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Fr, 24.05.2013

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Fussball, FC Basel 

3.8.2012, 19:10 Uhr

FCB: Zur Abwechslung mal Aussenseiter

3.8.2012, 19:10 Uhr

Am Samstag (19.45 Uhr) wird der FC Sion dem FC Basel auf den Zahn fühlen. Oder umgekehrt der Meister dem Titelaspiranten. Je nach dem. Vor dem Spitzenspiel der beiden ungeschlagenen Teams macht FCB-Trainer Heiko Vogel einen kleinen System-Exkurs und erklärt sich dezidiert zu Paks Zukunft. Von Christoph Kieslich

Bisher hat Sion den Überblick nich verloren: Andre Marques, hier beim 3:0-Auswärtssieg in Luzern gegen David Zibung, der neue Mittelfeldspieler aus Portugal.

Bisher hat Sion den Überblick nich verloren: Andre Marques, hier beim 3:0-Auswärtssieg in Luzern gegen David Zibung, der neue Mittelfeldspieler aus Portugal. (Bild: Keystone/SIGI TISCHLER)

Generöser Gennaro: Weltmeister Gattuso bei seinem Super-League-Debüt im Dress von Sion und dem Auswärtssieg bei den Grasshoppers.

Generöser Gennaro: Weltmeister Gattuso bei seinem Super-League-Debüt im Dress von Sion und dem Auswärtssieg bei den Grasshoppers. (Bild: Reuters/ARND WIEGMANN)

Sympathieträger: Nicht nur bei den Fans des FC Sion geniesst Gennaro Gattuso einen hohen Stellenwert, sondern auch bei FCB-Captain Marco Streller.

Sympathieträger: Nicht nur bei den Fans des FC Sion geniesst Gennaro Gattuso einen hohen Stellenwert, sondern auch bei FCB-Captain Marco Streller. (Bild: Reuters/DENIS BALIBOUSE)

Die Richtung stimmt bisher: Der FC Sion mit Gennaro Gattuso.

Die Richtung stimmt bisher: Der FC Sion mit Gennaro Gattuso. (Bild: Keystone/STEFFEN SCHMIDT)

Bisher hat Sion den Überblick nich verloren: Andre Marques, hier beim 3:0-Auswärtssieg in Luzern gegen David Zibung, der neue Mittelfeldspieler aus Portugal.

Bisher hat Sion den Überblick nich verloren: Andre Marques, hier beim 3:0-Auswärtssieg in Luzern gegen David Zibung, der neue Mittelfeldspieler aus Portugal. (Bild: Keystone/SIGI TISCHLER)

Noch ein Neuer im Mittelfeld des FC Sion: Der tunesische Nationalspieler Oussama Darragi (rotes Trikot), der sich als blendender Vorgabengeber entpuppt hat.

Noch ein Neuer im Mittelfeld des FC Sion: Der tunesische Nationalspieler Oussama Darragi (rotes Trikot), der sich als blendender Vorgabengeber entpuppt hat. (Bild: Keystone/SIGI TISCHLER)

Prächtiger Einstand: Drei Spiele und drei Siege gab es für Sions neuen Trainer Sebastien Fournier (hier beglückwünscht von GC-Coach Uli Forte).

Prächtiger Einstand: Drei Spiele und drei Siege gab es für Sions neuen Trainer Sebastien Fournier (hier beglückwünscht von GC-Coach Uli Forte). (Bild: Keystone/STEFFEN SCHMIDT)

Blütenweiss ist sie, die Weste des FC Sion: Mit drei Siegen ohne Gegentor sind die Walliser in die Saison gestartet und haben sich dabei nicht anmerken lassen, dass sie mit fünf neuen Spielern und Sébastien Fournier als neuem Trainer auch einen nicht unerheblichen Umbruch durchleben.

