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TagesWoche

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So, 26.05.2013

Lektüre 

19.7.2012, 09:48 Uhr

Ein Western in ungewöhnlicher Manier

19.7.2012, 09:48 Uhr

Nach seinem Erfolg mit dem Roman «Léon und Louise» legt der Oltner Autor Alex Capus nun eine Sammlung von Kurzgeschichten vor. Dafür hat er sich in den Wilden Westen begeben. Und allerlei Kurioses mitgebracht. Von Karen N. Gerig

zVg: Kamele in den USA? Jawoll! Ihren Spuren folgt heute die legendäre Route 66. Alex Capus erzählt die Geschichte.

Kamele in den USA? Jawoll! Ihren Spuren folgt heute die legendäre Route 66. Alex Capus erzählt die Geschichte. (Bild: zVg)

Schreibe man als Mann eine Liebesgeschichte, wie Alex Capus das kürzlich im wunderschönen Roman «Léon und Louise» getan hat, so müsse man nachher «zum Ausgleich etwas Ordentliches tun». Dies schreibt der Autor selbst im Klappentext seines neuen Buchs «Skidoo» (erhältlich ab 30. Juli). Und was legt Mann dann am besten vor, um sich die romantische Liebesgeschichte vom Leib zu schütteln? Einen Western natürlich!

Im Falle von Alex Capus ist der Western aber keine erfundene Geschichte in Romanform, sondern eine auf Tatsachen beruhende Kurzgeschichtensammlung. Soll «Skidoo» nun am besten auch gleich von einem Mann gelesen werden, wo doch Frauen eher auf Liebesgeschichten abonniert sind? Nein, denkt man dann, Kurzgeschichten und Alex Capus, das passt schon. Und «Léon und Louise» fanden ja auch Männer gut.

«Skidoo» kommt schon auf den ersten Blick sehr anders daher. Gelb-weiss gestreift, mit historischen Bildern von Napoleon bis zur Oltener Altstadt auf dem Cover, eine heitere Mischung. Der Untertitel «Meine Reise durch die Geisterstädte des Wilden Westens» führt uns auf die richtige Spur, die Karte auf dem Buchspiegel setzt die Orientierungsmarke: Ein Gebiet zwischen Los Angeles bis zum Grand Canyon im Westen der USA. Olten ist von hier 5481 Meilen weit weg.

Nichts Alltägliches

Olten? Man muss schon Alex Capus sein, um eine Verbindung zwischen der Stadt im Solothurnischen und dem Wilden Westen zu finden. Capus gelingt das in der Geschichte über Panamint City. Die heutige Geisterstadt wurde von Bankräubern gegründet, die auf ihrer Flucht zufällig auf eine Silberader stiessen. Und wie das so war damals: Der Fund wurde bekannt, die Menschen strömten von überall her, weil sie ebenfalls graben wollten. Einer, der davon profitierte, war ein deutscher Bierbrauer namens Munzinger. Und: «Die Entdeckung seines Familiennamens versetzte mich vorübergehend in ziemliche Aufregung, denn das Geschlecht der Munzinger ist in meiner Heimatstadt Olten seit über fünfhundert Jahren stark vertreten, und zwar quantitativ wie qualitativ.» Ob der Bierbrauer Munzinger tatsächlich verwandt ist mit der Oltener Linie, sei hier nicht verraten.

Was wir aber presigeben können: Diese kleine Episode steht stellvertretend für die anderen Geschichten in «Skidoo». Capus erzählt von Erfolgen, von gescheiterten Existenzen, von Individualisten und grossen Heeren. Und wie es sich für einen Western gehört, kommen dabei Schiessereien vor und Saloons und Sheriffs und selbst die alten Conquistadores. Es sind aber nicht die üblichen Geschichten, die Capus ausgegraben hat. Sondern, wie sollte es anders sein, die kuriosen. Warum etwa ist Jonathan Newhouse im siedend heissen Death Valley erforen? Und was hat die Route 66 mit Kamelen zu tun?

Nach der Lektüre von «Skidoo» haben wir ein paar (vielleicht unnötige) Kleinigkeiten erfahren. Aber wir haben uns köstlich unterhalten dabei. Er ist halt schon ein Meister im Kurzgeschichtenschreiben, der Alex Capus. Wir freuen uns aber ebenso über einen langen Liebesroman.

 

Alex Capus: «Skidoo – Meine Reise durch die Geisterstädte des Wilden Westens». Erscheinungsdatum: 30.07.2012, 80 Seiten, Hanser Verlag 2012. ISBN 978-3-446-24084-1.

Eine pdf-Leseprobe finden Sie hier.

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19.7.2012, 09:48 Uhr

Ein Western in ungewöhnlicher Manier

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