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Gymnasium 

29.8.2012, 18:00 Uhr

Gymnasiasten proben den Aufstand

29.8.2012, 18:00 Uhr

Am Gymnasium am Münsterplatz soll das Schwerpunktfach PPP abgeschafft werden. So lautet der Plan der Erziehungsdirektion von Regierungsrat Christoph Eymann. Dagegen protestieren die Lehrkräfte und Schüler des Gyms. Von

An die 100 Schülerinnen und Schüler versammelten sich am Mittwoch Nachmittag vor dem Erziehungsdepartement (ED) mit Transparenten, um ihrem Ärger Luft zu machen. Sie diskutierten mit Hans Georg Signer, Leiter Bildung des ED, über dessen geplante Streichung des Schwerpunktfaches PPP (Philosophie, Psychologie, Pädagogik) im Zuge der Harmonisierung des Basler Schulsystems.

Signer und Regierungsrat Eymann erläuterten anschliessend vor versammelter Presse, weshalb sie zu dieser Massnahme greifen wollen: «Es geht um alle fünf Gymnasien und darum, das ganze Angebot so zu verteilen, dass deren Existenz gesichert ist», erklärte Eymann. Es sei sein oberstes Ziel, dass kein Standort geschlossen werden müsse.

Signer ging noch weiter ins Detail: «Ab 2016, mit der Reduktion der Gymnasialzeit von fünf auf vier Jahre, werden insgesamt über ein Fünftel weniger Schüler ans Gymnasium gehen». Die Angebotsvielfalt einer Schule hänge von der Schülerzahl ab, deshalb müsse sie reduziert werden. «Unsere Gymnasien sind klein, wir setzen auf eine Vielfalt der Standorte zu Lasten einer Vielfalt im Angebot».

Zu viel Erfolg

Ein Hauptgrund, weshalb diese Massnahme bei Lehrern und Schülern gleichermassen für Empörung sorgt, ist die Erfolgsgeschichte, die das Fach PPP am Gymnasium am Münsterplatz seit seiner Einführung vor fünf Jahren schrieb: Wegen PPP und dem seit drei Jahren angebotenen «International Baccalaureate» (IB) hat die Schule seine Schülerzahl um 71 Prozent gesteigert, «weitgehend auf Kosten der anderen Gymnasien», wie eine Medienmitteilung des ED dies begründet. Damit sei das Gleichgewicht zwischen den Gymnasien gestört, was in einer «Ausweitungsspirale» münde, so Signer. Für die Schüler sei die Ausweitung des Angebots der einzelnen Gymnasien zwar positiv. «Damit steigt aber der Druck auf die einzelnen Schulen, nachziehen zu müssen». Zurzeit seien von allen Gymnasien Anträge zur Ausweitung des Angebots angekündigt oder bestehend.

Deswegen will das ED einschreiten: «Der Wettbewerb zwischen den Gymnasien darf nicht Selbstzweck sein, er muss Mittel zum Zweck sein», so Eymann. Deshalb hielten sie an ihrem Antrag fest, PPP zu streichen. Zusätzlich sollen alle weiteren Anträge der anderen Gymnasien abgelehnt und die Bewilligung für IB am Gymnasium Bäumlihof rückgängig gemacht werden.

Für PPP bedeutet dies folgendes, falls der Erziehungsrat dem Antrag des ED am 17. September zustimmt: Das Schwerpunktfach wird im nächsten Schuljahr noch ein letztes Mal angeboten und die bereits bestehenden Klassen können ihren Abschluss noch machen. Es werden keine Lehrer deshalb ihre Arbeit verlieren. Im Gegenzug schlägt das ED vor, dass das Gymnasium am Münsterplatz künftig das Schwerpunktfach Englisch anbieten kann. Was die Gymnasien künftig anbieten dürfen, hängt vom Erziehungsrat ab, der am 17. September über den Antrag entscheiden wird.

