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TagesWoche

Tages Woche

Fr, 24.05.2013

Wirtschaftskammer 

12.9.2012, 10:37 Uhr

Hans Rudolf der Grosse tritt ab – und alle traben an

12.9.2012, 10:37 Uhr

Hans Rudolf Gysin, der eigentliche König des Baselbiets, zelebriert in der Sankt Jakobshalle seinen Abschied. Bundesrat Johann Schneider-Ammann, Regierungsrätin Sabine Pegoraro und hunderte geladene Gäste machten Hans Rudolf dem Grossen ihre Aufwartung. Von Matieu Klee

Hans Rudolf der Grosse tritt ab und ladet ein zur grossen Feier.

Hans Rudolf der Grosse tritt ab und ladet ein zur grossen Feier. (Bild: Michael Würtenberg)

Vom Baggerverkäufer zum Bundesrat. Johann Schneider-Ammann bei seiner Rede zum Abschied von Hans Rudolf Gysin.

Vom Baggerverkäufer zum Bundesrat. Johann Schneider-Ammann bei seiner Rede zum Abschied von Hans Rudolf Gysin. (Bild: Michael Würtenberg)

Familienbild mit Bundesrat: Ehepaar Gysin mit Bundesrat Schneider-Ammann.

Familienbild mit Bundesrat: Ehepaar Gysin mit Bundesrat Schneider-Ammann. (Bild: Michael Würtenberg)

Mann trägt dunkel. Frau auch.

Mann trägt dunkel. Frau auch. (Bild: Michael Würtenberg)

«Danke, lieber Hans Ruedi»

«Danke, lieber Hans Ruedi» (Bild: Michael Würtenberg)

Der König des Baselbiets bekommt eine Reise zur amerikanischen Präsidentschaftswahl geschenkt.

Der König des Baselbiets bekommt eine Reise zur amerikanischen Präsidentschaftswahl geschenkt. (Bild: Michael Würtenberg)

Eier auf Eisenbahnschienen nageln geht eben doch. Der Beweis zum Abschied von Hans Rudolf Gysin.

Eier auf Eisenbahnschienen nageln geht eben doch. Der Beweis zum Abschied von Hans Rudolf Gysin. (Bild: Michael Würtenberg)

Ein Küsschen in Ehren kann niemand verwehren und zum Abschied ein magistraler, güldener Kugelschreiber von Sabine Pegoraro.

Ein Küsschen in Ehren kann niemand verwehren und zum Abschied ein magistraler, güldener Kugelschreiber von Sabine Pegoraro. (Bild: Michael Würtenberg)

Er kam, sah und ging.

Irgendwie schien an diesem «Tag der Wirtschaft», der eigentlich ein Abend, ein Abschiedsabend, für Hans Rudolf Gysin war, selbst die Sankt Jakobshalle eine Schuhnummer zu klein zu sein; trotz doppelt aufgezogener Grossleinwand und hunderter geladener Gäste. Die Baselbieter Regierung machte Gysin gleich in Corpore ihre Aufwartung, bis auf den – krankheitshalber – abwesenden Volkswirtschaftsdirektor Peter Zwick. Gysins Nachfolger Christoph Buser, Regierungsrätin Sabine Pegoraro und Bundesrat Johann Schneider Ammann referierten zwar zum Thema Wirschaftsförderung, doch das war an diesem Abend für einmal nur Nebenschauplatz. Es ging um ihn, Hans Rudolf Gysin, auch HRG genannt.

Für den ehemaligen FDP-Nationalrat war den Gästen keine Superlative zu peinlich, kein Geschenk zu symbolisch. Die Wirtschaftskammer schenkte ihrem Direktor zum Abschied eine Reise in die USA zum Präsidentschaftswahlkampf. Selbstverständlich inklusive Treffen von wichtigen Entscheidungsträgern und anderen Mächtigen, ganz auf der Augenhöhe des Chefs eben.

Die Regierung schenkte einen goldenen Kugelschreiber

Das überflüssigste Geschenk übergab die Baselbieter Regierungrätin Sabine Pegoraro, (Regierungspräsidentin, wie sie an diesem Abend angekündigt wurde): einen goldenen Kugelschreiber, «vergoldet», wie sie präzisierte. Denselben benutzen angeblich auch die Regierungsräte. Über dieses Amt ist Gysin längst hinweg, er ist nicht nur der sechste Baselbieter Regierungsrat, wie Peter Knechtli von Onlinereports in seinem lesenswerten XXL-Porträt treffend analysiert, er hat vielmehr die Baselbieter Politik stärker geprägt als jeder amtierende Regierungsrat der letzten dreissig Jahre. Seine wohl wichtigste Begabung sei es, Netzwerke zu bilden, seinen Seilschaften das Gefühl von Bedeutung zu verleihen und Abhängigkeiten zu schaffen, schreibt Knechtli.

