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TagesWoche

Tages Woche

So, 19.05.2013

«Viva con Agua»-Festival 

11.8.2012, 15:16 Uhr

Ein Auftakt nach Mass – trotz weniger Bass

11.8.2012, 15:16 Uhr

Für die dritte Ausgabe des «Viva con Agua»-Festivals mussten die Veranstalter notgedrungen den Fuss vom Bass-Pedal nehmen – was Stimmung und Spass rund ums kühle Nass auf dem Kasernenareal aber keineswegs bremste. Von Tara Hill und Alexander Preobrajenski

Heiter bis altersmilde: Reggae-Ikone Horace Andy (61)

Heiter bis altersmilde: Reggae-Ikone Horace Andy (61) (Bild: Alexander Preobrajenski)

Mit der Abenddämmerung wurde die Open-Air-Party lanciert

Mit der Abenddämmerung wurde die Open-Air-Party lanciert (Bild: Alexander Preobrajenski)

Festival-Auftakt – auch für die Kleinen

Festival-Auftakt – auch für die Kleinen (Bild: Alexander Preobrajenski)

Lilabungalow eröffnen das diesjährige Festival

Lilabungalow eröffnen das diesjährige Festival (Bild: Alexander Preobrajenski)

Friedliche Stimmung zwischen Quartierfest und Festival

Friedliche Stimmung zwischen Quartierfest und Festival (Bild: Alexander Preobrajenski)

The Scrucialists geben Gas

The Scrucialists geben Gas (Bild: Alexander Preobrajenski)

Aus vollem Hals: Backup-Sängerin bei Phenomden & The Scrucialists

Aus vollem Hals: Backup-Sängerin bei Phenomden & The Scrucialists (Bild: Alexander Preobrajenski)

Geballte weibliche Backing Vocal-Power bei Phenomdens Auftritt

Geballte weibliche Backing Vocal-Power bei Phenomdens Auftritt (Bild: Alexander Preobrajenski)

Skepsis zu Beginn, Euphorie am Ende von Phenomdens Auftritt

Skepsis zu Beginn, Euphorie am Ende von Phenomdens Auftritt (Bild: Alexander Preobrajenski)

Phenomden in Action

Phenomden in Action (Bild: Alexander Preobrajenski)

Phenomden in Action

Phenomden in Action (Bild: Alexander Preobrajenski)

Skepsis zu Beginn, Euphorie am Ende von Phenomdens Auftritt

Skepsis zu Beginn, Euphorie am Ende von Phenomdens Auftritt (Bild: Alexander Preobrajenski)

Infostände und Kinder-Wasser-Werkstatt vermitteln Wissen

Infostände und Kinder-Wasser-Werkstatt vermitteln Wissen (Bild: Alexander Preobrajenski)

Geldspenden und Becherpfand: Das Herzstück des Benefiz-Festivals

Geldspenden und Becherpfand: Das Herzstück des Benefiz-Festivals (Bild: Alexander Preobrajenski)

Festival-Impressionen beim Eindunkeln

Festival-Impressionen beim Eindunkeln (Bild: Alexander Preobrajenski)

Spektakuläre Lightshows: Die Veranstalter liessen sich in punkto Technik, Licht und Ton nicht lumpen

Spektakuläre Lightshows: Die Veranstalter liessen sich in punkto Technik, Licht und Ton nicht lumpen (Bild: Alexander Preobrajenski)

familiäre Quartierfest-Stimmung am frühen Abend

familiäre Quartierfest-Stimmung am frühen Abend (Bild: Alexander Preobrajenski)

Endlich: Der Grossmeister lässt sein Vibrato erklingen

Endlich: Der Grossmeister lässt sein Vibrato erklingen (Bild: Alexander Preobrajenski)

Würdiger Zapfenstreich: Abschied von Headliner Andy und seiner Band Dub Asanté

Würdiger Zapfenstreich: Abschied von Headliner Andy und seiner Band Dub Asanté (Bild: Alexander Preobrajenski)

Fast könnte man die Feierlichkeiten auf dem Kasernenareal an diesem frühen Freitagabend für ein Quartierfest halten: Stolze Eltern, die mit ihrer Jungmannschaft im Buggy zwischen Kinder-Wasser-Werkstatt und Imbissbuden umher flanieren. Ältere südländische Ehepaare, die unter der warmen Augustsonne mit Karodecken auf der Kasernenwiese picknicken. Und schliesslich jugendliche Hipsters, welche die ebenso junge Foto-Kunst der Hamburger Street-Art-Gruppe «Strassenköter» wohlwollend mustern.

Tausende Schaulustige beim feuchtfröhlichen Treiben

Einzig die verspielte Electro-Pop-Folklore der Erfurter Newcomer Lilabungalow fällt etwas aus dem Rahmen, perlt zwischen feinsinniger Ironie und Indie-Appeal aus dem Äther und erinnert leise daran, dass hier eigentlich ein Festival im Gange ist. Erstaunlich lange wirkt die Musik bei der diesjährigen, dritten «Viva con Agua»-Ausgabe fast wie eine Art sachtes Hintergrundrauschen, verteilen sich viele hundert Besucher auf dem gesamten Areal, statt sich vor der Bühne für die Gratis-Konzerte zu versammeln. Speis und Trank, Spiel und Spass konkurrieren sogar einen versierten Routinier wie den Zürcher Reggae-Mundartrapper Phenomden, der alle Register ziehen muss, um die zunächst lichten Reihen vor sich zu füllen.

