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Ab in die Quartiere 

31.8.2012, 20:05 Uhr

Trendquartier? Dass ich nicht lache!

31.8.2012, 20:05 Uhr

Das St. Johann sei ein «Trendquartier», schreibt die TagesWoche. Stimmt schon, sagt ein ehemaliger Quartierbewohner. Bloss geht der Trend in die falsche Richtung. Ein Kommentar von

Dani Winter Dani Winter

Was muss ich da über mein altes Quartier lesen? «Sehr urban, sehr hip, sehr angesagt» sei es, das St. Johann, ein «Trendquartier». Steht so in der neusten Ausgabe der TagesWoche. Das kann ich so nicht stehen lassen.

Zugegeben, wer den Voltaplatz früher und heute erlebt hat, kommt nicht umhin, eine Beruhigung zu konstatieren. Die Beruhigung setzt sich fort bis zum Vogesenplatz und beschränkt sich auch überhaupt nicht auf den Verkehr. Das aus dem Boden gestampfte Quartier ist ganz einfach: tot.

Das, was andere Quartiere und bisher noch grosse Teile des St. Johanns so bunt und lebendig macht, wird es dort nie geben. Das wurde durch bauliche Massnahmen für immer verhindert. Das Bunte und Lebendige entsteht nämlich dort, wo es nicht geplant war. Und im neuen «Volta-Quartier» gibt es keine Nischen, wo ein wildes Pflänzchen gedeihen könnte. Beim Robispielplatz kann man noch darauf hoffen, dass es Betreibern und Kids mit Kreativität gelingen wird, das aktuell an Guantánamo erinnernde Unding seiner ursprünglichen Bestimmung zuzuführen. Die Ex-Pats, die sich eine Bleibe in einer der auf den ersten Blick noch schönen Blocks leisten können, werden das in ihrer «Neighborhood» käumlich tun.

Alles gehört einem

Wenn ich ein Ex-Pat wär, würd mich das auch nicht kratzen. Wer in zwei Jahren sowieso versetzt wird, ist zufrieden, wenn der Coop mit den Convenience-Schnitzeln von Betty Bossi nicht weit ist. Für feines Essen gibt's die Kantine im Campus. Ob das Springbrünneli vornedran tut oder nicht, wär mir auch grad wurscht. Coop und Migros finden das klasse. In Erwartung von kaufkräftigen Neuzuzügern bauen sie neue Filialen. Sie haben auch genug Cash um durchzuhalten, bis sie tatsächlich kommt, die Kundschaft. Und wenn sie ausbleibt, tjä nu, dann ist es nicht die erste Migros-Filiale in Basel, die nicht läuft. Siehe Stücki.

Weniger Schnauf haben der herzige Kiosk beim St. Johannstor, der tolle Denner-Satellit von Herrn Thambo. Pippo, der beste Metzger der Stadt, wird seinen berühmten Salsicce vielleicht vermehrt an gutsituierte Neusantihanslemer verkaufen, denen die keimverseuchten Cervelats nicht mehr auf den Wegwerfgrill kommen. Wenn Pippo mal nicht mehr mag, wird sein Geschäft kaum weitergeführt werden. Damit sind nur die Geschäfte aufgezählt, die direkt an der Elsässerstrasse liegen. Der Portugiese hinten in der Mülhauserstrasse, der Bioladen «Witwe Bolte», sie alle werden die Konkurrenz der Grossen spüren, wenn sie ihr nicht zum Opfer fallen werden. Die Liste ist damit längst nicht komplett. Keine Angst muss man um die Apotheken haben, von denen es zwischen Mülhauserstrasse und Voltaplatz gleich drei gibt. Sie gehören alle dem Gleichen. Und an Warennachschub wird es wohl auch nicht fehlen.

Von Bürokraten geplant

Das neue St. Johann ist ein Beispiel dafür, was dabei herauskommt, wenn man seine Stadt von Bürokraten planen lässt. Allein, dafür hätte man kein Quartier opfern müssen. Vis-à-vis vom mondänen Novartis-Campus steht ein Mahnmal, das uns allen eine Warnung hätte sein müssen: die Voltahalle – eine mit besten sozialdemokratischen Absichten gezeugte Totgeburt.

