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TagesWoche

Tages Woche

Mo, 20.05.2013

Regierungswahlen 

27.9.2012, 10:56 Uhr

Ullmann schaltet sich in Sicherheitsdebatte ein

27.9.2012, 10:56 Uhr

Die ausufernde Basler Sicherheitsdebatte ging bislang an den Grünliberalen vorbei. Regierungsratskandidat Emmanuel Ullmann hat jetzt ein Massnahmenpaket ausgearbeitet. Sein Schwerpunkt liegt auf der Repression. Von Renato Beck

Basile Bornand: Grünes Licht für mehr Repression: Emmanuel Ullmann, Regierungsratskandidat der Grünliberalen.

Grünes Licht für mehr Repression: Emmanuel Ullmann, Regierungsratskandidat der Grünliberalen. (Bild: Basile Bornand)

Emmanuel Ullmann begibt sich mit seinem Positionspapier, das er der TagesWoche vorgestellt hat, auf eine Gratwanderung. Der grünliberale Regierungsratskandidat, der Hanspeter Gass (FDP) als Vorsteher des Sicherheitsdepartements beerben will, versucht, in der zügellosen Debatte um die Sicherheit in Basel einen Platz zwischen den Linken und den Rechtsbürgerlichen zu besetzen.

Den Linken wirft Ullmann vor, das Thema nicht ernst zu nehmen, den Rechtsbürgerlichen von FDP und SVP, überrissene Forderungen zu stellen und das Problem zu dramatisieren. Ullmann bedient sich eines Kniffs, um sich abzugrenzen. Er spricht nicht von einem Sicherheitsproblem, sondern von einem Problem der «subjektiven Sicherheit». Ullmann räumt ein, dass Basel statistisch betrachtet nicht unsicherer ist als andere Schweizer Städte. Weil aber die Bevölkerung in seiner Wahrnehmung verunsichert ist, langt auch er in die Repressionskiste.

Ullmann fordert:

  • Eine massive Aufstockung des Personals der Kriminalpolizei und der Staatsanwaltschaft. Der Basler Regierungsrat hat  bereits beschlossen, die Stawa besser zu besetzen, allerdings weit unter deren Vorstellungen. Zunächst will die Regierung den zusätzlichen Personalbedarf durch eine Studie bestimmen lassen. Für Ullmann ist das ein typisches Signal der zögerlichen Amtsführung von Gass: «Es braucht jetzt mehr Personal, der Pendenzenberg bei der Stawa bereitet mir ernsthafte Sorgen.»
  • Ein Beschneiden der Verfahren. «Die Verfahren dauern zu lange, es braucht verbindliche Fristen, an die sich die Untersuchungsbehörden halten müssen und die auch kontrolliert werden», sagt Ullmann.
  • Mehr Polizisten (wie beschlossen), 50 neue Gefängnisplätze (40 will die Regierung) und eine höhere Entlöhnung der Polizisten.
  • Eine bessere Ausrüstung der Polizei, «damit effizient gegen das Vermummungsverbot vorgegangen werden kann». Die Polizei würde sich zu sehr zurückhalten, sagt Ullmann. «Man muss die Täter herauspflücken. Verbote müssen durchgesetzt werden, sonst wird die Polizei unglaubwürdig.»

Begleitend verlangt Ullmann auch präventive Massnahmen. So soll an die Bevölkerung nach Wunsch ein Taschenalarm abgegeben werden. Parks müssten stärker beleuchtet und konsequent durch die Polizei überwacht werden. Zudem sollen Basler Polizisten gemeinsam mit ausländischen Kollegen, etwa aus Frankreich oder Nigeria, auf Patrouille gehen, um ein besseres Verständnis von Tätern aus diesen Ländern zu erhalten.

Ullmanns Schwenk zur Sicherheitspolitik erfolgt auch, damit die Grünliberalen nicht «als die dastehen, die zum Thema Sicherheit nichts zu sagen haben», wie er freimütig einräumt. Und damit nicht der SVP das Feld überlassen werde. Ganz sicher fühlen sich die Grünliberalen in der Debatte aber nicht: Parteichef David Wüest-Rudin versuchte mit einer aus dem «Salon Bâle» zitierten Aussage, SP-Nationalrat Beat Jans in die Bredouille zu bringen – nur um tags darauf kleinlaut zurückzukrebsen. Man würde sich bei Jans entschuldigen, sollte aufgrund der Medienmitteilung ein falscher Eindruck entstanden sein.