Erst nach Einbruch der Dämmerung lassen sich nun wohl mehrere tausend Schaulustige von den druckvollen Bässen und knackigen Rhythmen von Phenomdens Basler Begleitkapelle The Scrucialists mitreissen. Die virtuosen vier hier versammelten Instrumentalisten beweisen mit satt groovendem Funk, Dub und Reggae, Hip-Hop, Dancehall und Ska, ein weiteres Mal warum sie in ihrem Bereich seit Jahren zur europäischen Spitze gehören. Der satte Sound wiederum passt bestens zum feuchtfröhlichen Treiben des Trinkwasser-Festivals, wie auch zur multikulturellen Kleinbasler Kasernen-Kulisse.

Abstriche beim Schall-Pegel als Auflage

Doch kaum scheint die Party richtig lanciert, nehmen die Veranwortlichen um Kaserne-Musikchef Sandro Bernasconi und Festivalleiterin Danielle Bürgin notgedrungen bereits wieder den Fuss vom Bass-Pedal. Nach einer Umbaupause startet Dub Asante, die Band von Reggae-Legende Horace Andy, zunächst ohne den Leader – und dies nicht nur einiges gemächlicher als ihre Vorgänger, sondern auch deutlich leiser. Die strikte 96-Dezibel-Schallgrenze: Ein Kompromiss zwischen Veranstalter, Allmendverwaltung und lärmgeplagten Anwohnern, von denen einige in den letzten beiden Jahren heftig gegen den Lautstärke-Pegel des Festivals protestierten.

Als um halb elf unter grossem Jubel erstmals Horace Andys berühmtes Vibrato über der Kaserne erklingt, scheinen zeitgleich plötzlich auch auffällig viele Festival-Skeptiker aus dem Halbschatten der angrenzenden Strassen zu treten. Markus, 44, bestreitet, Teil einer orchestrierten Aktion zu sein – er habe sich nur mit seinen Nachbarn verabredet: «An Schlaf war bei den letzten beiden Ausgaben bis Mitternacht eh nicht zu denken», meint er und prostet der Runde zu: «Dieses Jahr haben wir aus der Not eine Tugend gemacht, und treffen uns nun alle hier zum Schlummertrunk.»

Einige Meter weiter fragt ein bereits etwas angeheitert wirkender Anzugsträger gar die Passanten, wie sie diesen Musikstil denn nun genau betiteln würden – ihn erinnere das Gebotene «schon an diesen jamaikanischen Märtyrer Bobby Marley – wissen Sie, der mit den verfilzten Haaren, dieser Cannabis-Heilige.»

Wenig Biss, aber viel Würze

Tatsächlich hat er nicht Unrecht: Horace Andy setzt bei seinem Auftritt nämlich ganz auf Tradition, und interpretiert seine Hits wie «Spying Glass» oder «Man Next Door», die ihn Anfangs der 90er Jahre als Sänger der Trip-Hop-Pioniere Massive Attack weltberühmt machten, allesamt im gemütlich vor sich hin tuckernden Roots-Reggae-Gewand. Diese Verwandlung gelingt zwar problemlos, der reizvolle Kontrast aus seiner warmen Falsettstimme und dem bedrohlich wabernden Electronica-Fundament geht dabei aber genauso verloren wie die zartbittere Grundstimmung. Statt der heiter-souveränen Altersmilde, die der 61-jährige Andy nach viereinhalb Karriere-Jahrzehnten hier an den Tag legt, hätte sich manch alter Trip-Hop-Fan wohl bisweilen einen Tick mehr Kühle und Schärfe, Biss und Würze gewünscht.

Ob der mehr als entspannten Atmosphäre dennoch milde gestimmt, verlegen viele Besucher ihren Fokus stattdessen auf den Genuss eines kühlen Blonden, eines scharfen Curry-Imbisses oder gar gemütlich im Gras fläzend auf die Inhalation würziger Rauchwolken. Dem sich langsam abzeichnenden Zapfenstreich ist die Laid-back-Beschallung sogar alles andere als abträglich: Pünktlich um halb 12 werden Andy und Band würdig verabschiedet, und die Party ins Kasernen-Innere verlegt, wo die «Turbo Audio Posse» der DJs Supa Arrow, Belly Ranking und S. Lechmann die Halle noch bis spät nachts zum Tanz animieren.

Draussen trudelt ein sichtlich zufriedenes Publikum von dannen – inklusive der beiden zuvor noch festivalkritisch eingestellten Anwohner, von denen der eine erfreut die Vermutung äussert, zu solch friedlicher Musik sogar noch vor Konzertende einschlafen zu können, und der andere zuletzt ohne Krawatte, dafür aber mit imposanter Spendenbechersammlung gesichtet wurde, wie er aus vollem Hals in den von anderen Festivalheimkehrern zum besten gegebenen «Redemption Song» miteinstimmte.

