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TagesWoche

Tages Woche

Do, 23.05.2013

Editorial 

7.9.2012, 00:01 Uhr

Heimat ist dort, wo …

7.9.2012, 00:01 Uhr

Alle reden vom Verlust der Heimat. Der Schriftsteller Alex Capus und der englische Philosoph Roger Scruton sehen das anders: Es sei Zeit für neue Heimatgefühle. Von Urs Buess

Es ist mehr als zehn Jahre her, seit die Basler Sozialdemokratin Anita Fetz in einem roten T-Shirt mit Schweizer Kreuz ans nationalrätliche Rednerpult gestanden ist und so für den UNO-Beitritt der Schweiz geworben hat. Zehn Jahre – und noch immer erinnern sich die Leute daran. Warum eigentlich?

In erster Linie wohl, weil eine Linke sich des heiligen Schweiz-Symbols bemächtigte, das die Rechte für sich beansprucht. «Schweizer Kreuz», «Weiss auf rotem Grund», «Alpenglühn», «Heimat» … mit all dem hatten und haben nicht nur Linke Mühe, sondern auch solche, die sich modern wähnen, die glauben, urban zu leben. Der Begriff Heimat stösst vielen säuerlich auf, man rümpft die Nase.


Und doch ist jede und jeder irgendwann mit der Frage konfrontiert, wo denn ihre beziehungsweise seine Heimat sei. Mit Sicherheit ist sie für die wenigsten dort, wo gemäss Pass der Heimatort ist. Ist das Land, in dessen Grenzen ich hineingeboren wurde, meine Heimat? Oder eher der Kanton? Vielleicht sogar nur ein Gefühl? Oder: Kann ich eine neue Heimat finden? Erwerben? Wenige Wochen, nachdem ich mich vor Jahren in einem Pariser Quartier als Korrespondent niedergelassen hatte, merkte ich, dass mich die Wirtin vom Bistro, der Nachbar, der Mann, bei dem ich täglich meine Zeitung kaufte – dass die mich zur Kenntnis nahmen, gemerkt hatten, dass ich hier wohnte. Beginnt so Heimat?


Heimat ist dort, wo … Ja, eben: Wo?


Wir haben keine Antwort gefunden und nachgefragt: bei einem Bauern, einem Computerspezialisten, einem Fernfahrer, einer Auslandkorrespondentin. Eine übereinstimmende Antwort gibt es nicht. Aber die Antworten regen zum Nachdenken an. Wir haben den Oltner Schriftsteller und früheren Präsidenten der dortigen SP, Alex Capus, gebeten, uns zu schreiben, wo er die Heimat wähne. Er sucht sie im Nahen – ähnlich wie der konservative britische Schrifsteller und Philosoph Roger Scruton, der diese Woche in Basel an einer Tagung zum Thema Heimat teilnahm. Trotz allen Bemühungen: Wir haben noch immer keine messerscharfe Definition von Heimat. Aber wir überlassen das Thema nicht irgendwelchen politischen Gruppierungen, denn es geht die ganze Gesellschaft etwas an.

Bisher wurden keine Kommentare zu diesem Artikel von der Redaktion hervorgehoben.

  1. Heimat ist dort...

    von Heinz Kistler um 9.09.2012 um 22:02Uhr

    1969 - als Auslandschweizer, trat ich eine befristete Stelle in München an; Aufgabe: Mitarbeit bei der Errichtung der Olympischen Sportstätten.
    Nach Vertragsende blieb ich in München; die Stadt wurde zu meiner Wahlheimat. Warum? "Leben und leben lassen" möchte ich hier als Beispiel der toleranten Lebensart erwähnen.
    Aktuell bin ich wieder öfter in meiner Geburtsstadt Basel. Zu Ihrem Artikel, in dem "immer noch keine messerscharfe Definition von Heimat" gefunden wurde, lautet meine Antwort: Heimat ist dort, wo ich mich heimisch fühle; eigentlich ganz einfach, oder?
    Direktlink zum Kommentar

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Informationen zum Artikel

7.9.2012, 00:01 Uhr

Heimat ist dort, wo …

Text

Text:

  • 16.05.2013 um 15:44
    «Das hilft nicht nur der Pharma»

    Die Finanzdirektorinnen und Finanzdirektoren setzen im Steuerstreit mit der EU auf die Einführung von Lizenzboxen – und handeln damit ganz im Sinne von Basels Finanzdirektorin Eva Herzog.

  • 09.05.2013 um 16:45
    TagesWoche vom 10. Mai: Die Themen

    Unterschätzte Hilfe – weltweit schicken Migranten über 500 Milliarden Dollar in ihre Heimat. Die neue Präsidentin der Basler Liberalen, Patricia von Falkenstein, sagt, wie sie ihrer Partei mehr Gehör verschaffen will. Dies und weitere Themen in der TagesWoche vom 10. Mai im Abo oder an Ihrem Kiosk.

  • 08.05.2013 um 18:27
    Eine Reise durch die neuen, globalen Geldflüsse

    Migranten schicken jedes Jahr weit über 500 Milliarden Dollar in ihre Heimat – Tendenz seit dem Jahr 2000 enorm steigend. Diese Gelder übertreffen die Summe der Entwicklungshilfe reicher Länder bei weitem. Die TagesWoche zeigt, wie sich die Geldflüsse verändern.

  • 27.09.2012 um 21:26
    Fonzi trainiert
    Zum Artikel: Fonzi trainiert

    Heute Abend ist der Helikopter schon sehr zielgerichtet geflogen.

  • 20.08.2012 um 16:11
    TagesWoche im Gundeli
    Zum Artikel: «Basel ist ein Paradies – eigentlich»

    Lieber Anton, Du bist ja nicht der einzige, der sich beklagt, weil die TagesWoche-Redaktion nicht ins Quartier – in diesem Fall ins Gundeli – kommt. Eigentlich hätten wir uns gern mal auf dem Tellplatz gezeigt, mussten uns aber auf fünf Standorte b...

  • 19.08.2012 um 21:01
    Versteckt?
    Zum Artikel: Weder Hügel der Reichen noch Luxus-Probleme

    Lieber Herr oder Frau Misch Masch, Das einzig Versteckte hier sind Sie hinter Ihrem Pseudonym. Wir nutzen das Angebot des Kaffeemobils, zahlen für die Dienstleistung und erleben bei unseren Quartier-Halten immer wieder, wie der freundliche Service un...

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