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TagesWoche

Tages Woche

Mi, 22.05.2013

Immobilien Basel-Stadt 

14.9.2012, 00:01 Uhr

Immer wieder mal was Neues

14.9.2012, 00:01 Uhr

Immobilien Basel-Stadt, die die kantonalen Liegenschaften betreut, setzt auf Ökologie. Unter diesem Motto werden in der Überbauung Bäumlihof alle Haushaltgeräte ersetzt – vier Jahre nach der Sanierung der Siedlung. Von Monika Zech

Nils Fisch: Alles neu – und deshalb superökologisch? Nicht unbedingt: In die Ökobilanz einberechnet werden muss auch der Energie­verbrauch für die Herstellung der Geräte.

Alles neu – und deshalb superökologisch? Nicht unbedingt: In die Ökobilanz einberechnet werden muss auch der Energie­verbrauch für die Herstellung der Geräte. (Bild: Nils Fisch)

Die Vorgabe aus dem Legislaturplan des Regierungsrats scheint klar: «Der Kanton Basel-Stadt soll beim Energie- und Ressourcenverbrauch eine Vorbildfunktion einnehmen.» Und die Verwalterin der kantonalen Liegenschaften, Immobilien Basel-Stadt, erstellte denn auch ein entsprechendes Konzept. Kein geheimes Papier, sondern auf der Website von Immobilien Basel-Stadt nachlesbar. Auf Seite 5, unter dem Kapitel Haushalt­geräte, erfährt die geneigte Leserin vom Projekt zum «flächendeckenden Austausch von bestehenden Haushaltgeräten und Ersatz durch öko­logische». Lanciert wurde dieses Projekt 2008.

Ebenfalls 2008, im Herbst, war die Überbauung Bäumlihof im Hirzbrunnenquartier nach einem Totalumbau wieder bewohnbar. Alles tipptopp und nigelnagelneu – aussen und innen, Fassaden, Fenster, Böden, Bäder, Küchen. Die Mieter freuten sich.

Fälschungen aus China

Allerdings nicht sehr lange. Denn bald schon zeigten sich diverse Baumängel, die geflickt werden mussten; und die tollen Granitabdeckungen in den Küchen entpuppten sich als eingefärbte, nicht säurebeständige Fälschungen aus China. Sie wurden ausgewechselt. Die «Basler Zeitung» schrieb im Januar 2009 von einem «Bauschlamassel» und davon, dass es dem für den Umbau verantwortlichen Generalunternehmer nicht billig genug habe sein können. Respektive dem Baudepartement, das diesem den Zuschlag erteilte, weil er die günstigste Offerte von allen gemacht hatte. Und jetzt, knapp vier ­Jahre nach dem Einzug der Mieter, sollen in den rund 200 Wohnungen sämtliche Haushaltgeräte – Kühlschränke, Kochherde, Abwaschmaschinen – ausgewechselt werden.

Das habe, sagt Daniel Grünenfelder, Leiter Bewirtschaftung bei Immobilien Basel-Stadt, nichts mit den Mängel­geschichten zu tun, sondern mit Nachhaltigkeit, die sich der Kanton «auf die Fahne geschrieben hat». Unter diesem Aspekt habe man beschlossen, alte Haushaltgeräte durch neue, ener­giesparende Modelle auszutauschen. Und es sei günstiger, das gleich im Grossteil der 1600 Wohnungen des ­Finanz- und Verwaltungsvermögens zu tun als in kleinen Tranchen. So habe man nun via Ausschreibung Geräte zu «sehr interessanten Konditionen» erwerben können, und das erst noch vom lokalen ­Gewerbe. «Die Kosten pro Wohnung betragen maximal rund 5000 Franken.»

