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TagesWoche

Tages Woche

Sa, 25.05.2013

Kulturveranstaltungen 

7.9.2012, 00:01 Uhr

Nieder mit den Plakaten!

7.9.2012, 00:01 Uhr

Die Regierung säubert die Stadt. Auf der Strecke bleiben Kulturveranstalter, die kaum noch für ihre Anlässe werben können. Von Yen Duong

Keystone/Hans Baumgartner: Litfasssäulen für Plakate gibt es in Paris In schon seit Jahrzehnten. Kulturstadt Jetzt will, dass solche Säulen auch künftig in Basel zu sehen sind.

Litfasssäulen für Plakate gibt es in Paris In schon seit Jahrzehnten. Kulturstadt Jetzt will, dass solche Säulen auch künftig in Basel zu sehen sind. (Bild: Keystone/Hans Baumgartner)

Basel putzt sich heraus. Sprayschäden an Hausfassaden entfernt der Kanton im Rahmen des Projekts «Welcome» zu einem kleinen Selbstbehalt, Kleber an Schildern und Regenablaufrohren lässt er mühsam wegkratzen. Seit knapp zwei Jahren toleriert die Verwaltung auch keine wilden Plakate mehr. Veranstalter, die ihre Plakate trotzdem an unerlaubten Standorten anbringen, können seither mit bis zu 10 000 Franken gebüsst werden. Massnahmen, damit der Ersteindruck Basels bei Neuzuzügern und Touristen stimmt.

Die Rechnung der Regierung geht auf: Das Stadtbild ist ordentlicher ­geworden. Dies jedoch auf Kosten der Kulturveranstalter. Ihnen fehlt es an Werbeflächen, um auf ihre Anlässe aufmerksam zu machen. Zwar hat die Regierung im selben Atemzug das ­Plakatieren an öffentlichen Baustellen ­ermöglicht, doch diese paar Orte be­finden sich oft abseits der Fussgängerströme.

Verschärft wird die Situation jetzt auch noch durch das Bau- und Gastgewer­beinspektorat. Das Amt verlangt, dass für Plakatrahmen an privaten Fassaden in der Innenstadt nachträglich eine Baubewilligung eingeholt wird. Es schrieb jene Hausbesitzer an, die ihre Fas­saden der Werbefirma Kulturbox vermietet haben. Viele von ihnen haben in­zwischen kalte Füs­se bekommen und die Er­laubnis zum Plakatieren wieder zurückge­zogen.

Mehr Anfragen als Plakatstellen

Mike Beuttner, Geschäftsführer von Kulturbox, ist denn auch alles andere als zufrieden mit dem jetzigen Angebot an Plakatstellen. «Wir haben mehr ­Anfragen von Kulturveranstaltern als Plakatstellen zur Verfügung. Wenn jemand an 100 Stellen präsent sein möchte, können wir nur 20 anbieten. Wir müssen regelmässig Absagen erteilen.» Zudem habe die BVB Anfang Jahr ihren Preis für Plakate an den Verteilkästen von 120 auf 225 Franken fast verdoppelt. Der Schweizer Durchschnitt beträgt gemäss Beuttner 28 bis 45 Franken pro Verteilkasten und Jahr.

Zu schaffen macht der Zustand auch Thomas Keller, Geschäftsführer der Kaserne Basel: «Wir spüren seit ­anderthalb Jahren, dass wir an gewissen Veranstaltungen deshalb weniger Gäste haben. Weniger Passanten werden auf diverse Veranstaltungen aufmerksam.» Zum Glück sei die Kaserne ein grosser Veran­stalter und deswegen in den Medien präsent. Doch für kleinere Betriebe sei die Situation schwierig geworden, sie seien stärker auf kleine Plakatflächen angewiesen, sagt Keller.

