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TagesWoche

Tages Woche

Mi, 19.06.2013

Theaterfestival Basel 

1.9.2012, 16:21 Uhr

«Die ewige Klage der Mutter»

1.9.2012, 16:21 Uhr

«Ein Stück über Mutter und Vaterland» des Theatr Polski bietet Frauenpower pur. Wenn man nun auch noch der polnischen Sprache mächtig wäre und den Text nicht von den Übertiteln ablesen müsste, wäre Jan Klatas Inszenierung ein packendes Theatererlebnis. Von Dominique Spirgi

Natalia Kabanow: Es ist alles ein bisschen eng hier: Das Teatr Polski am Theaterfestival Basel

Es ist alles ein bisschen eng hier: Das Teatr Polski am Theaterfestival Basel (Bild: Natalia Kabanow)

Wetterpech für das Theaterfestival Basel. Die Outdoor-Performance «above under inbetween» der Compagnie Willi Dorner auf dem Kasernenareal fiel am Freitag (und wie die Festivalleitung aktuell bekannt gibt, auch am Samstagnachmittag) buchstäblich ins Wasser. Das ist bedauerlich, denn die Begegnung mit der behend-skurrilen Truppe am ZAP Performance Marathon im vergangenen Jahr hatte für viel Vorfreude auf ein Wiedersehen gesorgt. Aber zum Glück bietet das Festival auch viel beziehungsweise vor allem Indoor-Theater. Also geht's über den Rhein ins Grossbasel, ins Schauspielhaus. Dort stand das Gastspiel des Teatr Polski mit «Ein Stück über Mutter und Vaterland» von Bozena Keff und in der Inszenierung des aufstrebenden jungen Regiestars Jan Klata auf dem Programm.

Und da zeigte sich eine der Schwierigkeiten, mit denen internationale Theaterfestivals zu kämpfen haben. Nämlich mit der Frage, wieviel Text in einer Sprache, die wohl nur wenige Zuschauerinnen und Zuschauer verstehen, zumutbar ist, ohne das Publikum zu überfordern. Im gegebenen Fall war es wohl zu viel. Der Text der polnischen Autorin Bozena Keff ist ausgesprochen dicht und anspruchsvoll. Zwar ist er auf Übertiteln in einer deutschen Übersetzung nachzulesen, doch der ständige Blick rauf auf die Texttafeln, lenkt wiederum vom Geschehen auf der Bühne ab.

Beindruckende Theaterpower

Und diesem Geschehen wäre man gerne uneingeschränkt gefolgt. Zu erleben sind sechs Frauen, ältere und junge – eine davon ist ein Mann im Frauenkostüm –, die die Geschichte einer Mutter erzählen, die als Überlebende des Holocaust ihr unüberwindbares Trauma auf die Tocher überträgt. Regisseur Jan Klata hat den Zweipersonen-Konflikt auf drei Paare übertragen, die im Verlauf des Stücks zudem ihre Rollen umkehren. Und er hat dafür eine Bewegungs- und Stilsprache gefunden, die beeindruckt. Er löst das Geschehen aus dem naturalistischen Kontext heraus und schlägt einen weiten Bogen vom matriachalischen Urmythos, über Tolkiens Hobbits bis hin zu Lara Croft und Ridley Scott.

Das alles steckt voller musikalischer und choreografischer Energie. Die Frauen tanzen sich die Seele vom Leib, sie berühren mit wunderbaren Gesängen, verschwinden in den vier grossen drehbaren Blechkästen, die mal Wohnung, mal Garderobe, mal ein Tor in eine andere Welt sein können. Die Musik reicht von afrikanischen Rhythmen über wundervoll gesungene Barock-Choräle bis zum Power-Beat von Slayer. Die Intensität und ungeheure Kraft, mit der sich die sechs Schauspielerinnen ins Zeug legen, ist beeindruckend. Auf die Dauer aber beginnt das Geschehen, das sich stets auf dem höchsten Level bewegt, etwas gleichförmig zu werden. Das liegt sicherlich zu einem grossen Teil daran, dass man dem Text eben nur noch versatzstückmässig folgen kann.

Theaterfestival Basel / Jan Klata,Teatr Polski Wrocław (PL) «Ein Stück über Mutter und Vaterland» von Bozena Keff

Mit: Paulina Chapko, Dominika Figurska, Katarzyna Straczek, Anna Ilczuk, Kinga Preis, Halina Rasiakówna, Wojciech Ziemianski
Nächste Vorstellung: 01.09. im Schauspielhaus des Theater Basel

 

Bisher wurden keine Kommentare zu diesem Artikel von der Redaktion hervorgehoben.

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Informationen zum Artikel

1.9.2012, 16:21 Uhr

«Die ewige Klage der Mutter»

Text

Text:

  • 19.06.2013 um 16:13
    Von Kompetenzzentren und Leuchtkäfern

    Lange musste man auf das neue Baselbieter Kulturleitbild warten, jetzt wurde es in Liestal vorgestellt: Aufregende Neuigkeiten enthält das 56-seitige Papier erwartungsgemäss keine, vielmehr eröffnet das Leitbild einen pragmatischen und zuweilen auch wohltuend (selbst-)kritischen Blick auf eine Kulturlandschaft, die an den Kantonsgrenzen nicht aufhört.

  • 13.06.2013 um 14:11
    Gefordert: Kuno Schaub

    Kuno Schaub baut ein historisches Jagdflugzeug nach. Am Oskar Bider Fest in Langenbruck wird der Stand seiner Arbeit zu sehen sein.

  • 13.06.2013 um 12:00
    «Wir werden den Turm verhindern»

    Über das Neubauprojekt des Klinikums 2 des Universitätsspitals Basel ist ein heftiger Streit entbrannt. Der Heimatschutz ist zum Kampf bereit, im Grossen Rat dürfte die Frage der städtebaulichen Verträglichkeit noch viel zu reden geben – und die Jury liefert die Gegenargumente gleich selber.

  • 12.06.2013 um 15:23
    S isch halt ...
    Zum Artikel: Aufpassen wie ein Heftlimacher

    ... will dr Dani Winter, dr neu Oberheftlimacher vo dr Daageswuche, us Büüsinge (Dasch e Stiggli Ditschland bi Schaffhuuse) kunnt und me dört, wie me waiss, kai «Ä» ka usschpräche.

  • 10.06.2013 um 21:38
    Wenn es nach meiner ...
    Zum Artikel: Überhaupt nicht wie aus einem Guss

    Tochter (10 Jahre) gegagen wäre, wären wir mit ca. fünf Ankäufen aus der Liste gegangen.

  • 07.06.2013 um 09:31
    Notausgänge
    Zum Artikel: In der Hitze der Zwischenwelt

    Ja es gibt Notausgänge. Während des Rundgangs wird sogar darauf hingewiesen.

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