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Ausstellung 

17.7.2012, 14:07 Uhr

Grenzenlose Weiten für die Hosentasche

17.7.2012, 14:07 Uhr

Die Ausstellung «Panoramen – Vermessene Welten» begibt sich im Kunstmuseum Basel auf die Spur der scheinbar grenzenlosen Welten und öffnet so im Kleinen den Blick auf ganz Grosses. Von

Da sitzt sie, Albrecht Dürers Melancholie, umgeben von Werkzeugen und Messinstrumenten. Sie muss der Erkenntnis so nah sein wie kein anderer, und doch hält sie inne, den Zirkel in der Hand, und sinniert. Jedem Wissen sind Grenzen gesetzt, scheint sie sich gewahr zu werden. Alles wissen zu wollen – ein vermessener Anspruch?

Dürer malte seine «Melencolia» in einer Zeit, in der die Vermessung der Welt und alles sich darauf Befindlichen inklusive des menschlichen Körpers einen Höhepunkt erreichte. Und kaum ein anderer Künstler in Nordeuropa setzte sich so intensiv mit den neuen Möglichkeiten auseinander wie der Nürnberger. Kein Wunder also, dass er in einer Ausstellung, die sich dem Vermessen der Welt widmet, nicht fehlen darf.

Der Fokus der Ausstellung im Kupferstichkabinett des Basler Kunstmuseums liegt allerdings auf den Panoramen, die im 19. Jahrhundert eine Blütezeit erreichten. Die berühmtesten Schweizer Panoramen sind sicherlich das Luzerner Bourbaki-Panorama und das Wocher-Panorama in Thun, das zu Lebzeiten des Malers Marquard Wocher noch in dessen Heimatstadt Basel ausgestellt war.

Im Kunstmuseum geht es hingegen etwas kleiner zu und her, und auch dürfen die Anfänge des Genres hier nicht fehlen, jene Holzschnitte, Aquarelle oder Radierungen, die im 16. Jahrhundert anfingen, dem Betrachter einen ersten genauen Blick auf die Natur zu ermöglichen.

Perspektivwechsel

Bleiben wir bei Albrecht Dürer und werfen diesmal einen Blick auf seine «Nemesis» (vgl. Bildstrecke). Der Kupferstich vereint die künstlerischen Elemente der exakten Vermessung, wie sie anfangs des 16. Jahrhunderts bekannt war und dem Betrachter einen «panoramatischen» Blick boten: Die Einnahme eines erhabenen Standpunktes, die Aufhebung optischer Begrenzungen des Bildfeldes sowie die Kombination verschiedener Perspektiven. Gerade letzteres war von zentraler Wichtigkeit für die späteren Panoramen, da die Übertragung des Rundblicks in die Fläche nicht nur eine genaue Beherrschung der Perspektive verlangte, sondern vor allem die Abkehr der seit der Renaissance gebräuchlichen Zentralperspektive.

Die frühen Panoramen, die noch keine 360-Grad-Rundsicht ermöglichten, zeigen meist Aussichten von einem erhöhten Standpunkt herunter, die aber durchaus der Orientierung dienen konnten und damit ihre Verwandschaft zur Kartografie bewiesen, wie etwa eine Federzeichnung von Matthäus Merian d.Ä., die den «Blick vom Grenzacherhorn auf Basel» zeigt. Auch zirkumpolare Rundkarten (vgl. Bildstrecke Bild Nr. 4), die beispielsweise ein Bergpanorama konzentrisch um einen Projektionspunkt anordnen, erfreuten sich eine Zeitlang grosser Beliebtheit – wahrscheinlich vor allem deshalb, weil sie durch ihr eher kleines Format auch bei Wanderungen mitgetragen werden konnten.

Gefaltete Berge

Die meisten Rundpanoramen waren im Gegensatz dazu mehrere Meter lang (wenn auch nicht derart gross wie etwa das Wocher-Panorama) und damit für den Transport ungeeignet. Doch auch kleinere, handlichere Faltpanoramen existierten, die man in die Tasche stecken konnten. Dass sie tatsächlich der Orientierung dienten, zeigt das «Panorama von der Rigi-Kulm» von Samuel Birmann: dort steht am rechten unteren Bildrand eine Gruppe von Wanderern, die – über eine Panoramakarte gebeugt – die zu ihren Füssen liegende Aussicht studiert.

Spannend machen die Ausstellung im Kunstmuseum aber nicht nur die verschiedenen Verwendungsarten der Panoramen und ihre Entstehungsgeschichte, sondern auch die Ansichten an und für sich. So kann man auf einem hochformatigen Panorama aus dem Jahr 1842 etwa die kleinen Züge suchen, die auf der Eisenbahnstrecke Zürich – Baden verkehren. Wie kleine aufgereihte Häuslein sehen sie aus. Oder man kann auf der Weltkarte Hans Holbein d. J. von 1537 vergebens Nordamerika suchen, an dessen Stelle man ein grosses Kuba findet. Oder aber man zählt die Fenster auf Anton Winterlins Basel-Panorama. Langweilig wirds einem dabei bestimmt nicht.

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