Zurück zum Vogesenplatz. Weil man es sich mit den Autofahrern nicht verderben wollte, teilt sich der ach so bevorzugte Velofahrer das relativ neue Strassenstück von dort hinauf zum Kannenfeldplatz eben mit den fetten SUVs der Neubaubewohner. Aber ohne die Parkplätze an der Seite hätte die Strasse vermutlich gar nicht gebaut werden können. Demokratie halt.

Man muss nicht unbedingt Kommunist und Moskau-Fan sein, um die Vorzüge einer nicht von Petitionen und Einsprachen gegängelten Stadtplanung zu erkennen. Jeder Potentat, egal welcher Couleur und sei sein Land noch so arm, hätte einen Lachanfall bekommen, wenn er einmal die Freie Strasse runterspaziert wäre. Schauen Sie sich nur mal die panzerparadentauglichen Prachtsalleen von Lissabon an. Aber wenn das reichste Land der Welt ein neues Quartier baut, kommt das neue St. Johann heraus.

Es ist wie mit den Hors-sol-Tomaten beim Grossverteiler. Wenn man ihn fragt, wieso seine Tomaten hart wie Stein sind und nach gar nichts schmecken, sagt er: «Die Leute wollen es so.» Na, dann halt. Immerhin muss man die störenden Prekarier bei uns nicht zwangsumsiedeln. Der Markt regelt das von alleine.

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Reaktionen

  1. Stanislav Stanislavski

    am 31.08.2012, 20:45

    ...dass man 1.) einem neuen Quartier erst mal Zeit lassen sollte, sich zu entwickeln, bevor man es als "tot" abschreibt und 2.) das St. Johann nicht auf das Gebiet um den Voltaplatz reduzieren sollte.

    PS. Der Türke bei mir um die Ecke läuft heute genau so gut wie vor einigen Jahren, obwohl gleich nebenan ein Coop eröffnet wurde. Ganz einfach darum, weil er den Grossen ergänzt und nicht konkurriert. Dies sei auch dem Portugiesen, Pippo oder der "Witwe Bolte" ans Herz gelegt.

  2. chrigel meier

    am 31.08.2012, 21:06

    zum kommentar von "ich finde...."

    die tendenz, städte von unerwünschten zu säubern, indem diese durch steigende mieten und dem bauen von aalglatten fassaden ohne nischen verdrängt werden. ich finde, dass in diesem falle von einer totgeburt zu sprechen ist. aber: gewollt! basel will luxus-steuerzahler_innen anziehen, keine studenten und lebemenschen. kreative waren während der bauzeit der novartis willkommen, aber diese geschichte kennen wir alle...
    und von wegen der begrenzung auf das... ... mehrzum kommentar von "ich finde...."

    die tendenz, städte von unerwünschten zu säubern, indem diese durch steigende mieten und dem bauen von aalglatten fassaden ohne nischen verdrängt werden. ich finde, dass in diesem falle von einer totgeburt zu sprechen ist. aber: gewollt! basel will luxus-steuerzahler_innen anziehen, keine studenten und lebemenschen. kreative waren während der bauzeit der novartis willkommen, aber diese geschichte kennen wir alle...
    und von wegen der begrenzung auf das gebiet volta. es betrifft das ganze quartier, früher oder später. erinnert ihr euch an die abrisspläne an der wasserstrasse? oder das vis-a-vis des parks mal die alte elsie stand, wo jetzt die gutbetuchten rot-grünen wohnen?

    das st.johann wird totgemacht, ist auf dem besten weg dazu, jedoch noch nicht ganz soweit.

  3. AutorIn des Artikels

    Dani Winter

    am 31.08.2012, 21:10

    Als «tot» bezeichne ich bloss das neue Volta-«Quartier», das streng genommen ja keines ist. Dem übrigen St. Johann prophezeie ich «nur» den Niedergang der heutigen kulturellen Vielfalt. Und vieler Lädeli. Ist ja schwierig, als Bioladen Coop nicht zu konkurrenzieren.

  4. Stanislav Stanislavski

    am 31.08.2012, 22:55

    Die Fassaden mögen heute aalglatt sein und noch nicht so richtig ins Strassenbild passen. Doch lasst diese Häuser doch erst mal älter werden. Irgendwann, wenn die Fassaden langsam schmutzig werden, kehrt auch der Charme in diese Strassen zurück und man wird sich daran gewöhnen. Im übrigen ist es jedem selbst überlassen, etwas gegen Veränderungen zu unternehmen, wenn er das Gefühl hat, dass sie nicht gut sind.

