Open

eingeloggt als
Ausloggen


An Redaktion schreiben

  • Erlaubte Dateiformate: Bilder (jpg, png, gif) Dokumente (pdf)

eingeloggt als
Ausloggen


Mein Kommentar

Registrierung

Mit Ihrem Benutzerkonto können Sie Ihr Abo verwalten, Artikel kommentieren und mit anderen Leserinnen und Lesern in Kontakt treten.

Das Benutzerkonto ist kostenlos und kann jederzeit wieder gelöscht werden.

Bitte geben Sie Ihre E-Mail Adresse ein. Wir werden diese unter keinen Umständen an Dritte weitergeben.

Fast fertig...

Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.

Bitte prüfen Sie Ihren Posteingang und aktivieren Sie Ihr Benutzerkonto, indem Sie auf den Link in der E-Mail klicken.

Sollten Sie die E-Mail innert 10 Minuten nicht erhalten haben, kontrollieren Sie, ob die E-Mail möglicherweise im Spam-Filter hängen geblieben ist. Ist die E-Mail auch dort nicht aufzufinden, schreiben Sie uns an anmelden@tageswoche.ch und wir kümmern uns darum.

Wir freuen uns, Sie in wenigen Minuten in unserer Community begrüssen zu dürfen.

Passwort wiederherstellen

TagesWoche

Tages Woche

So, 19.05.2013

Kino 

7.9.2012, 00:01 Uhr

Flucht in die Karibik

7.9.2012, 00:01 Uhr

Mit «The Rum Diary» löst Johnny Depp ein Versprechen ein: Er bringt den Roman seines verstorbenen exzentrischen Freundes Hunter S. Thompson ins Kino. Von Marc Krebs

«Fear and Loathing in Las Vegas»: Johnny Depp und Benicio del Toro (am Steuer) brillierten 1998 in der wahnsinnig starken und stark wahnsinnigen Verfilmung von Terry Gilliam.

«Fear and Loathing in Las Vegas»: Johnny Depp und Benicio del Toro (am Steuer) brillierten 1998 in der wahnsinnig starken und stark wahnsinnigen Verfilmung von Terry Gilliam. (Bild: Cinetext Bildarchiv)

«The Rum Diary» oder wie alles begann: Reporter Paul Kemp (Johnny Depp, rechts) schliesst Männerfreundschaft mit dem Fotografen Bob Sala (Michael Rispoli).

«The Rum Diary» oder wie alles begann: Reporter Paul Kemp (Johnny Depp, rechts) schliesst Männerfreundschaft mit dem Fotografen Bob Sala (Michael Rispoli). (Bild: PETER MOUNTAIN)

 Wenige Tage nach dem glänzenden Auftritt von Michelle Obama glänzen noch immer die Augen vieler aufrechter Amerikaner, wenn sie an die Rede der First Lady zurückdenken. Engagiert, emotional, eindrücklich rief sie beim Kongress der Demokraten alte Werte und alte Worte in Erinnerung, beschwor den amerikanischen Traum. Selbst Starkolumnisten wie John Cassidy vom «New Yorker» schwärmten danach, wollten in diesen Minuten die Stimme einer potenziellen Präsidentin vernommen haben.

Dabei ist das Zukunftsmusik – die Gegenwart zeigt, dass ihr Gatte bangen muss, überhaupt wiedergewählt zu werden. Und was ist mit der Vergangenheit? «Yes, We Can!» hallt diese nach. «No, We Can’t». Zu dieser Erkenntnis war Jahrzehnte zuvor ein Mann gekommen, der den amerikanischen Traum als Trugschluss entlarvt und seine Hoffnung für dieses Land begraben hatte: Hunter S. Thompson. Journalist. Schriftsteller. Für manche ein Zyniker, für andere ein Realist, der die gesellschaftlichen und politischen Umbrüche in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit spitzer Feder beschrieben und dabei den Gonzo-Journalismus erfunden hat.

