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TagesWoche

Tages Woche

Fr, 24.05.2013

Ab in die Quartiere 

25.8.2012, 16:07 Uhr

Im Quartier der kleinen Wunder

25.8.2012, 16:07 Uhr

Glücklich ist, wer richtig fest nachdenken muss, damit ihm die kleinen Ärgerlichkeiten an seinem Wohnort auffallen. Die Bewohner des St. Johann, so viel können wir nach dem Besuch mit dem Kaffeemobil sagen, müssen sehr fest nachdenken. Von Amir Mustedanagić und Philipp Loser

Zahlreiche Quartierbewohner kamen für einen Schwatz bei uns vorbei.

Zahlreiche Quartierbewohner kamen für einen Schwatz bei uns vorbei. (Bild: Philipp Loser)

Mitten im Quartier: Die TagesWoche stand mit dem Kaffeemobil gegenüber der Tramhaltestelle St. Johannstor.

Mitten im Quartier: Die TagesWoche stand mit dem Kaffeemobil gegenüber der Tramhaltestelle St. Johannstor. (Bild: Philipp Loser)

Die Bewohner des St. Johann fühlen sich wohl in ihrem Quartier - vor allem seit der Aufwertung des Parks.

Die Bewohner des St. Johann fühlen sich wohl in ihrem Quartier - vor allem seit der Aufwertung des Parks. (Bild: Philipp Loser)

Kritisiert haben die Anwohner im St. Johann den Mehrverkehr auf dem Voltaplatz, fehlende Veloparkplätze vor dem Coop an der Elsässerstrasse und dass es zuwenig Cafés gibt - vor allem mit WLAN.

Kritisiert haben die Anwohner im St. Johann den Mehrverkehr auf dem Voltaplatz, fehlende Veloparkplätze vor dem Coop an der Elsässerstrasse und dass es zuwenig Cafés gibt - vor allem mit WLAN. (Bild: Amir Mustedanagic)

Vielzählig vertreten war auch die Redaktoren der TagesWoche. Sie wohnen halt auch in der Nähe…

Vielzählig vertreten war auch die Redaktoren der TagesWoche. Sie wohnen halt auch in der Nähe… (Bild: Pola Rapatt)

Das Kaffee-Mobil stand an diesem Samstagmorgen beim St.Johanns-Tor, auf dem Platz vor dem Park. Der Blick geht weit an dieser Stelle der Stadt: über den grünen Park, über den Rhein, ins Kleinbasel, bis nach Deutschland. Und immer auch zur neuen Bar am Eingang des Parks. Die Eröffnung von «Jonny Parker» Mitte Juni und die Neugestaltung des Spielplatzes hat die Atmosphäre des gesamten Quartiers verändert. Und zwar zum noch Besseren.

Denn, und da sind sich eigentlich alle Kaffeetrinker einig: «Das St. Johann ist ein wunderbares Quartier.»

Lebenswert und farbig und gut durchmischt. «Ich habe tolle Nachbarn», sagt etwa Monika Winter, die seit zwanzig Jahren im St. Johann wohnt und die Entwicklung des Quartiers als sehr positiv empfindet. Der Voltaplatz sei viel besser gestaltet, und eben, der Park. Hier macht Winter aber eine Einschränkung: «Ich kann nicht verstehen, warum man damals die alternative Szene nicht im Park gelassen hat.» Damals in den 80er-Jahren, als junge Menschen die Stadtgärtnerei als Zeichen gegen den Mief der Stadt und der Zeit verstanden. Frei sein wollten, Freiräume beanspruchten und mit ihren Forderungen nicht weit von jenen jungen Menschen entfernt sind, die heute gegen ein Zuviel an Stadtentwicklung und ein Zuviel an Aufwertung durch die Strassen marschieren und manchmal auch eine Scheibe einschlagen.

Asylschiff kein Thema

Die Bewegung heute hat nicht mehr den gleichen Sog wie die Bewegung damals. Die Jungen von damals sind älter und bürgerlicher geworden. Sie waren als Studenten im St. Johann und sind auch hier geblieben, als sie den ersten richtigen Job bekamen, das erste Kind. Und so entwickelt sich auch das Quartier vom aufmüpfigen Studenten zum bürgerlichen Erwachsenen. Immer noch etwas hip, immer noch sehr urban. Aber auch etwas gediegener.

