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Russland 

17.8.2012, 08:02 Uhr

Amnesty International spricht von Schlag gegen Meinungsfreiheit

17.8.2012, 08:02 Uhr

Die drei Frauen der russischen Punkband Pussy Riot sind am Freitag in Moskau zu je zwei Jahren Haft wegen Rowdytums verurteilt worden. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International nannte das Urteil einen harten "Schlag gegen die Meinungsfreiheit in Russland". Von sda

sda: Die drei Musikerinnen im Glaskasten im Gerichtssaal

Die drei Musikerinnen im Glaskasten im Gerichtssaal (Bild: sda)

"Das Urteil ist nicht nur der Versuch, die drei jungen Frauen zum Schweigen zu bringen. Es soll auch eine Warnung an alle anderen sein, die es wagen, Präsident Putin und seine Regierung zu kritisieren", erklärte die Russlandexpertin von Amnesty, Friederike Behr. Amnesty International stuft die drei Musikerinnen als gewaltlose politische Gefangene ein.

Richterin spricht von religiösem Hass

Die Angeklagten hätten in der bedeutendsten Kirche Russlands eine rechtswidrige religiöse Handlung ausgeführt, sagte Richterin Marina Syrowa bei der Urteilsverkündung. Tatmotiv sei "religiöser Hass" gewesen.

Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre Haft gefordert für Nadjeschda Tolokonnikowa, Maria Alechina und Jekaterina Samuzewitsch. Sie hatten am 21. Februar bei ihrer spektakulären Protestaktion in der Christ-Erlöser-Kirche in Moskau in einem so genannten Punk-Gebet die Gottesmutter angerufen, Präsident Wladimir Putin zu verjagen.

Ausführlich schilderte die Richterin bei der Urteilsverkündung die Aktion. Dabei spielte sie insbesondere auf die aufreizend knappe Kleidung der Aktivistinnen und deren Tanz mit dem Rücken zum Altar an. "Insgesamt ist dieser Auftritt einzig als beleidigend für die Gläubigen zu sehen", sagte Syrowa. Dadurch sei "moralischer Schaden für die anwesenden Gläubigen entstanden".

Der Schuldspruch war erwartet worden, da sich sowohl die russisch-orthodoxe Kirche als auch Präsident Putin für die Bestrafung der Frauen ausgesprochen hatten. Vielleicht auch wegen der internationalen Kritik am Prozess erklärte Putin zuletzt, die Frauen sollten nicht zu hart bestraft werden. Möglich wären bis zu sieben Jahre Haft gewesen.

Gleich nach der Verurteilung bat die russisch-orthodoxe Kirche um Milde für die jungen Frauen - "im Rahmen des Gesetzes". Dies geschehe in der Hoffnung, dass die Künstlerinnen ihre "blasphemische" Aktion nicht wiederholten, teilte der Oberste Kirchenrat am Freitag der Agentur Interfax zufolge mit.

Gerichtsgebäude abgesperrt

Die Angeklagten verfolgten den im Fernsehen übertragenen Urteilsspruch aus einem von Polizisten bewachten Glaskasten im Gerichtssaal. Ein leichtes, zynisches Grinsen zeichnete sich um die Mundwinkel von Tolokonnikowa ab, während sie zuhörte. Ein Kopfschütteln deutete sich zeitweise an.

Vor dem Gebäude des Moskauer Chamowniki-Gerichts demonstrierten Hunderte Anhänger der Aktivistinnen gegen den Prozess. Die Polizei nahm nach Informationen der Nachrichtenagentur Interfax den linken Oppositionsführer Sergej Udalzow fest, als er eine Absperrung überschritt. Die russische Polizei hatte vor der Urteilsverkündung das Gerichtsgebäude abgesperrt.

In zahlreichen Grossstädten in Westeuropa und Nordamerika gingen Sympathisanten von Pussy Riot auf die Strasse. Auch Prominente wie Paul McCartney, Madonna und Björk hatten die Freilassung der Pussy-Riot-Mitglieder gefordert.

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  1. Und das in einer Kirche. Ich bin verwirrt.

    von René Reinhard am 17.08.2012 um 19:32Uhr

    "Religiöser Hass" provozierte also für die "Richterin" nicht einfach eine rechtswidrige Handlung, sondern gar eine verbotene "religiöse".
    Direktlink zum Kommentar

  2. Die Rechte anderer respektieren.

    von Inaktiver Nutzer am 18.08.2012 um 13:17Uhr

    Dass die Pussy Riot Girls verurteilt wurden, find ich korrekt. Es ist respektlos in einer Kirche einen solchen Auftritt zu inszinieren. Auch wenn man nicht gläubig ist, so wie ich, sollte man den Glauben der anderen respektieren.
    Allerdings ist das Strafmass viel zu hoch. Einen Tag gemeinnützige Arbeit für die Kirche wäre gerecht, zumindest nach unserem Rechtsverständnis.
    Dass das also eine Abrechnung des Regims Putin gegen die Kritiker ist, ist unbestritten. Es ist zu hoffen, dass sich in Russland die demokratischen Kräfte dadurch noch stärker zu Wehr setzen werden. Meine Unterstütztung haben sie.
    Direktlink zum Kommentar

