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Kino 

24.7.2012, 18:12 Uhr

Finale Entscheidung

24.7.2012, 18:12 Uhr

 «The Dark Knight Rises», das Finale der Batman-Trilogie von Regisseur Christopher Nolan, wurde lange erwartet. Ein Massaker überschattete weltweit die Premieren. Doch was zeigt der Film? Von

Düsternis umgibt den finalen Teil der Batman-Trilogie von Christopher Nolan. Düsternis, die nicht nur die beiden vorangegangenen Teile erwarten lassen, sondern die nun, da der Film im Kino läuft, vor allem von einem tragischen Ereignis in den USA ausgeht. So betreten wir den Kinosaal mit trüben Gedanken, die der Finsternis, die wir von der Leinwand erwarten, in nichts nachsteht. Drei Stunden später verlassen wir den Saal mit der Erkenntnis, dass zumindest das filmische Werk nicht so düster war. Denn während Batman zwei Filme lang seine Arbeit in der dunklen Nacht verrichtete, kämpft der dunkle Ritter im Finale vor allem bei Tageslicht – wenn er denn überhaupt kämpft.

Nolans Batman war nie ein Hitzkopf, auch wenn Rachegelüste für die Ermordung seiner Eltern ihn ins Kostüm zwangen. Doch neben den aus seiner Sicht notwendigen Kämpfen zweifelte er stets – an sich selbst, an seiner Rolle als Symbol, die ihm nicht das erhoffte Glück brachte. Die Schattenseiten von Batmans Dasein überwogen, so dass Bruce Wayne sich in sein gemütliches Anwesen zurückzog.

«The Dark Knight» war 2008 ganz darauf angelegt, Batmans Kostüm zum Verstauben in den Schrank zu legen. Genau dort mottet es also zu Beginn von «The Dark Knight Rises» vor sich hin. Bis ein alter Feind den eingerosteten Bruce Wayne zum erneuten Kampf auffordert (und die Brücke schlägt zu «Batman Begins», dem ersten Teil der Trilogie). Und bis zum Schluss des Films wird der Zuschauer das Gefühl nicht los, dass Bruce Wayne sich zwar noch einmal aufrafft, gleichzeitig aber bereits wieder den Ausstieg sucht.

Langweiliger Frieden

Batman dreht sich im Kreise. Sein Leben definiert sich über seine Gegner. Doch es gäbe da draussen nichts mehr für ihn zu tun, sagt Bruce Wayne seinem treuen Diener Alfred in einer frühen Szene. Tatsächlich herrscht in Gotham Frieden, seit ein Gesetz es erlaubt, Verbrecher schon auf Verdacht hin ins Gefängnis zu stecken. «Bald werden wir nur noch nach Büchern aus der Leihbibliothek fahnden», mutmasst ein gelangweilter Polizist. Dass er sich aber einen Bösewicht wie Bane hersehnt, der halb Gotham in die Luft sprengt, um seine ganz eigene Idee von Gerechtigkeit durchzusetzen, ist trotzdem nicht anzunehmen.

Gerechtigkeit. Sie treibt auch Batman um. Gerechtigkeit im Sinne von (Selbst-)Justiz, im Sinne von Rache, die auch als Antrieb für Bane fungiert. Bane aber spricht gleichzeitig von sozialer Gerechtigkeit, er will der Dekadenz von Gothams Oberschicht ein Ende bereiten, und Wayne ist sein erstes Opfer. Ein Überfall auf die Börse genügt, um das Vermögen des einstigen Milliardärs auf ein Nichts schrumpfen zu lassen. Erste Kritiker sahen darin eine Anspielung auf die Occupy-Bewegung.

Hin und Her

Zu Nolans Zeitgeist-Geschick könnte das zwar passen – aber Bane meint es nicht ernst genug. Gotham gehöre den Bürgern, mümmelt er mikrofonverstärkt in seine Maske, nachdem seine im Untergrund agierende Bande alle Brücken zur Stadt gesprengt hat: Die Basis zur Umsetzung seiner eigenen, eigenwilligen Form von Recht ist gelegt. Nach der Neuordnung präsidiert ein Durchgeknallter ein Standgericht, sitzend auf aufeinandergestapelten Bürotischen, und verteilt willkürlich Urteile. Die Bürokratie ist tot, es lebe die Anarchie!