Als ob Gysins Untergebene von der Wirtschaftskammer die Aussage noch unterstreichen wollen, bekam Gysin zum Andenken auch noch ein auf eine Eisenbahnschiene genageltes Ei mit der Innschrift: «Du hast das Unmögliche möglich gemacht.» Mehr geht nicht. Das schafft sonst nur noch Gott oder Jesus oder eben Gysin. Kein Wunder, dass ihn all die Rednerinnen und Redner mit «lieber Hans Ruedi» ansprachen. Das holte ihn zurück auf den Boden, machte ihn wieder menschlich. Einer von uns, auch er trotz allem gesegnet mit Stärken und Schwächen.

Ein Hinterbänkler in Bern, ein König im Baselbiet

Zu seinen Schwächen zählte wohl sein Einfluss auf das Parlament in Bern. Dort hatte er sich den Ruf eines Hinterbänklers eingehandelt. Im Baselbiet jedoch war er unangefochten der König, der jetzt nach 44 Jahren sein Szepter weiterreicht an seinen Verwandten, so etwas wie sein Ziehsohn, Christoph Buser.

Doch wie bei jedem Abschied gehört es zum guten Ton, über Schwächen zu schweigen. «Man kann in zwei Minuten dein Wirken nicht würdigen», schmeichelte etwa Regierungsrätin Pegoraro. Und Bundesrat Johann Schneider Ammann gratulierte zur «höchst erfolgreichen» Wirtschaftskammer Baselland und lobte deren Vater Gysin: «Er war ein virtuoser Netzwerker und Motivator und schaffte es immer wieder, die richtigen und wichtigen Leute zusammenzubringen (...) Das jahrzehntelange Engagement meines Parteifreundes und früheren Fraktionskollegen verdient allerhöchste Anerkennung. Vielen Dank Hans Ruedi.»

Der Robin Hood der KMU

Dann setzte die Wirtschaftskammer ihrem Übervater mit einem Film, ein Leben für die Wirtschaftskammer, endgültig ein Denkmal. Er sei der Robin Hood der KMU, sagte ein Weggefährte ins Mikrofon. «Unzählige Male stieg er als das Schwergewicht für das Gewerbe in den Ring», schallte es aus den Lautsprechern. «Sein Leistungskatalog ist gewaltig und füllt bereits die Geschichtsbücher», dazu eingeblendet eine Liste der unzähligen politischen Erfolge von HRG.

«Ich verabschiede mich jetzt und wünsche allen noch einen schönen Abend», waren schliesslich Gysins Schlussworte. Stehende Ovation. Dann sangen alle, fast alle, zu Ehren des Prattlers aus voller Kehle das Baselbieter Lied. Für Auswärtige, aber Gleichgesinnte wie den FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger, aber auch für Vergessliche war der Text wie an einem Karaoke-Abend auf den Grossleinwänden eingeblendet.

Und dann war da nur noch die Bitte auf der Einladung an die Medienschaffenden, sie sollten sich dezent verhalten während des Programms. Wir haben uns daran gehalten. Die Wirtschaftskammer mit ihrem Direktor Hans Rudolf Gysin vielleicht etwas weniger. 

Bisher wurden keine Kommentare zu diesem Artikel von der Redaktion hervorgehoben.

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Informationen zum Artikel

12.9.2012, 10:37 Uhr

Hans Rudolf der Grosse tritt ab – und alle traben an

Text

Text:

  • 22.05.2013 um 16:57
    Jagd auf Abfallsünder

    Nach Pfingsten machte das Amt für Umwelt und Energie mit der Stadtreinigung Jagd auf Abfallsünder, die trotz Feiertag ihren Abfallsack für die Kehrichtabfuhr bereitgestellt hatten. Knapp ein Viertel der Sünder konnte überführt werden.

  • 16.05.2013 um 15:33
    «In der Schweiz gibt es viele Anti-Sozialpartner»

    Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, erklärt im Interview, weshalb es so dringend einen Mindestlohn braucht.

  • 16.05.2013 um 15:16
    «Ich kenne die Sorgen und Nöte meiner Mitarbeiter»

    Marc Jaquet, Präsident des Arbeitgeberverbands Basel und selbst CEO eine Industriefirma warnt vor einem Mindestlohn.

  • 22.04.2013 um 16:36
    @Automatismus
    Zum Artikel: Mitte-Links tritt mit ehemaligem EVP-Landrat Thomi Jourdan an

    Danke für den Hinweis. Wir hätten gerne von Anfang an ein hochaufgelöstes Bild des Kandidaten gezeigt. Bis jetzt ist aber keines verfügbar.

  • 18.04.2013 um 22:21
    @Nestbeschmutzung?
    Zum Artikel: An der Baselworld wimmelt es von Scheinselbständigen

    Lieber Herr Hochhuth Vielen Dank für Ihren bissig ironischen und treffenden Kommentar. Ich könnte jetzt ernsthaft antworten: Ich sehe meine Aufgabe nicht darin, den Mächtigen zu gefallen. Ich möchte vielmehr möglichst aufdecken, was tatsächlich gespie...

  • 13.03.2013 um 09:39
    @Jacqueline Landmann
    Zum Artikel: Erstes Shoppingcenter in der Kantonshauptstadt

    Sie haben natürlich Recht. Stadtratspräsident Lukas Ott lobte ausdrücklich auch das Archtekturbüro. Es ist das Basler Büro Buchner Bründler.

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