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TagesWoche

Tages Woche

Mo, 20.05.2013

Verschollener Speedflyer 

19.9.2012, 10:31 Uhr

«Dan lebt!»

19.9.2012, 10:31 Uhr

Ein britischer Extremsportler ging am Samstag beim Speedflying auf dem Jungfraujoch verschollen. Seine Freunde sammelten via Facebook rund 25 000 Franken und dokumentierten die Suche live auf der Social-Media-Plattform. Von Amir Mustedanagić

Facebook.com/finddanhunt: Gerettet: Dan Hunt war knapp drei Tag in einer Schlucht im Lauterbrunnental gefangen.

Gerettet: Dan Hunt war knapp drei Tag in einer Schlucht im Lauterbrunnental gefangen. (Bild: Facebook.com/finddanhunt)

Die erlösende Statusmeldung kam kurz nach 13 Uhr am Dienstag: «SIE HABEN DAN GEFUNDEN!!! Er lebt, läuft und lacht.»

Es ist der emotionale Höhepunkt eines viertägigen Albtraums. Dan Hunt, ein Extremsportler aus London, war am Samstag mit zwei Freunden vom Jungfraujoch zu einer Speedflying-Tour nach Lauterbrunnen aufgebrochen. Doch der 33-jährige Engländer kam nicht im Tal an. Seine Freunde alarmierten die Rettungskräfte. Es war der Beginn eines viertägigen Albtraums für die Freunde von Hunt.

Die erste Suche am Samstag und in der Nacht auf Sonntag blieb erfolglos. Und dann war das Geld der Versicherung aufgebraucht. Die Familie finanzierte die nächste Suche, aber es fehlte weiterhin Geld. Seine Freunde richteten eine Seite auf Facebook ein und riefen unter «Find Dan Hunt» zum Spenden und Mithelfen auf.

Noch am selben Tag gingen die ersten Spenden ein: «Thank you all for your donations so far.» Gleichzeitig machten sich Freiwillige auf in die Schweiz um den 33-Jährigen in den Bergen zu suchen. «We just got news from Tim, it's been about 30 hours since Dan went missing. We now have about 5 volunteers from the UK so far to continue the search.»

Ein Krimi

Die folgenden Statusmeldungen auf der Facebook-Seite lesen sich wie ein viertägiger Krimi. Bitten um Hilfe («We need volunteers - mountaineers, hikers, people of general good fitness to come out and help with the search.»), wechseln sich mit Einträgen der Hoffnung ab («Please everyone pray for good news...»).

25 000 Franken, sechs Helikopter-Flüge und ein viertägiger Effort der offiziellen und freiwilligen Rettungskräfte später machten sich die ersten Gerüchte auf der Facebookseite breit, dann der erlösende Moment: «Es ist bestätigt: Dan lebt!»

«Ich danke allen von Herzen»

Ein Freund konnte den 33-Jährigen am Fuss einer Schlucht orten und alarmierte die Rettungskräfte. Unterkühlt, am Knöchel verletzt, aber sonst gesund wurde er geborgen und zur Kontrolle ins Spital geflogen. Ob eine solche Aktion später noch möglich gewesen wäre, ist fraglich, denn für die Region ist ein Wetterumschwung vorhergesagt. «Wir sind alle ausser uns, erleichtert und überglücklich», sagte seine Freundin Nadia gegenüber dem «London Evening Standard». «Der Albtraum ist endlich vorbei. Ich habe nie aufgehört zu glauben, dass er es schafft. Er ist so ein Kämpfer.»

Der erfahrene Alpinist und Exremsportler Hunt selbst gab nach seiner Rettung der Polizei zu Protokoll, dass er die Helikopter mindestens 15 Mal gesehen habe, sie ihn aber nicht. Mit Holzstücken habe er SOS auf den Boden geschrieben. Vom Rettungshelikopter aus sei ihm dann bewusst geworden, warum ihn die Piloten in der Schlucht nicht entdecken konnten. «Ich bin so dankbar und berührt von all der Hilfe – ich danke allen von ganzem Herzen», liess Hunt nach seiner Rückkehr nach England an alle Helfer ausrichten.

Lisa Carnie, die die Spendensammlung und den Freiwilligen-Einsatz organisierte, sprach nach der Rettung von Dan von einem «Happy-End 2.0»: «Ohne soziale Medien hätten wir nie den Zugang zu den riesigen Ressourcen gehabt, die wir benötigten, um ihn zu finden.»

  1. richtig ...

    von Madeleine Grossmann am 19.09.2012 um 16:14Uhr

    ... das mit dem aufgebrauchten Versicherungsgeld ist ein kompletter Schwachsinn. Wenn in der Schweiz jemand vermisst wird, in diesem Fall ein Alpinist o.ä., wird gesucht, bis keine Aussicht auf Rettung mehr besteht.

