Open

eingeloggt als
Ausloggen


An Redaktion schreiben

  • Erlaubte Dateiformate: Bilder (jpg, png, gif) Dokumente (pdf)

eingeloggt als
Ausloggen


Mein Kommentar

Registrierung

Mit Ihrem Benutzerkonto können Sie Ihr Abo verwalten, Artikel kommentieren und mit anderen Leserinnen und Lesern in Kontakt treten.

Das Benutzerkonto ist kostenlos und kann jederzeit wieder gelöscht werden.

Bitte geben Sie Ihre E-Mail Adresse ein. Wir werden diese unter keinen Umständen an Dritte weitergeben.

Fast fertig...

Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.

Bitte prüfen Sie Ihren Posteingang und aktivieren Sie Ihr Benutzerkonto, indem Sie auf den Link in der E-Mail klicken.

Sollten Sie die E-Mail innert 10 Minuten nicht erhalten haben, kontrollieren Sie, ob die E-Mail möglicherweise im Spam-Filter hängen geblieben ist. Ist die E-Mail auch dort nicht aufzufinden, schreiben Sie uns an anmelden@tageswoche.ch und wir kümmern uns darum.

Wir freuen uns, Sie in wenigen Minuten in unserer Community begrüssen zu dürfen.

Passwort wiederherstellen

TagesWoche

Tages Woche

Mi, 22.05.2013

Theaterfestival Basel 

5.9.2012, 11:55 Uhr

«Smile and die»

5.9.2012, 11:55 Uhr

Der gefeierte südafrikanische Theatermacher Brett Bailey legt dem klassischen Dramenstoff von Medea ein afrikanisches Gewand um, präsentiert aber nicht viel mehr als eine aufgepoppte und über weite Strecken allzu leicht verdauliche Variante der griechischen Tragödie. Von Dominique Spirgi

Peter Hugo & Brett Bailey: Wie diese drei Herren aufs Plakat gekommen sind, ist rätselhaft: Auf der Bühne ist von Ihnen nichts zu sehen.

Wie diese drei Herren aufs Plakat gekommen sind, ist rätselhaft: Auf der Bühne ist von Ihnen nichts zu sehen. (Bild: Peter Hugo & Brett Bailey)

Es gibt diesen einen Moment, während des gut anderthalbstündigen Theaterabends, der verstört und haften bleibt. Wie bei einem Popkonzert sagt der Priester und Zeremonienmeister den Namen des Schlagzeugers an, der zu diesem Zeitpunkt bereits über eine Stunde lang alles gegeben hat. Und wie bei einem Popkonzert spendet das Publikum Frank Paco, so der richtige Name des Musikers, den absolut verdienten Applaus. Erst nach einer gewissen Zeit nimmt man wahr, dass dies ein durchtriebenes Ablenkungsmanöver war. Denn zur selben Zeit macht sich am rechten Bühnenrand Jason auf brutale Weise über seine Frau Medea her, der er soeben offenbart hat, dass er sie wegen einer anderen Frau verlassen werde. Er vergewaltigt sie, während das Publikum applaudiert!

Der Südafrikaner Brett Bailey und seine Compagnie Third World Bunfight haben sich mit ihren Theaterinstallationen als versierte Chronisten des Unheils im postkolonialen Afrika einen Namen gemacht. Im jüngsten Projekt dient der klassische griechische Mythos der Medea als Vorlage – im konkreten Fall in der dramatischen Bearbeitung durch den Niederländer Oscar van Woensel mit dem Titel «medEia». Medea ist der klassische Tragödienstoff schlechthin. Immenses Unheil haftet dem Schicksal der titelgebenden Hauptfigur an, vom Raub des goldenen Vlieses, über die Flucht mit dem Argonatenführer Jason, auf der sie ihren Bruder töten muss, bis hin zum beispiellosen finalen Racheakt an ihrem Ehemann, der darin mündet, dass sie ihre beiden Söhne umbringt. 

Eindrücklicher Chor

In Brett Baileys szenischer Umsetzung ist Medea eine Art afrikanische Priesterin, die vom weissen Macho Jason aus ihrer traditionellen, von Stammesriten geprägten Welt herausgerissen und als Geliebte nach Europa gebracht wird. «In the rich part of the world», wie der Chor verdeutlicht. Der Chor, er besteht aus drei schönen afrikanischen Frauen in langen weissen Gewändern und mit weissen Turbanen auf dem Kopf, ist Zentrum und Herzschlag des Theaterabends. Vom hypnotisierenden Schlagzeugrhythmus begleitet oder besser getrieben und durchgehend synchron im Takt dazu wippend, erzählen sie die Geschichte und kommentieren sie das Geschehen – zum Teil sarkastisch, zum Teil tief berührt. Wie der klassische Tragödienchor leiden sie mit der Hauptfigur mit und verzweifeln in ihrer unheilvollen Vorahnung und am Umstand, nicht in das schreckliche Geschehen eingreifen zu können. «Not with this man?» rufen sie Medea zu, die sie aber nicht hören kann. «It's not good to be a woman», lautet sodann der sarkastische Kommentar dazu.

