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TagesWoche

Tages Woche

Do, 20.06.2013

Arbeitsklima 

7.9.2012, 00:01 Uhr

Pöstler schnüren ein dickes Frust-Paket

7.9.2012, 00:01 Uhr

Die Post versetzt zwei Paketpöstler, die sich für ihre Pause wehren. Jetzt zeigen interne Dokumente, wie schlecht es den Basler Paketpöstlern wirklich geht. Von Matieu Klee

Urs Flüeler: Der Eindruck täuscht: So aufgeräumt wie vor dem Verteilzentrum der Post in Mägenwil ist die Stimmung unter den Basler Paketpöstlern nicht.

Der Eindruck täuscht: So aufgeräumt wie vor dem Verteilzentrum der Post in Mägenwil ist die Stimmung unter den Basler Paketpöstlern nicht. (Bild: Urs Flüeler)

Die Zufriedenheit des Personals bei der Basler Paketpost sei im Keller, sagt Fritz Bütikofer von der Gewerkschaft Transfair. Doch wie schlecht es um das Arbeitsklima wirklich steht, zeigen erst jetzt neu aufgetauchte interne Dokumente. Die Post beauftragte ein Marktforschungsinstitut, eine Umfrage zur Zufriedenheit des Personals durchzuführen. So wurden auch die Basler Paketpöstler gefragt, ob ihre Leitung vorbildlich und vertrauenswürdig sei. Das Resultat ist vernichtend: Während die Post konzernweit mit über 70 von möglichen 100 Punkten glänzt, verteilen die Basler Paketpöstler nicht einmal halb so viele Punkte.

Tiefstwerte auch auf die Frage nach positiven Veränderungen und auf die Frage, ob sich der Arbeitsbereich in die richtige Richtung entwickle. Unzufrieden sind die Angestellten zudem auch damit, wie die örtliche Leitung kommuniziert. Die rekordverdächtig tiefen Noten für die Leitung der Basler Paketpost ziehen die Zufriedenheit des Basler Paketpost-Personals insgesamt nach unten. So ist deren Personalzufriedenheit im Vergleich zum Durchschnitt im Konzern durchs Band markant tiefer. Auffallend auch der Mehrjahresvergleich: Während die Zufriedenheit vieler Basler Paketpöstler noch im Jahr 2010 annähernd durchschnittliche Werte erzielte, ist diese in den letzten zwei Jahren richtiggehend eingebrochen. Die schlechtesten Noten verteilten die Pöstler ihrer Bereichsleitung.

Eingeschüchterte Pöstler

Stephan Feld von der Gewerkschaft Syndicom verlangt deshalb von der Post, nicht länger die Augen zu verschliessen vor der «miserablen Stimmung unter den Basler Paketpöstlern». Die Paketpöstler seien eingeschüchtert, seit die Vorgesetzten zwei Paketpöstler aus der Innenstadt versetzten, nur weil diese sich beklagt hatten, sie fänden keinen Parkplatz, um die vorgeschriebene Mittagspause einzuhalten. Mit ihrem Führungsstil schüre die örtliche Leitung die Angst der Mitarbeiter. Die beiden versetzten Paketpöstler zählten zu den besten, wie selbst die Post der Gewerkschaft gegenüber bestätigt habe. Damit sei das Signal für die Kollegen klar. «Wenn es sich selbst die Besten nicht leisten können, sich zu wehren, wer soll dann noch den Mund aufmachen?», fragt Feld.

Die Post selbst will sich zu den schlechten Werten bei ihrer Personalumfrage in Basel nicht äussern. Hingegen betont Postsprecher Bernhard Bürki, umfangreiche Abklärungen hätten gezeigt, dass die zwei versetzten Basler Paketpöstler schweizweit die einzigen seien, die in der Innenstadt keinen Parkplatz fänden. «Alle anderen Paketboten finden einen Parkplatz, auch in der Innenstadt. Dort ist dies zwar schwieriger, aber nicht unmöglich», erklärt der Postsprecher.

Aufsichtsbehörde müsste einschreiten

Für den Arbeitsrechtsprofessor Thomas Geiser von der Universität St. Gallen aber ist klar: «Die Post muss dafür sorgen, dass ihre Angestellten die vorgeschriebene Mittagspause einhalten können.» Und wenn sie dies nicht garantieren könne, müsse jetzt die Aufsichtsbehörde einschreiten. Schliesslich liege der Verdacht auf der Hand, dass auch die Nachfolger der beiden versetzten Pöstler ihre Mittagspause nicht gesetzeskonform einhalten könnten.