Den Einwand, dass es schon vor vier Jahren energiesparende Haushalt­geräte gegeben habe, kontert Grünenfelder: «Seither hat es diesbezüglich ­einen Quantensprung gegeben.» Zudem sei die ganze Sache mit dem Amt für Umweltschutz (AUE) abgesprochen. «Ihren Empfehlungen zufolge lohnt es sich, Geräte ab vier Jahren zu ersetzen.» Diese Empfehlungen beruhten auf Berechnungen des geringeren Energieverbrauchs eines neuen Geräts sowie der für seine Herstellung be­nötigten Energie, der sogenannten grauen Energie.

«Schon etwas gewagt»

Man kenne besagte Geräte nicht, detaillierte Berechnungen habe das AUE nicht gemacht, heisst es auf Nachfrage bei diesem Amt. Man habe einzig, sagt Marcus Diacon, Ressortleiter Stromsparfonds beim AUE, allgemeine Empfehlungen zu Haushaltgeräten (siehe Hintergrund zum Artikel) herausgegeben. Autorin dieser Empfehlungen sei die Schweizerische Agentur für Energieeffizienz (Safe). «Dabei geht es aber um die Frage, ab wann es sich energetisch lohnt, defekte Haushalt­geräte zu ersetzen» – ausgehend von der Höhe der Reparaturkosten und des ­Alters eines Geräts.

Pauschal von vier Jahren auszugehen, dünke ihn schon etwas gewagt, sagt Thomas Heldstab von Safe, der die Empfehlungen ausgearbeitet hat. «Um eine seriöse Aussage machen zu können, müsste ich die Geräte einzeln prüfen.» Wenn er einen allgemeinen Hinweis gebe, dann den, dass für die Berechnung der Ökobilanz nebst dem Energieverbrauch eines Geräts und der grauen Energie noch andere Umweltbelastungen wie etwa der CO2-Ausstoss miteinbezogen werden müssten.

Wie auch immer, bei Immobilien Basel-Stadt bleibt man dabei, dass sich der Austausch der Geräte lohnt. «Dank der neuen Geräte», sagt Daniel Grünenfelder, «profitieren die Mieter, da ihre Nebenkosten deutlich sinken.»

 

Bisher wurden keine Kommentare zu diesem Artikel von der Redaktion hervorgehoben.

  1. Kopflos

    von Maya Eldorado um 23.09.2012 um 11:40Uhr

    Am meisten profitiert doch die Wirtschaft!
    Immer neues Design, Verbesserungen, wenn auch nur klizekleine. Und dann weismachen, das ist viel, viel besser.
    Wir wollen doch Wirtschaftswachstum? Oder etwa nicht? Solche Praktiken kurbeln das Wirtschaftswachsstum an! Und man hofft so auf mehr Arbeitsplätze!
    Da hat doch kürzlich ein Community-Mitglied einen Artikel verfasst:
    Das geplante kaputtgehen!
    blogs.tageswoche.ch/de/blogs/speakerscorner/455106/das-geplante-kaputtgehen.htm
    Auch mit immer kleinen Verbesserungen und sagen, dass sie nun weniger Energie brauchen, kann man die Menschen dazu bringen, immer fortzuwerfen und zu ersetzen.
    Direktlink zum Kommentar

  2. Vorsicht!

    von Stefan Heimers um 24.09.2012 um 10:39Uhr

    Den "Quantensprung" bei der Energieeinsparung gab es in den letzten Jahren nur bei den Wäschetrocknern, und auch nur wenn man von gewöhnlichen Heizgeräten zu Wärmepumpen/Kondensationsgeräten wechselt.

    Bei allen anderen Haushaltsgeräten gilt: Es gab und gibt schon immer sparsame und verschwenderische. Hier muss man jedes einzelne Modell anschauen, einfach Geräte rausschmeissen weil sie vier Jahre alt sind, ohne genaue Kenntnis des Verbrauchts der alten und der Ersatzgeräte, ist Verantwortungslos.