    Fraglich finde ich es auch, von kultureller Vielfalt zu reden, wenn man... ... mehrDie Fassaden mögen heute aalglatt sein und noch nicht so richtig ins Strassenbild passen. Doch lasst diese Häuser doch erst mal älter werden. Irgendwann, wenn die Fassaden langsam schmutzig werden, kehrt auch der Charme in diese Strassen zurück und man wird sich daran gewöhnen. Im übrigen ist es jedem selbst überlassen, etwas gegen Veränderungen zu unternehmen, wenn er das Gefühl hat, dass sie nicht gut sind.

    Fraglich finde ich es auch, von kultureller Vielfalt zu reden, wenn man Veränderungen kritisiert. Dass eine Veränderung nicht von heute auf morgen geschieht, sollte doch eigentlich einleuchtend sein, das St. Johann, wie es so viele mögen, ist ja auch nicht aus dem nichts entstanden. Lassen wir doch dem Voltaplatz die Zeit, die ein neues Quartier braucht, bevor wir den den Teufel an die Wand malen und gleich den Niedergang unserer Stadt prophezeien.

    Mir gefällt der neue Voltaplatz übrigens auch nicht wirklich, aber dieses Problem habe ich mit nahezu jedem Neubau. Ich weiss aber, dass das in fünf, zehn oder zwanzig Jahren ganz anders aussehen kann.

  5. chrigel meier

    am 1.09.2012, 11:33

    das voltaquartier ist ja jetzt aus dem boden gestampft. und natürlich wachsen neue quartiere erst mit der zeit, nur ist es wichtig, hier eine unterscheidung zum städtebau aus früherer zeit zu machen.
    denn der heutige städtebau funktioniert nur unter der "marke stadt". städte müssen dem standortwettbewerb genügen, denn sonst wandern die gutverdienenden und die firmen ab.
    daher ist es ja gerade offensichtlich, dass der erste schritt dieser neoliberalen stadtentwicklung im st.johann gleich... ... mehrdas voltaquartier ist ja jetzt aus dem boden gestampft. und natürlich wachsen neue quartiere erst mit der zeit, nur ist es wichtig, hier eine unterscheidung zum städtebau aus früherer zeit zu machen.
    denn der heutige städtebau funktioniert nur unter der "marke stadt". städte müssen dem standortwettbewerb genügen, denn sonst wandern die gutverdienenden und die firmen ab.
    daher ist es ja gerade offensichtlich, dass der erste schritt dieser neoliberalen stadtentwicklung im st.johann gleich neben dem novartis campus hingeklotzt wurde.
    dazwischen liegt noch die kraftstrasse... wo ja das eckhaus auch schon aufgewertet wurde.
    also liebe blauäugigen. diese stadtentwicklung frisst irgendwann das ganze quartier. daher sollte man sich jetzt schon gedanken über einen gegenstrategie machen.

  6. Martin Brändle

    am 2.09.2012, 03:03

    Man kann die Zerstörung des Gebietes um den Voltaplatz gar nicht genug kritisieren. Da hat man für mehr als eine Milliarde Franken eine Autobahn gebaut, aber die geteerte Fläche ist grösser als vorher. Das ist kein Witz: die Grün- und Freiflächen sind kleiner als vor dem Bau der Nordtangente.
    Zum Ausgleich wollte die Regierung auch schon mal die Villa Rosenau abreissen und dort am Arsch der Stadt eine Grünfläche hinbasteln...
    Es ist schwierig, hinter der arschkalten Neugestaltung keine böse... ... mehrMan kann die Zerstörung des Gebietes um den Voltaplatz gar nicht genug kritisieren. Da hat man für mehr als eine Milliarde Franken eine Autobahn gebaut, aber die geteerte Fläche ist grösser als vorher. Das ist kein Witz: die Grün- und Freiflächen sind kleiner als vor dem Bau der Nordtangente.
    Zum Ausgleich wollte die Regierung auch schon mal die Villa Rosenau abreissen und dort am Arsch der Stadt eine Grünfläche hinbasteln...
    Es ist schwierig, hinter der arschkalten Neugestaltung keine böse Absicht zu sehen und es ist tragisch, dass die weniger schlimme Vermutung die nackter Unfähigkeit ist.

