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Theaterfestival Basel eröffnet 

30.8.2012, 09:41 Uhr

Er will ja nur mit uns spielen

30.8.2012, 09:41 Uhr

Der Roboter als Star: In «Sans objet» der Compagnie 111 von Aurélien Bory spielt die mächtige Maschine die beiden menschlichen Mitakteure ausgesprochen elegant und leichtfüssig an die Wand. Ein gelungener Auftakt zum Theaterfestival Basel. Von

Aglaé Bory: «Sans objet»: Pa de trois mit Mensch und Maschine.

«Sans objet»: Pa de trois mit Mensch und Maschine. (Bild: Aglaé Bory)

Bei der Durchführung eines Theaterfestivals ist ein gehöriges Mass an Improvisationsgabe von Nöten. Das heftige Gewitter, das gestern am frühen Abend über der Stadt – und somit auch über dem Kasernenareal – niederging, vereitelte den Plan der Verantwortlichen, das mit Spannung erwartete Festival im schön eingerichteten Aussenbereich zu eröffnen. Kurzfristig mussten die Eröffnungsreden und der Apéro in den stickig heissen Rossstall verlegt werden, was die erwartungsvoll gute Stimmung von Tout Bâle culturel aber kaum zu trüben vermochte. Die künstlerische Leiterin Carena Schlewitt beschwor den Teamgeist, der hinter einem solchen Grossanlass steht, die Basler Finanzdirektorin Eva Herzog freute sich in Anlehnung an den früheren Titel des Festivals darüber, dass «die Welt zu uns nach Basel kommt» und der Baselbieter Kulturdirektor Urs Wüthrich beschwor die «Reinkarnation einer besonderen Idee».

Nach der Auftaktvorstellung konnten die Premierengäste das Draussensein geniessen. Der Regen hatte sich verzogen – und sie gerade eine Produktion erlebt, die in ihrer ureigenen Originalität als beeindruckendes Erlebnis in Erinnerung blieb. Die Stimmung unter den Theaterbesucherinnen und -besuchern war auf jeden Fall bei weitem besser als bei den Bargästen nebenan, die sich die letzten Minuten des Champions Leage-Qualifikationsspiels des FC Basel ansahen. Ein Theaterfestival ist zwar auch ein Fest, aber eines, bei dem es in erster Linie um Theater geht. Neue, überraschende und einnehmende Formen von Theater. «Sans objet» der Compagnie 111 des französischen Theatermachers Aurélie Bory vereint alle drei Attribute aufs beste.

«Hochleistung des Bewgungstheaters»

Im Programmheft wird die Produktion etwas marktschreierisch mit «1 Roboter + 2 Menschen = 70 atemberaubende Minuten Hochleistung des Bewegungstheaters» angekündigt. Das trifft absolut zu, doch treffend beschrieben ist der Abend damit keineswegs. Es ist ein Abend, der Staunen erregt. Erstaunen über den Mix aus Poesie, Humor und Beklemmung, die die Interaktion zwischen dem Roboter und den beiden Menschen beinhaltet. Erstaunen aber vor allem, wie elegant und vielschichtig, wie präzise und figurativ eine Maschine auf der Bühne sein kann – eine Maschine, die ihre Mitakteure leichtfüssig an die Wand spielt. Kinder und Tiere, weiss eine alte Theaterweisheit, lassen den besten Profischauspielern im Wettbewerb um Aufmerksamkeit auf der Bühne keine Chance. Das gilt in diesem Fall explizit auch für Roboter – auch wenn man die Leistung der beiden Tänzer Olivier Alenda und Olivier Boyer eigentlich nicht genug loben kann.

