: Es geht um viel Geld.

«Rheinhattan» muss Profit abwerfen, mit den Baurechtszinsen soll die Erweiterung des Hafens mit dem neuen Containerterminal und dem Hafenbecken 3 finanziert werden.

Die aktuellen Pläne und Modelle zeigen eine gigantische Büro- und Hochhauslandschaft im Stil der 90er-Jahre. Verkauft wird das Ganze als Entwicklung und Aufwertung des Klybeckquartiers. Doch: Was soll hier entwickelt und aufgewertet werden?

Im Gebiet rund um den Hafen wohnen viele Menschen mit tiefem Einkommen, Arbeitslose, RentnerInnen und MigrantInnen. Die Verkehrsbelastung ist hoch, es gibt wenig Grünflächen und die Umgebung ist geprägt durch die Nachbarschaft der chemischen Industrie mit all ihren Emissionen. Es gibt zahlreiche ältere Wohnhäuser mit wenig Komfort, dafür günstigem Mietzins. Die Vision «Rheinhattan» passt dazu wie die Faust aufs Auge.

Viele BewohnerInnen von Klybeck/Kleinhüningen schätzen ihr Quartier und leben nicht nur dort, weil die Wohnungen günstig sind. Die Industrieromantik, die Nähe zum Hafen, zur Grenze, aber auch die nicht kommerziellen Treffpunkte und kulturellen Angebote tragen zur speziellen Stimmung im Quartier bei und machen es für junge Leute und Menschen mit unkonventionellem Lebensstil attraktiv. Diese Menschen brauchen keine «Entwicklung und Aufwertung» ihres Quartiers. Sie ärgern sich, dass ihr Wohngebiet als Scherbenviertel bezeichnet wird. Mit der geplanten Aufwertung werden nicht die tatsächlichen Probleme angegangen, wie Industrieimmissionen oder hohes Verkehrsaufkommen. Stattdessen werden die Schwächsten vertrieben, damit die Bevölkerungsstruktur sich «zum Besseren» entwickelt – Gentrifikation pur!

Deshalb ist «Rheinhattan» kontraproduktiv und schädlich. Diese Art der Stadtentwicklung nimmt keine Rücksicht auf die ansässige Bevölkerung und dient nur dem Profit.

  1. Greenhattan statt Rheinhattan

    von Philippe Bovet am 21.09.2012 um 14:16Uhr

    Im Zeitalter der globalen Erwärmung und der kommenden Energieknappheit kann nicht mehr wie damals geplant und gebaut werden. Rheinhattan ist ein Projekt aus der Vergangenheit. Mit ihren Fahrstühlen und Pumpen bilden Wolkenkratzer energetisch keine interessante Gebäude, wenn man sechsstöckig ernergiepositiv und CO2 arm bauen kann. Mit Fahrstuhl und Nachbarschafstlebenqualität.

    Gute Bauideen lassen sich z.B. in Freiburg in Breisgau in den beiden Ökovierteln von Vauban und Rieselfeld sehen. Dort ist nicht die Ökologie, die Sonneenergie oder autoarme Viertel zu finden, aber vor allem die Lebensqualität.

    Viele Baugruppen haben sich dort nieder gelassen. Sozial ist es auch. Es gibt europaweit andere ähnliche Beispiele: ein schönes ist auch Eva Lanxmeer in Culemborg (NL, in der Nähe von Utrecht). Oder auch das BO01 Viertel von Malmö (Schweden). Beide liegen am Wasser und sind energieautark.

    Aber Freiburg liegt 70 km nördlich von Basel entfernt. 45 Minuten mit dem ICE. Eine Geschenkidee an das Baudepartement für Weihnachten: ein mehrjähriges DB-Abo für die Strecke BS-Freiburg i.B.

