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Durness Sizilien 

13.7.2012, 06:00 Uhr

Ende der Pause, 13. Juli 2002

13.7.2012, 06:00 Uhr

Länger als geplant dauerte mein Zwischenhalt in Birsfelden. Schliesslich ist es nicht so einfach, eine Wohnung zu finden auf den Zeitpunkt, wenn die Reise fertig sein wird. Zwei Bücher haben die Pause verkürzt. Von

Urs Buess: «Paris – Bâle à pieds» von Arnold Kübler und «Carlino» von Stuart Hood (übersetzt von Stefan Howald).

«Paris – Bâle à pieds» von Arnold Kübler und «Carlino» von Stuart Hood (übersetzt von Stefan Howald). (Bild: Urs Buess)

Am 30. Juni bin ich zuhause angekommen. Zuhause? Es sollte ja nur ein Zwischenhalt werden im Haus, in dem ich vor meiner Abreise gewohnt habe und das unterdessen zum Zuhause von anderen geworden ist. Rino, mein Sohn, wohnt jetzt hier, zusammen mit zwei Freunden, und jeder Abend ist eine Überraschung. Da kommen immer wieder junge Leute zu Besuch – es ist ein heiteres Kommen und Gehen. Es war schön, die Burschen zu treffen, mit ihnen zu reden, lachen, essen und trinken, mit ihnen zusammen zu wohnen. Ich habe auch mal was gekocht, nicht ungern das Haus wieder mal geputzt, den Garten etwas gestrählt.

Es war vor allem schön, Moni immer wieder zu treffen. Meist bei ihr zuhause in Zürich, mal bei mir, auch auf dem Zürcher Zeltplatz, wo sie für eine Reportage war. Wir gingen mal an einen FCZ-Match, hingen in der Flachpass-Bar rum, wo mich die Zürcher Freunde hänselten, weil der FCB keine Flachpass-Bar hat. Einer in der Flachpass-Bar sagte, als ich von meiner Reise Durness-Sizilien erzählte, dass er eben ein Buch gelesen habe von einem Arnold Kübler, der 1966 in 28 Tagen von Paris nach Basel gewandert sei. Ich habe es anderntags in einem Antiquariat gefunden, gelesen und gestaunt, wie dieser Kübler, erstens eine ganz andere Wanderwelt getroffen hat als man sie heute trifft und zweitens mit seinen 75 Jahren erst noch die Zeit fand, jeden Tag Zeichnungen auf seinem Weg zu machen.

Carlinos Weg

Sein Buch las ich auf der Zugsfahrt nach Paris, wo ich mich nach Wohnungen erkundigte und in der Rue Notre-Dame-de-Lorette auch eine zugesichert erhielt. Im Herbst sollte ich dort einziehen, um meinen Job als Frankreich-Korrespondent anzutreten. Ich sah, dass mir da noch viel administrativer Kram bevorstand und beschloss, ihn erst mal auf die Seite zu schieben. Im Zug zurück nach Basel las ich ein anderes Buch, das meine Reise nach Sizilien durchaus beeinflussen würde: «Carlino».

«Carlino» ist der Bericht eines ehemaligen britischen Nachrichtenoffiziers aus Schottland, Stuart Hood, der im September 1943 aus einem Gefangenenlager bei Parma freigelassen wurde und sich durch den Apennin nach Siena und später weiter in den Süden von Italien durchschlug, um mit dem italienischen Widerstand auf die allierten Truppen zu warten. Eine sehr nüchterne Erzählung, die einerseits in die schrecklichen Abgründe von Misstrauen und Vertrauen in wirren Zeiten leuchtet, andererseits vom einfachen ländlichen Leben Italiens in der Kriegszeit erzählt und drittens eine Route durch den Apennin beschrieb. Da wollte ich ja auch durch.

Das Buch ist auf Deutsch ganz neu erschienen (Juni 2002), übersetzt hat es Stefan Howald, den Moni und ich während unseres Besuches in London besucht haben. Ich habe es verschlungen, die Seite kopiert, auf der sehr skizzenhaft Carlinos Weg durch den Apennin aufgezeichnet ist, und ich werde diese Fotokopie mit auf den Weg nach Sizilien nehmen.

