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Filmfestival 

7.8.2012, 09:08 Uhr

Ein Ehrenleopard für Harry Belafonte

7.8.2012, 09:08 Uhr

Er sei ein grossartiger Schauspieler, schliesslich habe er viele Menschen davon überzeugt, dass er singen könne, scherzte Harry Belafonte in Locarno. Der 85-jährige Entertainer und Aktivist wurde auf der Piazza Grande für sein Lebenswerk geehrt. Von

Keystone: Harry Belafonte nimmt in Locarno den  Ehrenleopard entgegen.

Harry Belafonte nimmt in Locarno den Ehrenleopard entgegen. (Bild: Keystone)

Dunkle Wolken hingen gestern über Locarno. Eine Lichtgestalt machte sie vergessen: Harry Belafonte («Island In The Sun», «Banana Boat Song»). Am Nachmittag faszinierte der 85-jährige Entertainer und Philanthrop zunächst die Medienschaffenden. Geduldig liess er einen Interviewmarathon in seinem Hotel in Ascona über sich ergehen, beantwortete zahlreiche Fragen, auch eher unbedarfte wie jene, ob er sich als Sänger oder Schauspieler sehe. «Meine Antwort ist stets dieselbe», so Belafonte, «ich habe die Leute davon überzeugt, dass ich ein grosser Sänger bin. Das macht mich zu einem grossen Schauspieler.» Sagte es und lachte.

Entwaffnender Charme

Belafonte begeisterte nicht nur mit seinem Humor und entwaffnenden Charme. Ungebrochen scheint auch sein Interesse an der Politik. In den frühen 1960er-Jahren beriet sich der Aktivist mit den Kennedys und mit Martin Luther King, unterstützte die Bürgerrechtsbewegung mit Millionenbeiträgen, was «mich mehr als einmal an den Rand des Ruins trieb», wie er uns erzählte.

Der überzeugte Humanist übt gar Kritik an Präsident Barack Obama, der in seinen Augen allzu stark die Interessen der schwarzen Mittelschicht vertrete. Dennoch wird ihn Belafonte wieder wählen, «denn die Wahl eines Mitt Romney wäre für Amerika der Beginn eines vierten Reichs.»

Schwarze Carmen

Locarno zeigt heute zwei Filme, in denen Belafonte mitspielt: «Carmen Jones» von Otto Preminger. Der deutsche Regisseur brach 1954 mit Konventionen und besetzte diese Abwandlung von Bizets Oper ausschliesslich mit dunkelhäutigen Schauspielern – was damals in Hollywood einer Revolution gleichkam. In «Sing Your Song» erzählt die Filmemacherin Susanne Rostock Belafontes Lebensgeschichte, vom Kind mit karibischen Wurzeln, das in grosser Armut in Harlem und Jamaika aufwächst, sich durchbeisst, im Theater Sidney Poitier und Marlon Brando kennenlernt, als Schauspieler und vor allem Sänger Welterfolge feiert und sich humanitären Projekten verschreibt.

Für seine Karriere wurde er am Montagabend vor 8000 Besuchern auf der Piazza Grande mit einem Ehrenleoparden ausgezeichnet. In seiner kurzen Dankesrede sagte Belafonte: «Ich glaube daran, dass Künstler heute mehr denn je notwendig sind, um den Regierenden dieser Welt zu helfen, den richtigen Weg aus den Krisen der Gegenwart zu finden. Künstler sind die Hüter der Wahrheit.»

  • Mehr über Harry Belafonte erfahren Sie am Freitag in der neuen Printausgabe der TagesWoche. Ab 10.8. am Kiosk oder in Ihrem Briefkasten.
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Reaktionen

  1. Alois Karl Hürlimann

    am 7.08.2012, 21:44

    Einmal habe ich Harry Belafonte von Nahem erlebt. Es war anfangs September 1982, als die ein Jahr vorher von Eva Mattes und anderen gegründete Initiative "Künstler für den Frieden" gegen den Nato-Doppelbeschluss mit Hilfe des damals europaweit wohl wichtigsten Konzertagenten Rau (nicht mit dem Politiker Rau zu verwechseln) im Ruhrstadion in Bochum, das mit Zehntausenden Besuchern, Demonstranten, wenn man will, gefüllt war, ein Protest-Konzert veranstaltet hat.

