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TagesWoche

Tages Woche

Mo, 20.05.2013

Konzert 

20.9.2012, 09:49 Uhr

Nina Hagen schlägt mit Jesus um sich

20.9.2012, 09:49 Uhr

Nina Hagen, die Grand Dame des deutschen Punk, lud ins Grand Casino Basel ein. Und präsentierte in der Amüsierhölle ihr gottgefälliges Werk. Von Cédric Russo

Immer noch auf dem Jesus-Trip: Nina Hagen, die Grande Dame des Punk.

Immer noch auf dem Jesus-Trip: Nina Hagen, die Grande Dame des Punk. (Bild: Muriel Steiner)

Immer noch auf dem Jesus-Trip: Nina Hagen, die Grande Dame des Punk.

Immer noch auf dem Jesus-Trip: Nina Hagen, die Grande Dame des Punk. (Bild: Muriel Steiner)

Immer noch auf dem Jesus-Trip: Nina Hagen, die Grande Dame des Punk.

Immer noch auf dem Jesus-Trip: Nina Hagen, die Grande Dame des Punk. (Bild: Muriel Steiner)

Immer noch auf dem Jesus-Trip: Nina Hagen, die Grande Dame des Punk.

Immer noch auf dem Jesus-Trip: Nina Hagen, die Grande Dame des Punk. (Bild: Muriel Steiner)

Das Wichtigste gleich vornweg: Nina Hagen ist immer noch auf ihrem Jesus-Trip. Mit akustischer Gitarre in der Hand und der Bibel im Kopf singt sie das «süsse Lied der Errettung» und vom «himmlischen Vater, der ihr Gebet erhören soll». Auch zweifelhafte Lieder wie «We shall overcome» und «Rivers of Babylon» werden von Frau Hagen und ihrer vierköpfigen Männerband dem Publikum um die Ohren gehauen.

Die Punk-Missionarin

Wenn man die Augen schliesst und Nina Hagens imposante Erscheinung mit viel Schminke und wildem Haarschopf ausblendet, könnte man meinen, man sei im Gottesdienst einer schwarzen Gemeinde in Amerika gelandet, wo man sich mittels Gospel dem «Lord» näherbringt. Aber eigentlich spielen Hagen und Band doch eher gute alte Countrymusik mit Jesuseinschlag. Oder nein, oft klingt es auch, wenn die Gitarristen mal doch zur elektrischen Gitarre greifen, nach Christenrock. Ach, jedenfalls geht es an diesem Abend sehr «holy» zu und her.

Zwischen den Liedern hat Frau Hagen aber auch was zu sagen. So klagt sie gegen die menschenunwürdigen Zustände in deutschen Flüchtlingsheimen und macht auf kommende Demonstrationen auf der ganzen Welt aufmerksam. Fan scheint sie, neben Jesus, von zwei bereits toten Herren zu sein: Aus Martin Luther Kings Buch rezitiert sie mit Vorliebe, und auch Bertolt Brecht, so sagt sie, habe als seine Lieblingslektüre, und das musste ja kommen, die Bibel angegeben.

Nina spielt keine alten Songs

Einen Brecht-Text gibt Nina Hagen auch musikalisch zum Besten. Nur mit Klavierbegleitung. Und das steht ihr gut. Diese klassische Klaviermelodie in Kombination mit Ninas Hang zur theatralischen Schaustellerei lassen einen Bilder von Stummfilmen aus dem jungen 20. Jahrhundert sehen. 

Die ganzen zwei Stunden hindurch hört man immer wieder eine Frau aus dem Publikum rufen: «Nina, spiel einen alten Song!» Oh ja, bitte, Frau Hagen, tun sie das. Tut sie aber nicht. Wahrscheinlich weiss die Exzentrikerin aus leidvoller Erfahrung, dass wenn sie dieser Bitte nachkäme, ein Chor von Wünschen alter Songs anschwellen würde. Und damit wäre ein Teufelskreis losgetreten, aus dem nicht einmal mehr der liebe Gott seine Anhängerin befreien könnte.

Bisher wurden keine Kommentare zu diesem Artikel von der Redaktion hervorgehoben.