    Direktlink zum Kommentar

  2. TagesWoche Redaktion

    Antwort: Keine Aussicht auf Rettung

    von Amir Mustedanagic am 20.09.2012 um 09:59Uhr

    Sie haben Recht, Frau Grossmann. Natürlich stellt niemand die Rettung einfach so ein - in der ersten Phase. Wenn die Rettungskräfte allerdings - wie im Fall von Dan Hunt - eine derart aufwendige Suche organisieren, die ohne Erfolg bleibt, stellt sich die Frage, wer für die Verlängerung des Einsatzes aufkommt. Wie mir die Kantonspolizei Bern auf Anfrage mitgeteilt hat, gilt das Verursacherprinzip. Die Polizei verrechnet für ihren Einsatz nichts, allerdings waren zahlreiche andere - unter anderem private - Rettungskräfte/-Unternehmen im Einsatz. Gerade die Suchflüge der Helikopter muss am Ende jemand bezahlen. Angesichts der Tatsache, dass Hunt ein Extremsportler und ein ausländischer Staatsangehöriger ohne Versicherung in der Schweiz ist und seine Versicherung die Zahlungen eingestellt hatte, mussten die Angehörigen von Dan Hunt eigenes Geld in die Hand nehmen - oder eben Spenden sammeln.
    Direktlink zum Kommentar

  1. Verschwörungstheoretiker....

    von Kulturbetrachter Basel um 19.09.2012 um 14:46Uhr

    würden jetzt denken, dass D.B. mit M.Z. auf Facebook befreundet ist, sich selbst mit einem Hammer auf den Knöchel haute, danach kontrolliert und gutplatziert abstürzte um hinterher zu beweisen, wie toll dieses Sozialnetzwerk funktioniert. Danach steigt der Kurs der Aktie und den Gewinn aus Verkäufen teilen sich die beiden Sozialnetzwerker.
    Aber sowas würde ja niemand wirklich denken......
    So freut man sich, dass die sozialen Netzwerke wunderbar auch im realen Leben funktionieren und so viele Spender ihr Schärflein dazu beitrugen.

    Was mir nicht einleuchtet ist, dass eine Suche eingestellt wird, weil das Geld der Versicherung aufgebraucht ist. Ich kann mir das in der Schweiz nicht vorstellen, dass die Suchtupps aufhören, weil kein Geld mehr da ist.

    Aber vielleicht habe ich auch den Bericht nicht verstanden.

    Hauptsache er lebt!
    Direktlink zum Kommentar

  2. richtig ...

    von Madeleine Grossmann um 19.09.2012 um 16:14Uhr

    ... das mit dem aufgebrauchten Versicherungsgeld ist ein kompletter Schwachsinn. Wenn in der Schweiz jemand vermisst wird, in diesem Fall ein Alpinist o.ä., wird gesucht, bis keine Aussicht auf Rettung mehr besteht.

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  3. TagesWoche Redaktion

    Antwort: Keine Aussicht auf Rettung

    von Amir Mustedanagic um 20.09.2012 um 09:59Uhr

    Sie haben Recht, Frau Grossmann. Natürlich stellt niemand die Rettung einfach so ein - in der ersten Phase. Wenn die Rettungskräfte allerdings - wie im Fall von Dan Hunt - eine derart aufwendige Suche organisieren, die ohne Erfolg bleibt, stellt sich die Frage, wer für die Verlängerung des Einsatzes aufkommt. Wie mir die Kantonspolizei Bern auf Anfrage mitgeteilt hat, gilt das Verursacherprinzip. Die Polizei verrechnet für ihren Einsatz nichts, allerdings waren zahlreiche andere - unter anderem private - Rettungskräfte/-Unternehmen im Einsatz. Gerade die Suchflüge der Helikopter muss am Ende jemand bezahlen. Angesichts der Tatsache, dass Hunt ein Extremsportler und ein ausländischer Staatsangehöriger ohne Versicherung in der Schweiz ist und seine Versicherung die Zahlungen eingestellt hatte, mussten die Angehörigen von Dan Hunt eigenes Geld in die Hand nehmen - oder eben Spenden sammeln.
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Informationen zum Artikel

19.9.2012, 10:31 Uhr

«Dan lebt!»

Text

Text:

  • 16.05.2013 um 15:45
    Total neutral

    Der Sutter Begg hat neue Becher. Wer sie sieht, wünscht sich die alten zurück – auch wenn sich über deren Gestaltung streiten lässt.

  • 14.05.2013 um 05:00
    Die 300'000 Werke bleiben im Museum

    Von den rund 150 Angestellten des Kunstmuseums Basel sind knapp 30 von der Schliessung betroffen. Sie sollen teilweise in anderen Museen untergebracht werden. Entgegen bisherigen Medienberichten sollen die Kunstwerke während des Umbaus im Museum bleiben.

  • 09.05.2013 um 12:20
    Die Arbeit in der Schweiz, das Geld in der Heimat

    Bulgarische Migranten schickten 2011 eine Milliarde Dollar in die Heimat. Ohne die finanzielle Unterstützung aus dem Ausland wäre ein Leben für viele Bulgaren kaum finanzierbar, sagt Sophie Dimitrova. Sie hilft mit ihrem Schweizer Lohn den Eltern in Bulgarien.

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