LOGIN

Registrierung

  • Mit Ihrem Benutzerkonto können Sie Ihr Abo verwalten, Artikel kommentieren und mit anderen Leserinnen und Lesern in Kontakt treten.

    Das Benutzerkonto ist kostenlos und kann jederzeit wieder gelöscht werden.

    Bitte geben Sie Ihre E-Mail Adresse ein. Wir werden diese unter keinen Umständen an Dritte weitergeben.

Registrierung

Fast fertig...

Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt. Bitte prüfen Sie Ihren Posteingang und aktivieren Sie Ihr Benutzerkonto, indem Sie auf den Link in der E-Mail klicken.

Kultur

Open

eingeloggt als
Ausloggen


An Redaktion schreiben

  • Erlaubte Dateiformate: Bilder (jpg, png, gif) Dokumente (pdf)

Registrierung

Mit Ihrem Benutzerkonto können Sie Ihr Abo verwalten, Artikel kommentieren und mit anderen Leserinnen und Lesern in Kontakt treten.

Das Benutzerkonto ist kostenlos und kann jederzeit wieder gelöscht werden.

Bitte geben Sie Ihre E-Mail Adresse ein. Wir werden diese unter keinen Umständen an Dritte weitergeben.

Fast fertig...

Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.

Bitte prüfen Sie Ihren Posteingang und aktivieren Sie Ihr Benutzerkonto, indem Sie auf den Link in der E-Mail klicken.

Sollten Sie die E-Mail innert 10 Minuten nicht erhalten haben, kontrollieren Sie, ob die E-Mail möglicherweise im Spam-Filter hängen geblieben ist. Ist die E-Mail auch dort nicht aufzufinden, schreiben Sie uns an anmelden@tageswoche.ch und wir kümmern uns darum.

Wir freuen uns, Sie in wenigen Minuten in unserer Community begrüssen zu dürfen.

Passwort wiederherstellen

Theaterfestival Basel 

4.9.2012, 13:59 Uhr

Blick zurück auf die merkwürdige Gegenwart

4.9.2012, 13:59 Uhr

Die Theatergruppe Far A Day Cage gewährt am Theaterfestival Basel mit «Urwald» einen aufschlussreichen Blick aus der fernen Zukunft auf unsere merkwürdige Gegenwart. Von

Far A Day Cage: Der «Transformer» ist netter als er aussieht: «Urwald» von Far A Day Cage»

Der «Transformer» ist netter als er aussieht: «Urwald» von Far A Day Cage» (Bild: Far A Day Cage)

Wenn man sich für einige Wochen in die verschneite Abgeschiedenheit des Muotataler Urwalds zurückzieht, erhält man offensichtlich einen neuen Blick auf die städtische Gegenwart: Man sieht Wasser, abgepackt in «Plustik», das gegen buntes Papier eingetauscht wird. Man sieht sich «Bicyclern» und Vierradboxen gegenüber, letztere zwar mit fünf Plätzen ausgestattet, meist aber nur mit einer Person besetzt. Wenn man als Zuschauer oder Zuschauerin in diese Welt geführt wird, beobachtet man mit ironischer Distanz das «Fortpflanzungspech» der Menschen – der inszwischen ausgestorbenen «Spätmenschen», denn der Blick auf die städtische Gegenwart ist nur eine Simulation, die von unseren Nachkommen aus ferner Zukunft erschaffen wurde. Und man entdeckt wild aussehende Gestalten, «Transformer» genannt: ein pelziges Zottelwesen mit Hirschgeweih, ein voluminöses Biest mit klitzekleinem Hasenkopf, ein wandelnder Tannenbaum oder ein kleingewachses Monsterchen mit einem enormen fangzahnbesetzten Maul. Und man sieht, aufgereiht vor einer Hütte vor der Klingentalturnhalle bei der Kaserne, die normalen Passanten, die aus dieser Perspektive betrachtet allzu normal nicht wirken.

«Urwald» heisst der jüngste Streich der Zürcher Theatertruppe Far A Day Cage rund um Tomas Schweigen – eine der interessantesten Positionen in der freien Theaterszene der Schweiz. Es ist zugleich ihr vorerst letzter Auftritt in der freien Theaterwildbahn, denn die Theaterleute lassen sich als Group in Residence ins Theater Basel einverleiben – mit Tomas Schweigen als Co-Direktor des Schauspiels. Das mag wohl auch ein Grund dafür gewesen sein, dass sich Far A Day Cage noch einmal einen wahrhaftig freien Auftritt gegönnt hat: frei von jeglichen Theaterkonventionen und Vorlagen aus der Theaterliteratur.

