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TagesWoche

Tages Woche

Di, 21.05.2013

Fusionsinitiative 

4.8.2012, 14:29 Uhr

Die kuriosesten Argumente zur Fusion

4.8.2012, 14:29 Uhr

Seit einem Tag sammeln die Initianten der Fusionsinitiative Unterschriften für ein vereintes Basel. Die Meinungen, die sind aber schon lange gemacht. Argumentiert wird mit Autoschildern, dem kommunistischen Russland und mit der unschlagbaren Logik von Primzahlen. Von Michael Rockenbach und Philipp Loser

YURI KOCHETKOV: In der Sowjetunion, da hat es auch Probleme gegeben mit all den Fusionen und Abspaltungen.

In der Sowjetunion, da hat es auch Probleme gegeben mit all den Fusionen und Abspaltungen. (Bild: YURI KOCHETKOV)

Die Initiative zur Fusion der beiden Basel ist ein lächerlicher Blödsinn – bestenfalls. Sie könnte nämlich auch gefährlich werden. Sehr gefährlich sogar. Und warum? Ganz simpel: Weil die Städter und die Landschäftler schlicht nicht zusammenpassen, wie ein Leser in unserer Kommentarspalte festgestellt hat: «Ein Waldenburger und ein Riehener sind einfach unterschiedlich. Ein Kleinbasler und ein Prattler auch», schrieb er.

Achtung, Auto-Nummern

Darum wird es einen gemeinsamen Kanton Basel nie geben. Darf es ihn nie geben! Zu gross wären die logistischen Probleme, gerade bei den autovernarrten Oberbaselbietern. Ein gewisser Herr M. hat in den Kommentarspalten der BZ festgehalten: «Sollte etwa auf unserer schönen BL-Nummer ein BS stehen? Sicher nicht! Da gründen wir lieber einen Kanton Raurach!»

Abgesehen davon, dass mit dem Kanton Raurach das Auto-Problem (RA? RU? RR?) nicht wirklich gelöst wäre, darf man die Dringlichkeit des Problems nicht unterschätzen. So hat Peter Schmid, der feingeistige Baselbieter alt Regierungsrat und einer der Promotoren von «Ein Basel» bereits eine Lösung präsentiert: Er würde künftig mit seinem Döschwö (wir raten) ein «BA» für Basel spazieren fahren.

Sollte sich weder «RU» (vielleicht hätte Putin etwas dagegen) noch «BA» durchsetzen, könnten sich konsequente Baselbieter am Beispiel von Ruedi Schmidli, einem Laufner und militanten Pro-Berner, orientieren. Der eröffnete nach der verlorenen Kantonswechsel-Abstimmung ein Büro im solothurnischen Büsserach, um nicht mit der – in diesem Kontext – verhassten BL-Nummer herumfahren zu müssen.

Achtung, Primzahlen

Abgesehen von der Nummernschild-Geschichte gibt es allerdings noch weit gewichtigere Argumente gegen oder für eine Wiedervereinigung der beiden Basel. In den Kommentarspalten von bazonline.ch wird in diesem Zusammenhang beispielsweise auf das Trennungsjahr verwiesen: 1833. Das sind heute – also im Jahre 2012 – 179 Jahre her. Womit dem Leser wahrscheinlich schon alles klar ist. Der Vollständigkeit halber reichen wir hier aber dennoch die Erklärung nach: 179 ist eine Primzahl, das heisst sie ist nur durch sich teilbar und – genau! – durch eins! Wenn das kein Beweis ist für die Einheit der Region! Und gleichzeitig auch für seine Grösse. 179!

Doch aufgepasst. Möglichst gross heisst nicht automatisch auch: möglichst gut. Das Verdienst, auf diese Widersprüchlichkeit in einem absolut dialektischen Sinne aufmerksam gemacht zu haben, kommt dem Baselbieter SVP-Präsidenten Oskar Kämpfer zu. Im verbalen Zweikampf mit der Fusionsbefürworterin Elisabeth Schneider (CVP) wählte er in der Basler Zeitung drastische Worte dafür (online leider nicht verfügbar): «Die Fusionsturbos gehen davon aus, dass ein grösseres Gebilde effizienter und besser ist. Dieser Irrglaube hat in der UdSSR und im ehemaligen Jugoslawien nach jahrzehntelanger Diktatur zu sehr schmerzhaften Trennungswirren geführt.»

Achtung, schwierige Vergleiche

Gut, die ewigen Besserwisser werden nun einwenden, solche Vergleiche seien nur bedingt sinnvoll, weil der Balkan eine fast noch etwas kompliziertere Geschichte hinter sich habe als unsere Region und die Sowjetunion etwas grösser gewesen sei als sie, selbst wenn man neben der Landschaft auch noch Basel dazuzähle. Aber das sind nichts weiter als Spitzfindigkeiten. (In etwa ähnlich spitzfindig wie, der kleine Exkurs sei erlaubt, die Argumentationslinie von Thomas de Courten. Der Baselbieter SVP-Mann, dessen Partei den Staatsapparat eigentlich klein, kleiner, kleinstmöglich! zusammenstreichen möchte, argumentierte kürzlich in einem Gastkommentar bei uns, dass bei einer Fusion 8000 Staatsangestellte auf die Strasse gestellt werden müssten. Aber eben: spitzfindig.)