Quasi unbefleckt ist auch die Bilanz von Heiko Vogel gegen Sion. Seit er Cheftrainer beim FC Basel ist, gab es zwei Auswärtssiege im Tourbillon (1:0 und 3:0) und dazu ein in den letzten Jahren vom FCB höchst selten gebotenes torloses Remis daheim gegen die Sittener. Ausserdem kam vergangene Saison noch ein 3:3 im ersten Meisterschaftsquartal, jenes Spiel, in dem der unendliche Rechtsstreit von Christian Constantin mit den Verbänden seinen ersten, unrühmlichen Höhepunkt erlebte.

Streller freut sich auf Gattuso

Ein Jahr später gibt es keine Unwägbarkeiten mehr in dieser Hinsicht. Und was der Sion-Präsident an Spielern dazu geholt hat, hat die Liga in Aufregung versetzt. Allen voran Gennaro Gattuso. «Es ist grossartig, dass ein Weltmeister in der Schweiz spielt», sagt FCB-Captain Marco Streller, «er zeigt mit seinem generösen Einsatz, dass er motiviert ist, und ich freue mich sehr, neben ihm im Tourbillon auflaufen zu können.»

Über eines ist sich Streller bewusst: «Mit einer Leistung wie in Zürich gewinnen wir in Sion nicht.» Während der FC Sion aus Luzern mit einem in der Nachspielzeit herausgeschossenen 3:0 nach Hause kam, dürfte dem FCB der 1:0-Sieg am Mittwoch in Molde ein Stück Selbstvertrauen mehr gegeben haben. Obwohl die Zwischenbilanz – vier Siege und zwei Unentschieden in sechs Wettbewerbsspielen – gut ist, wissen sie beim FC Basel, dass es Steigerungsmöglichkeiten gibt.

Alex Frei drückt das so aus: «Wir haben noch keine Top-Leistungen gezeigt, und wir haben noch Luft nach oben. Aber wir sind überall dabei, es ist noch keinem gelungen, uns zu schlagen, und die Frage ist, für wen das nun spricht? Für uns? Und muss das beängstigend für die anderen sein?»

Alex Frei: Meisterschaft wird nicht in der 4. Runde entschieden

Heiko Vogel spielte am Freitag auf Zeit, was seinen angeschlagenen Toptorjäger (Rückenprellung) anbelangt. Aber es würde wundern, wenn ein Einsatz des 33-Jährigen forciert wird. Zwar gemahnt Streller angesichts eines Sieben-Punkte-Rückstands auf Sion bei einer Niederlage: «Wir wissen, dass wir dieses schwere Spiel nicht unbedingt verlieren sollten.» Auf der anderen Seite plädiert Alex Frei für «ruhig Blut»: «Das Etappenziel heisst sicherlich, nicht den Anschluss zu verlieren. Aber die Meisterschaft wird nicht in der vierten Runde entschieden.»

Der Trainer sieht Sion nicht erst in diesen Tagen als einen ernsthaften Konkurrenten bei der Titelverteidigung: «Sie waren schon letzte Saison die Nummer 2 hinter uns.» Die Sittener können sich nach wie vor auf eine stabile Defensive abstützen, haben den Vorteil, dass sie nicht dosieren oder rotieren müssen und konnten dreimal mit fast identischer Startformation spielen.

Vogel: «Sion ist derzeit sogar der Favorit»

«Diese Mannschaft hat sicher das Potenzial, um Titel zu gewinnen», sagt Vogel, «und in der derzeitigen Situation ist Sion gegen Basel sogar der Favorit.» Sie werden es im Wallis, wo eine klare Kampfansage an den FCB formuliert wurde, nicht ungern hören.

Knapp 24 Stunden nach Rückkunft aus Norwegen hat Vogel am Freitag seine Spieler wieder versammelt, um anschliessend die nächste Reise ins Wallis anzutreten. Glücklich ist der FCB-Trainer nicht über den Spielplan und fragt sich, warum die Swiss Football League dem Meister auf dem Weg in der Qualifikation zur Champions League gleichzeitig die beiden weitesten Fahrten innerhalb der Schweiz beschert (Genf und Sion) und nun das doppelte Auswärtsprogramm: «Aber was soll ich machen? Ich kann ja nicht an die SFL schreiben.»