Das trotz dieses aufgepoppten Arrangements recht klassisch wirkende Zusammenspiel von Chor und Schlagzeug fasziniert und zieht das Publikum in der gut gefüllten Reithalle in seinen Bann. Aber nicht genug, dass sich die Frage verdrängen lässt, was für eine Geschichte Brett Bailey uns mit dieser «medEia» eigentlich erzählen will. Der aktuelle Bezug mit der Immigrantin aus Afrika, die in Europa unter die Räder gerät, wird zwar erzählerisch dargelegt, im eigentlichen Spiel aber nicht wirklich nachvollzogen. Das tragische Schicksal von Jason, dem herrisch auftretenden weissen Unterdrücker, und Medea, der unheilbehafteten und -bringenden schwarzen Frau, bleibt im Privaten stecken. Dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, dass Bailey immer wieder seichte Popsongs einfliessen lässt. Wenn Medea ihre Kinder umbringt und ihnen dabei die sarkastisch tröstenden Wort «smile and die» zumurmelt, ist dies kein wirklicher Aufschrei gegen die Ungerechtigkeit dieser Welt.

Die brutale Realität bleibt draussen

Auf dem Plakat zur Aufführung (siehe Bild), sind drei ausgesprochen unangenehm wirkende Gestalten zu sehen: maskierte jugendliche Gangster oder Soldaten, mit Holzknüppel und Eisenketten bewaffnet. Ein Stück Realität in gewissen Teilen Afrikas, die noch immer von Kriegen und Machtkämpfen, von Armut und deren Kollateralschäden geprägt ist. Es ist ein eindrückliches Bild. Leider aber tauchen solche Bilder auf der Bühne nicht auf. Nicht unmittelbar, aber auch nicht wirklich in den Köpfen der Zuschauerinnen und Zuschauer. Dafür ist das szenische Geschehen alles in allem etwas zu sauber und zu glatt. Und wenn Medea dem Publikum am Schluss ein verächtliches «Fuck you!» entgegenspuckt, nimmt man das allzu unberührt zur Kenntnis.

  • Theaterfestival Basel: Brett Bailey / Thirld World Bunfight – «medEia» nach Oscar von Woensel, Regie: Brett Bailey, Mit: Faniswa Yisa, Mbulelo Grootboom, Apollo Ntshoko, Frank Paco, Namhla Tshuka, Indalo stofile, Mbali Kgosidintsi. Weitere Vorstellung: Mittwoch, 5. September., Kaserne Basel, Reithalle.

 

 

Bisher wurden keine Kommentare zu diesem Artikel von der Redaktion hervorgehoben.

Kommentieren

Informationen zum Artikel

5.9.2012, 11:55 Uhr

«Smile and die»

Text

Text:

  • 16.05.2013 um 12:00
    «Die Zeit sitzt uns im Nacken»

    Martin Wigger, Tomas Schweigen und Simon Solberg sollten das Schauspiel des Theater Basels ein Jahr lang interimistisch führen. Jetzt ist Solberg weg, und Wigger und Schweigen können für zwei weitere Jahre planen. Wie lebt es sich im künstlerischen Provisorium?

  • 07.05.2013 um 18:37
    Das Theater Basel lüftet den Vorhang

    Bei der Saisonvorschau 2013/14 bestätigte das Theater Basel offiziell, was die TagesWoche bereits verkündet hatte: Das Schaupiel macht ohne Simon Solberg im Leitungsteam weiter, während Calixto Bieito neu als «Artist in Residence» ans Haus gebunden wird.

  • 04.05.2013 um 12:26
    Ein spätwinterlicher Sommernachtstraum

    Einen Jux wollen sie sich machen: Mit «Vaudeville! Open Air» setzt das Basler Schauspiel auf dem Theaterplatz einen luftigen, spielfreudigen, letztlich aber recht belanglosen Schlussstrich unter die Saison 2012/13.

  • 15.05.2013 um 21:03
    Dass ich einmal ...
    Zum Artikel: Ein ganz knapper Entscheid gegen die Schweizerdeutsch-Quote

    ... einem liberaldemokratischen Grossratspräsidenten dankbar sein muss, dass er mit seinem Stichentscheid, die (nicht mehr betroffenen) Genossen auf dem Bruderholz und die SVP-Populisten von sonst wo vor einer unüberlegten Aktion bewahrt – wer hätte da...

  • 21.03.2013 um 17:07
    Tag des Denkmals
    Zum Artikel: Schulhausarchitektur-Führung meidet das Kleinbasel

    Vielen Dank für Ihren Hinweis. Selbstverständlich werden wir gerne über den Europäischen Tag des Denkmals berichten.

  • 07.03.2013 um 18:42
    Die Bebbi haben doch ...
    Zum Artikel: «Wir haben gesündigt, weil wir nicht stricken können»

    ... als Männerclique viel zu wenige Pfeifer, weshalb sie auch eine Punk-Band auftreten lassen müssen. Was aber keineswegs als Votum gegen den Super-Zug aufgefasst werden sollte. Ganz und gar nicht! Der Zug war super!

Aktuell

: Er hat der Orgel mit seinem Spiel die Türen zum Psychedelikrock geöffnet: Ray Manzarek.
1

Listomania 

Örgeli-Rock für die Ewigkeit

Mit Ray Manzarek (The Doors) ist ein weiterer grosser Rock-Orgler gestorben – was uns dazu veranlasst, an sieben unverwüstliche Klassiker zu erinnern, in denen die Orgel eine dominante Rolle spielte: Von «Light My Fire» bis «A Whiter Shade Of Pale».Von Marc Krebs. Weiterlesen1 Kommentar

KEYSTONE, Ayse Yavas / Bearbeitung: Hans-Jörg Walter: Happy Birthday: Der Autor Urs Widmer feiert am 21. Mai 2013 seinen 75. Geburtstag.

Zum 75. Geburtstag 

Wie mich Urs Widmer zum Leser machte

Es war mein erstes Buch, es war mein erster Urs Widmer-Roman – und «Im Kongo» hat mich verändert. Für immer. Ein Dankeschön zum 75. Geburtstag von Urs Widmer.Von Amir Mustedanagić. Weiterlesen

1