  1. Oh ja, bitte, Nina sing' was du willst!

    von René Reinhard um 20.09.2012 um 15:25Uhr

    Es ist geht ganz sicher immer noch harmloser zu und her, wenn Frau Hagen ihr "gottgefälliges Werk" in einer Amüsierhölle präsentiert, als wenn frei- und andere kirchliche Fundamentalisten einem an der Haus-, beziehungsweise der Wohnungstüre, ungefragt gleich die ewige Verdammnis androhen.
    Direktlink zum Kommentar

  2. Nina Hagen ist ein Paradiesvogel

    von Yo Xarek um 21.09.2012 um 06:11Uhr

    Nina Hagen ist und bleibt ein Paradiesvogel.
    Das Konzert am 19.09.2012 im Grand Casino, Basel hat uns wieder einmal gezeigt wie nahe die Dame zu ihr Publikum steht.
    Ob sei es im Fernsehen oder live, dürfen wir seit Beginn ihre Karriere immer an ihrer Spirituelle Entwicklung teilnehmen. Sie ist offen und sagt ihre Meinung wie sie es gerade empfindet und das ist gut so.
    Wenn man ein wenig Nina Hagen kennt sollte man nicht überrascht sein das sie von Gott und Jesus singt. Als kleines Kind zeigte sie schon immer ein grosses Interesse an die Spirituelle Welt.
    Auf das 1978 erschienene Album „Nina Hagen Band“ gab es Andeutungen an Jesus und das Glauben (Auf’m Friedhof) und 1982 mit dem Lied „Lorelei“ das zu „Angstlos“ CD gehört oder 1985 wo sie sogar das Gebet „Vater unser“ mit der Musik von Aram Khachaturian (Sabre Dance) verkuppelt hat. Nina hat immer nach eine höhere Macht (nennen sie es Gott oder sonst wie sie wollen) gesucht, deswegen ist sie auch nach Indien geflogen und hat durch verschiedene Mantras (CD „Om Namah Shivay“, 2002) mit uns ihre Spirituelle Entwicklung geteilt. Den heutigen Gospel Weg der sie gewählt hat ist auch nichts Neues weil sie schon in 1989 den Song „Hold Me“ von Mahalia Jackson gecovert hat.
    Was sie versucht uns mitzuteilen ist nicht das die Religion wichtig ist sondern das Glauben und sie schreckt nicht davon in aller Freiheit über alles zu sprechen wie auf ihre letzte CD „Volks Beat“ das Lied: Menschen sind Kompatibel (Koran, Thora oder Bibel, das Thema ist hochsensibel).
    Bei jedem Hagen Konzert muss sie ihre Erfahrungen und Entdeckungen mit ihrem Publikum teilen, sei es ein Buch, eine Friedens Demonstration oder eine schon lange vergessene Sängerin wie zum Beispiel Sister Rosetta Tharpe, die Gitarre spielte und natürlich auch Gospel Lieder sang in den 40ger und 50ger Jahren.
    Es ist keine leichte Sache an einem Nina Hagen Konzert zugehen, jedes Mal ist sie eine Stufe weiter in ihre Entwicklung und durch ihre Spontaneität und Improvisationstalent ist es nicht immer klar sie in ihre Wege zu verfolgen. So viel Stars sitzen auf ihr Ruhm und spielen nur ihre alten Hits auf der Bühne, Nina geht immer das Risiko ein und spielt immer das neuste was sie gerade drauf hat und steckt noch viele Cover Versionen von Künstler die sie mag weil „Wir die gehören zu Familie“ wie sie sagt.
    Die Fans die bei Konzerten nach alte Songs schreien sind leider in der Vergangenheit geblieben, können aber als Trost Nina auf CD hören was immer gut für die Ohren und das Herz ist.
    Nina Hagen ist ein Paradiesvogel, ihre Bühne ist die Welt, ihre Mission ist Frieden, Freiheit und Glauben mitzuteilen. Und das macht sie auf ihre ganz persönliche Art.
    Yo-Xarek WOLTER, sept.2012
    Direktlink zum Kommentar

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Informationen zum Artikel

20.9.2012, 09:49 Uhr

Nina Hagen schlägt mit Jesus um sich

Text

Text:

  • 05.11.2012 um 16:49
    Der alte Schockrocker und das Soulmädchen

    Eine seltsame Kombination: Am Sonntag sangen Alice Cooper und Stefanie Heinzmann an der AVO Session Basel. Während das Walliser Stimmwunder auf gute Laune setzte, bot der Prinz des Horrors eine theatralische Geisterbahnfahrt.

  • 12.10.2012 um 00:01
    Basels Unterwelt

    Versorgungstunnels, Schutzräume, ein unterirdisches Spital: Direkt unter unseren Füssen versteckt sich eine geheimnisvolle, dunkle Welt, die nur wenige je zu Gesicht bekommen.

  • 27.09.2012 um 15:07
    Affen dürfen an die frische Luft

    Der Zolli Basel eröffnet am Freitag das neue Freiluftgehege der Affen. Die Geigy-Anlage bietet für unseren nächsten Verwandten Spannung, Spiel, und vielerlei Überraschungen.

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