  7. Fanciullo

    am 2.09.2012, 18:44

    Dass Quartiere in Rahmen von Stadtplanung und Stadtentwicklung aus dem Boden gestampft werden, ist keine Sache, die man erst seit gestern macht. Andere Städte haben gezeigt, dass es sowohl funktionieren als auch völlig in die Hose gehen kann. Während die einen Altes mit Neuem kombinieren und somit durch Vielfältigkeit einen angenehmen Wohnraum erschaffen, lassen die anderen jeden kreativen Funken verglühen und bauen in Basel ein langweiliges Quartier.
    Und auch in zehn oder zwanzig Jahren... ... mehrDass Quartiere in Rahmen von Stadtplanung und Stadtentwicklung aus dem Boden gestampft werden, ist keine Sache, die man erst seit gestern macht. Andere Städte haben gezeigt, dass es sowohl funktionieren als auch völlig in die Hose gehen kann. Während die einen Altes mit Neuem kombinieren und somit durch Vielfältigkeit einen angenehmen Wohnraum erschaffen, lassen die anderen jeden kreativen Funken verglühen und bauen in Basel ein langweiliges Quartier.
    Und auch in zehn oder zwanzig Jahren schläft einem im Voltaquartier das Gesicht vor Langeweile ein, denn Häuser sind nicht wie Wein und werden durch ihr Alter besser.
    Schade ist, dass auf der kleineren Seite des Rheins der gleiche Fehler gerade wiederholt wird. Geniesst also noch die letzten Tage auf der NT-Areal-Wiese, bevor auch dort nur noch Coop-Wägeli über den Asphalt geschoben werden.

  1. Stanislav Stanislavski

    am 31.08.2012, 20:45

    ...dass man 1.) einem neuen Quartier erst mal Zeit lassen sollte, sich zu entwickeln, bevor man es als "tot" abschreibt und 2.) das St. Johann nicht auf das Gebiet um den Voltaplatz reduzieren sollte.

    PS. Der Türke bei mir um die Ecke läuft heute genau so gut wie vor einigen Jahren, obwohl gleich nebenan ein Coop eröffnet wurde. Ganz einfach darum, weil er den Grossen ergänzt und nicht konkurriert. Dies sei auch dem Portugiesen, Pippo oder der "Witwe Bolte" ans Herz gelegt.

  2. chrigel meier

    am 31.08.2012, 21:06

    zum kommentar von "ich finde...."

    die tendenz, städte von unerwünschten zu säubern, indem diese durch steigende mieten und dem bauen von aalglatten fassaden ohne nischen verdrängt werden. ich finde, dass in diesem falle von einer totgeburt zu sprechen ist. aber: gewollt! basel will luxus-steuerzahler_innen anziehen, keine studenten und lebemenschen. kreative waren während der bauzeit der novartis willkommen, aber diese geschichte kennen wir alle...
    und von wegen der begrenzung auf das... mehrzum kommentar von "ich finde...."

    die tendenz, städte von unerwünschten zu säubern, indem diese durch steigende mieten und dem bauen von aalglatten fassaden ohne nischen verdrängt werden. ich finde, dass in diesem falle von einer totgeburt zu sprechen ist. aber: gewollt! basel will luxus-steuerzahler_innen anziehen, keine studenten und lebemenschen. kreative waren während der bauzeit der novartis willkommen, aber diese geschichte kennen wir alle...
    und von wegen der begrenzung auf das gebiet volta. es betrifft das ganze quartier, früher oder später. erinnert ihr euch an die abrisspläne an der wasserstrasse? oder das vis-a-vis des parks mal die alte elsie stand, wo jetzt die gutbetuchten rot-grünen wohnen?

    das st.johann wird totgemacht, ist auf dem besten weg dazu, jedoch noch nicht ganz soweit.

  3. AutorIn des Artikels

    Dani Winter

    am 31.08.2012, 21:10

    Als «tot» bezeichne ich bloss das neue Volta-«Quartier», das streng genommen ja keines ist. Dem übrigen St. Johann prophezeie ich «nur» den Niedergang der heutigen kulturellen Vielfalt. Und vieler Lädeli. Ist ja schwierig, als Bioladen Coop nicht zu konkurrenzieren.

  4. Ernst Haft

    am 31.08.2012, 21:24
  5. Stanislav Stanislavski

    am 31.08.2012, 22:55

    Die Fassaden mögen heute aalglatt sein und noch nicht so richtig ins Strassenbild passen. Doch lasst diese Häuser doch erst mal älter werden. Irgendwann, wenn die Fassaden langsam schmutzig werden, kehrt auch der Charme in diese Strassen zurück und man wird sich daran gewöhnen. Im übrigen ist es jedem selbst überlassen, etwas gegen Veränderungen zu unternehmen, wenn er das Gefühl hat, dass sie nicht gut sind.

