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Sa, 25.05.2013

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Fussball, FC Basel 

25.7.2012, 18:32 Uhr

Die Leiden des jungen P.

25.7.2012, 18:32 Uhr

Das letzte Wort scheint noch nicht gesprochen zu sein, doch Kwang Ryong Pak, 19-jähriger Stürmer des FC Basel aus Nordkorea, will nun doch nicht zu Eintracht Braunschweig in die 2. Bundesliga ausgeliehen werden. Dahinter steckt die sensible Psyche eines jungen Mannes. Von Christoph Kieslich

Lernen, Entscheidungen zu teffen: Kwang Ryong Pak vor einem Jahr nach seiner Ankunft beim FC Basel (hier am Uhrencup in Grenchen).

Lernen, Entscheidungen zu teffen: Kwang Ryong Pak vor einem Jahr nach seiner Ankunft beim FC Basel (hier am Uhrencup in Grenchen). (Bild: SAMUEL TRUEMPY)

Kwang Ryong Pak im Trikot von Eintracht Braunschweig beim Probetraining vergangene Woche. (Bild: Eintracht Braunschweig)

Kwang Ryong Pak im Trikot von Eintracht Braunschweig beim Probetraining vergangene Woche. (Bild: Eintracht Braunschweig)

Der Nordkoreaner Kwang Ryong Pak und sein väterlicher Freund und Berater Karl Messerli.

Der Nordkoreaner Kwang Ryong Pak und sein väterlicher Freund und Berater Karl Messerli. (Bild: Hans-Jürgen Siegert)

Kwang Ryong Pak nach der Rückkehr aus Norddeutschland im Montagstraining des FCB mit David Degen (li) und Radoslav Kovac.

Kwang Ryong Pak nach der Rückkehr aus Norddeutschland im Montagstraining des FCB mit David Degen (li) und Radoslav Kovac. (Bild: GEORGIOS KEFALAS)

Wenig Einsatzminuten hatte Kwang Ryong Pak im ersten (Lehr-)Jahr in Basel - hier gegen den FCZ.

Wenig Einsatzminuten hatte Kwang Ryong Pak im ersten (Lehr-)Jahr in Basel - hier gegen den FCZ. (Bild: GEORGIOS KEFALAS)

Es ist eine überraschende Wendung, die Kwang Ryong Pak vollzogen hat. Letzte Woche trainierte er bei Eintracht Braunschweig, spielte bei den «Löwen» gegen den FC Valencia (1:1) ordentlich mit, sorgte für Schlagzeilen und der Zweitbundesligst war guter Dinge, den jungen Nordkoreaner ausleihen zu können. Bis Montag wollten die Norddeutschen Bescheid haben von Pak, doch dann, nach einer zusätzlichen Nacht Bedenkzeit, hat Pak abgesagt.

Das letzte Wort scheint indes noch nicht gesprochen. «Wir reden noch einmal mit ihm», sagt Georg Heitz. Auch dem Sportdirektor des FC Basel ist daran gelegen, dem Stürmertalent – in der FCB-internen Hierarchie hinter Frei, Streller und Zoua die Nummer 4 – zu Spielpraxis zu verhelfen. «Wir wollen die Gründe für die Absage erfahren, vorher machen wir dieses Buch nicht zu», so Heitz.

Diese Gründe, so stellt es sich nach den Schilderungen von Karl Messerli dar, sind vielschichtig. Messerli ist der väterliche Freund und Berater von Pak und stand dank seiner jahrelangen geschäftlichen Kontakte nach Nordkorea am Ursprung des ungewöhnlichen Wechsels von Pak aus der hermetisch abgeschlossenen Diktatur nach Europa.

«Es ist die Angst vor der Entscheidung»

«Pak hat es in Braunschweig gefallen, und ich habe das Gefühl, dass er bei Trainer Thorsten Lieberknecht gut aufgehoben wäre», sagt Messerli, der den Spieler nach Niedersachsen begleitet hatte und am Samstag eine lange Zugfahrt zurück in die Schweiz Gelegenheit hatte, alles durchzusprechen. Auch Messerli, einst selbst ein Nationalliga-A-Stürmer, befürwortet eine Luftveränderung.

«Das Problem ist, dass Pak die Situation sehr beschäftigt. Das alles ging ihm viel zu schnell, und er wollte mehr Bedenkzeit für sich.» Doch auch nach eindringlichen Gesprächen mit Messerli und einem telefonischen Austausch mit Freunden war Pak nicht bereit für den Schritt weg von Basel in die 2. Bundesliga. «Es ist Entscheidungsangst», glaubt Messerli.

Pak, mehrfacher A-Nationalspieler für sein Heimatland, ist in Strukturen aufgewachsen, in denen man keine Entscheidungen zu treffen hat, weil andere dies übernehmen. «Bisher ist alles für ihn entschieden worden», erklärt Messerli, der einst den Zugang nach Nordkorea über einen Attaché in Genf fand, der später einflussreiches Regierungsmitglied wurde. Berührungsängste mit dem Regime kennt Messerli keine, wie er der «Zeit» in einem Interview dargelegt hat.

Glasers Transferrechte-Geschäft

Vor eineinhalb Jahren kam Pak in die Schweiz. Er war Teil eines Projektes, das der Geschäftsmann und ehemalige Concordia-Präsident Stephan Glaser zusammen mit Messerli aufgezogen hat. Unter dem Label «Friends of Korea» hielten sie Transferrechte an nordkoreanischen Spielern, darunter Kwang Ryong Pak, der im Probetraining beim FCB vorspielte und überzeugte. 

