LOGIN

Registrierung

  • Mit Ihrem Benutzerkonto können Sie Ihr Abo verwalten, Artikel kommentieren und mit anderen Leserinnen und Lesern in Kontakt treten.

    Das Benutzerkonto ist kostenlos und kann jederzeit wieder gelöscht werden.

    Bitte geben Sie Ihre E-Mail Adresse ein. Wir werden diese unter keinen Umständen an Dritte weitergeben.

Registrierung

Fast fertig...

Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt. Bitte prüfen Sie Ihren Posteingang und aktivieren Sie Ihr Benutzerkonto, indem Sie auf den Link in der E-Mail klicken.

Leben

Open

eingeloggt als
Ausloggen


An Redaktion schreiben

  • Erlaubte Dateiformate: Bilder (jpg, png, gif) Dokumente (pdf)

Registrierung

Mit Ihrem Benutzerkonto können Sie Ihr Abo verwalten, Artikel kommentieren und mit anderen Leserinnen und Lesern in Kontakt treten.

Das Benutzerkonto ist kostenlos und kann jederzeit wieder gelöscht werden.

Bitte geben Sie Ihre E-Mail Adresse ein. Wir werden diese unter keinen Umständen an Dritte weitergeben.

Fast fertig...

Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.

Bitte prüfen Sie Ihren Posteingang und aktivieren Sie Ihr Benutzerkonto, indem Sie auf den Link in der E-Mail klicken.

Sollten Sie die E-Mail innert 10 Minuten nicht erhalten haben, kontrollieren Sie, ob die E-Mail möglicherweise im Spam-Filter hängen geblieben ist. Ist die E-Mail auch dort nicht aufzufinden, schreiben Sie uns an anmelden@tageswoche.ch und wir kümmern uns darum.

Wir freuen uns, Sie in wenigen Minuten in unserer Community begrüssen zu dürfen.

Passwort wiederherstellen

Durness Sizilien 

6.8.2012, 06:00 Uhr

Toskanische Gewitter, 6. August 2002

6.8.2012, 06:00 Uhr

Lira-Noten bringen mich zum Nachdenken, Gewitter zwingen, immer wieder Unterschlupf zu suchen und ein Nadelwald breitet mir das breiteste Bett aus, in dem ich je schlief. Von

Urs Buess: Unterschlupf in einem verlassenem Gehöft während eines Gewitters: Da wurde wohl Wein gelagert.

Unterschlupf in einem verlassenem Gehöft während eines Gewitters: Da wurde wohl Wein gelagert. (Bild: Urs Buess)

Am Morgen lagen die dreissigtausend Lire, die hinter einem Bild versteckt waren, noch immer auf der Kommode. Und nun? Italien hat sich ganz offensichtlich schon an diesen Euro gewöhnt. Acht Monate gibt es ihn und im Gegensatz zu Frankreich, wo man intensiv dem Franc nachtrauert, habe ich auf dem bisherigen Weg durch Italien wenig Sehnsucht nach der Lira entdeckt. Ganz zu schweigen von Britannien, wo er immer noch ein Teufelswerk ist.

Der Anblick der drei Zentausender-Lire-Noten machte mich ganz nachdenklich. Wo ist wohl der Besitzer jetzt? Und, natürlich: Wer ist er oder sie wohl? Überstürzt das Hotel verlassen? Oder mit einem schrecklichen Kater nach durchzechter Nacht? Eine geplatzte Liebesgeschichte? Jedenfalls: Es muss letztes Jahr oder noch früher passiert sein, als jemand die Rückwind dieses Bildes (eine Landschaft am Meer mit Ruderbooten) zum Versteck gewählt hatte. Mir gehörte das Geld jedenfalls nicht. Es an der Rezeption abgeben mochte ich auch nicht. Und so liess ich es liegen. Der Zimmerfrau würden die drei Noten wohl einen Gang auf eine Bank wert sein.