    Philippe Bovet, Mitbegründer der IG Greenhattan, www.greenhattan.ch
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  2. Bezahlbare Wohnungen sind keine Nebensache

    von Tonja Zürcher am 21.09.2012 um 17:14Uhr

    Ökologie und energiesparende Gebäude sind wichtig und werden bei Rheinhattan leider vernachlässigt. Genauso wichtig sind aber auch bezahlbare Wohnungen, grosszügige Grünflächen und für alle nutzbare Freiräume. Genossenschaften und gemeinnütziger Wohnungsbau sind nicht bloss eine Nebenbemerkung wie bei der GLP, sondern eine zentrale Forderung. Wenn die Klybeckinsel schon überbaut werden soll, dann von lokal verankerten Genossenschaften und sicher nicht mit Spekulationsobjekten à la Rheinhattan, die nicht mal die ökologischen Anforderungen erfüllen können.
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  3. Rheinhattan

    von Gaby Burgermeister am 22.09.2012 um 16:52Uhr

    Ja, es wäre schön, wenn Rheinhattan so konzipiert und gebaut würde, dass "der angelsächsische Expat und die Schweizer Mittelstandsfamilie mit der anatolischen Arbeiterfamilie und der Freiraumaktivistin zusammen" in einem Quartier leben könnten, wie Herr Wüest-Rudin schreibt. Aber so wie sich das Projekt bis jetzt präsentiert, werden sich dort weder eine Schweizer Mittelstandsfamilie noch geschweige denn eine anatolische Arbeiterfamilie eine Wohnung leisten können. Frau Mück hat vollkommen recht: Dieses Projekt wird Basels Bevölkerungsstruktur verändern - aber nicht unbedingt "zum Besseren".
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  4. Wow! Das tönt ja fast wie Manhattan!

    von Cemal Pnin am 23.09.2012 um 06:48Uhr

    In diesem Quartier bin ich aufgewachsen. Ich hatte also die Ehre mit den grossen Chemiekonzernen benachbart zu sein. Diese Konzerne, die bspw. an Wirtschaftsforen so grossartige Reden zur Weltverbesserung halten! Nur zweifle ich an deren Glaubwürdigkeit, wo sie doch nicht mal einen Beitrag dazu leisten, um die Verhältnisse ihrer direkten Nachbarn (Kleinbasler) zu verbessern. Sie schotten sich ab, als wären sie kleine Staaten in der kleinen Stadt, mit Mauern und "Grenzposten". Also ich kenne keinen aus dem Quartier, der bei denen die Chance auf eine Karriere bekommen hat. Nun soll Rheinhattan entstehen! Vermutlich für dieses Klientel.
    Wenn ich mir Hamburg und Berlin ansehe, wo in manchen Quartieren eben auch sowas entstanden ist, dann zweifle ich daran, dass Rheinhattan das Zusammenleben von Arm und Reich fördern wird. Was haben die Kleinhüniger dann davon? Wahrscheinlich zunächst einmal sehr viel Staub und Baulärm, danach kommt das Staunen über die Objekte, zwischenzeitlich vollzieht sich die Renovierung der Kleinhünigerstrasse, und wenn das Projekt ca. 2030 fertig ist, haben viele Geringverdiener die Wahl zwischen hohen Mieten und Ausziehen.
    Wobei ich für die Neuankömmlinge auch keinen Neid empfinde, ich z.B. will keinen Freiblick auf Friedlingen und Huningue haben.
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  5. Grosse Chance für Klybeck / Kleinhüningen

