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TagesWoche

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Mi, 19.06.2013

Kultwerk 

31.8.2012, 00:01 Uhr

Kultwerk #43: Aguirre - Der Zorn Gottes

31.8.2012, 00:01 Uhr

Das Genie von Regisseur Werner Herzog zeigte sich schon früh in seinem Meisterwerk mit Klaus Kinski. Von Daniel Kothenschulte

Niemand konnte Wahnsinnige so gut verkörpern wie Klaus Kinski, hier zu sehen als der spanische Kommandant Aguirre.

Niemand konnte Wahnsinnige so gut verkörpern wie Klaus Kinski, hier zu sehen als der spanische Kommandant Aguirre. (Bild: zVg)

Die Crew musste während der Dreharbeiten vielerlei Sprapazen erdulden.

Die Crew musste während der Dreharbeiten vielerlei Sprapazen erdulden. (Bild: zVg)

Aguirre und seine Männer bahnen sich ihren Weg durch den gefährlichen Dschungel des Amazonas.

Aguirre und seine Männer bahnen sich ihren Weg durch den gefährlichen Dschungel des Amazonas. (Bild: zVg)

Für einen Monumentalfilm braucht man keine tausend Statisten. Etwa vierzig sind genug, wenn sie in den Uniformen spanischer Conquistadores im Gänsemarsch einen steilen Berg hinabsteigen. Schon mit seiner bildmächtigen Anfangsszene sprengte Werner Herzogs «Aguirre – der Zorn Gottes» 1972 alle Erwartungen an einen deutschen Autorenfilm. Die überschaubaren Förder- und Fernsehmittel dieses jungen Kinos eigneten sich vorzüglich für kleine Gegenwartsstoffe. Aber für ein Drama aus dem 16. Jahrhundert über einen wahnsinnigen Kommandanten auf der Suche nach dem Gold von El Dorado?

Ein chronisch unterfordertes Genie

Werner Herzog war dreissig, als er das Unmögliche wagte. Ganze 370 000 Dollar durfte sein Film kosten, ein Drittel davon floss an den Star. Mit Klaus Kinski, einem chronisch unterforderten Genie, das seinen opulenten Lebensstil mit schlechten Rollen finanzierte, fand Herzog einen Darsteller, der seine Vision teilte. Tatsächlich braucht es nicht einmal vierzig Statisten für einen Film von imponierender Grösse, sondern eine Grossaufnahme von Klaus Kinski mit jenem Feuer in den Augen, das er mit seinem Regisseur gemeinsam hatte.

Herzog führt an die Grenzen menschlicher Vorstellungskraft

Auch beim inzwischen siebzigjährigen Werner Herzog kann man es noch blitzen sehen, wenn er von seinen aktuellen Projekten erzählt: wie dem dokumentarischen Vierteiler über Todeskandidaten in den USA, einem der grossen Festivalerfolge des vergangenen Jahres. Mit bescheidenen Mitteln rühren diese Interviewfilme an existenzielle Fragen: Wie lebt ein Mensch, der den Tag seines angekündigten Todes kennt? In seinen Filmen führte Werner Herzog schon immer an die Grenzen der menschlichen Vorstellungskraft. Ursprünglich hatte der gebürtige Münchner Skispringer werden wollen, erst der schwere Sturz eines Freundes brachte ihn davon ab. So dreht er seit fast fünfzig Jahren Filme über Erhabenes und Schreckliches.

«Aguirre – der Zorn Gottes» zeigt bereits seine ganze Meisterschaft. Kein Wunder, dass der junge Filmemacher sogar dem Veteranen Fritz Lang den Glauben ans deutsche Kino zurückgab: Wie in dessen Meisterwerken treffen sich Imposanz und Intimität, Übermenschliches und Allzumenschliches. Hinzu kommt ein romantisch gefärbter Realismus. In den Naturbildern öffnet sich Herzogs Kino dem Dokumentarischen. Und seine Filmteams durchleben mitunter die echten Dramen – am extremsten wohl ein Jahrzehnt später bei «Fitzcarraldo», wo ein ganzes Schiff über die Anden geschleppt wurde. Viel davon ist in der grossartigen Skizze von «Aguirre» schon angelegt. Am Ende hat der Anführer all seine Getreuen und Untergebenen überlebt. Sein wirrer Geist jedoch wirkt ungebrochen: Auf seinem Floss kommandiert er eine Meute Affen.

 

Werner Herzog
Der deutsche Film- und Opernregisseur, Produzent und Autor feiert am 5. 9. 2012 seinen 70. Geburtstag. Herzog schuf bisher über 50 Filme, seine bekanntesten mit Hauptdarsteller Klaus Kinski, mit dem ihn eine Hassliebe verband.


 

 

 

 



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Informationen zum Artikel

31.8.2012, 00:01 Uhr

Kultwerk #43: Aguirre - Der Zorn Gottes

Text

Text: Daniel Kothenschulte

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