Eine tiefe Einsicht in italienische Kultur habe ich bei meinem Zwischenhalt in Florenz nicht gewonnen, weder einen mir unbekannten Maler gefunden, noch einen Literaten entdeckt oder so etwas. Das war wirklich nicht der Fall. Hab mich einfach über die Massen von Touristen gewundert, die sich da hordenweise durch die Kulturtempel schleusen lassen, Souvenirs kaufen und in Reiseführer starren.

Nochmals der Army-Look

Nicht in Ruhe gelassen hat mit der all präsente Armee-Look in der Mode und so habe ich mir ein Herz gefasst und eine junge Italienerin nach dem Grund gefragt, wieso sie ein solches T-Shirt und entsprechende Hosen trage. «Ist einfach Mode in Italien, man trägt das - sonst nichts.» Ist es eigentlich arrogant, wenn ich finde, solche Antworten zeugten doch auch von einer grossen Portion Dummheit und gedankenlosen Oberflächlichkeit obendrein?

Kaum war ich in die Ebene von Pistoia heruntergekommen am Sonntag, ist mir aufgefallen, mit welcher Fruchtbarkeit die Toskaner gesegnet sind. Auf jedem Quadratmeter wachsen reich und üppig all die Herrlichkeiten, mit denen die Leute hier ihre Tische füllen. Südlich von Florenz dann unversehens eine neue Vegetation. Zypressen, Föhren, würzige Sträucher dominieren, Olivenhaine, soweit man sehen kann, regelmässig gestreut die Bauernhöfe inmitten von Hainen und Reben.

Gewitter und leere Weinflaschen

In Impruneta war es plötzlich dunkel. In Kürze war ein Gewitter heraufgezogen, es brauste los, Windböen, Blitze, Donner, heftiger Regen.  Es reichte nicht, mich in eine Bar zu retten, suchte das Trockene unter dem Vordach eines Kleiderladens. Innert Kürze war die Strasse ein Bach, Autos fuhren keine mehr, es schwemmte Äste den Teer herunter. Ein Blitz schlug unmittelbar vor mir in die Fernsehantenne eines Hauses ein, was wunderprächtig aussah, und dann krönte ein Hagelschauer das Schauspiel.

Wie gekommen, verschwand das Gewitter wieder. Hatte nicht einmal Zeit, ein Pfeife leer zu rauchen und zog weiter Richtung Strada – erst auf einer Teerstrasse, die in der Sonne dampfte, dann über weiche Feldwege.

Ein neues Gewitter zog herauf, diesmal fand ich Unterschlupf in einem zerfallenden Bauerngehöft. Es stand voller leerer Weinflaschen, Glaskolben, in denen einmal so an die fünfzig Liter Platz hatten – ein sehr malerischer Anblick. Wunderte mich, dass ein solches Haus – so nah bei Florenz – nicht längstens für Ferienzwecke hergerichtet worden ist.

Wählerischer Agriturismo

Die Sonne lockt nach solchen Gewittern intensive Gerüche aus den Sträuchern. Es war betörend weiterzugehen, Rebbergen entlang, deren Trauben sich bereits blau färben. Und wie sich die Vegetation verändert hat, so änderte sich auch das Strassenbild. Plötzlich trägt jedes zweite Auto ein ausländisches Nummernschild: Deutsche vor allem, auch Franzosen, Holländer, Engländer. «Agriturismo» dominiert, Bauernhöfe bieten Verkauf ab Hof und Betten an. Bin lange Zeit in der Hoffnung auf ein Bett in einem solchen Gehöft drauflos marschiert, doch es waren nicht einfach deutsche Automobilisten, die mir zuvor kamen: Grundsätzlich vermiete man nur an Leute, die drei Nächte bleiben.

Und an Alleinreisende sowieso ungern. Macht mir erstmals ein bisschen Mühe, dieses Allein-Umherziehen unter all den ordentlichen Familien und Pärchen. Frage mich manchmal, was ich da eigentlich tue. In den Städten war mir diese Frage immer etwas vorn, nun drängt sie sich auch in dieser Tourismusgegend auf.