    von Karl Linder am 23.09.2012 um 16:07Uhr

    Es ist bisweilen schon interessant, wie sich linksaussen und rechtsaussen politisch treffen kann. Alles so belassen, wie es schon immer war, und überhaupt, weshalb brauchen wir etwas Neues? Diese ideologische Grundhaltung wurde jahrelang von der SVP geprägt. In der Frage nach neuem Wohnraum in rückständigen Quartieren kommt genau dieselbe Haltung nun von Linksaussen. Hauptsache, man kann Neues verhindern. Hauptsache, man hat die eigene günstige Wohnung - der ganze Zustand des Quartiers ist Nebensache. Dafür soll dann 'die Politik' Lösungen finden. Nun, es ist Heidi Mück immerhin zu gut zu halten, dass sie die (meines Wissens) einzige Grossrätin von BS ist, die im Klybeck/Kleinhüningen wohnt. Diejenigen Kräfte des Linken Spektrums in der Politik, die mit dem Kleinbasel so gerne kokettieren, wohnen ansonsten im edlen Wettsteinquartier und im unteren Kleinbasel in Rheinnähe. Da ist es schön, keine Frage. Aber es gibt auch Wohngebiete - gerade im Klybeck und Kleinhüningen - wo die Menschen nicht einfach aus Überzeugung wohnen. Sondern deshalb, weil sie keine anderen Alternativen haben. Ja, und es zogen in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur Schweizer Familien aus mittelständischen Kreisen aus dem Quartier weg. Mittlerweile sind es auch spanische, portugiesische, ex-jugoslawische oder türkische BewohnerInnen, welche für ihre Kinder die bestmöglichen Bildungschancen anderswo realisieren wollen. Also solche, die es wirtschaftlich geschafft haben, sich in anderen Quartieren eine Wohnung leisten zu können. Wer bleibt zurück? Viele Studenten und bildungsferne Schichten, aber auch zum Glück viele Genossenschafts-Wohnende, welche die Durchmischung einigermassen stabil halten (Familien fehlen allerdings deutlich). Die Statistik sagt uns, dass 66 % der Haushalte dort keine Steuern bezahlen. Ist dies objektiv eine gute Durchmischung? Ist es Chancengleichheit mit anderen Quartieren, wenn nur noch ein Schweizer Schüler in der Primar-Klasse ist? Wo ist der solidarische Gedanke der linken Verhinderer, der rein theoretisch so häufig das Recht auf gute Bildung vertreten? Aber im konkreten Fall dazu beitragen, dass das Ungleichgewicht im Quartier zementiert wird. Ich argumentiere nicht von weit weg aus einem sicheren bürgerlich geprägten Milieu, wie dies häufig Sozialdemokraten tun. Ich ging in Kleinhüningen zur Schule, habe da 20 Jahre meines Lebens verbracht, bin Eigentümer des Elternhauses beim Wiesenplatz und kann sehr gut abschätzen, wie ungleich die Bildungschancen im Verhältnis zu anderen Stadtteilen ist, wenngleich das Verhältnis heute noch deutlich ungünstiger ist wie damals. Aus Kleinhüningen gingen damals von unserer Primarklasse drei Schüler ins Gymnasium, aus Riehen waren es über 55 %.Die einzige Chance, diese Verhältnisse zu verändern, ist neuer Wohnraum mit Menschen, die gerne hierher ziehen, möglichst auch Familien mit Kindern. Bis zum Densa-Park Projekt wurde im Klybeck-Kleinhüningen seit ca. über 30 Jahren nichts mehr Neues gebaut. Die Stimmen der linken Verhinderer sind deshalb auch äusserst fragwürdig, weil das Wohnprojekt am Klybeckquai politisch noch nicht fixiert ist und demokratisch gestaltet werden kann. Es ist für jemanden, der eine schöne Wohnung sucht ziemlich nebensächlich, ob diese von einer Wohnbaugenossenschaft oder einem privaten Bauherrn realisiert wird. Hauptsache ist doch, dass Wohnungen entstehen! Wir haben einen Leerwohnungsbestand von 0.5 % und wenn wir vermeiden wollen, dass Zürcher oder Genfer Verhältnisse Einzug halten, dann geht dies nur mit einer Bauoffensive, bei welcher ich mir wünsche, dass auch die Wohngenossenschaften engagiert mitwirken werden mit möglichst vielen Projekten. So ähnlich wie dies in der Vergangenheit mit den Entenweid Hochhäusern beim Kannenfeldpark der Fall war. Wo ist der mutige Gestaltungswille dazu? Die gute Lage gibt dem Kanton doch die grosse Möglichkeit, ein ehemaliges Arbeiterquartier positiv zu gestalten.
    Es wäre eine verpasste Chance, wenn dies nicht gelänge. Denn seien wir uns bewusst: Eine Verhinderung heisst nicht einfach Status Quo: Der Preisdruck auf die verfügbaren Wohnungen in der Stadt Basel würde steigen ohne neuen Wohnraum, auch für unsanierte alte Wohnungen im Kleinbasel.