  3. Meinungsfreiheit oder Russisches Roulette

    von Christian Vontobel am 19.08.2012 um 22:06Uhr

    Schon Bertolt Brecht stellte in seinem berühmten Gedicht An die Nachgeborenen die Frage, "Was sind das für Zeiten, wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!" Dass wir in schwierigen Zeiten leben beweist das Schicksal der Punkband Pussy Riot. Zwar ist ihr Protest dank Social Media und Internet weltweit gehört worden und kann nicht einfach totgeschwiegen werden. Aber die russische Obrigkeit spricht lieber über die Bäume und lässt die Richterin über deren angeblich schlechte Pflege urteilen. Wenn ein dreistündiges Plädoyer nötig ist, um eine 30 Sekunden dauernde Performance zu beurteilen, dann dient das offensichtlich nur dem Zweck, vom eigentlichen Tatbestand abzulenken. Soll also die russische Öffentlichkeit zu einer Debatte über das angeblich freizügige Aussehen der Künstlerinnen und deren angebliche antireligiöse Haltung angestiftet werden? Und soll gleichzeitig verschwiegen werden, dass die demonstrative Zusammenarbeit einer undemokratischen Machtelite und einer ebenfalls undemokratisch verfassten Grosskirche für die aufgeklärten Bürgerinnen und Bürger immer weniger Meinungsfreiheit bedeutet? Ihnen bleibt nur noch der kulturell verkleidete Protest, im Falle der Aktion in der Christ-Erlöser-Kirche in Moskau mit dem Mut der Verzweiflung und der Hoffnung zugleich.
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  1. Und das in einer Kirche. Ich bin verwirrt.

    von René Reinhard am 17.08.2012 um 19:32Uhr

    "Religiöser Hass" provozierte also für die "Richterin" nicht einfach eine rechtswidrige Handlung, sondern gar eine verbotene "religiöse".
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  2. Die Rechte anderer respektieren.

    von Inaktiver Nutzer am 18.08.2012 um 13:17Uhr

    Dass die Pussy Riot Girls verurteilt wurden, find ich korrekt. Es ist respektlos in einer Kirche einen solchen Auftritt zu inszinieren. Auch wenn man nicht gläubig ist, so wie ich, sollte man den Glauben der anderen respektieren.
    Allerdings ist das Strafmass viel zu hoch. Einen Tag gemeinnützige Arbeit für die Kirche wäre gerecht, zumindest nach unserem Rechtsverständnis.
    Dass das also eine Abrechnung des Regims Putin gegen die Kritiker ist, ist unbestritten. Es ist zu hoffen, dass sich in Russland die demokratischen Kräfte dadurch noch stärker zu Wehr setzen werden. Meine Unterstütztung haben sie.
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  3. Meinungsfreiheit oder Russisches Roulette

    von Christian Vontobel am 19.08.2012 um 22:06Uhr

    Schon Bertolt Brecht stellte in seinem berühmten Gedicht An die Nachgeborenen die Frage, "Was sind das für Zeiten, wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!" Dass wir in schwierigen Zeiten leben beweist das Schicksal der Punkband Pussy Riot. Zwar ist ihr Protest dank Social Media und Internet weltweit gehört worden und kann nicht einfach totgeschwiegen werden. Aber die russische Obrigkeit spricht lieber über die Bäume und lässt die Richterin über deren angeblich schlechte Pflege urteilen. Wenn ein dreistündiges Plädoyer nötig ist, um eine 30 Sekunden dauernde Performance zu beurteilen, dann dient das offensichtlich nur dem Zweck, vom eigentlichen Tatbestand abzulenken. Soll also die russische Öffentlichkeit zu einer Debatte über das angeblich freizügige Aussehen der Künstlerinnen und deren angebliche antireligiöse Haltung angestiftet werden? Und soll gleichzeitig verschwiegen werden, dass die demonstrative Zusammenarbeit einer undemokratischen Machtelite und einer ebenfalls undemokratisch verfassten Grosskirche für die aufgeklärten Bürgerinnen und Bürger immer weniger Meinungsfreiheit bedeutet? Ihnen bleibt nur noch der kulturell verkleidete Protest, im Falle der Aktion in der Christ-Erlöser-Kirche in Moskau mit dem Mut der Verzweiflung und der Hoffnung zugleich.
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17.8.2012, 08:02 Uhr

Amnesty International spricht von Schlag gegen Meinungsfreiheit

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Text: sda

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