Sein Rezept für die Spieler in solchen Phasen: viel Schlaf, viel Pflege,  gute Ernährung und – Verzicht auf übermässigen Alkoholgenuss. «Wir müssen damit umgehen, und es ist ja nicht neu für die Mannschaft.»

Ein Frei sehr fraglich, der andere zurück von Olympia

Am Freitag begrüsste der FCB-Trainer die beiden Olympiafahrer Fabian Frei und Fabian Schär zurück in Basel. Auch wenn das olympische Abenteuer mit einer gehörigen Desillusionierung in der Vorrunde endete, glaubt Vogel nicht, dass er die beiden Spieler aufbauen muss. Speziell Fabian Frei könnte in Sion für einen Einsatz in Frage kommen in einer Mannschaft, in der die Alternativen von der Bank nicht gross sind.

Voser und Kovac kommen defensiv in Frage, doch das erscheint ähnlich unwahrscheinlich wie der Einsaz der jungen Vuleta oder Grether von Beginn an. So blieben einzige Jacques Zoua oder Stephan Andrist als Option – oder eben Fabian Frei.

Pak spielt bei Vogel keine Rolle

Ein unmissverständliches und in dieser Klarheit bisher noch nicht geäussertes Urteil fällte Vogel am Freitag in der Frage um die Zukunft von Kwang Ryong Pak: «Er spielt derzeit keine Rolle in den Planungen.» Pak, dessen Ausleihe zu Eintracht Braunschweig am Veto des Spielers scheiterte, kommt derzeit nur in der U21 zum Zug, so wie am Dienstag mit einem Tor beim 6:1 im Testmatch gegen den FC Schaffhausen. Offenbar war der FC Aarau interessiert, den Nordkoreaner auszuleihen, doch auch dieses Kapitel ist geschlossen.

Nun ist dem Vernehmen nach noch ein Super-Ligist im Rennen, wobei sich für den FCB die Frage stellt, ob er einem Konkurrenten ein Talent zur Verfügung stellen will, ein Talent freilich, dessen Entwicklung unter Heiko Vogel ins Stocken geraten ist.

Des Trainers System-Exkurs

Paks Schicksal ist insofern von Bedeutung, da es Vogel in der momentanen Situation vorzieht, mit einem nominellen Stürmer agieren zu lassen. Die Umstellung auf drei zentrale Mittelfeldspieler – in Molde waren das der defensiven orientierte Cabral sowie Diaz und Yapi – ist für den Trainer nur bedingt eine eigentliche Systemumstellung. Und Zahlenspiele – ob nun 4-4-2, 4-2-3-1 oder 4-1-4-1 – sind für ihn «Haarspalterei».

«Wir haben im Spiel eine offensiv Phase und eine defensive Phase, und jeder Spieler interpretiert seine Aufgabe ein Stück weit anders, aber die Mechanismen sind im Grossen und Ganzen ähnlich, und die Spieler wissen, was sie zu tun haben», erklärt der Trainer und betrachtet den Gegner von Samstag in einem kleinen Exkurs: «Ist Darragi hängende Spitze? Eine nominelle zweite Spitze, die tiefer spielt? Spielen sie mit zwei Sechsern, oder im Spielaufbau nur mit Gattuso, und geht dafür Marques etwas offensiver? Wie nenne ich diese Formation?» Und gibt die Antworten auf die letzte Frage gleich selbst: «Es ist wurscht. Die Systeme ähneln sich heute so, dass es keine Rolle spielt.»

Unter dem Strich ist für Vogel die Reise zum Leader nach Sion nur eine Zwischenstation. Sorgen macht er sich keine: «Die Saison ist noch verdammt lang, und in Anbetracht der Umstände haben wir nichts zu verlieren, weil wir in diesem Spiel der Aussenseiter sind.»

Super League, 4. Runde
FC Sion–FC Basel, Samstag, 19.45 Uhr
Tourbillon. – SR Hänni.