Bisher wurden keine Kommentare zu diesem Artikel von der Redaktion hervorgehoben.

  1. Auch der noch!

    von Margot um 27.09.2012 um 11:05Uhr

    Ja, auf den Grün"liberalen" haben wir jetzt alle noch gewartet! Baut den Staat aus, mehr Polizisten, subito! Verbote durchsetzen! Gefängnis! --- Ein weiterer Beweis für die Unersetzlichkeit dieser Partei (wie hiess sie gleich?).
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  2. Das ist interessant!

    von Maya Eldorado um 27.09.2012 um 11:32Uhr

    Bem Artikel "Es reicht" hat sich Joel Thüring von der SVP gemeldet. Er bezeichnet sich als "national liberal".
    Hier lesen wir, dass Emmanuel Ullmann in der "grünliberalen" Partei ist.
    Beide sind "liberal". Liberal heisst Freiheit, also Freiheit des einzelnen Bürgers.
    Es soll mir mal jemand sagen was Freiheit mit Repression zu tun hat!
    Repression macht doch die Freiheit zunichte!
    Die beiden lügen!
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  3. Auch wenn ich es nur ungern anspreche...

    von René Reinhard um 27.09.2012 um 13:36Uhr

    aber eines muss man der SVP lassen: Beim thematisieren von irgendetwas, wenn auch meist in destruktiver Absicht, ist sie ist das "Zugpferd". Die Anderen "lahmen", wie Sancho Panzas Gaul, bloss hinterher.
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  4. Prävention und Handlung

    von martina bernasconi um 27.09.2012 um 15:33Uhr

    Das erstaunt nun wirklich: Der sicherheitspolitische Schwerpunkt des grünliberalen Regierungskandidaten Emmanuel Ullmann liegt laut Renato Beck in der Repression! Es ist DER Emmanuel Ullmann, der an vorderster Front (erfolgreich) gegen die Videoüberwachung in Basel-Stadt gekämpft hat (nicht unbedingt zu meiner Freude). Es ist DER Emmanuel Ullmann, der sich zur Zeit heftig gegen unseren Beitritt zum Hooligan-Konkordat wehrt. Weil es ihm zu repressiv ist. Weil er sich mit enormem Einsatz für die Einhaltung der Grundrechte eines jeden Menschen einsetzt.
    Was dann der Artikel-Abschluss bezwecken will, verstehe ich nicht. Wer wollte Nationalrat Jans in die Bredouille bringen? Jans äusserte sich im Salon Bâle missverständlich. Das konnte nicht unkommentiert stehen gelassen werden und die Grünliberalen wiesen darauf hin, dass jede Vergewaltigungen eine zuviel ist und es nicht angeht, Verbrechen gegeneinander auszuspielen.
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  5. Repression ist nicht Schwerpunkt

    von Emmanuel Ullmann um 27.09.2012 um 15:44Uhr

    Es ist nicht wahr, dass ich meinen Schwerpunkt auf Repression setze. Prävention und Repression sind wichtig. So habe ich im Interview betont, dass ich gegen das Hooligan-Konkordat, für eine Jugendbewilligung und gegen eine Videoüberwachung in der Altstadt bin. Davon steht aber in der Berichterstattung nichts.
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  6. Nicht hinterher "lahmen", sondern Paroli bieten!

    von David Wüest-Rudin um 27.09.2012 um 16:20Uhr

    Das finde ich wiederum interessant: Das Thema Sicherheit im öffentlichen Raum bewegt die Gemüter (natürlich auch wegen der Medienberichte), die Linke versucht fern von Realität und Bevölkerung abzuwiegeln, während die Rechte von der flächendeckenden Polizei- und Videoüberwachung bis zur Bewaffnung der Bevölkerung mit Pfefferspray alle unliberalen Law&Order-Repressionsinstrumente bringt, die möglich sind. Und nun, wenn die Grünliberalen einen praktikablen mittleren Weg und echte Lösungen zu realen Problemen vorschlagen, soll das "repressiv" sein. Dabei wehren und wehrten die Grünliberalen sich nachweislich für die Freiheit und gegen den Überwachunsstaat. Herr Reinhard hat recht, die SVP versteht es meisterlich, Anliegen der Bevölkerung aufzugreifen und untauglich-extremistisch umzusetzen. Dem muss man aber doch sachlich Paroli bieten, Relativieren und Abwiegeln durch Verweis auf spezifische Problemfelder wie häusliche Gewalt oder Rotlichtmilieu bringen in dem Moment nichts. Das ist in der Sache auch der Kern der zitierten Medienkommunikation von den Grünliberalen.
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  7. Das Lob...

