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TagesWoche

Tages Woche

Mi, 22.05.2013

informatik 

21.9.2012, 00:01 Uhr

Der Lehrer als Depp

21.9.2012, 00:01 Uhr

Die Baselbieter Schulen haben ein erhebliches Computerproblem. Der Ärger ist gross – und Hilfe noch längst nicht in Sicht. Von Michael Rockenbach

Nils Fisch: Warten, warten, warten, warten, warten, warten, warten, warten, warten, warten, warten, warten, warten, warten: Computerunterricht in Baselbieter Schulen.

Warten, warten, warten, warten, warten, warten, warten, warten, warten, warten, warten, warten, warten, warten: Computerunterricht in Baselbieter Schulen. (Bild: Nils Fisch)

Wenigstens einen Vorwurf kann man der Baselbieter Politik nicht machen: Sie habe die Zeichen der Zeit nicht erkannt.

Bereits anno 1999 stellte die Regierung fest, dass auf die «Steinzeit», die «Eisenzeit» und alle anderen Epochen nun die «Informationsgesellschaft» folge. Besonders wichtig dabei: das Internet. Wissen werde immer, überall und sofort verfügbar sein und der ex­trem beschleunigte Datenaustausch die Welt zu einem globalen Dorf schrumpfen lassen. So nachzulesen in der Vorlage über die Einführung von Internet an Baselbieter Schulen im März 1999.

Seither ist die Welt tatsächlich zusammengerückt, zumindest was die Kommunikation anbelangt.

Die ganze Welt? Nein! Ein Stedtli und mit ihm ein ganzer Kanton scheint beim globalen Dorf aussen vor zu bleiben. Und trotz aller Voraussicht der weisen Regierung ist es – richtig: das Baselbiet.

Diesen Eindruck erweckt jedenfalls ein Rundschreiben der Sek Liestal an die «sehr geehrten Eltern» (der Einfachheit halber per Brief und nicht per Mail verschickt). Seit Monaten würden sich die Reklamationen über Schwierigkeiten beim Einsatz der Informatik im Unterricht häufen, heisst es darin. Es liege nicht an den Lehrern, wenn nur schon das Einloggen bis zu 20 Minuten benötige. Schuld daran seien vielmehr Serverabstürze, der Router mit seiner begrenzten Kapazität und die neuen Netzgeräte, die schon bei der Lieferung defekt gewesen seien. Die ­Informatikstelle des Kantons helfe aber so gut es gehe, obwohl auch bei ihr gespart werde, versichert die ­Schul­leitung. Insofern dürfe man auf «merkliche Verbesserungen» hoffen. «Freundliche Grüsse, Sekundarschule Liestal, Schulhaus Frenke».

Schockierte Eltern

So nett das Schreiben auch gemeint war: Freundlich gestimmt waren auch danach noch längst nicht alle. Bei Einzelnen ist sogar eher das Gegenteil der Fall. Die Eltern Christina Aenishänslin und Basil Künnecke zum Beispiel ­waren «schockiert», wie sie der Tages­Woche schrieben: «Es kann doch nicht sein, dass Ressourcen – Geld, Zeit, Freude – auf diese Art verschwendet werden! Jede private Firma würde solche Probleme innert Tagen lösen – sonst gäbe es sie bald nicht mehr.» Nun will sich die Familie auch beim Regierungsrat beschweren.

In der Schule hat man Verständnis für solche Ankündigungen. Weil sich die Lehrer auch selbst ärgern, wenn sie zum Beispiel wieder einmal eine interes­sante Powerpoint-Präsentation parat hätten, zwischen den Bildern aber immer ewig warten müssten.
Anstatt begeisterten «Ahs» und «Ohs» bekommen sie von ihren Schülerinnen und Schülern dann bald einmal nur noch blöde Sprüche zu hören. «In solchen Situationen steht man als Lehrer da wie ein Depp», ärgert sich Schulleiter Thomas Hostettler vom Frenke-Schulhaus. Unter diesen Voraussetzungen ist es auch kein Trost mehr, dass die Liestaler Sek nicht alleine ist. Andere Baselbieter Schulen haben ähnliche Probleme.

Das blieb – trotz ganz offensichtlich erschwerter Kommunikation im Kanton – auch der Bildungsdirektion unter Urs Wüthrich (SP) nicht verborgen. Auf Anfrage der TagesWoche hin kündigt sie nun gleich drei neue Informatikvorlagen zuhanden des Landrats an.
Die erste soll – ganz generell – eine IT-Strategie für die Schulen bringen, die zweite bessere Lösungen im Bereich der Schuladministration, die dritte die Einführung von Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) in der Primarschule. Details könne er noch nicht verraten, sagt Roland Plattner, Generalsekretär der Bildungs­direktion. Doch auch so ist klar: Die Vorlagen werden noch sehr viel zu reden geben.

Kein Geld

Nach längeren und eifrig geführten Debatten ist die flächendeckende Einführung von Computern an der Primarschule schon einmal gescheitert: 2008 im Landrat. Dagegen waren vor allem Freisinnige, SVPler und Grüne. Der PC würde den Unterricht an der Primar nur unnötig erschweren, sagten sie. Die Kinder sollten dort zuerst anständig Lesen, Schreiben und Rechnen lernen. Solche Aussagen werden wahrscheinlich auch beim zweiten Versuch der Regierung zu hören sein.