    Karl Linder, Grünliberale Kleinbasel

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  6. Viel Verwechslung

    von Sibylle Hauert am 25.09.2012 um 12:04Uhr

    Genossenschaftliches Wohnen ist eine Forderung von "Greenhattan" und nicht von "Rheinhattan". Denn „Rheinhattan“ muss sogar sehr viel Profit abwerfen, wie Heidi Mück ganz richtig bemerkt und auch Kantonsbaumeister Fritz Schuhmacher in einem Interview im Regionaljournal vom 4.9.2012 klipp und klar ausspricht: "Rheinhattan" muss das neue Containerterminal und das Hafenbecken 3 finanzieren!
    Es hat in diesem Sinne auch rein gar nichts mit "Hammarby Sjöstad" zu tun, einem schwedischen Oeko-Vorzeigeprojekt, das von Anfang an ganzheitlich unter dem Umweltaspekt geplant wurde.
    Und: Verdichtetes Wohnen führen wir in den Quartieren Klybeck und Matthäus schon seit langem erfolgreich vor: Verdichtung erzielt man u.a. mit günstigem und kleinem Wohnraum.
    Dass wir punkto Steuerzahlungen vielleicht ein rückständiges Quartier sind, das mag sein - aber zum Glück sind ja auch noch andere Werte für eine urbane Stadtgemeinschaft lebenswichtig: Gute und gelebte Nachbarschaften, tolerantes Nebeneinander von verschiedensten Lebensentwürfen und -bereichen (und das nicht nur tagsüber) sowie Platz und Freiraum für Ungewohntes und Neues - da liegen wir weit vorn!
    Sibylle Hauert

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  7. Basels Bausünden

    von Hans Zwimpfer am 26.09.2012 um 15:19Uhr

    • Es hat lange gedauert, bis sich die TagesWoche endlich an das Kernthema Stadtentwicklung heranwagt. Die aufgeführten Bausünden decken sich weitestgehend mit meiner Wahrnehmung. Zu den Projekten gibt es teilweise bessere Alternativen in Schubladen.
    • Man fragt sich, wie es so weit kommen konnte. Dazu müsste man die politisch desinteressierte Gesellschaft analysieren und das Warum. Ein Beispiel: Der Grosse Rat hat dem Roche-Turm mit seinen 175 m Höhe, mit seinem mächtigen städtebaulichen Eingriff, mit 3 Gegenstimmern und 2 Enthaltungen zugestimmt. Das zeigt, dass überhaupt keine Meinungsbildung mehr stattfindet. Keiner wagt es, den städtebaulich und architektonisch fragwürdigen Turm in Frage zu stellen. Das gleiche gilt für das Messemonster, welches unter Umgehung der WTO-Vorschriften, zu 80% aus Steuergeldern finanziert, direkt an Herzog De Meuron vergeben wurde. Der städtebauliche Eingriff ist auch hier brutal. Die planerische Leitidee des Büros scheint es zu sein, die 170‘000-Einwohner-Stadt in eine Megacity umzuwandeln. Zu einem Zeitpunkt, an dem Städte wie Barcelona, London, Wien, München ihre Hochhauskonzepte überprüfen, wird Basel zum Spielfeld von Architekten, welche ihren selbstbefriedigenden Ehrgeiz mit der Realisierung des höchsten Hochhauses der Schweiz erfüllen wollen. Und es geht weiter mit Studien desselben Büros für Hochhäuser auf dem Dreispitz, im Gundeli, am Rhein an der Grenzacherstrasse…
    • Die Megacity-Ideologie ist in den Köpfen der Politik und des Baudepartement fest implementiert. Kritische, alternative, unabhängige Ideen werden abgeblockt. Selbsterfahrung: die Architekten, darunter ebenso qualifizierte wie Herzog und De Meuron schweigen, um nicht zu riskieren, von der Liste des nächsten Wettbewerbes gestrichen zu werden.
    • Die Lehre besagt, dass Institutionen in einer Demokratie kritischer unabhängiger Kontrollen bedürfen. Diese fehlt in Basel, weil Regierung, Grosser Rat, Kommissionen und Verwaltung zu einem grossen Ganzen verbunden sind. Daraus entsteht kaum Kreativität und Qualität, insbesondere, wenn man einer fragwürdigen Planungsideologie nachläuft.

