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Tourismus 

13.7.2012, 00:01 Uhr

Happy Travelling!

13.7.2012, 00:01 Uhr

Nirgends ist die Schweiz so anders wie in Interlaken – ein globalisiertes Städtchen vor der Kulisse einer schweizerischen Idylle. Von

Einmal den Höheweg hin, einmal den Höheweg her, und spätestens dann fragt man sich: «Wie konnte das nur passieren?» Wie konnte dieses Stück Strasse zwischen Interlaken West und Interlaken Ost zu einem Zentrum des Schweizer Tourismus werden? Warum wollen alle hierher? Denn seien wir ehrlich: Diese Strasse ist von ausgesuchter Hässlichkeit.

Schräg vor dem Hotel Royal feiert «The last Sexshop before Jungfrau» sein 15-jähriges Bestehen mit einem grauslig verzierten Schaufenster. Das «r» in «Wood Carvings» über dem grössten (und bestens besuchten) Souveniershop hängt arg in Schräglage, das asiatische Restaurant hinter der prominent platzierten Zapfsäule macht einen eher zweifelhaften Eindruck und überhaupt.

«Loveliness» in der Zersiedelung

An dieser Strasse will nichts so richtig zueinander passen. Dem Schweizer Auge, geprägt von stundenlangem Zugfahren durchs Mittelland, fällt auch hier zuerst einmal architektonisch fragwürdige Zersiedelung auf. Das Touristen-Auge, geprägt von stundenlangen Carfahrten durch Europas Hotspots, sieht «Loveliness».

Über 800 000 Übernachtungen zählt Interlaken pro Jahr, nur ein Viertel der Angereisten sind Schweizer. Ein erstaunlich kleiner Anteil, heisst es im Tourismusbüro von Interlaken. Seit über 150 Jahren zieht Interlaken am Fuss von Eiger, Mönch und Jungfrau die Touristen aus aller Welt an, und die Faszination in Übersee für diesen Flecken Schweiz zwischen Thuner- und Brienzersee ist ungebrochen. Interlaken verzeichnete in den letzten zehn Jahren stets wachsende Übernachtungszahlen. Vor allem im arabischen Raum ist man stark.

 

Was in den Broschüren aus dem Tourismus-Office steht, widerspiegelt sich überall in Interlaken. Ganze Sippschaften drängen sich vor die Schaufenster der Uhrenläden, die Männer allesamt sehr modisch, die Frauen allesamt sehr verschleiert. Dass sie es sich leisten können, in der teuren Schweiz Ferien zu machen, sieht man den arabischen Gästen von Weitem an. Grosse Ringe, grosse Uhren, grosse Einkaufstaschen, grosse Smartphones.

Und so drängen sie sich dann zu all den anderen Touristen (vor allem aus China, Indien und Russland) in die über hundert Jahre alte Bahn auf die Harder Kulm und fotografieren das vernebelte Panorama. Sie essen Fondue oder Rösti im Ausflugsrestaurant auf dem Hausberg von Interlaken, fahren mit der Bahn wieder hinunter und sehen so aus, wie Touristen immer aussehen: leicht angespannt. Wo ist der nächste Aussichtspunkt? Wie viel kostet dieses Ticket? Und wo sollen wir das nächste Mal etwas essen?

Treffpunkt für Backpacker

Das wirklich Überraschende am Tourismusort Interlaken sind aber nicht die diamantbesetzten arabischen Schönheiten, die indischen Kinder, die stolz ihre iPads zeigen, oder die Russen mit ihren zu grossen Sonnenbrillen. Das wirklich Überraschende ist die Tatsache, dass Interlaken nicht nur die Reichen dieser Welt beherbergt, sondern auch all jene, die sonst in Vang Vieng betrunken mit einem Gummireifen den Nam-Song-Fluss hinuntertuben, an der Küste von Ost-Australien Bier aus einem Schnorchel trinken oder irgendwo in Bolivien den Preis für eine Nacht von fünf auf vier Dollar hinunterhandeln.

Interlaken ist ein «Must see» für Backpacker, seit zwanzig Jahren schon, und wer es ernst meint mit der internationalen Traveller-Community, der bucht seinen Dorm in Balmer’s Herberge an der Hauptstrasse in Matten. Rund um das Hostel hat sich in den vergangenen Jahren eine Traveller-Szene entwickelt, wie es sich der Lonely Planet nicht schöner hätte ausdenken können. Tour-Offices mit billigem Internet-Zugang, Waschsalons, ein «Coiffeur Spontan», ein kleines Thai-Restaurant mit angegliedertem «Bottle-Shop», günstige Pizza, noch mehr Internet-Läden, noch mehr Tour-Offices, die alle «Adrenalin, Action, Fun!» versprechen.

Das Herz der Strasse und der unbestrittene Mittelpunkt der Backpacker-Szene von Interlaken ist aber das «Balmer’s». «Don’t go to Interlaken with­out staying here!», heisst es auf der Wikitravel-Seite von Interlaken, und die internationalen Backpacker scheinen sich daran zu halten. An diesem Wochentag Anfang Juli ist die Herberge ausgebucht.