Doch wozu das Ganze, mag der Zuschauer sich fragen. Denn letztendlich soll Gotham mittels einer Neutronenbombe vernichtet werden. Gleich zweimal kehrt Batman zurück, um dem Bösen einen Strich durch die Rechnung zu machen, das zweite Mal in letzter Minute. Es ist ein Hin und Her der Gefühle, das Christopher Nolan seinen Batman durchleben lässt. Als Zuschauer hat man irgendwann genug davon. Die Erschöpfung, die Batman/Bruce Wayne während des ganzen Filmes nicht wirklich abzuschütteln vermag, überträgt sich auf die Zuschauer im Kinosessel. Das Finale raubt uns den Atem nicht mehr. Und die Hoffnung, sie keimt anderswo.

Ein Kommentar zum Massaker in Aurora.

Mehr zur Figur Batman gibt es am Freitag in der Printausgabe der TagesWoche.

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Reaktionen

Bisher wurden noch keine Beiträge von der Redaktion hervorgehoben.

  1. René Reinhard

    am 24.07.2012, 19:12

    In der "Presse" konnte man lesen, das "Warner Bros". geschockt sei und
    Christopher Nolan, der Regisseur von «The Dark Knight Rises», sagte zur Gewalttat von Denver, sie sei eine „Sinnlose Tragödie“.

    Doch diese sinnlose Tragödie wurde durch einen sinnlosen, nur zum Zweck "Kohle", massig "Kohle" zu machen hergestellten, Film provoziert.

    Weiter erfuhr man:
    Dass der offizielle Schweizer Filmstart des 250-Millionen-Dollar teuren Blockbusters dennoch wie geplant am Donnerstag stattfinden wird,... mehrIn der "Presse" konnte man lesen, das "Warner Bros". geschockt sei und
    Christopher Nolan, der Regisseur von «The Dark Knight Rises», sagte zur Gewalttat von Denver, sie sei eine „Sinnlose Tragödie“.

    Doch diese sinnlose Tragödie wurde durch einen sinnlosen, nur zum Zweck "Kohle", massig "Kohle" zu machen hergestellten, Film provoziert.

    Weiter erfuhr man:
    Dass der offizielle Schweizer Filmstart des 250-Millionen-Dollar teuren Blockbusters dennoch wie geplant am Donnerstag stattfinden wird, der Filmverleih Warner Bros. allerdings "aus Respekt vor den Opfern des Amoklaufs alle Werbekampagnen stoppt.“

    Oh wie edel - könnte man meinen. Aber der „Stopp aller Webekampagnen“ ist schlichtweg heuchlerisch. Denn keine Kampagne hätte dem Film soviel Aufmerksam beschert, wie das Massaker in Aurora. Nebstdem: durch den "Stopp", spart man sich weitere "Werbekosten". Kalkül?

  2. Citylights

    am 24.07.2012, 21:59

    Generell muss man wohl nicht darüber diskutieren, dass die schreckliche Tragödie in Aurora, leider dem Film mehr "negativen" Auftrieb verleiht als es jede andere Werbekampagne geschafft hätte.

    Ich kann & will allerdings nicht daran glauben, das diese schreckliche Tat wirklich direkt vom Film provoziert worden sein soll.
    Der Täter mag sich davon vielleicht inspiriert haben oder sogar von den Vorgängern beeinflusst worden sein. Dennoch kann dafür nicht der Film verantwortlich gemacht... mehrGenerell muss man wohl nicht darüber diskutieren, dass die schreckliche Tragödie in Aurora, leider dem Film mehr "negativen" Auftrieb verleiht als es jede andere Werbekampagne geschafft hätte.

    Ich kann & will allerdings nicht daran glauben, das diese schreckliche Tat wirklich direkt vom Film provoziert worden sein soll.
    Der Täter mag sich davon vielleicht inspiriert haben oder sogar von den Vorgängern beeinflusst worden sein. Dennoch kann dafür nicht der Film verantwortlich gemacht werden.
    Millionen Menschen sehen sich die Filme an, sind begeistert und drehen nicht durch!

    Den Film trotz dem Massaker zu zeigen ist der richtige Schritt. Will man dem Täter wirklich noch diesen Triumph gönnen und den Film bestenfalls verbieten?!

  3. René Reinhard

    am 24.07.2012, 23:53

    Ich respektiere Ihre Einwände zu meinem Kommentar.