Kevin Widmer, ein Student noch, ist erst vor fünf Monaten aus dem Bachletten-Quartier ins St. Johann gezogen und er bereut keinen Tag davon. «Immer läuft etwas, das Quartier ist total belebt.» Ihm gefalle die Vielfalt und Farbigkeit seines neuen Wohnorts. An jeder Ecke höre er eine andere Sprache, wunderbar sei das.

Apropos verschiedene Sprachen: Das Asylschiff, das nach den Plänen des Regierungsrats unten am Rhein und gleich beim Park ankern soll, war am Samstagmorgen beim Kaffee-Mobil nur ein peripheres Thema. «Das Asylschiff ist kein Thema im Quartier», sagte eine Besucherin, «die Gegner des Schiffs wurden in den Medien überrepräsentiert.»

Vielleicht wird das Schiff auch erst zu einem echten Thema, wenn es auch tatsächlich angelegt hat. Bis dahin haben die Bewohnerinnen und Bewohner des St. Johanns beneidenswert kleine Sorgen – was ihnen auch bewusst ist. Ausnahmslos alle Anwohner, die den Stand der TagesWoche besuchten, sind im Grundsatz äusserst glücklich mit ihrem Quartier. Nur in den Details gäbe es noch das eine oder andere:

- Verkehr. Die Bewohner des Voltaplatzes sind zwar nicht mehr so belastet wie vor und während dem Umbau, aber noch immer wälzt sich jeden Morgen eine Autokolonne über den Platz. Vorschlag eines Anwohners: Warum öffnet man nicht die Autobahnausfahrt auf der Kleinbasler Seite? Ausserdem: Warum sperrt man die Elsässerstrasse nicht für Lastwagen? Ausserdem 2: Warum ist die St.Johanns-Vorstadt immer noch eine Einbahnstrasse für Velofahrer?

- Cafés. Auch wenn seit zwei Monaten der Jonny Parker geöffnet hat (auch bekannt unter den Namen «Pärklibär»), fehlen noch zwei drei Cafés (am liebsten mit Wlan) im Quartier. Vor allem da so viele Alteingesessene die noch älteren und traditionellen Quartierbeizen vermissen uns sich einen Begegnungsort wünschen.

- Veloparkplatz beim neuen Coop an der Elsässerstrasse. Der ist in der Tiefgarage. Ein Blödsinn. Und auch ein paar Velowege würden nicht schaden, sagt Ruedi Häger.

- Kannenfeldpark. Der schönste Park der Stadt gehört ebenfalls zum St. Johann. Zwei Verbesserungsvorschläge vom Samstag: Die Toiletten müssten dringend renoviert werden und auch das Café ist nicht mehr unbedingt auf dem neuesten Stand.

- Abfall. Zu früh auf die Strasse gestellte Bebbi-Säcke; Bebbi-Säcke, die als temporäre Abfallhalden missbraucht werden; Jugendliche, die den Platz vor dem Kiosk von Aydin Sen vollmüllen – wie überall in der Stadt ist auch im St. Johann der Abfall ein Dauerthema. Die Stadtreinigung kommt zwar regelmässig, monierten die Bewohner, aber zu wenig oft. «Mehr Abfalleimer in den Strassen wären auch gut.»

- Geschlossener Campus. So ein schöner Campus. Aber leider nur für die Novartis.

- Kein richtiger Markt. Der wöchentliche Markt wurde auf den Vogesenplatz verlagert, was schade ist. Und Anwohner Theo Keel macht sich Sorgen, dass der Fokus sich noch mehr auf den Voltaplatz richten könnte.

- Störende Rasenmäher. Noch einmal der Voltaplatz, noch einmal der gleiche Anwohner: «Es ist nicht verständlich, warum die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei die Wiese regelmässig am Samstagmorgen um 7 Uhr mähen müssen.»

Aber wie gesagt: Das sind kleine Klagen im Vergleich mit der hohen Gesamtzufriedenheit, die wir an diesem Samstagmorgen festgestellt haben. Haben wir das echte St. Johann gespürt? Oder erlagen wir einer Täuschung? Wir werden es hoffentlich bis zum Ende der Woche wissen, wenn wir in regelmässigen Abständen auf www.tageswoche.ch über das Quartier berichten.