    von Borislav um 27.09.2012 um 17:24Uhr

    Man kann die Parteien, die nicht auf diesen unsäglichen Sicherheits-Bullshit-Zug aufspringen, gar nicht fest genug loben. Das durch eine Tageszeitung künstlich herbeigeführte Gefühl der Unsicherheit ist das eine. Dass nun einige Parteien/Politiker unreflektiert mitmachen ist doch eher bedenklich...

    Die Hoffnung gilt dem Basler Stimmvolk, auf dass es zur Differenzierung fähig sein wird und dementsprechend keine Trittbrettfahrer auf irgendwelche Posten hieven wird.
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  8. Juhui! Noch mehr Schein!

    von H J Martens um 27.09.2012 um 17:30Uhr

    - Scheinprobleme
    - Scheindebatten
    - Scheinlösungen
    - Scheinpolitiker
    - Scheinfakten
    - Scheinparteien ...

    So verkommt auch noch der letzte Rest eines einst anständigen Liberalismus zu Neocon-Schei.. -benkleister, und das Grün der GLP entlarvt sich als SVP-Grün.
    Echt ist nur das Geschwurbel, echte Nebelkerzen!
    Wie wäre es zur Abwechslung mit echten Fragen um die echten Probleme ehrlich anzupacken?

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  9. Vier Politiker, ...

    von Inaktiver Nutzer um 27.09.2012 um 18:28Uhr

    fünf Meinungen.
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  10. Guten Abend Herr Martens

    von René Reinhard um 27.09.2012 um 20:44Uhr

    Was wären denn Ihrer Meinung nach "echte Fragen" und "echte Probleme"? Ich denke, meine wären nicht dieselben wie Ihre. Auch nicht bei den "Lösungen".

    Ich vermute nebstdem, dass "Politiker", ausser schwadronieren, nicht fähig sind, irgendetwas "ehrlich anzupacken".
    MfG.
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Informationen zum Artikel

27.9.2012, 10:56 Uhr

Ullmann schaltet sich in Sicherheitsdebatte ein

Text

Text:

  • 18.04.2013 um 16:27
    Zeit für Träume

    Unsere Uhrenindustrie macht aus Sehnsüchten Geld und erzielt Rekordumsätze. Wie kaum ein anderes Luxusgut stehen Schweizer Uhren für die Werte der guten alten Zeit.

  • 17.04.2013 um 16:28
    «Ich trage das kollegial mit»

    Der neue Basler Sicherheitsdirektor Baschi Dürr bestreitet seine ersten Dehnübungen. Als erklärter Gegner des Hooligan-Konkordats muss er nun den Beitrittsentscheid der Regierung vertreten. Das tut er auffällig widerwillig.

  • 17.04.2013 um 10:53
    Basler Regierung will beitreten

    Eher widerwillig tritt die Basler Regierung dem Hooligan-Konkordat bei. Dabei begründet sie, warum sie das Massnahmenpaket für falsch hält – nicht aber, wieso sie gleichwohl beitritt.

  • 10.05.2013 um 12:06
    Milch und Zucker
    Zum Artikel: Wir Heuchler!

    Ob der Kaffee wirklich besser ist, wenn er mit urbanem Bewusstsein angerührt und rotgrünem Verantwortungsgefühl abgeschmeckt wird? Ich für meinen Teil bevorzuge Milch und Zucker.

  • 31.01.2013 um 15:32
    Greiners Replik
    Zum Artikel: Basel = Apfel, Zürich = Birne

    Schön, Herr Greiner, dass Sie Zeit gefunden haben, Ihre Sicht der Dinge darzulegen. Trotzdem empfiehlt es sich, nochmals den Originaltext, also die Titelgeschichte zu lesen. Der Züri-Vergleich war gewagt, der Rest sollte einem aber genügend zu denken g...

  • 28.01.2013 um 19:14
    Einwände
    Zum Artikel: So haben wir gerechnet

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