Open

eingeloggt als
Ausloggen


An Redaktion schreiben

  • Erlaubte Dateiformate: Bilder (jpg, png, gif) Dokumente (pdf)

eingeloggt als
Ausloggen


Mein Kommentar

Registrierung

Mit Ihrem Benutzerkonto können Sie Ihr Abo verwalten, Artikel kommentieren und mit anderen Leserinnen und Lesern in Kontakt treten.

Das Benutzerkonto ist kostenlos und kann jederzeit wieder gelöscht werden.

Bitte geben Sie Ihre E-Mail Adresse ein. Wir werden diese unter keinen Umständen an Dritte weitergeben.

Fast fertig...

Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.

Bitte prüfen Sie Ihren Posteingang und aktivieren Sie Ihr Benutzerkonto, indem Sie auf den Link in der E-Mail klicken.

Sollten Sie die E-Mail innert 10 Minuten nicht erhalten haben, kontrollieren Sie, ob die E-Mail möglicherweise im Spam-Filter hängen geblieben ist. Ist die E-Mail auch dort nicht aufzufinden, schreiben Sie uns an anmelden@tageswoche.ch und wir kümmern uns darum.

Wir freuen uns, Sie in wenigen Minuten in unserer Community begrüssen zu dürfen.

Passwort wiederherstellen

TagesWoche

Tages Woche

Sa, 25.05.2013

Doppelmandate 

13.7.2012, 00:01 Uhr

Es regiert der Filz

13.7.2012, 00:01 Uhr

Als das Baselbieter Kantonsgericht der Birsfelder SP-Frau Regula Meschberger ein Doppelmandat untersagt hat, war die Befangenheit von Politikern wieder ein Thema. Aber nur kurz – leider.  Von Michael Rockenbach

Illustration: Jürg Lindenberger: Staatsangestellte im Parlament stimmen halt auch mal für ihre eigenen Interessen.

Staatsangestellte im Parlament stimmen halt auch mal für ihre eigenen Interessen. (Bild: Illustration: Jürg Lindenberger)

Politiker reden über alles gerne. Ausser über ihre eigenen Abhängigkeiten und Interessenkonflikte. Totschweigen lässt sich das Problem aber nicht. Auch in der Region kam es vor wenigen Tagen wieder auf: Das Baselbieter Kantonsgericht entschied, dass Regula Meschberger (SP) nicht gleichzeitig Birsfelder Schulleiterin und Gemeinderätin sein darf. Das Gesetz lasse eine solche Doppelfunktion nicht zu.

Die Konsternation war danach gross – in Birsfelden, wo Meschberger mit einem sehr guten Resultat in den Gemeinderat gewählt worden war. Und ebenso in Arlesheim, wo «Gmeinipresi» Karl-Heinz Zeller auch in der Schule der Boss ist. Gestört hat das bis jetzt niemanden. Im Gegenteil: Der doppelte Zeller ist allseits beliebt. Auch bei der «Basler Zeitung». «Alle wollen ihn, nur das Gesetz nicht», stellte das Blatt vor Kurzem traurig fest. Das Problem ist in dieser Logik nicht der Interessenkonflikt, sondern der Paragraf, der Ämterkumulation und Machtmissbrauch verhindern soll.

Bei diesem Thema ist eben vieles speziell. Auch die Haltung der SVP. Gemeinhin ist ihr Volkes Wille heilig und der Gerichtsweg zuwider. In Birsfelden war es aber ausgerechnet diese Partei, die Meschbergers Wahl anfocht. In Birsfelden muss sich die an der Urne geschlagene SVP darum den Vorwurf anhören, eine schlechte Verliererin zu sein. Doch das ist ihr spätestens nach dem juristischen Sieg egal. «Aus demokratischer Sicht zu begrüssen ist, dass sich das Gericht für eine klare Verteilung der Kompetenzen (...) ausgesprochen hat», teilt die Birsfelder SVP zufrieden mit.

Regierung sorgt für sich

Nun, rein inhaltlich ist der SVP nur schwer zu widersprechen – auch wenn die Realität häufig eine andere ist. Aktuelles Beispiel aus der kantonalen Politik: die Sanierung der Baselbieter Pensionskasse, bei der es um zwei bis drei Milliarden Franken geht, und die heikle Frage, wer wie viel zahlen soll. Vorbereitet wurde das Geschäft vom Regierungsrat, der im ganzen Staatshaushalt viele Millionen spart, in eigener Sache aber grosszügiger ist. Gemäss Entwurf der neuen Ruhegehaltsordnung ist vorgesehen, dass die «Leistungen und Ansprüche zu Gunsten ehemaliger und amtierender Mitglieder des Regierungsrates prinzipiell unverändert bleiben». Für die Betroffenen eine vorteilhafte Regelung, wie das Personalamt bestätigt.

Der Entscheid über die PK-Sanierung liegt nun beim Landrat, der ebenfalls längst nicht so unbefangen ist, wie er im Idealfall sein sollte. Im Parlament geht man davon aus, dass rund ein Drittel der Mitglieder bei der Baselbieter PK versichert sind. Und wenn man in diese Überlegung auch die Partnerinnen und Partner der Landräte sowie deren PK miteinbezieht, steht eine erste Mehrheit schon vor der Parlamentsdebatte fest: Es ist jene der Abhängigen und der an Eigeninteressen Gebundenen.