Und ach, man braucht keine fünf Minuten, um zu wissen, warum das so ist. Das «Balmer’s» ist ein Backpacker-Ort, wie es ihn überall in Südostasien, in Australien oder Mittelamerika gibt. Die Angestellten sind hängen gebliebene Traveller (die Bierbestellung bitte auf Englisch), die jungen Menschen zwischen 18 und 25 sitzen an einem langen Tisch, trinken günstiges Bier aus dem Pappbecher oder noch günstigeren Weisswein – «It was just 1.20 Euro!», meint der junge Kanadier neben uns – aus dem Coop. Und führen dabei die gleichen Gespräche, wie sie alle Traveller auf der ganzen Welt jederzeit und immer führen. Woher kommst du? Wie lange bist du unterwegs? Was hast du schon gesehen? Was machst du im normalen Leben?

Der junge Blonde (Kanada, drei Monate, halb Europa, Student) bespricht mit seinem Gegenüber (USA, ein halbes Jahr, ebenfalls halb Europa, ebenfalls Student), wo es in Amsterdam im Rotlicht-Viertel besonders günstigen Schnapps zu kaufen gibt und ob er diesen Paragliding-Flug jetzt vielleicht doch buchen solle. Eine junge Frau mischt sich ein («I’m Kate. Where are you from? How long have you been travelling?») und erzählt eine abenteuerliche Geschichte aus einem Bierkeller in Prag. Sie unterbricht sich selber, als der Mann hinter dem Grill ihre Nummer ausruft. Ein Burger mit Pommes frites.

Wer jemals mit seinem Rucksack auf dem Globus unterwegs war, mit einem kleinen Budget lebte, auf amouröse Möglichkeiten hoffte (oder auch nicht) und nur widerwillig den Empfehlungen des Lonely Planet folgte – es ist schwierig geworden, ein Individualist zu sein –, der kann sich die folgenden Szenen selber ausmalen, weil er sie selbst erlebt hat. Die Möglichkeiten in der Fremde, die vertrauten Codes, die Flüchtigkeit des Rausches und die daheim so selten erlebten Momente ohne jede soziale Kontrolle. Die Traveller, auch in Interlaken, nennen das Freiheit.

So ein grosses Wort würde Ibrahim aus den Vereinigten Arabischen Emiraten nicht gebrauchen. Er kam mit seiner Familie der Landschaft wegen hierher, er wollte ihnen Berge, Schnee und Seen zeigen und schläft nicht in Dorms, sondern in einem der Klötze am Höheweg. Drei Wochen sind sie unterwegs, haben schon Fondue und Raclette und Rösti probiert. Und haben nun etwas genug von der lokalen Küche.

«Halal Barbeque»

Für heute Abend hat Ibrahim für seine Familie einen Platz auf dem Schiff Iseltwald reserviert, das jeden Mittwoch eine Runde im Brienzersee dreht und dabei ein «Halal Barbeque» anbietet. Ein grosser Erfolg sei das vor einem Jahr eingeführte und in der Zwischenzeit verdoppelte Angebot, sagt Patrizia Pulfer von Tourismus Interlaken. «In gewissen Rhythmen brauchen unsere Gäste wieder ihr eigenes Essen.» Vor allem die Inder, schiebt Pulfer nach und erinnert an die ebenfalls sehr erfolgreichen «Indian Dinner Cruises».

Zum Schluss die Idylle

Auch Einheimische nutzen das Büffet-angebot. An diesem Mittwochabend beispielsweise zwanzig Versicherungsvertreter, die leise schimpfen, als sich der arabische Teil der Gäste nach der Eröffnung des Büffets etwas gar schnell um die dampfenden Blechschalen schart. Es ist keine Ode an die Völkerverständigung, die wir hier erleben. Bereits der Start war etwas schwierig, als sich eine arabische Familie an den für die Schweizer reservierten Tisch setzen wollte und die Versicherungs-Reiseleiterin sie verscheuchen musste – und beim Eintreffen ihrer Reisegruppe damit natürlich etwas auftrumpfte.

Etwas später, alle sind nun verpflegt, das Schiff tuckert dem Ufer des Brienzersees entlang, sind alle wieder friedlich. Der Höheweg mit seinen hässlichen Hotels ist weit weg, die Einfamilienhäuser am Aarekanal sind nur noch schwache Erinnerung. Wir stehen auf dem Deck der «Iseltwald» und schauen uns um. Sehen die wenigen und sehr pittoresken Dörfchen am Ufer des Sees, die steilen bewaldeten Hänge, die türkisblaue Farbe des Sees, ahnen das ewige Eis in der Ferne, hören das Rauschen der Giessbachfälle und riechen die vom Regen schwere Sommerluft. Und wir sehen um uns herum all die arabischen Touristen, ihre staunenden Augen, ihre weit von sich gestreckten Smartphones, mit denen sie die Idylle fotografisch festhalten, und wir denken: Darum, darum konnte das hier passieren.

 

 

Für alle den richtigen Ort: Ballmer’s Herberge für die Backpacker aus aller Welt und das Grand Hotel Victoria Jungfrau für die betuchteren Touristen, ebenfalls aus aller Welt.
Fotos: André Raul Surace

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13.7.2012, 00:01 Uhr

Happy Travelling!

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Text:

  • 20.08.2013 um 12:04
    Zu schön
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