Zunächst wurde Pak, der mit 1,88 Metern Gardemasse für einen Stossstürmer besitzt, für kurze Zeit in der Challenge League beim FC Wil parkiert, wo bereits Landsleute von ihm tainiert und gespielt haben. Rund eine halbe Million Franken dürfte geflossen sein, als sich der FC Basel dann die Transferrechte an Pak sicherte. Eine andere Option wäre gewesen, zu Udinese Calcio in die Serie A zu wechseln. Ein Deal, bei dem wohl weitaus mehr Geld geflossen wäre, von dem Messerli jedoch abriet.

Die Anpassung an ein völlig neues Umfeld

Das erste Jahr war ein Lehrjahr in Super und Champions League für Pak. Seine längeren Einsatzzeiten hatte er im Schweizer Cup und in der U21, und es war – wie für jeden jungen Hochbegabten – keine einfache Zeit für Pak, sich hinten anzustellen. Dazu kam diese und jene kleine Verletzung und eine schmerzhaft ausgerenkte Schulter.

Die vergangenen zwölf Monate hat Pak aber auch genutzt, um sich der neuen Umgebung anzupassen. Er kann sich inzwischen leidlich gut auf Englisch verständigen, und wenn er nicht redet oder freundlich lächelt, nestelt er wie alle jungen Menschen an seinem Smartphone herum.

Dass er sich nun vor dem Schritt in ein nochmals neues Umfeld scheut, hängt wohl auch damit zusammen, dass er zum 1. Juni erst das Haus von Messerli in Lupsingen verlassen und in Muttenz eine eigene Wohnung bezogen hat. Er steckt mitten in der Autofahrprüfung, hat immer noch eine enge Bindung zur Familie Messerli, und Karl Messerli hat erkannt: «Er ist ein Typ, der Schritt für Schritt macht. Das ging jetzt alles viel zu schnell für ihn, und das verkraftet er nicht.»

Braunschweig wollte auch Simon Grether

Dafür muss man angesicht der kulturellen Herkunft bereit sein, Verständnis aufzubringen. Bei Eintracht Braunschweig ist man, so schildert Messerli, sehr überrascht. Dort – mit Stürmern nicht in grosser Anzahl gesegnet – hat man Pak eigentlich schon fest eingeplant, man wollte ihn sogar gleich für zwei Jahre aus seinem bis 2016 mit dem FC Basel laufenden Vertrag ausleihen.

«Sie sind ein bisschen sauer», sagt Messerli. Zumal nun schon ein zweites Mal ein Deal mit Beteiligung des FC Basel geplatzt ist: Auch der junge Simon Grether war vor geraumer Zeit in Braunschweig zum Probetraining, sprang dann aber ab.

Für Pak ist nun auch ein Zwischenschritt beim FC Thun nicht mehr aktuell. In diesem, in den Frühjahrsmonaten diskutierten Fall wollte sich der FCB Zeit lassen und die Entwicklung des Kaders abwarten. Thun hat sich anderweitig orientiert, ebenso wie Dynamo Dresden aus der 2. Bundesliga, das ebenfalls an Pak interessiert war. «Vielleicht müssen wir bis zur nächsten Transferperiode warten», sagt Messerli, «vielleicht ist die Tür zu Eintracht Braunschweig auch noch nicht ganz zu.»

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25.7.2012, 18:32 Uhr

Die Leiden des jungen P.

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Text:

  • 23.05.2013 um 15:00
    Schottische Verhältnisse in der Schweiz

    Zum vierten Mal in Folge kann der FC Basel Meister werden - und damit seine sportliche wie wirtschaftliche Dominanz zementieren. Ein Blick auf die Super League, die Finanzen und den Solidareffekt bei de Ausschüttung der Vermarktungseinnahmen.

  • 22.05.2013 um 14:03
    Randale gab es dort, wo sie erwartet wurden

    Von einem «schwarzen Tag» ist die Rede nach Ausschreitungen in der Berner Innenstadt im Vorfeld des Cupfinals. Eine Aufarbeitung des Pfingstmontags und ein Augenzeugenbericht.

  • 20.05.2013 um 07:05
    Der vergessene Cup-Sieg

    Cup, Cupfinal, Cupsieg – der Pfingstmontag naht, wenn der Rekord-Titelhalter GC und der elfmalige Cupgewinner FC Basel aufeinandertreffen. 100 Jahre nachdem der FCB seinen ersten Cup gewonnen hat, ein Erfolg den heute niemand mehr auf der Rechnung hat.

  • 17.04.2013 um 17:47
    Josef Zindel
    Zum Artikel: Sion gegen FCB – mehr Kompetenz im Cup geht fast nicht

    Wir werden unser Möglichstes tun. Versprochen.

  • 15.04.2013 um 12:20
    Die englischen Wochen, die auch an der TagesWoche nicht spurlos vorbeigehen
    Zum Artikel: Eine bemerkenswerte Assistquote – die FCB-Einzelkritik

    In der Tat, so ist, da muss man gar nicht lange drum herum reden. Danke der aufmerksamen Leserschaft. Der Einwechselkuddelmuddel ist korrigiert – das ist halt schon eine feine Sache an diesem Internet.

  • 11.04.2013 um 12:22
    Basel geht in M unten
    Zum Artikel: Wie ich mich in Middlesbrough mitschuldig gemacht habe

    Ich möchte meinen geschätzten Wegbegleiter und damaligen BaZ-Kollegen Raz daran erinnern, dass in dunkler Vorahnung schon nach dem 3:1 für M. der Titel angepasst wurde in «Basel geht in Middlesbrough unter». Sollte ich dabei tatsächlich etwas Unflätige...

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