Das Wetter schien stabiler und der Boden in einem dichten Nadelwald so weich, dass ich – kurz hinter Greve – beschloss, die Nacht hier im Freien zu verbringen.

(Greve, 7. August 2002)

« vorherige Etappe   nächste Etappe »

Mehr zum Thema

Die Geschichten des Tages

Abonnieren Sie unseren Newsletter. Die Geschichten des Tages, jeweils um 17 Uhr bequem und kostenlos per Mail geliefert.

Tageswoche honorieren

Alternativen:

Postfinance, Paypal, Flattr

Reaktionen

Bisher wurden noch keine Beiträge von der Redaktion hervorgehoben.

Noch keine Beiträge. Schreiben Sie den ersten.

Informationen zum Artikel

6.8.2012, 06:00 Uhr

Toskanische Gewitter, 6. August 2002

Text

Text:

  • 10.10.2013 um 15:12
    Eine Welt mit anderen Regeln

    Verstreut über ganz Europa leben 300 Menschen die Utopie, dass es weder Hierarchien noch Lohnarbeit braucht. Und zwar in der Kooperative Longo maï. Sie feiert nun ihr 40-jähriges Bestehen mit einer Ausstellung in Basel. Eröffnet werden die Jubiläumsfeierlichkeiten heute Abend. Andreas Schwab stellt sein neues Buch «Longo maï – Pioniere einer gelebten Utopie» vor.

  • 26.09.2013 um 14:56
    Ein politisch frühreifes Mädchen

    Schon als Teenager wollte Maya Graf wissen, wie Politik funktioniert.

  • 12.09.2013 um 12:00
    «Ich musste mir die Schweiz erarbeiten»

    Peer Teuwsen, Leiter des Schweizer Büros der «Zeit», versucht zu ergründen, was das Land in seinem Innersten zusammenhält.

  • 28.07.2013 um 22:55
    Herr Buess
    Zum Artikel: Machts doch selber!

    Lieber Herr Holzapfel, Reden wir doch einfach bei einem Kaffee über Ihre Probleme. Es bleibz absolut anonym und meine Adresse ist: urs.buess@tageswoche.ch Mit freundlichem Gruss Urs Buess

  • 28.07.2013 um 21:11
    Souverän ist anders …
    Zum Artikel: Machts doch selber!

    @Holzapfel Ich würde Sie gerne zu einem persönlichen Gespräch treffen. Melden Sie sich bitte unter urs.buess@tageswoche.ch Mit freundlichem Gruss Urs Buess Pubizistischer Leiter, TagesWoche

  • 27.09.2012 um 21:26
    Fonzi trainiert
    Zum Artikel: Fonzi trainiert

    Heute Abend ist der Helikopter schon sehr zielgerichtet geflogen.

Aktuell

sda: Spaniens Regierungschef Rajoy nach einer Katalonien-Sitzung

Spanien 

Rajoy wegen Katalonien gesprächsbereit

Angesichts der Bestrebungen zur Abspaltung Kataloniens von Spanien hat sich der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy offen für Gespräche über eine Stärkung der Regionen und eine entsprechende Änderung der Verfassung gezeigt. Von sda. Weiterlesen

sda: Die irischen Steuerbehörden sollen mit Apple Sondervereinbarungen getroffen haben.

Unternehmenssteuern 

Verbotene Staatshilfen für Apple

Die EU wirft Irland vor, den iPhone-Hersteller Apple durch Steuerdeals zu begünstigen. Sollte sich das bewahrheiten, drohen dem Konzern Rückzahlungen in Milliardenhöhe. Von sda. Weiterlesen

sda: Weltweit erhält nur etwa die Hälfte aller Betagten eine Rente.
1

Altersversicherung 

Viele Pensionierte erhalten kein Geld

Während Entwicklungs- und Schwellenländer ihre Pensions- und Rentensysteme ausbauen, wurde das europäische Sozialstaatsmodell durch Finanzkrise und «kurzfristig gedachte Reformen» untergraben, bemängelt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO). Von sda. Weiterlesen1 Kommentar