Ein Spezialfall? Keineswegs. Im Landrat ist es seit Jahren üblich, dass Pädagogen in der Bildungskommission Schulreformen vorspuren, Richter und Anwälte ihren Einfluss in der Justizkommission geltend machen und Bauunternehmer in der Baukommission für Grossprojekte werben.

Vom Ideal weit entfernt

Mindestens so eng sind die Verflechtungen in den Gemeinden, die in ihren vielen Gremien auf Sachverständige angewiesen sind. Diese bringen in der Regel aber nicht nur ihr Fachwissen mit, sondern auch ihre Kontakte. Das hat in einzelnen Gemeinden zum Beispiel im Baubereich zur Folge, dass Auswärtige nur schwer oder gar nicht an Aufträge herankommen, auch wenn sie besser sind als die Einheimischen. Ein Bschiss, über den aber niemand offen reden will, weil die einen profitieren und die anderen es sich nicht vollständig mit den Dorfgewaltigen verderben wollen.

Dabei liessen sich Interessenkonflikte simpel lösen, könnte man meinen: mit einer konsequenten Anwendung der Ausstandspflicht. Das ist allerdings alles andere als simpel, wie ein Urteil des Bundesgerichts von 1999 zeigt.

Die Richter hielten damals fest, dass staatlich besoldete Parlamentarier von Abstimmungen über Lohn-, Pensions- und Ferienfragen nicht ausgeschlossen werden dürfen. Begründung: Auch ihre Ratskollegen würden bestimmte Interessen verfolgen. Genau das ist es, was nach Ansicht des Bundesgerichts das Wesen der Demokratie ausmacht: dass alle Bevölkerungsgruppen ihre Interessen einbringen und sich in der Ausein­andersetzung auf gute Kompromisse einigen.

Das Problem ist, dass die real existierenden Parlamente diesem Ideal nie ganz entsprochen haben. Und dass sie sich nun immer weiter davon entfernen – mit dem sinkenden Interesse der Wirtschaft an der Politik und dem steigenden Anteil an Staatsangestellten und Verbandsvertretern in den Räten.

Vollständig lösen lässt sich dieses Problem kaum. Einzelne Auswüchse könnte man aber wohl schon stoppen. Dafür müsste man zuerst einmal über das Thema reden.

Bisher wurden keine Kommentare zu diesem Artikel von der Redaktion hervorgehoben.

Kommentieren

Informationen zum Artikel

13.7.2012, 00:01 Uhr

Es regiert der Filz

Text

Text:

  • 23.05.2013 um 14:05
    Müll aus Sicht der Politik und Wissenschaft

    Die einen profilieren sich mit dem Abfall auf den Strassen, die anderen versuchen es wenigstens begrifflich unter Kontrolle zu bringen.

  • 23.05.2013 um 12:00
    Weg mit dem Müll – bloss wie?

    Endlich einen Erfolg im Kampf gegen das Littering: Das erwarten alle. Die Hoffnungen auf Bussen erfüllen sich aber schon mal nicht. Nun braucht es eine Alternative.

  • 20.05.2013 um 20:30
    Gegen die Latte

    Der FC Basel verliert einen harzigen Cupfinal nach Penaltyschiessen und hat die erste Chance auf einen Titel in dieser grossartigen Saison vertan. Beklagen muss sich der FCB nicht: GC war über weite Strecken die gefährlichere Mannschaft.

  • 13.05.2013 um 14:46
    Werter Guschti Goldknopf
    Zum Artikel: Dreist, dieser Sonnenbrillenraub – aber kaum sehr schlau

    Danke für die interessante Meinungsäusserung. Ich persönlich bin der Ansicht, dass wir auch in den vergangenen Tagen einige interessante Berichte und Reportagen zu politisch, gesellschaftlich und kulturell relevanten Themen hatten. Und auch aus dem Ber...

  • 01.05.2013 um 13:44
    Zu leicht?
    Zum Artikel: Angriff auf die UBS und ihre Lohnpolitik

    Liebe Frau Känzig. Eine sehr berechtigte Frage. Für eine Revolution wird es jedenfalls nicht reichen - bei weitem nicht. Aber vielleicht für eine interessante Diskussion?

  • 14.04.2013 um 10:15
    «Ungenügend»
    Zum Artikel: Weg mit euch Versagern! Oder doch nicht?

    Liebe Frau Bühlmann. Danke für den Tipp. Ich werde die Studie gerne auf der Rückseite des Artikels anhängen. Sehr passend zum Thema (Bewerten, Abwerten, was ist in dieser Beziehung sinnvoll und gerechtfertigt, was eher nicht?) scheint mir übrigens auch...

Aktuell

Michael Würtenberg: Da hatten sie noch auf verlorenem Posten gekämpft: Zelglihofbauer Daniel Wiedmer und Markus Chrétien, Geschäftsführer der Solarspar im Sommer 2012.

Erneuerbare Energie 

Solaranlage eingeweiht

Vor einem Jahr berichtete die TagesWoche über den gescheiterten Kampf um eine grosse Solarstromanlage in Sissach. Dann vollzog die Elektra Sissach überraschend eine Kehrtwende. Heute Freitag nimmt Bauer Daniel Wiedmer die 230 000 Franken teure Anlage in Betrieb.Von Matieu Klee. Weiterlesen

1