Auf Abenteuerreise

Herausgekommen ist eine Art Erfahrungsbericht bzw. eine angereicherte Dokumentation einer abenteuerlichen Reise, auf die sich die Theaterleute tatsächlich begeben hatten. Die Reise hatte in eine einsame Berghütte im verschneiten Schwyzer Muotatal geführt. Im Gepäck mit dabei hatte die Reisegruppe neben warmen Kleidern, Schneeschuhen und viel Schnaps eine Auswahl von Sagenbüchern und das Werk «Survival total», das in der Wildnis natürlich nicht fehlen darf. Diese Hütte haben die Theaterleute nun nachgebaut und auf das Kasernenareal gestellt. An der Festivalkasse wird das Publikum in zwei Gruppen aufgeteilt. Die mit dem grünen Kärtchen nehmen zuerst im oben beschriebenen Aussenbereich Platz, die mit den roten werden in die Hütte geführt.

In dieser Hütte ist zu erleben, was passiert, wenn in der Abgeschiedenheit, angereichert durch regen Schnapskonsum und die Lektüre von Sagenbüchern, Realität und Fiktion zu verschwimmen beginnen. Aus dem anfänglichen Hüttenkoller erwachsen langsam Ängste vor nicht definierbaren Geräuschen, die von draussen in die Hütte dringen. Zuerst ist ein Klopfen an der Tür, dann gibt der Stromgenerator den Geist auf und das Licht geht aus. Panik greift um sich, die Hütteninsassen ergreifen die Flucht und – so die einleitende Erklärung zu Beginn – verschwinden für immer. Das realistische Spiel der fünf Schauspielerinnen und Schauspieler lehnt sich ganz offensichtliche an die bekannte filmische Dokufiktion «Blair Witch Project» an. Nur dass in diesem Fall die unheimlichen Wesen aus der unheimlichen Umgebung – es handelt sich um die oben beschriebenen Gestalten – am Schluss tatsächlich auftauchen – und wir erfahren, dass diese zwar gruselig aussehen, in ihrem wirklichen Wesen aber sehr putzig und lieb sind. Das zeigt sich spätestens dann, wenn sie wundervoll mehrstimmig das liebliche Jodelchörli «Mis liebschte Huus schtoht ganz ellei» anstimmen.

Blick zurück aus der fernen Zukunft

Im zweiten bzw. anderen Teil des Abends begegnet man den Figuren aus der Hütte wieder. Dieses mal nicht mehr als definierte Individuen, sondern als Prototypen der Spätmenschen in einer Simulation des Stadtlebens aus dem Jahre 2012. Diese Simulation, so erklärt ein Sprecher den Zuschauerinnen und Zuschauern, die nun mit Kopfhörern bestückt draussen Platz genommen haben, stammt aus einer fernen Zukunft, 700 Jahre nach unserer Zeit. In einem wissenschaftlichen Ton vorgetragen ist zu erfahren, wie die Archäologen und Historiker aus der fernen Zukunft zu ergründen versuchen, wie die Menschen vor 700 Jahren gelebt haben und wie sie ihrem Untergang entgegensteuerten. Hinreissend komisch wirkt es, wenn in dieser Beschreibung kleine Fehldeutungen und im Rückblick nicht deutbare Details auftauchen – was wahrscheinlich auch den Geschichtsforschern von heute unterläuft. Einen besonderen Reiz erhält das Ganze, weil der reale Alltag, der Auto-, Velo- und Tramverkehr, die Passantinnen und Passanten, die dunkelhäutigen Asylbewerber auf den Bänken sowie ein zufällig vorfahrendes Polizeifahrzeug, zum Teil der Szenerie werden. Auch hier verschwimmen Fiktion und Realität.

Dieser rührend-komische Rückblick auf unser Leben in der Stadt hat ganz aufschlussreiche Momente, vom ganz grossen Erkenntnisgewinn kann aber kaum die Rede sein. Zumindest inhaltlich. Denn von der Form her und in ihrer hinreissend verspielten Fantasie zeigt die Truppe, was im Theater auch jenseits der literarischen Bühnenkonvention alles möglich ist. Und wie vergnüglich Abstecher an und über die hergebrachten Spartengrenzen sein können. «Urwald» ist ein äusserst gelungenes Projekt, das ausserhalb des institutionellen Theaters entstanden ist. Man darf nun sehr gespannt darauf sein, wie sich Far A Day Cage künftig innerhalb des Stadtheaterbetriebs schlagen wird.