«Keine fachlich-inhaltliche Grundlage»

Die Fachschaft PPP wandte sich in einem Brief (siehe Rückseite) an den Erziehungsrat mit der Bitte, das Schwerpunktfach nicht abzuschaffen. Es gebe keine fachlich-inhaltliche Grundlage für diesen Entscheid. Sie sehen PPP als «Bauernopfer» und werfen dem ED «Planungsfehler» vor. Es sei «ein bedenkliches Signal an die Adresse der Lehrerschaft, wenn Planungsfehler per Dekret durch die Streichung von Schwerpunktfächern korrigiert werden können».

Die Fachschaft kommentiert den Entscheid mit harschen Worten und sagt, die Streichung würde das strukturelle Problem nicht lösen. «Ein Schwerpunktfach durch ein anderes zu ersetzen, das wieder ausschliesslich am Gymnasium am Münsterplatz unterrichtet wird, riskiert die Möglichkeit, die jetzt bestehende Situation zu wiederholen.»

Für Nora Meyer, Lehrerin für Psychologie und Pädagogik am Münsterplatz, könnte die Situation sich sogar noch verschärfen: «In Zukunft wird es nicht einfacher, wenn zusätzlich Baselbieter Schüler gratis nach Basel kommen können.» Meyer spricht damit an, dass ab 2014 das Prinzip der eingeschränkten Freizügigkeit zwischen den Nordwestschweizer Kantonen eingeführt wird, wonach Schüler ihr Gymnasium frei wählen können – solange es Platz hat. Meyer ist enttäuscht vom Vorgehen des ED und sieht nicht ein, weshalb die Streichung von PPP die einzige Möglichkeit sein soll, um das Problem zu lösen: «Es wäre zum Beispiel eine Möglichkeit gewesen, PPP auch an einem anderen Gymnasium anzubieten, dann würden sich die Schüler verteilen.»

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  1. Dieser Machtanspruch ist gefährlich!

    von Maya Eldorado am 31.08.2012 um 00:18Uhr

    Wir wissen doch alle, dass überall in der Schweiz mehr oder weniger grosser Lehrermangel herrscht! Dieses Angebot gibt doch eine sehr gute Grundlage gerade für diesen Beruf.
    Da sind nun wirklich mal in Basel Vorreiter. Diese Schule beansprucht dieses Angebot nicht mal für sich, sondern schlägt vor, das auch an einem anderen Gymnasium einzuführen.
    Herr Eimann, wo liegt nun wirklich ihr Problem? Statt immer nur Umbau von oben, das nicht wirklich was Neues gebracht hat, kommt nun eine Schule mit einer innovativen Idee!
    Der Geist soll frei sein! Dazu gehört neben Kultur z.B. auch die Bildung - unsere Schulen. Die Bildung soll sich nicht der Wirtschaft unterordnen, sondern freie starke Bürger aus den Schülern machen. Dazu sind gerade diese drei Fächer sehr geeignet!
    Direktlink zum Kommentar

  2. Irr:sinn regiert

    von jb am 31.08.2012 um 03:42Uhr

    Haben wir nicht gehört, dass die Mathematik auf Kosten anderer Fächer gestärkt werden soll? Das ist die wahre Philosophy des Departements! Fragen nach dem Sinn des Lebens, des Lernens, dem Sitz der Seele etc. ppp. dummes Zeug: Der Schüler soll rechnen können, aber berechenbar bleiben. SchülerInnenzahlen pro Schulhaus, das ist der Selbstzweck, der bleibt: Irr:sinn regiert!
    Direktlink zum Kommentar

  1. Warum Politik?

    von Cornelis Bockemühl am 30.08.2012 um 07:52Uhr

    Für mich ist es immer wieder absolut unbegreiflich, warum die Politik in solchen rein pädagogischen Fragen das letzte Wort hat!