Endlich: die Erwärmung fürs Quartierklima?

Ein Auftakt nach Mass also – und allerbeste Voraussetzungen für den zweiten Akt von heute Samstag. Nach dem aufstrebenden Basler Pop-Nachwuchs von The Drops (16.30 Uhr) und We Loyal (18 Uhr) werden um 20 Uhr die Lokalmatadoren Lovebugs als mittlerweile gelüfteter «Surprise Guest» die Stimmung auf ihrem Stammplatz Kaserne zum Kochen bringen.

Ob sich die (Lärm-)Sensibilisierung der Festivalfans und die neuerworbene Toleranz der Kaserne-Anwohner auch während des abschliessenden Auftritts des Londoner Post-Punk-Trios We Have Band noch das Wasser reichen können, wird sich zeigen. Wenn ja, hätte sich das Festival als ehemaliger Stein des Anstossens in eine Win-Win-Situation verwandelt: für die geplanten Trinkwasserprojekte von «Viva con Agua» genauso wie für die vorsichtige Erwärmung des unlängst etwas frostigen Quartierklimas.    

Kasernenareal, Basel. Klybeckstrasse 1B. Sa, 11.08., ab 16.30 Uhr: «Viva con Agua»-Festival. Infos: www.kaserne-basel.ch

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Informationen zum Artikel

11.8.2012, 15:16 Uhr

Ein Auftakt nach Mass – trotz weniger Bass

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Text:

  • 16.05.2013 um 16:55
    Kultwerk #80: The Great Gatsby

    Mit seinem Kultroman setzte F. Scott Fitzgerald den «Roaring Twenties» ein bis heute unvergessliches Denkmal – allerdings kein schmeichelhaftes.

  • 11.05.2013 um 17:37
    Die Kindheit, ein glitzernder Scherbenhaufen

    Vier Schauspieler machen sich auf die Suche nach ihren Ursprüngen – und finden Vieles, aber keine Unschuld: Marcel Schwalds Theaterperformance «Enfants terribles» wirft bei der Basler Premiere in der Kaserne einen erfrischend ungeschönten Blick auf die Kindheit.

  • 02.05.2013 um 10:07
    Ein Uhu braucht uhu-ere viel Unterstützung

    Die erste Ausgabe des Uhu-Festivals auf dem Horniberg wurde im letzten Juli vom Jahrhundertgewitter ertränkt. Nun sucht der junge Verein, der aktuelle elektronische Underground-Klänge mit innovativen visuellen und räumlichen Konzepten verbindet, für die zweite Durchführung nach Investoren, Sponsoren und freiwilligen Helfern für einen Neuanfang – ohne horrendes Defizit.

  • 15.03.2013 um 12:46
    @Walter Meier
    Zum Artikel: Vom Narziss zum Goldmund: Die Renaissance des Schweizer Rap

    Schon erstaunlich, wie sehr sich manche Mitglieder der Szene angegriffen fühlen, wenn man konstatiert, dass die Phase, wo sich Hip-Hop (zunächst) als Trend und (dann) dominierende Subkultur etablierte, vorbei ist, und Rap wieder vermehrt aus dem Unterg...

  • 28.01.2013 um 21:54
    Zum Abschluss
    Zum Artikel: Morgengrauen: Nüblings virtuose Verstörung

    Christian, ich glaube grundsätzlich sind wir nicht so weit voneinander entfernt in unseren Haltungen. Mich stört wie gesagt nicht, dass solche Themen aufgegriffen und inszeniert werden, sondern «wie», nämlich sehr explizit und in einer teils filmisch...

  • 28.01.2013 um 20:06
    Ganz normal und realistisch? (Achtung, Spoiler!)
    Zum Artikel: Morgengrauen: Nüblings virtuose Verstörung

    Danke für die Ausführungen und die weiteren Wortmeldungen! Ich bin keineswegs der Meinung dass die theaterpädagogische Jugendarbeit keine Grenzen hat, und ich will auch keinesfalls alle Theaterpädagogen über einen Kamm scheren – nur frage ich mich, w...

Bild

Bild: Alexander Preobrajenski

  • 04.05.2013 um 18:26
    Zwei Brüder gesponsert vom Schöpfer

    Habib Koité und Eric Bibb zeigten als «Brothers In Bamako» in der Kaserne Basel, dass Westafrika und die USA musikalisch noch mehr verbindet als der Blues.

  • 11.04.2013 um 16:23
    Ein Hybrid aus Techno und Klassik

    Das Sinfonieorchester Basel geht in der Kooperation mit Techno-Koryphäe Moritz von Oswald und Pianist Francesco Tristano neue Wege. 

  • 17.03.2013 um 16:56
    Gute Stimmen: Ja, ausgelassene Stimmung: Naja

    Von Opa Zeno über Mama Messer bis zu Sohnemann Otto Normal: Die Acts der BScene-Familie überzeugten am Samstag durchs Band. Schade nur, dass sich das Publikum des Basler Clubfestivals über weite Strecken des Abends so zurückhaltend zeigte.

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