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TagesWoche

Tages Woche

Mi, 22.05.2013

Lebensart 

7.9.2012, 00:01 Uhr

Der Klang der Heimat

7.9.2012, 00:01 Uhr

Der Glarner Bauer Walter Landolt erzählt, weshalb er nie den Drang zu reisen verspürt hat und was ihm Heimat bedeutet. Von Monika Zech

Walter Landolt: Die Welt der Berge ist ihm grossartig genug.

Walter Landolt: Die Welt der Berge ist ihm grossartig genug. (Bild: Michael Würtenberg)

Ein Bauer, sagt Walter, sei mit dem Boden – mit der Natur, den Tieren verbunden. Die Kuh trägt den schönen Namen «Elita».

Ein Bauer, sagt Walter, sei mit dem Boden – mit der Natur, den Tieren verbunden. Die Kuh trägt den schönen Namen «Elita». (Bild: Michael Würtenberg)

Zeit für Ferien hat Walter Landolt nicht.

Zeit für Ferien hat Walter Landolt nicht. (Bild: Michael Würtenberg)

Wer im Glarnerland auf der Suche nach einer typisch schweizerischen Postkartenidylle ist, macht nicht in Näfels Halt. Das Dorf im unteren Teil des Kantons, das seit der spektakulären Zusammenschrumpfung aller 27 Glarner Gemeinden zu dreien Glarus-Nord angehört, hat nichts Putziges.

Während andernorts heute bereut wird, was man in den 70ern aus dem Boden gestampft hat, scheint die Begeisterung für die «Modernisierung» in Näfels ungebrochen. Erst vor Kurzem wieder musste eine alte Häuserzeile im Dorfkern einem klotzigen Neubau weichen. Verpufft ist dafür die verkehrsberuhigende Wirkung, die einst die Walenseestrasse hatte: Pausenlos braust der Verkehr durch die Hauptstrasse ins enge Tal hinein oder aus ihm hinaus.

Direkt an dieser Hauptstrasse, kurz vor dem Ortsausgang Richtung Netstal wohnen Claudia und Walter Landolt mit ihrem 24-jährigen Sohn Marco. Der jüngere, der 20-jährige Reto, ist grad vor ein paar Tagen aus- und mit seiner Freundin zusammengezogen. Walter lebt schon seit seiner Geburt in diesem Haus, es ist seit 57 Jahren sein Zuhause, Näfels seit 57 Jahren seine Heimat. Nie hat er diese Heimat verlassen, er wollte es auch nie. «Daheim ist daheim. Ich habe nie den Drang gehabt, in die Fremde zu gehen, zu reisen.»

Hühnerhaut beim Alpabzug

Die längste Zeit, die er weg war, war während der Rekrutenschule. Da habe er, sagt Walter, das erste Mal «ächlei öppis anders gseh». Trotzdem kam Walter immer gern an den Wochenenden nach Hause. Wer gut geschossen habe, erzählt er, durfte früher gehen, manchmal schon am Freitag. «Ich habe mir immer Mühe gegeben.»

Walter ist Bauer, «17 Kühe, 7 Rindli, ein paar Kälbli». Die rund 12 Hektaren Land sind auf drei verschiedene Orte verteilt, zwei Wiesen im Dorf, dazu eine oben auf der Alp. Den Hof hat er von seinem Vater übernommen, als er 32 Jahre alt war. «Ich habe schon als Bub davon geträumt, Bauer zu werden», sagt Walter. Weshalb er, der jüngste Bub von elf Kindern, den väterlichen Betrieb übernommen hat – er zuckt mit den Schultern: «Ich weiss nicht, die anderen hatten halt anderes vor.»