Mein Rucksack ist gepackt, er steht neben der Matratze und ist leichter als beim Start zur Wanderung vor bald drei Monaten. Das Zelt nehme ich nicht mehr mit, ich kann jetzt, da der Sommer angebrochen ist, auch im Freien übernachten. Warme Kleider brauche ich nicht mehr.

(Birsfelden, 1. bis 13. Juli 2002)

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  1. Carlino

    von Marianne Känzig am 15.08.2012 um 21:11Uhr

    Nicht einfach, aber doch gefunden bei books.ch.
    Eine zum Nachdenken anregende, zuweilen, für mich nicht kriegserproptem Menschen, irritierende
    Geschichte. Nicht ganz so fremd, weil ich zuvor "Schönheit und Schrecken" von Peter Englund gelesen habe (das ich durchaus sehr empfehlen kann), und doch schwer einfühlsam in die Tatsache, dass es Menschen gab, die die Gefangenschaft als beschämend empfunden hatten, weil Sie Ihre Aufgabe nicht erfüllen konnten. Kriegsgeschichten. Lohnenswert zu lesen für Generationen, die dies
    nicht erlebt haben und hoffentlich auch nicht müssen. Es ist eine ganz eigene Welt. Und doch wiederholt sie sich immer wieder. Und aus diesem Grund, sollte man sie lesen.
    Bei Wanderungen trifft man, gewollt oder ungewollt immer wieder auf die Spuren der Vergangenheit. Wie es mir erging in Deutschland. Willkommen in Dachau. Schon bevor wir das Konzentrationslager besichtigt hatten, ein merkwürdiges Gefühl bei diesem Schild. Und die Frage stellt sich natürlich: Dachau umbenennen?
    Ich bange dem Ende der Reise entgegen, die ich so sehr mitgelebt habe, mitgegangen, mitgefahren bin.
    Es ist der 15. August. Noch 4 Tage.
    Direktlink zum Kommentar

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Informationen zum Artikel

13.7.2012, 06:00 Uhr

Ende der Pause, 13. Juli 2002

Text

Text:

  • 10.10.2013 um 15:12
    Eine Welt mit anderen Regeln

    Verstreut über ganz Europa leben 300 Menschen die Utopie, dass es weder Hierarchien noch Lohnarbeit braucht. Und zwar in der Kooperative Longo maï. Sie feiert nun ihr 40-jähriges Bestehen mit einer Ausstellung in Basel. Eröffnet werden die Jubiläumsfeierlichkeiten heute Abend. Andreas Schwab stellt sein neues Buch «Longo maï – Pioniere einer gelebten Utopie» vor.

  • 26.09.2013 um 14:56
    Ein politisch frühreifes Mädchen

    Schon als Teenager wollte Maya Graf wissen, wie Politik funktioniert.

  • 12.09.2013 um 12:00
    «Ich musste mir die Schweiz erarbeiten»

    Peer Teuwsen, Leiter des Schweizer Büros der «Zeit», versucht zu ergründen, was das Land in seinem Innersten zusammenhält.

  • 28.07.2013 um 22:55
    Herr Buess
    Zum Artikel: Machts doch selber!

    Lieber Herr Holzapfel, Reden wir doch einfach bei einem Kaffee über Ihre Probleme. Es bleibz absolut anonym und meine Adresse ist: urs.buess@tageswoche.ch Mit freundlichem Gruss Urs Buess

  • 28.07.2013 um 21:11
    Souverän ist anders …
    Zum Artikel: Machts doch selber!

    @Holzapfel Ich würde Sie gerne zu einem persönlichen Gespräch treffen. Melden Sie sich bitte unter urs.buess@tageswoche.ch Mit freundlichem Gruss Urs Buess Pubizistischer Leiter, TagesWoche

  • 27.09.2012 um 21:26
    Fonzi trainiert
    Zum Artikel: Fonzi trainiert

    Heute Abend ist der Helikopter schon sehr zielgerichtet geflogen.

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