Rausch und Rock ’n’ Roll

Die Geschichte von Hunter S. Thompson ist eng mit seinem Werk verbunden. «Er ist unter den amerikanischen Journalisten der beste Schriftsteller – und unter den Schriftstellern der beste Journalist», hielt die «FAZ am Sonntag» fest. Drogen und Alkohol ebenso zugeneigt wie dem Rock ’n’ Roll, Sportwagen und Frauen, brachte er seine rauschhaften Erlebnisse auf Papier – und als Reportagen getarnt unter die Leute: «Hell’s Angels» oder «Fear and Loathing in Las Vegas» gehören zu seinen bekanntesten Werken.

Jetzt kommt «The Rum Diary» ins Kino. Spät entdeckt (1998), früh geschrieben (1959). Thompson war 22 und hatte noch Träume. So wie der Protagonist in diesem Roman, Paul Kemp. Dieser hat Bücher geschrieben, ohne Erfolg, denn «diese hatten noch keine Stimme.» Thompson berief sich dabei auf seine eigenen Erfahrungen: Als Teenager schrieb er Geschichten von Hemingway ab, um sich auf der Schreibmaschine an sein grosses Vorbild heranzutasten. Er verinnerlichte die Aussage von Nobelpreisträger William Faulkner, wonach in der Fiktion oft die grössere Wahrheit stecke als in den Fakten.

Zu seiner eigenen Stimme fand Thompson schliesslich über den Journalismus: Als Reporter mochte er sich immer weniger auf die Rolle des Beobachters beschränken, sondern brachte sich ins Geschehen ein, mitsamt seiner ganzen Exzentrik (amerikanisch: Gonzo). Er berichtete nicht nur über die gesellschaftlichen Umwälzungen im Amerika der 1960er- und 70er-Jahre, sondern wurde selbst ein Teil davon und nahm dabei kein Blatt vor den Mund: Richard Nixon bezeichnete er schon Jahre vor der Watergate-Affäre als verlogenes Schwein, als veritablen Teufel.

Skeptiker und Sprachrohr

Thompson war laut, exzentrisch, er wurde ein Sprachrohr der amerikanischen Gegenkultur, schrieb sich in Rage, in einen Rausch, wurde geliebt, gefürchtet, gehasst. Mit seinen furiosen Texten rüttelte er aber nicht nur am Fundament des Establishments, er begegnete jeglichen Luftschlössern und Träumereien mit Skepsis, betrachtete die grosse Freiheit als Lüge, den amerikanischen Traum als gescheitert, wie im bekanntesten Werk nachzulesen ist: «Fear And Loathing in Las Vegas», erstmals im «Rolling Stone» veröffentlicht und 1998 von Terry Gilliam brillant verfilmt. Eine Geschichte voller Exzesse, Ekstase, Ernüchterung. Johnny Depp schlüpfte mit Haut und Haaren in die Hauptfigur Raoul Duke, ein Alter Ego von Hunter S. Thompson. Depp tat dies umwerfend komisch, spielte wahnsinnig stark und stark wahnsinnig. Genial.

Männerfreundschaften

Kein Zufall. Depp bewunderte den Schriftsteller, hatte ihn erstmals 1994 aufgesucht. Ein gemeinsamer Freund arrangierte ein Treffen in Thompsons Dorfkneipe in den Hügeln von Colorado: «Wenn du Hunter kennenlernen möchtest, dann komm um Mitternacht zur Taverne von Woody Creek.» Depp fuhr hin, nahm Platz, wartete. Und wartete. «Um 1.30 Uhr knallte es, die Tür schwang auf, Funken sprühten, die Gäste vor mir warfen sich zur Seite und brachten sich in Sicherheit», erinnert sich Depp. «Eine Stimme rief: ‹Aus dem Weg, ihr Bastarde!›, und ein Mann schritt auf mich zu, in seinen Händen: elektrische Viehstöcke.»

