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TagesWoche

Tages Woche

Mi, 22.05.2013

Restaurierungsprojekt 

12.9.2012, 15:47 Uhr

Ein Matisse mit vielen kleinen Löchern

12.9.2012, 15:47 Uhr

Drei Jahre lang wurde im Untergeschoss der Fondation Beyeler für die Besucher sichtbar der Scherenschnitt «Acanthes» von Henri Matisse restauriert. Nun sind die Arbeiten beendet, und die Beteiligten freuen sich nicht nur über das neu erstrahlende Werk, sondern auch über die Erkenntnisse, die gewonnen werden konnten. Von Karen N. Gerig

Die Restauratoren Markus Gross (r.) und Stephan Lohrengel an der Arbeit.

Die Restauratoren Markus Gross (r.) und Stephan Lohrengel an der Arbeit. (Bild: Andri Pol, © Succession H. Matisse, ProLitteris)

«Acanthes» wird im frisch restaurierten Zustand enthüllt.

«Acanthes» wird im frisch restaurierten Zustand enthüllt. (Bild: Keystone, ©Pro Litteris)

«Acanthes» ist eines der späten Schlüsselwerke des französischen Künstlers Henri Matisse.

«Acanthes» ist eines der späten Schlüsselwerke des französischen Künstlers Henri Matisse. (Bild: Robert Bayer, © Succession H. Matisse, ProLitteris)

Normalerweise verrichten sie ihre Arbeit im stillen Kämmerlein, irgendwo verborgen in jenen Räumen eines Museums, die kein Besucher je betritt: die Restauratoren. In der Fondation Beyeler aber erhielt das Publikum während der vergangenen drei Jahre Einblick in die Restaurierungsarbeiten an Henri Matisse' «Acanthes». Durch eine Glasscheibe konnte den Restauratoren zusehen, wer Lust verspürte. Nun ist die Arbeit vollendet, der Scherenschnitt des französischen Künstlers erstahlt in neuem Glanz, in neuem Rahmen, und bald wird er sich dem Publikum wieder so präsentieren, wie dieses es gewohnt ist: An einer Wand in einer Ausstellung hängend.

Es sei ein Freudentag, bemerkte Sam Keller, der Direktor der Fondation Beyeler, bevor die Restauratoren und Kuratoren am Mittwoch das Wort ergriffen und erklärten, was sie in den letzten drei Jahren erarbeitet hatten, seit Keller sich mit Dietrich von Frank, dem Leiter Art International bei der Nationale Suisse, bei einem Mittagessen über ein gemeinsames Projekt verständigt hatten. Anliegen der Nationale Suisse war damals die Kunstförderung – jedoch sollte diese nicht über die übliche Art von Sponsoring geschehen, sondern man suchte die besondere Idee und beschloss schliesslich die Zusammenarbeit bei der Restaurierung des Matisse-Werks.

Transportschäden

«Auch einen Kunstversicherer interessiert die Frage der Konservierung eines Kunstwerks», betonte von Frank. Kunst sei dazu da, betrachtet zu werden, sie solle möglichst viele Leute erreichen, und dazu müsse sie reisen. Doch gerade ständige Transporte würden Kunstwerken besonders zusetzen.

Auch beim 1953 entstandenen «Acanthes» stellten die Restauratoren vor allem Schäden fest, die wohl durch mehrmaliges Abnehmen vom Holzrahmen und Zusammenrollen an den Rändern entstanden waren. Hier waren kleinere Eingriffe nötig.

Ansonsten jedoch waren die Fachmänner über den guten Zustand des fast 60-jährigen Papierbildes überrascht. Zwar hatte man bei der wissenschaftlichen Untersuchung, die fast zwei der insgesamt drei Jahre in Anspruch nahmen, mehr als 1000 kleinste Löcher im Papier gefunden sowie Falten und farbliche Veränderungen, doch für alles fand sich eine Erklärung in der Arbeitsweise des Künstlers. «Es bedeutete eine sehr aufwändige Recherche, um herauszufinden, wie Henri Matisse arbeitete», erklärte Markus Gross, der zusammen mit seinem Kollegen Stephan Lohrengel für die Restaurierung verantwortlich zeichnet.