Entscheidend ist und bleibt, dass die «Mentalitäten und Kulturen» in den beiden Basel «diametral unterschiedlich» sind, wie auch Oskar Kämpfer feststellt. Ein Punkt, auf den man nicht oft genug hinweisen kann. Basler und Baselbieter sind anders. Sind anders. Sind wirklich anders. Man denke da nur an die Riehener und die Waldenburgener. Oder die Kleinbasler und die Prattler. Eine Aufzählung, die man nun beliebig lange fortsetzen könnte. Ein Voltaplätzler ist anders als ein Ammeler, ein Bettinger als ein Bottminger, ein Kleinhüninger als ein Grossbasler …

Hoppla, da ist jetzt offenbar etwas ein bisschen durcheinandergeraten mit den Baslern und den Baselbietern.

  1. Läckerligraben

    von soev am 6.08.2012 um 09:57Uhr

    Im einzigen deutschschweizer Kanton zu wohnen, der tendendiell eher links wählt und abstimmt, hat bisweilen etwas Tröstliches. Die Auswanderungsgelüste nach diversen Abstimmungen wurden und werden meist ein bisschen gedämpft durch den Gedanken, wenigstens im eigenen Kanton zur Mehrheit zu gehören. Das aufgeben für so eine lausige halbe Standesstimme? Nimmermehr! :-)
    Direktlink zum Kommentar

  1. Läckerligraben

    von soev um 6.08.2012 um 09:57Uhr

    Im einzigen deutschschweizer Kanton zu wohnen, der tendendiell eher links wählt und abstimmt, hat bisweilen etwas Tröstliches. Die Auswanderungsgelüste nach diversen Abstimmungen wurden und werden meist ein bisschen gedämpft durch den Gedanken, wenigstens im eigenen Kanton zur Mehrheit zu gehören. Das aufgeben für so eine lausige halbe Standesstimme? Nimmermehr! :-)
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Informationen zum Artikel

4.8.2012, 14:29 Uhr

Die kuriosesten Argumente zur Fusion

Text

Text:

  • 20.05.2013 um 20:30
    Gegen die Latte

    Der FC Basel verliert einen harzigen Cupfinal nach Penaltyschiessen und hat die erste Chance auf einen Titel in dieser grossartigen Saison vertan. Beklagen muss sich der FCB nicht: GC war über weite Strecken die gefährlichere Mannschaft.

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  • 01.05.2013 um 13:44
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    Zum Artikel: Angriff auf die UBS und ihre Lohnpolitik

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    «Ungenügend»
    Zum Artikel: Weg mit euch Versagern! Oder doch nicht?

    Liebe Frau Bühlmann. Danke für den Tipp. Ich werde die Studie gerne auf der Rückseite des Artikels anhängen. Sehr passend zum Thema (Bewerten, Abwerten, was ist in dieser Beziehung sinnvoll und gerechtfertigt, was eher nicht?) scheint mir übrigens auch...

Text

Text:

  • 20.05.2013 um 21:12
    Mit Hängen und Würgen bis zum bitteren Ende

    Fabian Frei ist der beste Basler – und schiesst an die Latte. Ziemlich symptomatisch für diesen verlorenen Cupfinal. Die Spieler in der Einzelkritik.

  • 20.05.2013 um 20:30
    Gegen die Latte

    Der FC Basel verliert einen harzigen Cupfinal nach Penaltyschiessen und hat die erste Chance auf einen Titel in dieser grossartigen Saison vertan. Beklagen muss sich der FCB nicht: GC war über weite Strecken die gefährlichere Mannschaft.

  • 20.05.2013 um 15:08
    Grasshoppers gewinnen im Elfmeterschiessen

    Der FC Basel ist wieder im Cupfinal. Und wie vor einem Jahr fällt die Entscheidung im Elfmeterschiessen. Und doch ist diesmal alles anders. Am Schluss jubeln die anderen.

  • 13.05.2013 um 08:39
    Grenzgänger
    Zum Artikel: Milliarden aus der Fremde

    Sehr geehrter Herr Wilhelm, Sie weisen auf einen richtigen Punkt hin: In den Daten der Weltbank sind die Geldsendungen der Grenzgänger nicht erfasst. Im Fall der Schweiz machen die Summen der Grenzgänger, die ins Ausland fliessen, einen beträchtlichen ...

  • 29.04.2013 um 18:52
    Treffer...
    Zum Artikel: Fängt das wieder an!

    ... versenkt. Und natürlich korrigiert. Es grüsst aus dem Glashaus: Philipp Loser

  • 24.04.2013 um 11:59
    Speicherplatz
    Zum Artikel: Der Kalte Krieg ist nie vorbei

    Lieber Herr Meyer, Sie haben schon Recht: man soll nicht über jeden Hetzkommentar berichten. Das spezielle in diesem Fall ist der Umgang mit dem Kommentar durch die Gruppe Giardino. Das kann man durchaus aufzeigen, finden wir und opfern dafür gerne etw...

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