    Basel, 26.09.2012
    Hans Zwimpfer

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  1. Greenhattan statt Rheinhattan

    von Philippe Bovet um 21.09.2012 um 14:16Uhr

    Im Zeitalter der globalen Erwärmung und der kommenden Energieknappheit kann nicht mehr wie damals geplant und gebaut werden. Rheinhattan ist ein Projekt aus der Vergangenheit. Mit ihren Fahrstühlen und Pumpen bilden Wolkenkratzer energetisch keine interessante Gebäude, wenn man sechsstöckig ernergiepositiv und CO2 arm bauen kann. Mit Fahrstuhl und Nachbarschafstlebenqualität.

    Gute Bauideen lassen sich z.B. in Freiburg in Breisgau in den beiden Ökovierteln von Vauban und Rieselfeld sehen. Dort ist nicht die Ökologie, die Sonneenergie oder autoarme Viertel zu finden, aber vor allem die Lebensqualität.

    Viele Baugruppen haben sich dort nieder gelassen. Sozial ist es auch. Es gibt europaweit andere ähnliche Beispiele: ein schönes ist auch Eva Lanxmeer in Culemborg (NL, in der Nähe von Utrecht). Oder auch das BO01 Viertel von Malmö (Schweden). Beide liegen am Wasser und sind energieautark.

    Aber Freiburg liegt 70 km nördlich von Basel entfernt. 45 Minuten mit dem ICE. Eine Geschenkidee an das Baudepartement für Weihnachten: ein mehrjähriges DB-Abo für die Strecke BS-Freiburg i.B.

    Philippe Bovet, Mitbegründer der IG Greenhattan, www.greenhattan.ch
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  2. konzequenz

    von bur ro um 21.09.2012 um 14:54Uhr

    das einzige konzequente was an den ausführungen von david zu erkennen ist, sind seine profitorientierten überlegungen. das er provozierend "die abschottung gegen ausländern" den widerspänstigen mit der ausländischen Bevölkurng zusammenlebenden quartierbewohnerInnen und sonstigen widerständlerInnen vorwirft ist zynisch und zeugt lediglich von der eigenen vorstellung was "gute=gut qualifizierte=einkommenstarke" und "böse=schlecht qualifizierte=einkommensschwache" ausländer sind. das verdichtetes bauen ökologisch sein soll, erscheint schon alleine vor der tatsache das mehr menschen in weniger Raum mehr verbrauchen, als ein widerspruch in sich.wäre es da nicht sinnvoller die vorhandene "schlechte Bausubstanz" zu sanieren, anstatt auf dieser ökologisch widersprüchliche konzepte noch drauf zu tun? ihre zwei grössten umweltproblem basieren auf das tatsächliche probelem, das sie tünlichst zu erwähnen vermeiden, der unhinterfragten und ungebremsten wachstum der wirtschaft. der einzige unglaubwürdig erscheinende sind sie, david, der seine wirtschatfllich liberalen vorstellungen hinter den ökologischen begriff versteckt. ich weiss ja nicht wem sie für dumm verkaufen wollen, indem sie für sich den "wahren" bunteren anspruch auf vielfalt mit ihren schlusswort beanspruchen. mich auf jeden fall nicht, denn eine dichte bebauung schafft kein platz für die freiraumaktivisten und die anatolische arbeiterfamilie wird wahrscheinlich einer der ersten opfer ihrer versteckten vertreibungspolitik durch die voraussehbare erhöhung der mieten im quartier zum opfer fallen. auch fraglich ist was aus der schweizer mittelstandsfamilie wenn sie sich den allgemeinen und wirtschaftlichen niedergang derselben vor augen hälten. somit bleiben unsere einkommensstarken, bei ihnen als anglosächsischer expat definierten, ausländern, welche nach 3 bis 5 jahren aus vertraglichen Gründen wieder die nächste globale stelle suchen müssen und somit eine durchaus hinterfragungswürdig soziale situation schaffen. allerdings muss ich ihnen zugestehen, sie verfolgen konsequent die interessen der liberalen wirtschaft. Ich wünsche ihnen viel erfolg mit ihrer karriere.
    burro
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  3. Bezahlbare Wohnungen sind keine Nebensache