 

  • Theaterfestival Basel: Far A Day Cage – «Urwald»
  • Regie: Tomas Schweigen, Raum: Stephan Weber, Demian Wohler, Bühnenbild: Doia Mataré, Kostüme: Anne Buffetrille
  • Mit: Philippe Graff, Vera von Gunten, Silvester von Hösslin, Jesse Inman, Tomas Schweigen, Mareike Sedl
  • Weitere Vorstellungen: 04./05.09.12, Kasernenareal.
Mehr zum Thema

Mehr zum Thema

Kultur, Theater, Kaserne Basel

Die Geschichten des Tages

Abonnieren Sie unseren Newsletter. Die Geschichten des Tages, jeweils um 17 Uhr bequem und kostenlos per Mail geliefert.

Verwandte Artikel

Lust am Spiel zwischen den Disziplinen Weiterlesen

Auftakt zum Theaterfestival Basel Weiterlesen

Möbel und andere Sperrgüter Weiterlesen

No time for art? Das Theaterfestival wühlt erst mal auf Weiterlesen

Das Teatr Polski am Theaterfestival Basel Weiterlesen

Tageswoche honorieren

Alternativen:

Postfinance, Paypal, Flattr

Reaktionen

Bisher wurden noch keine Beiträge von der Redaktion hervorgehoben.

Noch keine Beiträge. Schreiben Sie den ersten.

Informationen zum Artikel

4.9.2012, 13:59 Uhr

Blick zurück auf die merkwürdige Gegenwart

Text

Text:

  • 24.10.2014 um 18:21
    Die radikale Poesie der Plakatabreisser

    Was vor der Graffitiwelle geschah: Das Museum Tinguely eröffnet mit der Ausstellung «Poesie der Grossstadt. Die Affichisten» einen lohnenswerten Einblick in die Avantgarde der Street Art.

  • 24.10.2014 um 10:20
    Ausflug ins Reich der gruseligen Mini-Monster

    Sie sind klein und oftmals gruselig, ihr Ruf ist miserabel, ihr Besuch hinterlässt Krankheiten, kann aber auch ganz nützlich sein: In einer Sonderausstellung wirft das Naturhistorische Museum Basel ein erhellendes Licht auf den faszinierenden Kosmos der Parasiten.

  • 23.10.2014 um 17:45
    Das Vorstadttheater Basel feiert seinen 40. Geburtstag mit einer Grossproduktion

    Mit einer Grossproduktion fast ohne Worte feiert das Vorstadttheater Basel sein 40-jähriges Bestehen als Institution, die weit über die Grenzen Basels hinaus Pionierarbeit im generationenübergreifenden Theater geleistet hat.

  • 25.10.2014 um 00:33
    Zum Artikel: Der Roche-Turm ist nötig, aber nicht schön

    Der Roche-Turm / die Roche-Türme sind grossartig! Prolog: In Binningen gibt es einen Münsterplatz. Der heisst nicht so, weil Binningen ein Münster hat (oder mal eins hatte), sondern weil man von diesem Platz aus einst aufs Basler Münster sah. Das ist ...

  • 03.10.2014 um 17:20
    Zum Artikel: Wohnraumentwicklung: «Wir haben keinen Plan B»

    Wie kommen Sie auf diese Zahl? In der «Potenzialanalyse zur Umnutzung von Büro- und Gewerbeflä­chen zu Wohnraum in der Stadt Basel», die die Kantons- und Stadtentwicklung in Auftrag gegeben hat, heisst es: «Gemäss der vorliegenden Hochrechnung auf ...

  • 09.09.2014 um 17:07
    Zum Artikel: 100'000 Franken Swisslos-Gelder für Baloise-Session 2014

    Die Baloise-Session bekommt übrigens auch aus dem Swisslos-Fonds Basel-Landschaft Geld: 80'000 Franken sind es für die diesjährige Ausgabe. Und beide Swisslos-Fonds werden auf der Website des Veranstalters lediglich ganz versteckt als «Cosponsoren...

Aktuell

sda: Delegiertenversammlung der SVP am Samstag in Rothenthurm SZ

Delegierteversammlung 

SVP lanciert Initative gegen Völkerrecht

Die SVP will, dass die Bundesverfassung oberste Rechtsquelle der Schweiz ist. Rund 410 Delegierte haben am Samstag in Rothenthurm SZ die Lancierung der Volksinitiative «zur Umsetzung von Volksentscheiden - Schweizer Recht geht fremdem Recht vor» beschlossen.Von sda. Weiterlesen

sda: Die Saat der Ecopop-Initianten dürfte im Boden stecken bleiben. (Symbolbild)
2

SRG-Umfrage 

Wenig Aussichten für Ecopop

Die Mehrheit der Stimmbürger lehnt Ecopop ab, das sagen die neuesten Umfragen der SRG. Bei der Abschaffung der Pauschalbesteuerung liegt der Ja-Anteil bei 48 Prozent. Die Trends sind jedoch mit Vorsicht zu geniessen.Von Jeremias Schulthess. Weiterlesen2 Kommentare