    Fraglich finde ich es auch, von kultureller Vielfalt zu reden, wenn man... mehrDie Fassaden mögen heute aalglatt sein und noch nicht so richtig ins Strassenbild passen. Doch lasst diese Häuser doch erst mal älter werden. Irgendwann, wenn die Fassaden langsam schmutzig werden, kehrt auch der Charme in diese Strassen zurück und man wird sich daran gewöhnen. Im übrigen ist es jedem selbst überlassen, etwas gegen Veränderungen zu unternehmen, wenn er das Gefühl hat, dass sie nicht gut sind.

    Fraglich finde ich es auch, von kultureller Vielfalt zu reden, wenn man Veränderungen kritisiert. Dass eine Veränderung nicht von heute auf morgen geschieht, sollte doch eigentlich einleuchtend sein, das St. Johann, wie es so viele mögen, ist ja auch nicht aus dem nichts entstanden. Lassen wir doch dem Voltaplatz die Zeit, die ein neues Quartier braucht, bevor wir den den Teufel an die Wand malen und gleich den Niedergang unserer Stadt prophezeien.

    Mir gefällt der neue Voltaplatz übrigens auch nicht wirklich, aber dieses Problem habe ich mit nahezu jedem Neubau. Ich weiss aber, dass das in fünf, zehn oder zwanzig Jahren ganz anders aussehen kann.

  6. Christian Breuer

    am 1.09.2012, 11:11

    Als erstes muss ich sagen, endlich mal jemand der die aktuelle Entwicklung im St.Johann kritisch hinterfragt.

    Die Entwicklung spiegelt jedoch die mittlerweile gängige Praxis wieder, dass Architektur und Stadtplanung immer öfter als Werkzeuge neoliberaler Logik dienen, um eine Anonymisierung der Bevölkerung zu erreichen, denn je anonymer man sein leben führt desto weniger ablenkung von dre Arbeit hat man und man wird zum Idealen Arbeiter für neoliberale ausbeuter.

    Und zum neuen... mehrAls erstes muss ich sagen, endlich mal jemand der die aktuelle Entwicklung im St.Johann kritisch hinterfragt.

    Die Entwicklung spiegelt jedoch die mittlerweile gängige Praxis wieder, dass Architektur und Stadtplanung immer öfter als Werkzeuge neoliberaler Logik dienen, um eine Anonymisierung der Bevölkerung zu erreichen, denn je anonymer man sein leben führt desto weniger ablenkung von dre Arbeit hat man und man wird zum Idealen Arbeiter für neoliberale ausbeuter.

    Und zum neuen Robispielplatz muss ich sagen, dass er mich viel weniger an Guantanamo erinnert als ein Konzentrationslager, fehlt nur noch der Torbogen mit dem Slogan "Spielen macht Frei". Aber auch dort zeigt sich, dass individualisierung ein dorn im Auge neoliberalerkräfte ist, die Kinder sollen sich möglichst früh daran gewöhnen, dass Ihnen die Strukturen klar vorgegeben werden. Den Kindern wird durch diese Art Robi die möglichkeit genommen sich selbst Ihren Raum zu gestalten, Sie können es ja versuchen einen Nagel in den Beton oder die Stahlverkleidungen zu schlagen um sich eine eigene Hütte zu Bauen, dies wird aber kaum von erfolg gekrönt sein.

    Durch die "Entwicklung" des Quartiers wird auch oft günstiger Wohnraum zerstört, denn wenn so ein Neubau entsteht entscheiden sich die Besitzer anliegender gegbäude oft für eine Total Renovation, (Siehe bsp. Voltastrasse) und dadurch steigen die Mieten, so dass sich die keiner mehr leisten kann.

    Doch diese Gentrifizierung findet nicht erst seit den Neubauten des Voltaplatzes und Bhf. St. Johann statt. Sondern geht zurück bis auf die Räumung und Abbruch der Elsie durch die Stiftung Habbitat.

    Ich finde es sehr schade wie sich das St.Johann entwickelt, es ist so als wenn Neubau für Neubau ein Teil meiner Identität verloren geht. Ich hoffe, dass sich die Bewohner irgendwann wehren.