    von Tonja Zürcher um 21.09.2012 um 17:14Uhr

    Ökologie und energiesparende Gebäude sind wichtig und werden bei Rheinhattan leider vernachlässigt. Genauso wichtig sind aber auch bezahlbare Wohnungen, grosszügige Grünflächen und für alle nutzbare Freiräume. Genossenschaften und gemeinnütziger Wohnungsbau sind nicht bloss eine Nebenbemerkung wie bei der GLP, sondern eine zentrale Forderung. Wenn die Klybeckinsel schon überbaut werden soll, dann von lokal verankerten Genossenschaften und sicher nicht mit Spekulationsobjekten à la Rheinhattan, die nicht mal die ökologischen Anforderungen erfüllen können.
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  4. rheinhattan

    von rosmarie schümperli um 21.09.2012 um 21:46Uhr

    Das brauchen wir so nötig wie Kopfweh!
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  5. Neu denken

    von Michel Steiner um 22.09.2012 um 10:49Uhr

    Es geht doch gar nicht um die frage skyline oder nicht, nicht um die hülle sondern den inhalt
    Natürlich soll basel gross denken
    Leider sind es die falschen leute die sich mittlerweile in falsche grossgedanken fest gebissen haben
    Also tatsächloch zurück auf feld 1 und neues denken
    Ich fang mal an
    An uferstrasse und klybeckjalbinsel wird der gesamte uni-campus inklusive studentenwohnen angesiedelt
    Erschlossen durch s-bahn nordbogen statt der unsäglichen möchtegern u-bahn
    Dafür wird im historischen zentrum platz frei für anderes, nämlich...
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  6. z'Basel a mim Rhy ...,

    von Inaktiver Nutzer um 22.09.2012 um 12:55Uhr

    stünde dann nur ein weiteres Wohnghetto für Expats. Was in der Planung noch fehlt, ist ein direkter Autobahnanschluss. Der würde ermöglichen, dass sie ihre Kinder bequem nach Aesch in die Schule fahren können und hätte für das Klybeckquartier wenigstens den Vorteil, dass weniger Vorstadtpanzer durchdonnern. Vision? Eher nicht.
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  7. Rheinhattan

    von Gaby Burgermeister um 22.09.2012 um 16:52Uhr

    Ja, es wäre schön, wenn Rheinhattan so konzipiert und gebaut würde, dass "der angelsächsische Expat und die Schweizer Mittelstandsfamilie mit der anatolischen Arbeiterfamilie und der Freiraumaktivistin zusammen" in einem Quartier leben könnten, wie Herr Wüest-Rudin schreibt. Aber so wie sich das Projekt bis jetzt präsentiert, werden sich dort weder eine Schweizer Mittelstandsfamilie noch geschweige denn eine anatolische Arbeiterfamilie eine Wohnung leisten können. Frau Mück hat vollkommen recht: Dieses Projekt wird Basels Bevölkerungsstruktur verändern - aber nicht unbedingt "zum Besseren".
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  8. Wow! Das tönt ja fast wie Manhattan!