    Gleichwohl erlaube ich mir zwei Anmerkungen anzufügen:

    Dass Massaker macht weder eine gute noch eine schlechte Werbung für den Film, sondern einfach "Werbung". Die sich auf Grund des grauenhaften Ereignisses in den Köpfen festsetzt, sodass sich, und das behaupte ich jetzt einfach einmal, mehr Leute den Film ansehen werden, als ohne den "Vorfall". "Negative" Werbung wäre es, wenn sich auf Grund der realen Hinrichtung niemand, aber wirklich... mehrIch respektiere Ihre Einwände zu meinem Kommentar.

    Gleichwohl erlaube ich mir zwei Anmerkungen anzufügen:

    Dass Massaker macht weder eine gute noch eine schlechte Werbung für den Film, sondern einfach "Werbung". Die sich auf Grund des grauenhaften Ereignisses in den Köpfen festsetzt, sodass sich, und das behaupte ich jetzt einfach einmal, mehr Leute den Film ansehen werden, als ohne den "Vorfall". "Negative" Werbung wäre es, wenn sich auf Grund der realen Hinrichtung niemand, aber wirklich niemand mehr, den Film ansehen würde.

    Ob das der richtige Schritt ist, den Film, wie Sie schreiben, "trotz des Massakers zu zeigen - ich weiss es nicht. Doch den Film "bestenfalls zu verbieten" bringt meiner Meinung nach auch nichts. Verbote ändern in den wenigsten Fällen etwas.

    Wirklich Respektvoll wäre es den Opfern und ihrer Angehörigen gegenüber hingegen gewesen, wenn Warner Bros. selbst den Film gestoppt hätte. Möglicherweise gar mit der Begründung: Sorry, kein Film ist uns eine solche "Schlachterei" wert, also verzichten wir auf weitere "Einnahmen".

  4. Stanislav Stanislavski

    am 25.07.2012, 08:48

    Was hilft es denn den Toten und ihren Angehörigen, wenn der Film nun gestoppt wird? Was hilft es denn überhaupt irgend jemandem auf der Welt, wenn nun niemand mehr diesen Film sehen kann?

  5. René Reinhard

    am 25.07.2012, 09:33

    Was hilft es, und jetzt grundsätzlich gemeint, einem oder einer Ermordeten, wenn man den oder die Mörder verurteilt?

    Aber hier, bei «The Dark Knight Rises» wird zwar auf "Betroffenheit" gemacht aber durch den Film "fröhlich" weiteres Geld verdient. Noch eine weitere Überschrift bei der Berichterstattung: "... the show must go on".

  6. Philipp Roth

    am 25.07.2012, 14:03

    Diese Diskussion ist schlichtweg lächerlich. Niemand ausser dem Täter ist verantwortlich für das Massaker, nicht Warner Bros., nicht Christopher Nolan, nicht Batman und noch nicht einmal der Joker. Die Vorwürfe wiederholen sich, nach Columbine waren es die pösen, pösen "Killerspiele" und Marilyn Manson und schon vor 200 Jahren wurden Goethe und sein Werther für eine Selbstmordwelle unter Jugendlichen verantwortlich gemacht.

    Herr Reinhard, sie schreiben The Dark Knight Rises sei ein... mehrDiese Diskussion ist schlichtweg lächerlich. Niemand ausser dem Täter ist verantwortlich für das Massaker, nicht Warner Bros., nicht Christopher Nolan, nicht Batman und noch nicht einmal der Joker. Die Vorwürfe wiederholen sich, nach Columbine waren es die pösen, pösen "Killerspiele" und Marilyn Manson und schon vor 200 Jahren wurden Goethe und sein Werther für eine Selbstmordwelle unter Jugendlichen verantwortlich gemacht.

    Herr Reinhard, sie schreiben The Dark Knight Rises sei ein "sinnloser" Film. Wie ist das gemeint? Haben Sie den Film gesehen? Oder zumindest die ersten beiden Teile der Trilogie? Sind in Ihren Augen alle Filme "sinnlos"? Oder gibt es auch "sinnvolle" Filme? Wenn ja, wie definieren Sie diese? Und ist Ihre Definition verbindlich? Ist es "sinnlos" Millionen von Menschen Vergnügen, Spannung und Zerstreuung zu bieten?