Mögliche Aufstellungen
FC Sion: Vanins; Vanczak, Aislan, Dingsdag, Bühler; Gattuso, Marques; Margairaz, Darragi, Crettenand; Itaperuna.
FC Basel: Sommer; Steinhöfer, Sauro, Dragovic, Park; Cabral; D. Degen, Yapi, Diaz, Stocker; Streller.

Bemerkungen: Sion ohne Mrdja, Wüthrich (verletzt), fraglich: Aislan. FCB ohne P. Degen, Ajeti (verletzt), Salah (Olympia, Viertelfinal mit Ägypten gegen Japan am Samstag, 13.00 Uhr in Manchester), Pak (nicht im Aufgebot). – Vergangene Saison: 3:3, 1:0, 0:0, 3:0.

Zu- und Abgänge des FC Sion

Zu: Sébastien Fournier (Trainer), Ousama Darragi (Espérance Tunis/TUN), Gennaro Gattuso (AC Milan/ITA), Léo Itaperuna (Arapongas/BRA), Kyle Lafferty (Glasgow Rangers/SCHO), Mathieu Manset (Shanghai Shenhua/CHI), André Marques (Beira-Mar/POR), Yannick N’Djeng (Espérance Tunis/TUN / ab 1. Januar 2013)

Ab: Vladimir Petkovic (Trainer), José Adailton (Henan/CHI), Gabriel Garcia de la Torre «Gabri» (Lausanne), Cristian Florin Ianu (Wohlen), Mario Mutsch (St. Gallen), Goran Obradovic (?), Rodrigo (Lausanne), Geoffrey Tréand (Servette), Danick Yerly (Chiasso), Abdoul Karim Yoda (?).

 
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Informationen zum Artikel

3.8.2012, 19:10 Uhr

FCB: Zur Abwechslung mal Aussenseiter

Text

Text:

  • 23.05.2013 um 15:00
    Schottische Verhältnisse in der Schweiz

    Zum vierten Mal in Folge kann der FC Basel Meister werden - und damit seine sportliche wie wirtschaftliche Dominanz zementieren. Ein Blick auf die Super League, die Finanzen und den Solidareffekt bei de Ausschüttung der Vermarktungseinnahmen.

  • 22.05.2013 um 14:03
    Randale gab es dort, wo sie erwartet wurden

    Von einem «schwarzen Tag» ist die Rede nach Ausschreitungen in der Berner Innenstadt im Vorfeld des Cupfinals. Eine Aufarbeitung des Pfingstmontags und ein Augenzeugenbericht.

  • 20.05.2013 um 07:05
    Der vergessene Cup-Sieg

    Cup, Cupfinal, Cupsieg – der Pfingstmontag naht, wenn der Rekord-Titelhalter GC und der elfmalige Cupgewinner FC Basel aufeinandertreffen. 100 Jahre nachdem der FCB seinen ersten Cup gewonnen hat, ein Erfolg den heute niemand mehr auf der Rechnung hat.

  • 17.04.2013 um 17:47
    Josef Zindel
    Zum Artikel: Sion gegen FCB – mehr Kompetenz im Cup geht fast nicht

    Wir werden unser Möglichstes tun. Versprochen.

  • 15.04.2013 um 12:20
    Die englischen Wochen, die auch an der TagesWoche nicht spurlos vorbeigehen
    Zum Artikel: Eine bemerkenswerte Assistquote – die FCB-Einzelkritik

    In der Tat, so ist, da muss man gar nicht lange drum herum reden. Danke der aufmerksamen Leserschaft. Der Einwechselkuddelmuddel ist korrigiert – das ist halt schon eine feine Sache an diesem Internet.

  • 11.04.2013 um 12:22
    Basel geht in M unten
    Zum Artikel: Wie ich mich in Middlesbrough mitschuldig gemacht habe

    Ich möchte meinen geschätzten Wegbegleiter und damaligen BaZ-Kollegen Raz daran erinnern, dass in dunkler Vorahnung schon nach dem 3:1 für M. der Titel angepasst wurde in «Basel geht in Middlesbrough unter». Sollte ich dabei tatsächlich etwas Unflätige...

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