Doch das zuständige Bundesamt für Verkehr (BAV) winkt ab. Das BAV habe keine weiteren Hinweise, dass bei der Post «Defizite bei der Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes» bestehen würden. «Angesichts der Tatsache, dass die Post rund 40 000 Arbeitnehmende zählt, geht das BAV davon aus, dass vermehrt Meldungen eingehen würden, sollte die Post das Arbeitszeitgesetz nicht korrekt einhalten.» Das ist erstaunlich, betonen doch die beiden Post-Gewerkschaften Syndicom und Transfair übereinstimmend, dass sie deswegen schon mehrfach bei der Post vorstellig wurden – ohne Erfolg.
Wie es mit den beiden strafversetzten Paketpöstlern weitergeht, ist unklar. Inzwischen ist auch der zweite Paketpöstler, der sich für seine Mittagspause gewehrt hatte, krank geschrieben.

  1. Nicht nur die Post

    von Inaktiver Nutzer am 10.09.2012 um 20:34Uhr

    Lieferdienste bieten ein vermeintlich niederschwelliges Job-Angebot. Nur ein Führerschein wird benötigt, das heisst, beinahe jeder könnte es.

    Der zur Zeit grassierende Dünkel des Ausbildungs- und Verwaltungsbürgertums hält sich für haushoch überlegen und gibt das allen, die es für unterlegen, also ausbildungsfern, hält, zu spüren. Dass bei der Post vergleichsweise sehr gute Arbeitsbedingungen herrschen, verstärkt diese Arroganz von oben.

    Diese Fahrer wurden nicht dafür bestraft, dass sie sich aus dem Fenster lehnten, sondern um den Rest einzuschüchtern und zu disziplinieren.
    Direktlink zum Kommentar

  1. Nicht nur die Post

    von Inaktiver Nutzer um 10.09.2012 um 20:34Uhr

    Lieferdienste bieten ein vermeintlich niederschwelliges Job-Angebot. Nur ein Führerschein wird benötigt, das heisst, beinahe jeder könnte es.

    Der zur Zeit grassierende Dünkel des Ausbildungs- und Verwaltungsbürgertums hält sich für haushoch überlegen und gibt das allen, die es für unterlegen, also ausbildungsfern, hält, zu spüren. Dass bei der Post vergleichsweise sehr gute Arbeitsbedingungen herrschen, verstärkt diese Arroganz von oben.

    Diese Fahrer wurden nicht dafür bestraft, dass sie sich aus dem Fenster lehnten, sondern um den Rest einzuschüchtern und zu disziplinieren.
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Informationen zum Artikel

7.9.2012, 00:01 Uhr

Pöstler schnüren ein dickes Frust-Paket

Text

Text:

  • 20.06.2013 um 06:00
    Gewerkschaft will keinen Maulkorb mehr bei Lohndumpingfällen

    Es war ein einmaliger Akt: Die Messe versprach die Lohndumpingkontrollen zu zahlen. Im Gegenzug sicherten die Gewerkschaften zu, keine Lohndumpingfälle öffentlich zu machen. Die Gewerkschaften würden auf diesen Handel kein zweites Mal eingehen.

  • 19.06.2013 um 15:25
    Polizisten zeigen Partygänger an

    Die Basler Polizei reicht bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen Teilnehmer der illegalen Party auf dem Messeplatz ein. Damit drohen selbst denjenigen Strafen, die bei der polizeilichen Räumung gar nicht gewalttätig wurden. Es genügt, bis zum Schluss dabei gewesen zu sein.

  • 17.06.2013 um 16:44
    Anzeige zwang Polizei nicht zur Räumung

    Sicherheitsdirektor Baschi Dürr verteidigt den umstrittenen Polizeieinsatz vom Freitagabend damit, dass eine Anzeige der Messe vorlag. Diese durfte gar den Zeitpunkt der Polizeiaktion bestimmen. Zu Unrecht.

  • 19.06.2013 um 16:04
    @Judihee Hueber
    Zum Artikel: Anzeige zwang Polizei nicht zur Räumung

    Die Ausführungen des von Ihnen verlinkten Bundesgerichtsentscheids betreffen einen Werkplatz. Im Unterschied dazu ist der Messeplatz ein öffentlicher Platz, für welchen die Messe lediglich ein temporäres Nutzungsrecht genoss. Möglicherweise wird die E...

  • 18.06.2013 um 23:23
    @Judihee Hueber
    Zum Artikel: Anzeige zwang Polizei nicht zur Räumung

    Besten Dank für den Hinweis. Gemäss Einschätzung der zwei zitierten Strafrechtsprofessoren lag kein Hausfriedensbruch vor. Wir gehen der Sache aber gerne nach.

  • 12.06.2013 um 08:35
    @Martin Hess
    Zum Artikel: Bundesrat muss sich mit Abhängigkeit von TV-Moderatoren befassen

    Die Zeitschrift Beobachter hat vor eine paar Jahren einen lesenswerten Artikel zu Ihrer Frage veröffentlicht: «News-Journalisten müssen unabhängige, kritische Geister sein. Ist das noch gewährleistet, wenn sie für gutes Geld PR-Anlässe für Firmen moder...

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