    von Cemal Pnin um 23.09.2012 um 06:48Uhr

    In diesem Quartier bin ich aufgewachsen. Ich hatte also die Ehre mit den grossen Chemiekonzernen benachbart zu sein. Diese Konzerne, die bspw. an Wirtschaftsforen so grossartige Reden zur Weltverbesserung halten! Nur zweifle ich an deren Glaubwürdigkeit, wo sie doch nicht mal einen Beitrag dazu leisten, um die Verhältnisse ihrer direkten Nachbarn (Kleinbasler) zu verbessern. Sie schotten sich ab, als wären sie kleine Staaten in der kleinen Stadt, mit Mauern und "Grenzposten". Also ich kenne keinen aus dem Quartier, der bei denen die Chance auf eine Karriere bekommen hat. Nun soll Rheinhattan entstehen! Vermutlich für dieses Klientel.
    Wenn ich mir Hamburg und Berlin ansehe, wo in manchen Quartieren eben auch sowas entstanden ist, dann zweifle ich daran, dass Rheinhattan das Zusammenleben von Arm und Reich fördern wird. Was haben die Kleinhüniger dann davon? Wahrscheinlich zunächst einmal sehr viel Staub und Baulärm, danach kommt das Staunen über die Objekte, zwischenzeitlich vollzieht sich die Renovierung der Kleinhünigerstrasse, und wenn das Projekt ca. 2030 fertig ist, haben viele Geringverdiener die Wahl zwischen hohen Mieten und Ausziehen.
    Wobei ich für die Neuankömmlinge auch keinen Neid empfinde, ich z.B. will keinen Freiblick auf Friedlingen und Huningue haben.
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  9. Keine Glaubensfrage

    von Tobi Pfister um 23.09.2012 um 11:55Uhr

    David Wüest-Rudin: " Ich glaube nicht an die Vertreibungs- und Gentrifikationsthese."

    Der Spruch war gut. Als ob es sich da um eine Glaubensfrage handeln würde! Ich wohne im St. Johann, gleich neben dem letzten grossen Aufwertungsprojekt: dem Voltaplatz mit seinen grauenvollen (und teuren) Neubauten und nun noch einem grotesken neuen Spielplatz (Mit dem Konzept der Robi-Spielplätze hat der rein gar nix mehr zu tun, aber das ist ein anderes Thema).

    Ich will auch nicht dran glauben, dass die Elsässerstrasse immer schicker wird, dass Freunde von mir unerwünschte Wohnungsrenovationen und nachher höhrere Mieten erdulden müssen, dass Häuser wie das wo die Apotheke früher drin war (Ecke Elsässer/Wasserstrasse) totalsaniert (und damit teurer) werden, dass die Novartis an der Landskronstrasse ein ganzes Haus für Expats "aufwertet", dass mein Hausarzt seine Traditionspraxis am Voltalatz aufgeben muss, weil das nächste Projekt (Volta Ost) vor der Tür steht.
    Aber leider kann ich vor dieser Entwicklung (ob man sie Gentrifizierung oder Aufwertung nennt) nicht einfach die Augen verschliessen. Wie machen Sie das nur, Herr Wüest-Rudin?
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  10. Grosse Chance für Klybeck / Kleinhüningen