    Wer damals alles auftrat! Ich... ... mehrEinmal habe ich Harry Belafonte von Nahem erlebt. Es war anfangs September 1982, als die ein Jahr vorher von Eva Mattes und anderen gegründete Initiative "Künstler für den Frieden" gegen den Nato-Doppelbeschluss mit Hilfe des damals europaweit wohl wichtigsten Konzertagenten Rau (nicht mit dem Politiker Rau zu verwechseln) im Ruhrstadion in Bochum, das mit Zehntausenden Besuchern, Demonstranten, wenn man will, gefüllt war, ein Protest-Konzert veranstaltet hat.

    Wer damals alles auftrat! Ich erinnere mich an die Bots, an Konstantin Wecker, an die tiefe Stimme von Mirjam Makeba, an Katja Epstein, an Nina Hagens Kreischen, an Hanns Dietrich Hüsch, der uns später sagte, er habe noch nie soviel Stille während einem seiner Auftritte erlebt wie im überfüllten Stadion. Udo Lindenbrg sang, Degenhardt, Bill Ramesey und so weiter. Und dann erschien Harry Belafonte auf der riesigen Tribüne. Er sang, nachdem er davon gesprochen hatte, es sei so viel für Gerechtigkeit, für Menschenrechte, für den Ausgleich in der Welt zu tun, dass aber die Nato-Nachrüstung genau diese permanente Arbeit verhindere. Und dann sang er seinen Schlager O Mister Tasliman...
    Zusammen mit Martin Schubarth, seiner Frau und Jürgen von Tomeï konnte ich damals diese Demonstration vor Ort miterleben.
    Danach trafen sich viele der Künstler in einem Saal des damaligen Hotels Novotel nahe beim Stadion. Mitten unter uns allen (also auch den sich dort aufhaltenden Nichtkünstlern) sass Harry Belafonte und widmete sich jedem der Gesprächspartner, die um ihn herumsassen oder standen so, als sei dieser sein einziger: Nachhaltig, nachfragend. Es strahlte eine Ruhe aus, die mir einen tiefen Eindruck hinterlassen hat. Neugierig stand ich in der zweiten oder dritten Reihe von ihm weg. Plötzlich zeigte er auf mich, fragte, woher ich denn käme, was ich arbeiten würde. Ich war derart erschrocken, dass ich kein Wort hervorbringen konnte, was er mit der Bemerkung versah, genau das sei ihm öfter dann geschehen, wenn er von Menschen, die er bloss aus dem Fernsehen oder Pressebildern gekannt habe, angesprochen worden sei. Danach konnte ich dann ein paar Sätze sagen. Die Sätze habe ich längst vergessen, auch seine Sätze, die er danach zu mir gesagt hat. Seine Augen, seinen Sprechstimmenklang, seine Ruhe werde ich nie vergessen.

  1. Alois Karl Hürlimann

    am 7.08.2012, 21:44

    Einmal habe ich Harry Belafonte von Nahem erlebt. Es war anfangs September 1982, als die ein Jahr vorher von Eva Mattes und anderen gegründete Initiative "Künstler für den Frieden" gegen den Nato-Doppelbeschluss mit Hilfe des damals europaweit wohl wichtigsten Konzertagenten Rau (nicht mit dem Politiker Rau zu verwechseln) im Ruhrstadion in Bochum, das mit Zehntausenden Besuchern, Demonstranten, wenn man will, gefüllt war, ein Protest-Konzert veranstaltet hat.

    Wer damals alles auftrat! Ich... mehrEinmal habe ich Harry Belafonte von Nahem erlebt. Es war anfangs September 1982, als die ein Jahr vorher von Eva Mattes und anderen gegründete Initiative "Künstler für den Frieden" gegen den Nato-Doppelbeschluss mit Hilfe des damals europaweit wohl wichtigsten Konzertagenten Rau (nicht mit dem Politiker Rau zu verwechseln) im Ruhrstadion in Bochum, das mit Zehntausenden Besuchern, Demonstranten, wenn man will, gefüllt war, ein Protest-Konzert veranstaltet hat.