Die Mitglieder des Vereins Kultur & Gastronomie, dem auch die Kaserne angehört, haben sich gemeinsam mit Kulturstadt Jetzt organisiert. Sie fordern, dass es in Basel-Stadt für Kulturveranstaltungen genügend sichtbare Plakatstellen in der Innenstadt gibt. Geht es nach Patrik Aellig von Kulturstadt Jetzt, sollen es rund 1500 A2-­Plakatstellen sein. Vorbild ist Zürich. Dort werden den Veranstaltern zahlreiche Säulen zur Verfügung gestellt. «Zürich ist uns weit voraus», sagt Aellig, «in Basel ist das Kulturleben leider kaum mehr sichtbar.» Und es sei nun mal nicht so, dass heute alles übers ­Internet laufe.

Ein Wahlkampfthema

Seit Anfang 2011 verhandeln die Veranstalter und Kulturstadt Jetzt mit der Verwaltung, um den akuten Mangel zu beheben. Geschehen ist allerdings nichts. «Wir warten seit Langem auf ein Grundsatzbekenntnis der Regierung. Wir befinden uns aber offensichtlich weit unten in der Prioritätenliste», sagt Aellig. Sauberkeit und Ordnung seien der Regierung wohl wichtiger.

Dass Handlungsbedarf besteht, findet auch Philippe Bischof, Leiter der Abteilung Kultur im Präsidialdepartement von Guy Morin: «Wir sind uns seitens der Verwaltung bewusst, dass im Bereich des Plakatierens für die Kulturveranstalter ein Engpass besteht.» Man bemühe sich ernsthaft, die Lage zu verbessern, sagt er.

Laut Niklaus Hofmann, Leiter der Allmendverwaltung, ist ein Konzept für die Kleinplakatierung in Bearbeitung. Details will er nicht verraten, nur so viel: «Wir wollen der Regierung diesen Herbst einen entsprechenden Vorschlag dazu unterbreiten. Weil es nicht einfach ist, so viele zusätzliche Plakatstellen zur Verfügung zu stellen, braucht es zuerst einen Grundsatzentscheid der Regierung.»

Kulturstadt Jetzt reichen diese Bekenntnisse nicht. «Goodwill alleine bringt uns nicht weiter», sagt Aellig. Und deshalb erstaunt es nicht, dass der Verein die fehlenden Plakatstellen einfordert und diese jetzt zum Wahlkampfthema macht.


 

  1. einfach wie Genf und Bern

    von André Erismann am 11.09.2012 um 22:23Uhr

    Die aktuelle Situation betreffend Kleinplakatiererei in Basel ist in der Tat sehr unbefriedigend.

    Dass Wildplakatieren unterbunden wurde, ist einigermassen verständlich – zogen doch in früheren Zeiten pro Tag 3-4 Touren mit je 180 Plakaten zum hängen durch die Innenstadt, deren Resultat dann meist innert Stundenfrist wieder abgerissen wurde – sei es von der Stadtreinigung oder von gewissen wütenden Ladenbesitzern oder pingeligen Bürgern. Dies war eine enorme ‚Papierschlacht‘ und für die Umwelt eher weniger gut.

    Dass die APG einfach Stellen der Wildplakatierer (z.B. Säulen beim Heuwaage-Parkhaus) mit eigenen ‚offiziellen‘ Stellen annektierte und horrende Gebühren einstreichen darf, geht aber auch nicht und ist für die kulturell orientierte Veranstaltungswerbung desaströs.

    Dass wir aber in der Stadt ein Duopol – eigentlich sogar ein Monopol, denn die s.e.a GmbH, als zweiter Anbieter, versagt gegen die Kulturbox GmbH total – von zwei Kulturplakat-Firmen haben, ist auch nicht in Ordnung. Da der Markt nicht spielt und es nur zwei Anbieter mit zu wenigen verfügbaren Plätzen gibt, kann sich hier wie die APG im grösseren Stil eine Firma gute Erträge einstreichen!

