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TagesWoche

Tages Woche

Di, 21.05.2013

Fussball, Bundesliga 

17.9.2012, 16:14 Uhr

Aufgewacht in einem Albtraum

17.9.2012, 16:14 Uhr

Die Sorgen, Nöte und das bisschen Hoffnung von Thorsten Fink als Trainer des mit drei Niederlagen in die Saison gestarteten Hamburger SV. Von Roland Zorn

Schwere Zeiten: Thorsten Fink schleicht aus der Frankfurter Arena.

Schwere Zeiten: Thorsten Fink schleicht aus der Frankfurter Arena. (Bild: Reuters/KAI PFAFFENBACH)

Auf die Tribüne verbannt: Weil HSV-Trainer Thorsten Fink (hinten) dem Schiedsrichter die Meinung geigte, coachte Patrick Rahmen (im Vordergrund) am Ende der Partie.

Auf die Tribüne verbannt: Weil HSV-Trainer Thorsten Fink (hinten) dem Schiedsrichter die Meinung geigte, coachte Patrick Rahmen (im Vordergrund) am Ende der Partie. (Bild: Reuters/KAI PFAFFENBACH)

Entweder Rafael van der Vaart führt den HSV zum Turnaround – oder es wird eng für  Thorsten Fink.

Entweder Rafael van der Vaart führt den HSV zum Turnaround – oder es wird eng für Thorsten Fink. (Bild: Keystone/Michael Probst)

Hoffnungsträger: Rafael van der Vaart (hier gegen Olivier Occean und Stefan Aigner)gehörte zu den besseren Hamburgern bei der 2:3-Niederlage in Frankfurt.

Hoffnungsträger: Rafael van der Vaart (hier gegen Olivier Occean und Stefan Aigner)gehörte zu den besseren Hamburgern bei der 2:3-Niederlage in Frankfurt. (Bild: Reuters/KAI PFAFFENBACH)

Da staunt der Rückkehrer: Rafael van der Vaart fühlte sich zunächst wie im falschen Film.

Da staunt der Rückkehrer: Rafael van der Vaart fühlte sich zunächst wie im falschen Film. (Bild: Reuters/KAI PFAFFENBACH)

Er stimmte die Mannschaft im Kollegenkreis vor dem Spiel ein, er ordnete von der ersten Minute an das Spiel, zuerst aus dem Zentrum des offensiven, später aus der Zentrale des defensiven Mittelfeldspiels, er führte sämtliche Freistösse aus, er gab die Kommandos, und er war nach seinem Wiederbeginn beim Hamburger SV noch heiserer als sonst.

Rafael van der Vaart hatte bei der 2:3-Niederlage des HSV beim nun dreimal nacheinander siegreichen Bundesliga-Rückkehrer Eintracht Frankfurt eine Berg- und Talfahrt der Gefühle durchgemacht. Am Ende standen die Norddeutschen wie schon nach den beiden ersten Spielen dieser Saison mit leeren Händen da. Tabellensiebzehnter, Abstiegsplatz: Das ist die Hamburger Realität, die dem 29 Jahre alten holländischen Rückkehrer auf Anhieb vor Augen geführt wurde.

Eine Abwehr, die zum Toreschiessen einlädt, eine Sturmspitze (Rudnevs), die nicht sticht und ein Mittelfeld, das mit van der Vaart und seinen beiden anderen zuletzt geholten Kompagnons Milan Badelj und Petr Jiracek eine neue Qualitätsoffensive verheisst: Das ist die brüchige Basis, von der aus der ruhmreiche Club aus Deutschlands zweitgrösster Stadt seine mühsame Klettertour zurück in gesicherte Tabellengefilde antreten muss.

Van der Vaart hatte den ersten Rückschlag seiner Lotsenmission so erlebt: «Ich bin sehr sauer und geknickt. Diese Pleite war völlig unnötig. Die ersten zwanzig Minuten waren ja ein regelrechter Albtraum.»

Fink und der arrogante Bayer

Inui (13. Minute) und Occean (18.) nutzten am späten Sonntagnachmittag die Schlafphase der HSV-Defensive mit ihren Toren zur 2:0-Führung der Hessen aus, ehe die Mannschaft von Trainer Thorsten Fink zurückschlug, aber beste Gelegenheiten ausliess. Son, Rudnevs, später noch Diekmeier scheiterten allein vor Kevin Trapp am Frankfurter Torwart. Westermann machte es besser, als er in der 45. Minute nach einem Eckball van der Vaarts das 1:2 erzielte.