Unter der Oberfläche

Die Arbeitsweise, wie Matisse seine Scherenschnitte oder «Papiers découpés» herstellte, war bislang kaum erforscht. Das Projekt «Acanthes» hat somit auch wichtige kunsthistorische Ergebnisse geliefert. «Und wir Kunsthistoriker», so der zuständige Kurator Ulf Küster, «hechelten in diesem Fall den Restauratoren hinterher.» Es sei sehr spannend gewesen, mal nicht nur die Oberfläche eines Bildes genau zu analysieren, sondern ein paar Schichten tiefer anzusetzen.

Matisse, der in seinem späten Leben in der Mobilität sehr eingeschränkt war, liess offenbar von seinen Assistentinnen Papier einfärben, das er dann zur gewünschten Form schnitt. Die Assistentinnen wiederum pinnten die ausgeschnittenen Teile nach seinen Angaben an die Wand, bis die Komposition perfekt war – daher rühren die unzähligen Einstichlöcher. Schliesslich wurden die Papierformen auf grosse Papierbahnen geklebt und diese wiederum auf eine Leinwand aufgebracht. Beim Schneiden sei er nicht, wie man bisher dachte, meditativ, sondern im Gegenteil sehr zügig vorgegangen, so dass immer wieder mal das Papier einriss oder unschöne Ecken entstanden.

In der Konsequenz dieser Erkenntnisse wurden die Löcher und kleinen Papierrisse von den Restauratoren nicht zum Verschwinden gebracht. Sie sind immer noch hervorragend sichtbar – vorerst in jenem Raum im Untergeschoss der Fondation Beyeler, wo das Bild schon die letzten drei Jahre verbrachte. Und ab dem Jahr 2013 dann wieder im Erdgeschoss, als Teil der Sammlungsausstellung.

Bisher wurden keine Kommentare zu diesem Artikel von der Redaktion hervorgehoben.

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Informationen zum Artikel

12.9.2012, 15:47 Uhr

Ein Matisse mit vielen kleinen Löchern

Text

Text:

  • 17.05.2013 um 14:06
    Bilder gehen wohl doch auf Wanderschaft

    Teile der Sammlung sollen während der Schliessung des Kunstmuseums nun eventuell doch im Ausland zu sehen sein. An einer Medienkonferenz wurde am Freitag sonst vor allem erklärt, aber wenig Neues bekannt gegeben.

  • 08.05.2013 um 16:57
    Immer noch voller Pläne

    Seit 20 Jahren führt Tony Wuethrich seine Galerie an der Vogesenstrasse. Ein Grund zum Feiern.

  • 08.05.2013 um 10:44
    Das Kunstmuseum macht ein Jahr Pause

    Das Kunstmuseum Basel muss wegen Sanierungsarbeiten ab Februar 2015 für ein Jahr seine Türen schliessen. Gemeinsam mit dem Erweiterungsbau soll der aufgefrischte Altbau im März 2016 wiedereröffnet werden.

  • 07.05.2013 um 16:08
    Comixshop
    Zum Artikel: Basler Kult.kino Atelier will expandieren

    Liebe Frau Suess, wie mir gerade offiziell bestätigt wurde: Der Comixshop wird sicher in der Thaterpassage verbleiben – dies auf ausdrücklichen Wunsch der kult.kino-Leute, die dessen Nachbarschaft sehr schätzen, wie Suzanne Schweizer mir soeben versich...

  • 26.01.2013 um 20:14
    Fotostrecke
    Zum Artikel: Ein Auftakt nach Mass

    Lieber Kulturbetrachter, tatsächlich haben wir ansonsten noch keine Klagen erhalten, und bei uns funktionieren die Fotostrecken auch von ausserhalb. Ich leite das Problem aber gerne trotzdem mal an unsere Techniker weiter. Schönen Wochenendrest, Karen ...

  • 23.12.2012 um 14:06
    Heieiei....
    Zum Artikel: 7 Weihnachtsfilme für Stubenhocker

    Lieber Herr Wilhelm, Sie haben recht. Zwar haben wir Edward gefunden, als wir anfingen, die Liste zu erstellen - doch jetzt kommt der Film im Programm tatsächlich nicht mehr vor. Äusserst schade, finde ich. Wir haben den Tipp nun ausgetauscht gegen ein...

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