  1. Wie konntet ihr das "übersehen"?

    von René Reinhard am 25.08.2012 um 20:29Uhr

    Etwas vom, meiner Meinung nach in zweierlei Hinsicht, Bemerkenswertesten im St. Johanns-Quartier, wenn nicht gar der ganzen Stadt, steht auch am neu gestalteten Voltaplatz: Es ist dieser "offene Bücherschrank", ein Metallkasten mit auf jeder Seite zwei Flügeltüren aus Glas samt, in seinem Innern, Tablaren voller Bücher. Die unterschiedlichsten Bücher. Die Menschen bringen und holen sie. Belletristik, Fachbücher und was weiss ich noch was. Wie etwa "Klang zu Gang. Gedanken zur Musik in heutigen Theaterformen" Bücher, Bücher, Bücher. "Sie kommen und gehen", wie die Arbeiter bei "Läppli". Einfach unglaublich.
    Unglaublich aber ist auch der "Zustand", das "Aussehen", des Schrankes, wie das seiner Umgebung. Nichts. Aber auch gar nichts von dem sonst Üblichen. Wirklich nichts. Es ist, als wäre er erst gestern hingestellt worden. Ich denke die Leute im Quartier, in dem auch ich Jahre verbracht habe, wissen oder spüren wenn etwas "für sie da ist", ihnen "gehört", auch wenn sie es nicht "besitzen".

    Direktlink zum Kommentar

  2. Schlechtes Deutsch

    von Domenica Ott am 9.09.2012 um 23:05Uhr

    "Und so entwickelt sich auch das Quartier vom aufmüpfigen Student zum bürgerlichen Erwachsenen."(Studenten)
    "ein periphäres Thema"(peripheres)
    "Vielleicht wird das Schiff auch erst zu einem echten Thema, wenn es auch tatsächlich angelegt ist."( angelegt hat)
    "monnierten die Besucher"(monierten)

    In einem einzigen Artikel gleich 4 Deutschfehler! Das find ich etwas viel. Auf die Gefahr hin, schulmeisterlich zu wirken - meiner Ansicht nach sollten Journalist/innen immer noch die Sprache schriftlich fehlerfrei beherrschen, in der sie ihre Artikel veröffentlichen. Sorry.
    Direktlink zum Kommentar

  3. TagesWoche Redaktion

    Mea...

    von Philipp Loser am 10.09.2012 um 09:02Uhr

    ... culpa. Das waren eindeutig zu viele Fehler. Danke für den Hinweis und beste Grüsse.
    Philipp Loser
    Direktlink zum Kommentar

  1. Kein richtiger Markt....

    von Basel Runner um 25.08.2012 um 17:26Uhr

    Der Markt, der leider kein richtiger ist, ist auf dem neuen Vogesenplatz vor dem Bahnhof St. Johann und nicht wie erwähnt auf dem Voltaplatz.....
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  2. TagesWoche Redaktion

    Danke

    von Amir Mustedanagic um 25.08.2012 um 18:42Uhr

    Vielen Dank für den Hinweis. War wohl ein Missverständnis, ist korrigiert.
    Direktlink zum Kommentar

  3. Wie konntet ihr das "übersehen"?

    von René Reinhard um 25.08.2012 um 20:29Uhr

    Etwas vom, meiner Meinung nach in zweierlei Hinsicht, Bemerkenswertesten im St. Johanns-Quartier, wenn nicht gar der ganzen Stadt, steht auch am neu gestalteten Voltaplatz: Es ist dieser "offene Bücherschrank", ein Metallkasten mit auf jeder Seite zwei Flügeltüren aus Glas samt, in seinem Innern, Tablaren voller Bücher. Die unterschiedlichsten Bücher. Die Menschen bringen und holen sie. Belletristik, Fachbücher und was weiss ich noch was. Wie etwa "Klang zu Gang. Gedanken zur Musik in heutigen Theaterformen" Bücher, Bücher, Bücher. "Sie kommen und gehen", wie die Arbeiter bei "Läppli". Einfach unglaublich.
    Unglaublich aber ist auch der "Zustand", das "Aussehen", des Schrankes, wie das seiner Umgebung. Nichts. Aber auch gar nichts von dem sonst Üblichen. Wirklich nichts. Es ist, als wäre er erst gestern hingestellt worden. Ich denke die Leute im Quartier, in dem auch ich Jahre verbracht habe, wissen oder spüren wenn etwas "für sie da ist", ihnen "gehört", auch wenn sie es nicht "besitzen".