Den Ausschlag geben könnte diesmal aber noch ein ganz anderes Ar­gument: das Geld, das dem maroden Kanton fehlt. Diese Befürchtung hat auch Christoph Straumann, Präsident des Lehrerinnen- und Lehrervereins Baselland (LVB). «In Anbetracht der aktuellen Finanzpolitik in unserem Kanton scheint es leider fraglich, ob die ­eigentlich sinnvollen Pläne der Bildungsdirektion je umgesetzt werden können», sagt er.

Klingt nicht eben, als würde bald auch das Baselbiet zum globalen Dorf gehören.

Bisher wurden keine Kommentare zu diesem Artikel von der Redaktion hervorgehoben.

  1. Gut, wenn wenigstens die Computer streiken...

    von H J Martens um 22.09.2012 um 14:15Uhr

    Nämlich ist es gefährlich, Powerpoint im Unterricht anzuwenden. Siehe z.B. www.uni-rostock.de/detailseite/news-artikel/professor-warnt-vor-power-point-praesentation/
    Powerpoint ist wunderbar und praktisch, wenn es darum geht, reine Fakten darzustellen wie z.B. Betriebsergebnisse oder Organisationsstrukturen.
    Aber das selbstständige Denken wird begrenzt wenn nicht gar unterdrückt. Es ist sehr leicht, mit dieser einprägsamen Grafik das Publikum zu blenden. (Das habe ich natürlich auch gemacht, wenngleich nicht in böser Absicht) Komplexe Zusammenhänge können gar nicht dargestellt werden, sie werden allzu oft in unzulässiger Weise reduziert: Das perfekte Medium zur Manipulation! Man kann Schlagworte in die Köpfe eintrichtern und diese einpauken. Ja, der Lehrer kann allzu leicht zum Pauker verkommen. Ich denke, wir sollten aber die Kinder zum Denken erziehen, sodass sie die Komplexität realer Zusammenhänge wahrnehmen können und nicht glauben, alle Probleme hätten eine einzige Lösung, wie uns die Populisten andauernd glauben machen wollen. Powerpoint reduziert das Denken auf vereinfachte Bilder. Denken braucht aber die Sprache in allen Feinheiten und Schattierungen.

    PS.
    Damit sei nichts dagegen gesagt, dass die Schule Computer anwendet, sie sind ein Teil unserer Kultur. Schade, dass sie dann so stümperhaft gewartet werden.
    Direktlink zum Kommentar

  2. Das kommt davon...

    von MSuess um 21.11.2012 um 12:08Uhr

    ... wenn man sich durch Steuergeschenke an Wohlhabende zu Tode spart! Selbst schuld, Baselland!
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Informationen zum Artikel

21.9.2012, 00:01 Uhr

Der Lehrer als Depp

Text

Text:

  • 20.05.2013 um 20:30
    Gegen die Latte

    Der FC Basel verliert einen harzigen Cupfinal nach Penaltyschiessen und hat die erste Chance auf einen Titel in dieser grossartigen Saison vertan. Beklagen muss sich der FCB nicht: GC war über weite Strecken die gefährlichere Mannschaft.

  • 20.05.2013 um 15:08
    Grasshoppers gewinnen im Elfmeterschiessen

    Der FC Basel ist wieder im Cupfinal. Und wie vor einem Jahr fällt die Entscheidung im Elfmeterschiessen. Und doch ist diesmal alles anders. Am Schluss jubeln die anderen.

  • 18.05.2013 um 09:45
    So sind sie wunderbar, die Politiker

    Die offiziellen Wahlplakate sind derart langweilig, dass sie dem einen oder anderen physisch wehtun. Zum Glück gibts aber nun eine Alternative – dank unseren Lesern.

  • 13.05.2013 um 14:46
    Werter Guschti Goldknopf
    Zum Artikel: Dreist, dieser Sonnenbrillenraub – aber kaum sehr schlau

    Danke für die interessante Meinungsäusserung. Ich persönlich bin der Ansicht, dass wir auch in den vergangenen Tagen einige interessante Berichte und Reportagen zu politisch, gesellschaftlich und kulturell relevanten Themen hatten. Und auch aus dem Ber...

  • 01.05.2013 um 13:44
    Zu leicht?
    Zum Artikel: Angriff auf die UBS und ihre Lohnpolitik

    Liebe Frau Känzig. Eine sehr berechtigte Frage. Für eine Revolution wird es jedenfalls nicht reichen - bei weitem nicht. Aber vielleicht für eine interessante Diskussion?

  • 14.04.2013 um 10:15
    «Ungenügend»
    Zum Artikel: Weg mit euch Versagern! Oder doch nicht?

    Liebe Frau Bühlmann. Danke für den Tipp. Ich werde die Studie gerne auf der Rückseite des Artikels anhängen. Sehr passend zum Thema (Bewerten, Abwerten, was ist in dieser Beziehung sinnvoll und gerechtfertigt, was eher nicht?) scheint mir übrigens auch...

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