Das aus den Fugen geratende Verhältnis zwischen Mensch und Maschine bzw. Robotern ist eines der Lieblingsthemen der Science-Fiction-Literatur und der daraus adaptierten Filme. Aber wenn es sich bei diesen Geschichten, etwa bei Isaac Asimovs «I, Robot», praktisch ausschliesslich um humanoide Maschinenwesen handelt, sehen wir uns bei «Sans objet» einem gängigen Industrieroboter gegenüber. Einer aus der Autoindustrie – und nicht mal ein neuer, sondern ein Modell aus den 1970er-Jahren. Im Stillstand wirkt dieses Zweitonnen-Monstrum recht plump, ein Gelenkarm eigentlich nur. In Bewegung versetzt  wird es indes zum beseelten lebendigen Wesen, das elegant, charmant, störrisch, lustig und in seiner absolut überlegenen Kraft nicht zuletzt auch ziemlich brutal sein kann. Der Roboter, zu Beginn noch mit einer schwarzen Plastikplane verdeckt, sieht mal aus wie ET, mal wie Godzilla und ein anderes Mal wie eine riesige elegante Dame oder ein spielfreudiges Kind.

Viele und vielschichtige Geschichten

Eine klar definierte Geschichte erzählt der Abend nicht. Es sind vielmehr ganz viele Geschichten, die man als Zuschauer oder Zuschauerin aus dem Handlungsgerüst ziehen kann. Dieses wiederum ist gut nachvollziehbar: Ein ausgedienter Industrieroboter, der  «Sans objet» ist, also keine Aufgabe mehr hat, liegt unter einer Plastikplane entsorgt und erwacht aus seiner Starre. Zwei Menschen befreien ihn von seiner Fessel und der Roboter beginnt, losgelöst von seiner ursprünglichen Aufgabe (Autos zusammenzubauen), ein neues Leben. Ein Leben mitsamt seinen Befreiern, die er mehr und mehr zu dominieren beginnt. Am Anfang will er , so scheint es, nur spielen, doch immer mehr beginnt er, seine physische Überlegenheit zu geniessen und zu zelebrieren – ein Kuckuckskind im Menschennest. Der Roboter beginnt seine Mitspieler zu foppen, hämisch bringt er sie aus dem Gleichgewicht, zieht ihnen wortwörtlich den Boden unter den Füssen weg, schüttelt sie durch und stösst sie störrisch weg. Am Schluss sind die Menschen die willenslosen Sklaven der Maschine, die zum überlegenen Lebewesen herausgwachsen ist. 

Das klingt an und für sich ein finsteres Szenario, das untermal durch stakkatoartige Musik und ein düsteres Licht stets Unheil verkündet. Der technikbesessene Mensch wird zum Opfer seiner Technik, wird unterjocht und versklavt. Das geschieht aber alles unter der Oberfläche. Aurélien Borys Choreografie kommt ausgesprochen originell und poetisch daher. Er erzählt die Geschichte mit viel Witz sowie Charme und wird in seiner Aussage nie aufdringlich. Der Pas de trois zwischen Mensch und Maschnine ist stets geprägt durch ein hohes Mass an einnehmender Eleganz und Leichtigkeit. Eigentlich, so der bleibende Eindruck, ist der Roboter ein sehr sympatisches Wesen. Nur gut aber, dass nicht wir in seine Fänge geraten sind.

Konzept/Regie: Aurélien Bory

Mit Olivier Alenda, Olivier Boyer (Programmierung und Bedienung des Roboters: Tristan Baudoin)

Nächste Vorstellungen am 30. und 31.08. sowie 01.09. in der Reithalle der Kaserne Basel

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Kultur, Theater, Kaserne Basel, Tanz

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30.8.2012, 09:41 Uhr

Er will ja nur mit uns spielen

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  • 08.02.2015 um 18:17
    Zum Artikel: Ein Drummeli mit spritzigen Höhepunkten, aber auch Durchhängern

    Es gibt aber durchaus auch lohnenswerte Auftritte. Die Fasnacht dauert ja auch drei Tage und nicht alles ist gut, was man zu sehen und zu hören bekommt.

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