    Direktlink zum Kommentar

  3. Vorsicht!

    von Stefan Heimers um 24.09.2012 um 10:45Uhr

    Zitat: "Man kenne besagte Geräte nicht, detaillierte Berechnungen habe das AUE nicht gemacht"

    Hier ist die nächste Fehlinvestition vorprogrammiert. Die Entsprechenden Entscheidungsträger gehören fristlos auf die Strasse gestellt. Wie kann man nur Geräte ersetzen, deren Zustand und Energieverbrauch nicht genau untersucht wurde.


    Direktlink zum Kommentar

  4. Skepsis

    von Solaris um 25.09.2012 um 10:33Uhr

    Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass man in 4 Jahren durch Verbrauchseinsparungen nebst der generellen Stromersparnis auch noch die zur Herstellung und Entsorgung notwendige graue Energie kompensieren kann. Die Geräte mögen im Ausverkauf erworben worden sein, und die Installateurs-Firma mag einen Pauschalpreis vereinbart haben, doch von ökologischem Nutzen kann hier kaum die Rede sein.

    Zwar ist es schön, wenn der Herd die Pfannen sowie deren geschätzter Inhalt schneller erwärmen kann, was er sehr wohl tut, aber inwiefern das Ersetzen eines 4 Jahre alten Elektrolux Kühlschranks durch einen "neuen" der Marke Zug — gleiches Aussehen und gleiches Design — einen Vorteil bringen soll, erschliesst sich mir bisher noch nicht.

    Am Rande : Was hingegen einen dramatischen Vorteil nicht nur in Bezug auf die Anwendungsfreundlichkeit hatte, war der schon vor einigen Monaten vollzogene Wechsel der gerätetechnischen Ausstattung der Waschküchen in der genannten Siedlung. Die dort zu Anbeginn installierte Kombination von Elektrolux konnte in nicht einem einzigen Punkt überzeugen.
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Informationen zum Artikel

14.9.2012, 00:01 Uhr

Immer wieder mal was Neues

Text

Text:

  • 21.05.2013 um 14:10
    Unsere Ente des Tages

    Das ist garantiert keine Zeitungsente: Eine Ente hat den Brunnen am Rümelinsplatz zu ihrem persönlichen Swimmingpool umfunktioniert.

  • 16.05.2013 um 15:34
    Jeder Franken zählt

    In der Regel äussern sich Politiker und Experten in endlosen Debatten zum Thema Mindestlohn. Hier erzählen drei Frauen über ihr Leben mit einem Lohn, der nirgends hinreicht.

  • 08.05.2013 um 19:53
    Kein Stress, alles online!

    Ein Online-Programm soll schwangere Frauen, wenn sie vorzeitige Wehen bekommen, beruhigen. Damit will das Unispital Basel das Risiko von Frühgeburten mindern.

  • 16.05.2013 um 22:59
    Absolut
    Zum Artikel: Schweiz nach Sieg gegen Tschechien im Halbfinal

    Lieber Fritz Hochhuth Nach 14 Stunden am Computer sitzen schaffe ich es kaum mehr, so viele Buchstaben zu lesen. Aber ich habe es doch getan, weil uns doch die Chefs und andere kompetente Leute immer sagen, wie wichtig die Hege und Pflege unserer Comm...

  • 15.04.2013 um 23:11
    merkwürdiges Rechtsverständnis
    Zum Artikel: Keine freie Betten für die englischen Fussballfans

    @fm70: Ich glaube nicht, dass ich ein merkwürdiges Rechtsverständnis habe. Aber aufgrund seltsamer Artikel wie des Wegweisugsartikels kann es durchaus vorkommen, dass in der Öffentlichkeit schlafende Personen von Polizeipatrouillen mehr oder weniger un...

  • 15.04.2013 um 17:41
    Zürich hilft…
    Zum Artikel: Keine freie Betten für die englischen Fussballfans

    @othmar.buchs Zürich würde vielleicht schon helfen, wenn es könnte. Aber offenbar ist auch Zürich ziemlich ausgebucht, weil viele Gäste und Angestellte der Baselworld in Zürich übernachten. Ist ja für die weitgereisten Menschen auch nur ein Vorort von ...

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