    von Karl Linder um 23.09.2012 um 16:07Uhr

    Es ist bisweilen schon interessant, wie sich linksaussen und rechtsaussen politisch treffen kann. Alles so belassen, wie es schon immer war, und überhaupt, weshalb brauchen wir etwas Neues? Diese ideologische Grundhaltung wurde jahrelang von der SVP geprägt. In der Frage nach neuem Wohnraum in rückständigen Quartieren kommt genau dieselbe Haltung nun von Linksaussen. Hauptsache, man kann Neues verhindern. Hauptsache, man hat die eigene günstige Wohnung - der ganze Zustand des Quartiers ist Nebensache. Dafür soll dann 'die Politik' Lösungen finden. Nun, es ist Heidi Mück immerhin zu gut zu halten, dass sie die (meines Wissens) einzige Grossrätin von BS ist, die im Klybeck/Kleinhüningen wohnt. Diejenigen Kräfte des Linken Spektrums in der Politik, die mit dem Kleinbasel so gerne kokettieren, wohnen ansonsten im edlen Wettsteinquartier und im unteren Kleinbasel in Rheinnähe. Da ist es schön, keine Frage. Aber es gibt auch Wohngebiete - gerade im Klybeck und Kleinhüningen - wo die Menschen nicht einfach aus Überzeugung wohnen. Sondern deshalb, weil sie keine anderen Alternativen haben. Ja, und es zogen in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur Schweizer Familien aus mittelständischen Kreisen aus dem Quartier weg. Mittlerweile sind es auch spanische, portugiesische, ex-jugoslawische oder türkische BewohnerInnen, welche für ihre Kinder die bestmöglichen Bildungschancen anderswo realisieren wollen. Also solche, die es wirtschaftlich geschafft haben, sich in anderen Quartieren eine Wohnung leisten zu können. Wer bleibt zurück? Viele Studenten und bildungsferne Schichten, aber auch zum Glück viele Genossenschafts-Wohnende, welche die Durchmischung einigermassen stabil halten (Familien fehlen allerdings deutlich). Die Statistik sagt uns, dass 66 % der Haushalte dort keine Steuern bezahlen. Ist dies objektiv eine gute Durchmischung? Ist es Chancengleichheit mit anderen Quartieren, wenn nur noch ein Schweizer Schüler in der Primar-Klasse ist? Wo ist der solidarische Gedanke der linken Verhinderer, der rein theoretisch so häufig das Recht auf gute Bildung vertreten? Aber im konkreten Fall dazu beitragen, dass das Ungleichgewicht im Quartier zementiert wird. Ich argumentiere nicht von weit weg aus einem sicheren bürgerlich geprägten Milieu, wie dies häufig Sozialdemokraten tun. Ich ging in Kleinhüningen zur Schule, habe da 20 Jahre meines Lebens verbracht, bin Eigentümer des Elternhauses beim Wiesenplatz und kann sehr gut abschätzen, wie ungleich die Bildungschancen im Verhältnis zu anderen Stadtteilen ist, wenngleich das Verhältnis heute noch deutlich ungünstiger ist wie damals. Aus Kleinhüningen gingen damals von unserer Primarklasse drei Schüler ins Gymnasium, aus Riehen waren es über 55 %.Die einzige Chance, diese Verhältnisse zu verändern, ist neuer Wohnraum mit Menschen, die gerne hierher ziehen, möglichst auch Familien mit Kindern. Bis zum Densa-Park Projekt wurde im Klybeck-Kleinhüningen seit ca. über 30 Jahren nichts mehr Neues gebaut. Die Stimmen der linken Verhinderer sind deshalb auch äusserst fragwürdig, weil das Wohnprojekt am Klybeckquai politisch noch nicht fixiert ist und demokratisch gestaltet werden kann. Es ist für jemanden, der eine schöne Wohnung sucht ziemlich nebensächlich, ob diese von einer Wohnbaugenossenschaft oder einem privaten Bauherrn realisiert wird. Hauptsache ist doch, dass Wohnungen entstehen! Wir haben einen Leerwohnungsbestand von 0.5 % und wenn wir vermeiden wollen, dass Zürcher oder Genfer Verhältnisse Einzug halten, dann geht dies nur mit einer Bauoffensive, bei welcher ich mir wünsche, dass auch die Wohngenossenschaften engagiert mitwirken werden mit möglichst vielen Projekten. So ähnlich wie dies in der Vergangenheit mit den Entenweid Hochhäusern beim Kannenfeldpark der Fall war. Wo ist der mutige Gestaltungswille dazu? Die gute Lage gibt dem Kanton doch die grosse Möglichkeit, ein ehemaliges Arbeiterquartier positiv zu gestalten.
    Es wäre eine verpasste Chance, wenn dies nicht gelänge. Denn seien wir uns bewusst: Eine Verhinderung heisst nicht einfach Status Quo: Der Preisdruck auf die verfügbaren Wohnungen in der Stadt Basel würde steigen ohne neuen Wohnraum, auch für unsanierte alte Wohnungen im Kleinbasel.

    Karl Linder, Grünliberale Kleinbasel

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