Doch der Albtraum des Rafael van der Vaart setzte sich fort, weil Sekunden später Jiracek mit offener Sohle Zambrano abgrätschte und dafür die Rote Karte sah. Ein Platzverweis, der Fink derartig ärgerte, dass er dem Unparteiischen aus Ergolding ein paar unfreundliche Worte im Kabinengang auf den Kopf zu sagte. Dabei soll die Bemerkung «arroganter Bayer» gefallen sein.

Fink meinte nach Spielschluss, nachdem zwischenzeitlich Aigner auf 3:1 für Frankfurt (52.) erhöht und Son nach van der Vaarts präziser Vorlage auf 2:3 (63.) verkürzt hatte: «Ich habe dem Schiedsrichter bei Halbzeit nur freundlich gesagt, dass wir mit ihm noch kein Spiel gewonnen haben.»

So schlecht wie seit 40 Jahren nicht

Verloren aber hatte der HSV diesmal nicht wegen Stark, sondern wegen seiner Schwäche in der Verteidigungszone. Und so steht er vor den kommenden schweren Bewährungsproben gegen Meister Borussia Dortmund, bei Borussia Mönchengladbach und gegen Hannover 96 tabellarisch so schlecht da wie seit vierzig Jahren nicht.

Die Eintracht dagegen feierte als vorläufiger Tabellenzweiter einen Saisonstart, den sie so ähnlich nur in der Saison 1966/67 erlebt hat. Sie erinnerte in ihrer unter dem früheren HSV-Trainer Armin Veh wiederentdeckten Spiellust an beste Zeiten; der Bundesliga-Dino dagegen will sich erst gar nicht damit anfreunden, zu den Kellerkindern erster Klasse gerechnet zu werden.

Van der Vaart soll einen ganzen Verein aufrichten

Und so klammerten sich die nach einer bewegenden, aufregenden Auseinandersetzung in Unterzahl knapp besiegten Hamburger an das Prinzip Hoffnung, an die in Frankfurt zu spät wiederentdeckte «Moral», die Fink pries, und an van der Vaart, der eine ganze Mannschaft und einen ganzen Verein aufrichten soll.

Sportchef Frank Arnesen, vor kurzem noch im Mittelpunkt der Kritik ob seiner Personalplanung, sah seinen Klub trotz des 2:3 in der mit 51’500 Zuschauern ausverkauften Frankfurter Arena «drei Schritte weiter». Warum? «In den letzten vierzehn Monaten habe ich das Training nicht auf einem so hohen Niveau gesehen. Jetzt müssen wir es im Spiel umsetzen.»

Mit einem Holländer vorneweg, der das Signal zum Aufbruch setzen soll. «Er ist ein Junge», lobte Trainer Fink seinen für 13 Millionen Euro von Tottenham Hotspur zurückgeholten Anführer, «der sich nicht so wichtig nimmt. Wie er gefightet hat, wie viele Bälle er sich (in seiner defensiveren Rolle) geholt hat, zeigt, dass er total fit ist.»

«Wir haben weiten Weg vor uns»

Wäre das auch schon die gesamte Mannschaft, die Hamburger müssten sich keine Sorgen um ihren HSV machen. So aber mahnte Rafael van der Vaart, der dem HSV in seinen ersten drei Hamburger Jahren zwischen 2005 und 2008 neuen Glanz gab, zur raschen Umkehr hin zu mehr hanseatisch solider Fussballkunst. «Wir haben», sagte er, «noch einen weiten Weg vor uns. Wenn wir gegen Dortmund so wie hier in den ersten zwanzig Minuten spielen, kriegen wir gleich drei Tore.»

Das wäre der nächste Albtraum für einen Fussballstar, der in seiner Lieblingsstadt Hamburg auch mal wieder gut schlafen und ausgeruht bei der Arbeit sein will.

 
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Bisher wurden keine Kommentare zu diesem Artikel von der Redaktion hervorgehoben.