    Wieso um Himmels Willen soll das Gymnasium am Münsterplatz, d.h. konkret die Lehrerschaft, nicht einfach selber ganz autonom entscheiden können, ob es ein Schwerpunktfach anbieten will oder nicht - im Rahmen der Schulgesetze und Rahmenlehrpläne usw. selbstverständlich??

    Das "Problem" des zu grossen Erfolgs würde sich dann ja auch ganz von alleine lösen, denn andere Gymnasien würden dieses "Erfolgsrezept" doch schnell auch für sich entdecken!
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  2. Schildbürgerstreich

    von rejeanne am 30.08.2012 um 08:28Uhr

    Man stelle sich einmal vor, eine Firma stellt ein Produkt her, das reissenden Absatz findet und die Umsätze in die Höhe schnellen lässt. Nur dummerweise wird dieses Produkt nur an einem Standort von fünfen hergestellt. Die anderen Standorte leiden darunter, deren Mitarbeiter sind weniger motiviert und würden gerne an den erfolgreicheren Standort wechseln. Denn natürlich wurde der erfolgreiche Standort - um die Attraktivität zu steigern - modernisiert und ausgebaut. Mit diesem Problem konfrontiert, tritt nun der Verwaltungsrat der Firma zusammen und beschliesst, um dieses Ungleichgewicht zu beseitigen, Folgendes: um die anderen Standorte nicht zu benachteiligen, wird das erfolgreiche Produkt vom Markt genommen.

    Tönt irrwitzig, nicht wahr? Tja, willkommen in der Schulpolitik der Stadt Basel...
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  3. Dieser Machtanspruch ist gefährlich!

    von Maya Eldorado am 31.08.2012 um 00:18Uhr

    Wir wissen doch alle, dass überall in der Schweiz mehr oder weniger grosser Lehrermangel herrscht! Dieses Angebot gibt doch eine sehr gute Grundlage gerade für diesen Beruf.
    Da sind nun wirklich mal in Basel Vorreiter. Diese Schule beansprucht dieses Angebot nicht mal für sich, sondern schlägt vor, das auch an einem anderen Gymnasium einzuführen.
    Herr Eimann, wo liegt nun wirklich ihr Problem? Statt immer nur Umbau von oben, das nicht wirklich was Neues gebracht hat, kommt nun eine Schule mit einer innovativen Idee!
    Der Geist soll frei sein! Dazu gehört neben Kultur z.B. auch die Bildung - unsere Schulen. Die Bildung soll sich nicht der Wirtschaft unterordnen, sondern freie starke Bürger aus den Schülern machen. Dazu sind gerade diese drei Fächer sehr geeignet!
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  4. Irr:sinn regiert

    von jb am 31.08.2012 um 03:42Uhr

    Haben wir nicht gehört, dass die Mathematik auf Kosten anderer Fächer gestärkt werden soll? Das ist die wahre Philosophy des Departements! Fragen nach dem Sinn des Lebens, des Lernens, dem Sitz der Seele etc. ppp. dummes Zeug: Der Schüler soll rechnen können, aber berechenbar bleiben. SchülerInnenzahlen pro Schulhaus, das ist der Selbstzweck, der bleibt: Irr:sinn regiert!
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  5. Eine gute Massnahme zur Senkung der Schulqualität...

    von hedgehog am 31.08.2012 um 16:52Uhr

    Sind wir ehrlich: Gute Schule wird vor allem von motivierten Lehren gemacht. Hier wird ein frischgeschaffenes Fach abgeschafft, weil es zu erfolgreich ist. Offensichtlich, dass dadurch die Motivation der Lehrerschaft sich für die Schule zu engagieren nicht gerade steigen wird.