    Wer damals alles auftrat! Ich erinnere mich an die Bots, an Konstantin Wecker, an die tiefe Stimme von Mirjam Makeba, an Katja Epstein, an Nina Hagens Kreischen, an Hanns Dietrich Hüsch, der uns später sagte, er habe noch nie soviel Stille während einem seiner Auftritte erlebt wie im überfüllten Stadion. Udo Lindenbrg sang, Degenhardt, Bill Ramesey und so weiter. Und dann erschien Harry Belafonte auf der riesigen Tribüne. Er sang, nachdem er davon gesprochen hatte, es sei so viel für Gerechtigkeit, für Menschenrechte, für den Ausgleich in der Welt zu tun, dass aber die Nato-Nachrüstung genau diese permanente Arbeit verhindere. Und dann sang er seinen Schlager O Mister Tasliman...
    Zusammen mit Martin Schubarth, seiner Frau und Jürgen von Tomeï konnte ich damals diese Demonstration vor Ort miterleben.
    Danach trafen sich viele der Künstler in einem Saal des damaligen Hotels Novotel nahe beim Stadion. Mitten unter uns allen (also auch den sich dort aufhaltenden Nichtkünstlern) sass Harry Belafonte und widmete sich jedem der Gesprächspartner, die um ihn herumsassen oder standen so, als sei dieser sein einziger: Nachhaltig, nachfragend. Es strahlte eine Ruhe aus, die mir einen tiefen Eindruck hinterlassen hat. Neugierig stand ich in der zweiten oder dritten Reihe von ihm weg. Plötzlich zeigte er auf mich, fragte, woher ich denn käme, was ich arbeiten würde. Ich war derart erschrocken, dass ich kein Wort hervorbringen konnte, was er mit der Bemerkung versah, genau das sei ihm öfter dann geschehen, wenn er von Menschen, die er bloss aus dem Fernsehen oder Pressebildern gekannt habe, angesprochen worden sei. Danach konnte ich dann ein paar Sätze sagen. Die Sätze habe ich längst vergessen, auch seine Sätze, die er danach zu mir gesagt hat. Seine Augen, seinen Sprechstimmenklang, seine Ruhe werde ich nie vergessen.

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7.8.2012, 09:08 Uhr

Ein Ehrenleopard für Harry Belafonte

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  • 30.08.2014 um 23:27
    Viel Bass macht Spass

    Hoch soll er leben: Der Jungle Street Groove lockt auch im 20. Jahr noch immer Tausende an den Basler Rhein.

  • 30.08.2014 um 08:47
    Improvisiert wird nur in der Musik

    An der Kleinbasler Utengasse ist die modernste Musikschule Europas entstanden. Campusleiter Bernhard Ley spricht im Videointerview über Entstehung, Ausstattung und Internationalisierung der Jazzschule Basel.

  • 28.08.2014 um 14:14
    Kultwerk #145: Helge Schneider

    Der Mann ist ein Gesamtkunstwerk: brillanter Multiinstrumentalist, moderner Dadaist, genialer Parodist und sympathischer Clown. Jetzt gibt Helge Schneider, der einfallsreiche Jazzmusiker aus Mühlheim (D), seine vorläufig letzten Schweizer Konzerte.

  • 31.08.2014 um 10:22
    Zum Artikel: Viel Bass macht Spass

    Bester Ben Pinsel Wird gleich geändert. Man verzeihe mir die Verwechslung, die Trommeln haben mich annehmen lassen, es handle sich um Fasnächtliches...

  • 13.06.2014 um 14:31
    Zum Artikel: Schwule Bergsteiger ärgern Russland mit Fahne über Suworow-Denkmal

    Und, weil die Nachrichtenagentur kein aktuelles Bild zum Ereignis hat: Hier lang seht ihr, wie die Regenbogenfahne heute morgen das Suworow-Denkmal bedeckte: http://www.queer.de/bild-des-tages.php?einzel=790

  • 02.06.2014 um 12:14
    Zum Artikel: It’s more than Rock’n’Roll, and we like it!

    Das stimmt. Das Kern-Quartett wird immer schön isoliert in Szene gesetzt. Daher habe ich im drittletzten Abschnitt ja auch den langjährigen Gästen – Bobby Keys, Chuck Leavell, Darryl Jones und Lisa Fischer – den Credit gegeben, den sie verdient haben.

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