  7. Philipp Roth

    am 25.07.2012, 14:14

    Richtiggehend widerlich finde ich Ihre Frage nach allfälligem "Kalkül" seitens Warner Bros.

  8. Citylights

    am 25.07.2012, 23:13

    Wie man das mit der Werbung auch immer sehen mag...
    Der zweite Teil der Trilogie erzielte, gemäss Wikipedia Einnahmen von über einer Milliarde USD. Er ist damit der zwölfterfolgreichste Film.

    Selbst wenn jegliche Werbung vom Regisseur selbst verboten worden wäre, würden sich vermutlich weitere hunderte Millionen USD in die Kassen von Warner Bros. bewegen!
    Mit einer Stoppung des Films würde auch Warner Bros. nicht besser dastehen.
    Wieso müssen immer Millionen Menschen unter einem... mehrWie man das mit der Werbung auch immer sehen mag...
    Der zweite Teil der Trilogie erzielte, gemäss Wikipedia Einnahmen von über einer Milliarde USD. Er ist damit der zwölfterfolgreichste Film.

    Selbst wenn jegliche Werbung vom Regisseur selbst verboten worden wäre, würden sich vermutlich weitere hunderte Millionen USD in die Kassen von Warner Bros. bewegen!
    Mit einer Stoppung des Films würde auch Warner Bros. nicht besser dastehen.
    Wieso müssen immer Millionen Menschen unter einem "fehlgeleitetem" leiden?!

    Ich muss Herrn Roth recht geben. Bei all den Vorwürfen, damals wie heute, was ist der Unterschied?! JEDER ist anders und trotzdem verbinden uns Dinge.
    (Etwa auch bei den Columbine, Millionen Menschen essen Brot, gehen in Schulen, viele Spielen diese Computerspiele / Sehen Filme etc.) Drehen wir darum durch?

    Generell finde ich den Umgang mit Aurora, von Seiten der Filmcrew & Warner Bros. bisher sogar ganz gut. Keine riesigen Premiere-Feiern & eine Beleidsbekundung.

    Die Trilogie dreht sich um die Menschheit, Gerechtigkeit etc. wir sollten vielleicht eher da Mal wieder darüber Nachdenken.


  9. René Reinhard

    am 26.07.2012, 10:13

    Ihrem letzten Satz kann ich voll und ganz zustimmen. Darum geht es, um die Wirklichkeit, die sich aber durch "Unterhaltungsfilme", wogegen ich nicht Grundsätzlich etwas habe, um keinen Deut zum Besseren verändern wird.

    Realitäten: Sie fragen "Wieso müssen immer Millionen Menschen unter einem "fehlgeleitetem" leiden?!" Meinen Sie damit etwa auch unter wirklichen Diktatoren? Früher, nur schon im 20. Jahrhundert, unter einem Hitler, einem Stalin, einem Franco, einem Pinochet? Oder sonst... mehrIhrem letzten Satz kann ich voll und ganz zustimmen. Darum geht es, um die Wirklichkeit, die sich aber durch "Unterhaltungsfilme", wogegen ich nicht Grundsätzlich etwas habe, um keinen Deut zum Besseren verändern wird.

    Realitäten: Sie fragen "Wieso müssen immer Millionen Menschen unter einem "fehlgeleitetem" leiden?!" Meinen Sie damit etwa auch unter wirklichen Diktatoren? Früher, nur schon im 20. Jahrhundert, unter einem Hitler, einem Stalin, einem Franco, einem Pinochet? Oder sonst irgendwelchen, düsteren, geheimen aber wirklichen "Drahtziehern" in der Geschichte und in der Gegenwart? Etwa die CIA mit ihren grausamen Machenschaften wie "Waterboarding"? Oder einem DIS oder einem MI5 in Grossbritannien usw. Wann kommt da eine "Filmfigur" und schafft "Gerechtigkeit"? Wahrlich, mit Ihrem letzten Satz bin ich wirklich einverstanden. MfG.

Informationen zum Artikel

24.7.2012, 18:12 Uhr

Finale Entscheidung

Text

Text:

  • 31.03.2015 um 18:05
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  • 29.03.2015 um 22:51
    Zum Artikel: Fünfzig Schafe für den Frieden

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  • 29.03.2015 um 22:45
    Zum Artikel: Fünfzig Schafe für den Frieden

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