    In diesem Sinne St.Johann bleibt Dreckig

  7. chrigel meier

    am 1.09.2012, 11:33

    das voltaquartier ist ja jetzt aus dem boden gestampft. und natürlich wachsen neue quartiere erst mit der zeit, nur ist es wichtig, hier eine unterscheidung zum städtebau aus früherer zeit zu machen.
    denn der heutige städtebau funktioniert nur unter der "marke stadt". städte müssen dem standortwettbewerb genügen, denn sonst wandern die gutverdienenden und die firmen ab.
    daher ist es ja gerade offensichtlich, dass der erste schritt dieser neoliberalen stadtentwicklung im st.johann gleich... mehrdas voltaquartier ist ja jetzt aus dem boden gestampft. und natürlich wachsen neue quartiere erst mit der zeit, nur ist es wichtig, hier eine unterscheidung zum städtebau aus früherer zeit zu machen.
    denn der heutige städtebau funktioniert nur unter der "marke stadt". städte müssen dem standortwettbewerb genügen, denn sonst wandern die gutverdienenden und die firmen ab.
    daher ist es ja gerade offensichtlich, dass der erste schritt dieser neoliberalen stadtentwicklung im st.johann gleich neben dem novartis campus hingeklotzt wurde.
    dazwischen liegt noch die kraftstrasse... wo ja das eckhaus auch schon aufgewertet wurde.
    also liebe blauäugigen. diese stadtentwicklung frisst irgendwann das ganze quartier. daher sollte man sich jetzt schon gedanken über einen gegenstrategie machen.

  8. Christian Baer

    am 1.09.2012, 12:41

    Der Artikel von Dani Winter und einige Kommentare dazu sprechen mir aus dem Herzen. Dass es auch anders geht, hat vor über 20 Jahren die Christoph Merian-Stiftung, in Zusammenarbeit mit der damaligen Patria (heute Helvetia), mit dem Bau der selbstverwalteten Davidsboden-Siedlung bewiesen, die bis heute ein sozialer Lichtblick im Quartier geblieben ist. Natürlich wäre so etwas im heutigen rot-grün-neoliberalen Stadtentwicklungsklima nicht mehr erwünscht.

  9. Nein danke

    am 1.09.2012, 12:44

    Dani Winter ist ein differenzierender Ausländerhasser. Ärmere Ausländer aus "Entwicklungsländern" = gut, Expats = ekelhafte Kapitalisten. Was macht so ein (gutverdienender und womöglich Schweizer?) Journalist bei der linksgesinnten TW?

    Ich bin mit einem Expat befreundet, der in diesem Quartier wohnt und mag ihn sehr - obwohl wir vom Lebensstil unterschiedlich sind, weil ich ihn eben nicht wie Ausländerhasser Dani auf sein Geld und Arbeitsort reduziere. Ich bin froh, dass sich das Gebiet um... mehrDani Winter ist ein differenzierender Ausländerhasser. Ärmere Ausländer aus "Entwicklungsländern" = gut, Expats = ekelhafte Kapitalisten. Was macht so ein (gutverdienender und womöglich Schweizer?) Journalist bei der linksgesinnten TW?

    Ich bin mit einem Expat befreundet, der in diesem Quartier wohnt und mag ihn sehr - obwohl wir vom Lebensstil unterschiedlich sind, weil ich ihn eben nicht wie Ausländerhasser Dani auf sein Geld und Arbeitsort reduziere. Ich bin froh, dass sich das Gebiet um den Voltaplatz gegen den Willen von ewiggestrigen Alteingesessenen verändert. Hoffentlich geht ihr weg aus Basel, geht doch in die Türkei, nach Portugal, Spanien oder Kuala Lumpur wenn ihr euch so sehr mit diesen Nationalitäten verbunden fühlt.

  10. AutorIn des Artikels

    Dani Winter

    am 1.09.2012, 13:54

    Ich bin auch ein Ex-Pat! Migrant oder Ausländer tut's auch. Was den Punkt berührt, wonach es ja jedem freistehe, sich gegen die Entwicklung zu wehren. Den 40 Prozent mit fremdem Pass stehen die demokratischen Mittel nur sehr begrenzt zur Verfügung. Die Schaufenster schmeissen trotzdem andere ein.

Informationen zum Artikel

31.8.2012, 20:05 Uhr

Trendquartier? Dass ich nicht lache!

Text

Text:

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