    Direktlink zum Kommentar

  4. Schlechtes Deutsch

    von Domenica Ott um 9.09.2012 um 23:05Uhr

    "Und so entwickelt sich auch das Quartier vom aufmüpfigen Student zum bürgerlichen Erwachsenen."(Studenten)
    "ein periphäres Thema"(peripheres)
    "Vielleicht wird das Schiff auch erst zu einem echten Thema, wenn es auch tatsächlich angelegt ist."( angelegt hat)
    "monnierten die Besucher"(monierten)

    In einem einzigen Artikel gleich 4 Deutschfehler! Das find ich etwas viel. Auf die Gefahr hin, schulmeisterlich zu wirken - meiner Ansicht nach sollten Journalist/innen immer noch die Sprache schriftlich fehlerfrei beherrschen, in der sie ihre Artikel veröffentlichen. Sorry.
    Direktlink zum Kommentar

  5. TagesWoche Redaktion

    Mea...

    von Philipp Loser um 10.09.2012 um 09:02Uhr

    ... culpa. Das waren eindeutig zu viele Fehler. Danke für den Hinweis und beste Grüsse.
    Philipp Loser
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Informationen zum Artikel

25.8.2012, 16:07 Uhr

Im Quartier der kleinen Wunder

Text

Text:

  • 22.05.2013 um 18:57
    Kommissär Hunkeler braucht eine neue Beiz

    Das Restaurant Milchhüsli soll im Herbst seine Türen wieder öffnen. Allerdings nicht mehr als urchige Beiz, sondern als Café – «von Studierenden für Studierende». Hinter der geplanten Eröffnung steht die Studierendenorganisation Skuba.

  • 21.05.2013 um 12:50
    Wie mich Urs Widmer zum Leser machte

    Es war mein erstes Buch, es war mein erster Urs Widmer-Roman – und «Im Kongo» hat mich verändert. Für immer. Ein Dankeschön zum 75. Geburtstag von Urs Widmer.

  • 21.05.2013 um 06:30
    Ein Viertel aller Schulratspräsidenten tritt zurück

    Acht Schulratspräsidenten treten aufs neue Schuljahr zurück. Einige beklagen die mangelnden Kompetenzen in ihrem Amt. Stimmt, sagt das Erziehungsdepartement, genau so soll es auch sein.

Text

Text:

  • 23.05.2013 um 16:49
    «Dass es keine Gewalt mehr gibt vor dem Stadion ist ein Ziel – wie der Weltfrieden auch»

    Der Basler Sicherheitsdirektor Baschi Dürr (FDP) steht dem verschärften Hooligan-Konkordat weiterhin skeptisch gegenüber. Man müsse Realist bleiben: Ständige Verschärfungen des Gesetzes würden das Problem nicht lösen.

  • 23.05.2013 um 12:00
    Grüne und Linke im falschen Film

    Immer wieder landen linke Exekutivpolitiker in atypischen Departementen. Dort müssen sie Überzeugungen vertreten, die ihnen oft zuwider sind.

  • 22.05.2013 um 15:57
    Die Stunde der Populisten

    Wie zynisch Politik manchmal sein kann, lässt sich an den Reaktionen nach den Ausschreitungen am Cupfinal schön aufzeigen. Gross ist die heimliche Freude der Konkordats-Befürworter, dass es endlich wieder einmal geknallt hat.

  • 13.05.2013 um 08:39
    Grenzgänger
    Zum Artikel: Milliarden aus der Fremde

    Sehr geehrter Herr Wilhelm, Sie weisen auf einen richtigen Punkt hin: In den Daten der Weltbank sind die Geldsendungen der Grenzgänger nicht erfasst. Im Fall der Schweiz machen die Summen der Grenzgänger, die ins Ausland fliessen, einen beträchtlichen ...

  • 29.04.2013 um 18:52
    Treffer...
    Zum Artikel: Fängt das wieder an!

    ... versenkt. Und natürlich korrigiert. Es grüsst aus dem Glashaus: Philipp Loser

  • 24.04.2013 um 11:59
    Speicherplatz
    Zum Artikel: Der Kalte Krieg ist nie vorbei

    Lieber Herr Meyer, Sie haben schon Recht: man soll nicht über jeden Hetzkommentar berichten. Das spezielle in diesem Fall ist der Umgang mit dem Kommentar durch die Gruppe Giardino. Das kann man durchaus aufzeigen, finden wir und opfern dafür gerne etw...

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