Die Begegnung elektrisierte Depp nachhaltig. Sie markierte den Beginn einer grossen Männerfreundschaft. Regelmässig besuchte der Schauspieler den Schriftsteller und trug massgeblich dazu bei, dass Thompson von der Masse (wieder-)entdeckt, ja, dass «The Rum Diary» überhaupt veröffentlicht wurde.

Prequel zu «Fear and Loathing in Las Vegas»

1998 entdeckte Depp in Thompsons Keller das alte Manuskript, war begeistert, drängte ihn, das Frühwerk zu veröffentlichen. Und versprach ihm noch vor seinem Tod (2005), den Roman auf die Leinwand zu bringen. Man kann den Film als Prequel zu «Fear and Loathing …» betrachten: Denn auch wenn Thompson seine Hauptfiguren nicht nach sich selbst benannt hat, tragen sie autobiografische Züge. In beiden Filmen fängt die Kamera Erlebnisse eines Reporters ein.

Zehn Jahre, bevor sich Thompson auf den Trip nach Las Vegas begab – oder besser gesagt auf vielen Trips durch Las Vegas halluzinogierte – landete er in Puerto Rico. Flucht in die Karibik, nachdem er in seiner Heimat nicht vom Fleck gekommen war. Jung, unerfahren, neugierig. Der Schriftsteller sah mit eigenen Augen vieles, was sein Protagonist im Roman «The Rum Diary» erlebt: Säufer auf einer Redaktion, Käufer auf geheimen Treffen. Investoren. Korruptionen. Kommunisten. Kapitalisten. «Du wirst bezahlt dafür, dass der Traum nie aufhört», wird ihm klar. Das mag der junge Journalist mit moralischem Anspruch nicht akzeptieren – und kämpft zugleich mit seiner Schwäche für Verlockungen.

Viel von allem - und doch zuwenig

Depp dreht in «The Rum Diary» weniger auf: Zum einen, weil Thompson in der Romanvorlage noch seine eigene Stimme suchte. Zum anderen, weil Regisseur Bruce Robinson zwar schöne Bilder eingefangen hat, aber diese nicht darüber hinwegtäuschen können, dass zu viele lose Stränge zusammengeknüpft wurden. Die Ladungen an Action und Kitsch, Moral und Männertum, Reisebildern und Rauschmitteln ermüden hier auf Dauer. Da ist von allem viel – und für einen packenden Film doch zu wenig.

Wohlwollend formuliert, mag «The Rum Diary» als Warm-up für «Fear And Loathing in Las Vegas» durchgehen. Doch Letzterer ist abgedrehter und überdrehter, Entwicklungen, die sich in «The Rum Diary» erst andeuten: Bei einer ersten LSD-Erfahrung macht Kemp die luzide Erkenntnis: «Der Mensch ist das einzige Geschöpf, das behauptet, einen Gott zu haben – und auch das einzige, das sich verhält, als gäbe es keinen.»

Der Zuschauer ahnt, dass auf all den Rum, der fliesst, am Ende der Ruhm folgt, dass Kemp – wie der leibhaftige Thompson – dem Establishment die Masken vom Gesicht reisst und ihre Fratzen sichtbar macht. Indem er etwa sein Leben lang die Verlogenheit von Richard Nixon anprangert – und zahlreiche US-amerikanische Wahlkämpfe begleitet. Die Wahl Obamas hat der desillusionierte Thompson nicht mehr miterlebt. Ob er von einer Erfüllung des amerikanischen Traums geschwärmt hätte? Man darf es bezweifeln.

«The Rum Diary» kommt am 13.9. ins Kino.