  1. wer den Rappen nicht ehrt, ist den Euro nicht wert

    von Livio Fazio um 17.09.2012 um 18:32Uhr

    irgendwie gönne ich es ihm!
    Direktlink zum Kommentar

  2. Senkrechtstarter aus Basel, in Hamburg auf dem Bauch gelandet

    von Kulturbetrachter Basel um 18.09.2012 um 00:18Uhr

    Seine Mannschaft, sein Problem. Er wollte ums Verrecken einen Trainerjob in der Bundesliga, statt sich "in der Provinz" länger aufzuhalten.
    Mitleid? NÖ!
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  3. Van der Vaart'sche Vertragsklauseln

    von Julian Kamasa um 18.09.2012 um 00:59Uhr

    Hat Rafael Van der Vaart einen Vertrag für die 2. Bundesliga?
    Direktlink zum Kommentar

  4. Albtraum

    von Pippilotta um 18.09.2012 um 11:08Uhr

    Nun so ging es mir letztes Jahr Ende September auch, ich dachte, dass darf doch alles nicht wahr sein, Thorsten Fink der immer in Basel "seinen Juings" gepredigt hat, nicht den erstbesten Verein im Ausland zu wählen, nahm sich selber als Beispiel den allerletzten Verein in Deutschland um bei ihm den Retter zu geben. Bei einem Verein an dem schon ganz andere Kaliber gescheitert sind und werden, weil sich die Vorstandsetage eben nicht zu schade ist, sich selber zu loben und die Mannschaft regelmässig zu demolieren. Und wo treue Fans ins Grauen geführt werden. Aber Hauptsache man hat eine Uhr die seit 50 Jahren eine Zugehörigkeit in einer Liga anzeigt. Das man damit nichts kaufen kann, ist ja egal. Aber dann hat man noch die "Kühne" Vorstellung man könne mal mit dem einen Spieler seiner Wünsche einen ganzen Verein retten und irgendwie wird doch schon alles besser werden, das ist mir seit Jahren suspekt was dort in Hamburg läuft. Da gibt es verdiente und treue Spieler wie ein Jarolim, einen existierenden soliden Torhüter der nichts zusätzliches kostet aber nein es muss gekauft werden auf Teufel komm raus. Oder besser zu Ungunsten der Frauen Profi Mannschaft beim HSV. Peinlichere Argumente findet man kaum um Geld zu verschieben. Wäre Thorsten Fink mal nur geduldig gewesen und hätte bis Frühling hier weitergemacht, wer weiss zwar ob Basel im 1/8 Finale hätte teilnehmen können. Aber Fink wäre wohl DER Trainer geworden der den FC Basel als erstes in der Vereinsgeschichte zum Triple Titel geführt hätte. Im ganzen Ausland hätte man sich um ihn gerissen und er hätte wohl unter diesen Umständen auch selbstverständlich seine Basler Jungs in seinem neuen Verein integrieren können und das problemlos und ohne das man ihm das gross vorgeworfen hätte. Aber eben mir kommt Thorsten Fink vor wie Peter Pan, der HSV wie Kapitän Cook und über allem zirkuliert ein grosses Krokodil in dessen Magen eine hörbare Tiktak tickt unaufhörlich und unerbitterlich
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Informationen zum Artikel

17.9.2012, 16:14 Uhr

Aufgewacht in einem Albtraum

Text

Text: Roland Zorn

  • 16.05.2013 um 12:13
    Die ganze Härte des Fussballs

    Nach dem 2:1-Sieg von Chelsea gegen Benfica im Final der Europa League: In Lissabon weinen sie seit Mittwochabend bittere Tränen. In London dagegen muss ein Trainer bald seinen Arbeitsplatz verlassen, der seinen Job mit beharrlicher Arbeit erledigt.

  • 09.05.2013 um 21:00
    Thomas Bach tritt aus dem Schatten

    Während seine potentiellen Rivalen noch nachdenken, macht Thomas Bach den ersten Stich: Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes will an die Spitze des Internationalen Olympischen Komitees.

  • 02.05.2013 um 18:32
    Zwischen Glücksrausch und Fieberwahn

    Dortmund, Bayern, Götze – und immer wieder Hoeness: Das erste innerdeutsche Endspiel der Champions League könnte mit dem Ende der Patrons in der Bundesliga einhergehen.

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