Walter absolvierte die landwirtschaftliche Schule in Glarus, das Diplom, schön gerahmt, hat einen Ehrenplatz im Haus. Ebenso acht Kuhglocken, die alle in der Stube hängen. Preise, die sein Sohn Marco beim Schwingen gewonnen hat. Walter lässt sie klingen, «das zum Beispiel, das ist für mich Heimat». Oder das: Der Alpabzug, auch wenn er selbst nicht dabei ist. «Da kriege ich jedesmal Hühnerhaut.» Wenn die Tiere, geschmückt mit Blumen und Glocken um den Hals, zurück ins Tal kommen, dann höre er unten am Glockenklang genau, in welcher Kurve sie grad sind. «Ein Bauer», sagt Walter, «ist mit seinem Boden verbunden, mit der Natur, den Tieren».

Ach, das Meer…

Dass er keine Ferien machen kann, stört ihn nicht. Einmal hat er ein Flugzeug bestiegen, seiner Frau zuliebe, die in Budapest ihre Zähne machen liess. «Ich dachte, da klettere ich lieber auf einen Kirchturm; wenn ich abstürze, bin ich wenigstens selber schuld.» Nein, das muss er nicht mehr haben. Die Welt der Berge ist ihm grossartig genug. Wenn er dort oben mit den Ski durch den Tiefschnee laufen oder mit dem Feldstecher die Gämsen und Steinböcke beobachten kann, dann, sagt er, gehe sein Herz auf.

Statt in einer grossen Markthalle in Budapest, wo das Fleisch nach Kadaver stinke, ist er lieber auf dem Käsemarkt in Elm oder an der Bauern-Chilbi im Dorf. Und er ist glücklich, dass seine Frau gleich tickt wie er. «Sie hat sogar noch schneller Heimweh als ich.» Einzig das Meer, sagt Claudia, das würde sie schon gerne einmal sehen. «Ach, das Meer», sagt Walter, «das macht pfscht, pfscht, pfscht, und du siehst nichts als Wasser».

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Informationen zum Artikel

7.9.2012, 00:01 Uhr

Der Klang der Heimat

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Text:

  • 21.05.2013 um 14:10
    Unsere Ente des Tages

    Das ist garantiert keine Zeitungsente: Eine Ente hat den Brunnen am Rümelinsplatz zu ihrem persönlichen Swimmingpool umfunktioniert.

  • 16.05.2013 um 15:34
    Jeder Franken zählt

    In der Regel äussern sich Politiker und Experten in endlosen Debatten zum Thema Mindestlohn. Hier erzählen drei Frauen über ihr Leben mit einem Lohn, der nirgends hinreicht.

  • 08.05.2013 um 19:53
    Kein Stress, alles online!

    Ein Online-Programm soll schwangere Frauen, wenn sie vorzeitige Wehen bekommen, beruhigen. Damit will das Unispital Basel das Risiko von Frühgeburten mindern.

  • 16.05.2013 um 22:59
    Absolut
    Zum Artikel: Schweiz nach Sieg gegen Tschechien im Halbfinal

    Lieber Fritz Hochhuth Nach 14 Stunden am Computer sitzen schaffe ich es kaum mehr, so viele Buchstaben zu lesen. Aber ich habe es doch getan, weil uns doch die Chefs und andere kompetente Leute immer sagen, wie wichtig die Hege und Pflege unserer Comm...

  • 15.04.2013 um 23:11
    merkwürdiges Rechtsverständnis
    Zum Artikel: Keine freie Betten für die englischen Fussballfans

    @fm70: Ich glaube nicht, dass ich ein merkwürdiges Rechtsverständnis habe. Aber aufgrund seltsamer Artikel wie des Wegweisugsartikels kann es durchaus vorkommen, dass in der Öffentlichkeit schlafende Personen von Polizeipatrouillen mehr oder weniger un...

  • 15.04.2013 um 17:41
    Zürich hilft…
    Zum Artikel: Keine freie Betten für die englischen Fussballfans

    @othmar.buchs Zürich würde vielleicht schon helfen, wenn es könnte. Aber offenbar ist auch Zürich ziemlich ausgebucht, weil viele Gäste und Angestellte der Baselworld in Zürich übernachten. Ist ja für die weitgereisten Menschen auch nur ein Vorort von ...

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