 

Explosiv bis in den Tod

«Es ist immer besser, aus einer Kanone abgeschossen als aus einer Tube rausgequetscht zu werden.» Mit solchen Worten umschrieb Hunter S. Thompson seinen explosiven Schreib- und exzessiven Lebensstil. Er liebte den knalligen Auftritt. Als der Waffennarr im Juli 2000 seine Assistentin verwundete, erklärte er danach lapidar: «Ich hielt sie versehentlich für einen Bären.» Im Februar 2005, Thompson war 67 («das sind 17 Jahre mehr, als ich brauchte oder wollte»), griff der gesundheitlich angeschlagene Journalist zum letzten Mal zur Feder – und dann zur Flinte. Seinem letzten Willen entsprechend wurde Thompsons Asche mit einer Rakete in die Luft geschossen.

 

Bisher wurden keine Kommentare zu diesem Artikel von der Redaktion hervorgehoben.

Kommentieren

Informationen zum Artikel

7.9.2012, 00:01 Uhr

Flucht in die Karibik

Text

Text:

  • 10.05.2013 um 11:35
    Wir Heuchler!

    Immer wenn bekannt wird, dass ein Geschäft wie der Buchladen Nasobem zumacht, sterben wir einen kleinen Tod. Und merken dann, wie inkonsequent unser Leben geworden ist.

  • 07.05.2013 um 12:26
    Im August lockt das Open Air Basel

    Neuer Name, neue Struktur: Aus dem Gratisfestival Viva Con Agua Kaserne Basel wird das Open Air Basel. Dieses wird von einem Verein getragen und kostet neu Eintritt.

  • 02.05.2013 um 15:15
    Das Theater Roxy steht vor Veränderungen

    Sven Heier tritt im Herbst die Nachfolge von Christoph Meury in Birsfelden an. Dafür hat der Hannoveraner ein neues Team verpflichtet.

  • 10.05.2013 um 17:23
    Wir und ihr
    Zum Artikel: Wir Heuchler!

    Liebe Leser, die ihr euch an unserem «Wir» aufreibt. Hätten wir mit dem Finger auf andere zeigen sollen? Das wäre allzu selbstgerecht. Wir sind in diesem Fall Philipp Loser und ich und – ganz offensichtlich anhand vieler Reaktionen auf allen Kanälen – ...

  • 10.05.2013 um 12:56
    Was das Atlantis…
    Zum Artikel: Wir Heuchler!

    … betrifft, so erfolgte der Kurswechsel damals nach einem Besitzerwechsel. Der Livebetrieb rentierte einfach nicht mehr. Alle bedauerten, dass es keine Konzerte mehr gab. Aber es ging doch auch kaum noch wer hin. Grund für den Publikumsschwund war eine...

  • 10.05.2013 um 10:22
    Besten Dank…
    Zum Artikel: 7 Hollandse pop juweeltjes

    … für die Ergänzungen! Vader Abraham war ein Überflieger, aber ich wollte unsere holländischen Freunde nicht brüskieren und nur Trash auflisten. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich Mouth & McNeal nicht kannte (und auch noch nie gehör...

Aktuell

Keystone: Das Kunstmuseum schliesst für ein Jahr – ein Teil der Werke wird dann wohl auf Reisen gehen.

Sanierung Kunstmuseum 

Bilder gehen wohl doch auf Wanderschaft

Teile der Sammlung sollen während der Schliessung des Kunstmuseums nun eventuell doch im Ausland zu sehen sein. An einer Medienkonferenz wurde am Freitag sonst vor allem erklärt, aber wenig Neues bekannt gegeben.Von Karen N. Gerig. Weiterlesen

Hans Jörg Michel: Gerade noch als Isaac geopfert, nun wühlt er selber im Blut: Der Tenor Rolf Romei. Im Hintergrund kreuzigt sich Svetlana Ignatovich.

Theater Basel 

Blutrausch und Gebet

Brittens War Requiem ist verstörend und erhebend. Die Inszenierung von Calixto Bieto und das Ensemble hinterliessen an der Premiere vom 16. Mai im Theater Basel einen tiefen Eindruck in diesem Sinne.Von Valentin Kimstedt. Weiterlesen

1