    Das ED produziert lieber noch etwas mehr Papier mit formularlastigen Qualitätssicherungsprojekten. Für mich klar der falsche Weg. Schade für Basel.
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  6. Schwerpunktzuteilung

    von duri am 31.08.2012 um 19:25Uhr

    Der Entscheid des Erziehungsdepartements kann aber auch so verstanden werden, dass die Schulqualität erhalten werden soll. Die einzelnen Gymnasien sollten sich nicht gegenseitig konkurrenzieren.
    Wenn jedes Gymnasium nach eigenem Gutdünken ein Schwerpunktfach anbietet, führt dies nicht zur Qualitätssteigerung, sondern zu höheren Kosten und zum Buhlen um Schülerinnen und Schüler. Denn die Gesamtzahl der Lernenden geht vorläufig zurück.
    Und wie sollen die einzelnen Gymnasien agieren, wenn die Schülerinnen- und Schülerzahl jährlich grossen Schwankungen unterworfen ist, zum Beispiel, was Räumlichkeiten anbelangt? Schule A braucht mehr Zimmer, schule B hat zuviele. Und nächstes Jahr vielleicht umgekehrt. Wer ist gewillt, dies zu bezahlen?
    Das ED hat die Notbremse gezogen und es schmerzt. Aber diese Reaktion ist notwendig.
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  7. Gymnasiasten proben den Aufstand

    von N N am 31.08.2012 um 21:06Uhr

    Die Schule soll reformiert werden. Deshalb wird etwas Erfolgreiches, Beliebtes und Innovatives abgeschafft.
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  8. Wo bleibt die unsichtbare Hand?

    von A S am 1.09.2012 um 09:50Uhr

    Der Markt ist doch bekanntlich dann im Gleichgewicht, wenn Nachfrage und Angebot sich treffen. Wenn das ED Verständnis für diesen Entscheid will, müsste es zuerst im Fach Wirtschaft Reformen durchführen und statt der freien Markt- die Planwirtschaft auf den Lehrplan setzen.
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Informationen zum Artikel

29.8.2012, 18:00 Uhr

Gymnasiasten proben den Aufstand

Text

Text:

  • 29.08.2012 um 18:00
    Gymnasiasten proben den Aufstand

    Am Gymnasium am Münsterplatz soll das Schwerpunktfach PPP abgeschafft werden. So lautet der Plan der Erziehungsdirektion von Regierungsrat Christoph Eymann. Dagegen protestieren die Lehrkräfte und Schüler des Gyms.

  • 20.06.2012 um 15:08
    Ein «optimaler Spagat» und Scharmützel am Rand

    Vor vier Monaten informierte die Baselbieter Regierung zur geplanten Reform der Baselbieter Pensionskasse. Jetzt ist die Vernehmlassung abgeschlossen und das Vorhaben kommt in den Landrat. Dabei wurden drei Punkte noch geändert. Finanzdirektor Adrian Ballmer stellte heute den  definitiven Plan vor – nicht ganz ohne Nebengeräusche.

  • 07.06.2012 um 11:27
    Warnstreik auf dem Novartis-Campus

    Fünf Bauarbeiter der e-Therm, einer Tochterfirma der Thuner Baufirma Frutiger AG, legten am Donnerstagmorgen ihre Arbeit auf dem Novartis-Gelände nieder. Sie wollen nicht länger zu den schlechteren Bedingungen arbeiten als die anderen Arbeiter auf der Baustelle.  

  • 17.11.2011 um 12:07
    Freie Wahl?
    Zum Artikel: Musikabo von Spotify

    Ja, die klassische Wahl zwischen Pest oder Cholera also. Entweder Künstler akzeptieren die Konditionen, die von der Industrie festgesetzt werden, oder sie finden im grösseren Rahmen nicht statt. Ob das jetzt der klassische Plattenvertrag oder der Vert...

  • 17.11.2011 um 11:23
    Vor allem...
    Zum Artikel: Musikabo von Spotify

    ...die Majorlabels haben anscheinend ihre Freude an Spotify, glaubt man dem Guardian: http://www.guardian.co.uk/music/musicblog/2009/aug/17/major-labels-spotify Die (Indie-)Künstler wohl insgesamt weniger...

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