    Vorbild sollte meiner Meinung nach nicht Zürich sein, denn dort kostet das Schalten von Werbung an den Kultursäulen (via ALIVE GmbH) auch ordentlich Geld, sondern Genf: Dort sind viele Stromverteiler-Elektrokästen mit simplen Klemmrahmen versehen und jedermann/frau kann seine Plakate selber und gratis reinhängen gehen. Dies war jedenfalls vor einigen Jahren so, mittlerweile hat sich dies eventuell auch geändert (ich bin nicht mehr in diesem Business aktiv…).
    Oder die Stadt Bern: Dort gibt’s etliche für alle zugängliche freie Flächen extra für Kulturwerbung.
    Beide Städte gemäss dem Prinzip ‚first come, first served‘ oder wer persönlich am aktivsten ist, hat auch seine Werbung präsent…

    Also liebe Behörden der Stadt Basel, so kompliziert ist es nicht und braucht auch kein superkomplexes Konzept: Einfach freie Flächen und Rahmen explizit für kulturelle Promotion zur Verfügung stellen, die Kulturszene wird sich deren gerne annehmen und gucken, dass diese auch interessant, bunt und sauber aussehen.

    Direktlink zum Kommentar

  1. einfach wie Genf und Bern

    von André Erismann um 11.09.2012 um 22:23Uhr

    Die aktuelle Situation betreffend Kleinplakatiererei in Basel ist in der Tat sehr unbefriedigend.

    Dass Wildplakatieren unterbunden wurde, ist einigermassen verständlich – zogen doch in früheren Zeiten pro Tag 3-4 Touren mit je 180 Plakaten zum hängen durch die Innenstadt, deren Resultat dann meist innert Stundenfrist wieder abgerissen wurde – sei es von der Stadtreinigung oder von gewissen wütenden Ladenbesitzern oder pingeligen Bürgern. Dies war eine enorme ‚Papierschlacht‘ und für die Umwelt eher weniger gut.

    Dass die APG einfach Stellen der Wildplakatierer (z.B. Säulen beim Heuwaage-Parkhaus) mit eigenen ‚offiziellen‘ Stellen annektierte und horrende Gebühren einstreichen darf, geht aber auch nicht und ist für die kulturell orientierte Veranstaltungswerbung desaströs.

    Dass wir aber in der Stadt ein Duopol – eigentlich sogar ein Monopol, denn die s.e.a GmbH, als zweiter Anbieter, versagt gegen die Kulturbox GmbH total – von zwei Kulturplakat-Firmen haben, ist auch nicht in Ordnung. Da der Markt nicht spielt und es nur zwei Anbieter mit zu wenigen verfügbaren Plätzen gibt, kann sich hier wie die APG im grösseren Stil eine Firma gute Erträge einstreichen!

    Vorbild sollte meiner Meinung nach nicht Zürich sein, denn dort kostet das Schalten von Werbung an den Kultursäulen (via ALIVE GmbH) auch ordentlich Geld, sondern Genf: Dort sind viele Stromverteiler-Elektrokästen mit simplen Klemmrahmen versehen und jedermann/frau kann seine Plakate selber und gratis reinhängen gehen. Dies war jedenfalls vor einigen Jahren so, mittlerweile hat sich dies eventuell auch geändert (ich bin nicht mehr in diesem Business aktiv…).
    Oder die Stadt Bern: Dort gibt’s etliche für alle zugängliche freie Flächen extra für Kulturwerbung.
    Beide Städte gemäss dem Prinzip ‚first come, first served‘ oder wer persönlich am aktivsten ist, hat auch seine Werbung präsent…

    Also liebe Behörden der Stadt Basel, so kompliziert ist es nicht und braucht auch kein superkomplexes Konzept: Einfach freie Flächen und Rahmen explizit für kulturelle Promotion zur Verfügung stellen, die Kulturszene wird sich deren gerne annehmen und gucken, dass diese auch interessant, bunt und sauber aussehen.

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7.9.2012, 00:01 Uhr

Nieder mit den Plakaten!

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Text:

  • 25.05.2013 um 13:45
    BVB kündigen Kioskbetreiber

    In jahrelanger Arbeit verwandelte ein Ehepaar eine Bruchbude in einen florierendes Geschäft. Jetzt haben sie von den BVB die Kündigung für ihren Kiosk am Kannenfeldplatz bekommen. Was mit dem denkmalgeschützten Tramhäuschen geschehen soll, ist unklar.

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