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Die Wochendebatte Ist das Asylschiff im St. Johann am richtigen Platz?

Standpunkte

Portrait David Wüest-Rudin

Ja

David Wüest-Rudin, Präsident Grünliberale Basel-Stadt und Grossrat

Nun wird es also ins St.  Johann ­kommen, das Asylschiff. Und ich bin als Politiker und Quartierbewohner dafür. Ich war und bin für ein Hotelschiff für Asylbewerber, das ist doch praktisch, flexibel und einigermassen komfor­tabel. Mir leuchtet nicht ein, warum eine Kajüte auf dem ruhigen Rhein schlechter sein soll als eine Wohnung über der «Ladybar» mit ­Verkehrslärm am Tag und Partylärm in der Nacht.

Rot-Grün war im Grossen Rat ­vehement gegen das Schiff – nun ­treten linke Politikerinnen und Poli­tiker für das Schiff im St. Johann ein. Die rechtsbürgerliche Seite war für das Schiff. Und nun? Unterstützen sie auch die Vertäuung im St. Johann?
Ich bin für Konsequenz in der Politik. Ich war für das Schiff, also kann ich jetzt nicht sagen: «Aber nicht bei mir.» Auch wenn es mal Probleme ­geben kann. Unter den Asylbewerbern gibt es auch für auffälliges oder gar ­illegales Verhalten anfällige Menschen, manche nennen sie «Abenteuer­migranten». Das ist so und darf man nicht beschönigen. Aber wegen dieser Minderheit gleich alle ablehnen?

Wir sollten kühlen Kopf bewahren und da und dort angestauten Unmut über zu lange Verfahren, Missbräuche, Ausschaffungsprobleme etc. nicht an einer lokalen Standortfrage auslassen. Alle Asylsuchenden haben Anrecht auf ein faires Verfahren und auf Unterbringung. Von den Behörden aber ist ­Sensibilität für das Problempotenzial und bei Bedarf entschiedenes Ein­greifen gefordert. Das Schiff wird ja vor unserem neu eingeweihten St.-Johanns-Park liegen – quasi unter Dauerbeobachtung des Quartiers.

Zudem ist mehr und besser zu kommunizieren, warum das Schiff gerade ins St. Johann kommen soll. Dies­bezüglich überzeugende Argumente erhöhen die Akzeptanz im Quartier. Im Übrigen gilt für mich: ruhig bleiben und erst mal abwarten. Nach aller Erfahrung werden die Schiffsbewohner kaum negativ auffallen. Und wenn tatsächlich für unser Quartier unzumutbare Probleme auftauchen sollten, dann kann so ein Schiff auch mal den Standort wechseln – das ist eben der Vorteil an dieser Lösung.

Portrait Mario C. Ress

Nein

Mario C. Ress, Präsident des Neutralen Quartiervereins St. Johann

Meine Antwort ist ganz klar Nein. Und dabei geht es mir gar nicht um Stimmungsmache gegen Asylbewerber oder gar um Fremdenfeindlichkeit. Es geht einzig und allein um den geplanten Standort des Schiffes. Muss denn dieser Standort unbedingt in unserem Quartier sein? Das St.-Johann-Quartier hat sich in der Vergangenheit immer bemüht, den Bewohnern welt­offen und gastfreundlich zu begegnen. Es wurden grosse Anstrengungen ­unternommen, um eine für alle Be­teiligten zufriedenstellende Durch­mischung von Ethnien, Kulturen und Lebens­formen zu finden.

So wie eine erfolgreich gelebte so­ziale und kulturelle Vielfalt einerseits zu einer Bereicherung des Quartier­lebens beiträgt, so können andererseits deren Auswüchse und Fehlhandlungen auch zu einer schweren Last werden und zu Unsicherheit und Besorgnis in der Quartierbevölkerung beitragen. Genau diese Situation ist im St. Johann nun eingetreten. Der Quartierverein St. Johann hat die Aufgabe, die Interessen der Bevölkerung wahrzunehmen und dann – auch in der ­Öffentlichkeit – zur Diskussion zu stellen. Er hat dies getan und das Ergebnis ist klar und eindeutig: Die Mehrheit der Bevölkerung hat enttäuscht feststellen müssen, dass die einst von Politikern und weltfremden Idealisten angepriesene Multikulti-Gesellschaft klar gescheitert ist.

Anstatt der erwünschten gesunden Durchmischung der verschiedenen Ethnien, Kulturen und Lebensformen sind Parallelgesellschaften entstanden, die gleichgültig nebeneinander herleben und sich sogar gegeneinander abschotten und Eingriffe nicht goutieren. Als Folge dieser gefähr­lichen Entwicklung ist im St.-Johann-Quartier bereits jetzt eine schleichend voranschreitende Ghettoisierung zu beobachten.

Mit dem Hotelschiff für Asyl­suchende kommt ein weiteres Ghetto mit all ­seinen negativen Auswirkungen hinzu. Dies alles beunruhigt die Quartierbevölkerung. Sie fordert, dass nach einem anderen Standort für die geplant Asylantenunterkunft in ­einem weniger belasteten Quartier gesucht wird.

Reaktionen

  1. Alois Karl Hürlimann

    am 29.06.2012, 12:58

    Herr Ress schreibt:
    "Die Mehrheit der Bevölkerung hat enttäuscht feststellen müssen, dass die einst von Politikern und weltfremden Idealisten angepriesene Multikulti-Gesellschaft klar gescheitert ist."
    In diesem Satz sind Stereotypen versammelt, die immer dann, wenn es darum geht, sie sowohl im Einzelfall als auch im sozialen Zusammenhang zu verifizieren, nichts als Verallgemeinerungen ohne Realitätsbezug ergeben. Um darauf einzutreten, verbrauche ich mehr Sätze, als Herr Ress geschrieben... ... mehrHerr Ress schreibt:
    "Die Mehrheit der Bevölkerung hat enttäuscht feststellen müssen, dass die einst von Politikern und weltfremden Idealisten angepriesene Multikulti-Gesellschaft klar gescheitert ist."
    In diesem Satz sind Stereotypen versammelt, die immer dann, wenn es darum geht, sie sowohl im Einzelfall als auch im sozialen Zusammenhang zu verifizieren, nichts als Verallgemeinerungen ohne Realitätsbezug ergeben. Um darauf einzutreten, verbrauche ich mehr Sätze, als Herr Ress geschrieben hat.

    1.) "Die Mehrheit der Bevölkerung":
    Wie und wo ist diese Mehrheit im St.Johann-Quartier festgestellt worden ? In meinem Quartier in Berlin beispielsweise(Alt Tempelhof) existiert wohl ein vergleichbarer "Durchschnitt" Menschen wie im St. Johann. Feststellen kann ich, dass etwa die Bäckereibetreiber, die Änderungsschneider, die Caféhausbesitzer, die Kioskinhaber, die Spätkaufladenbetreiber (bis 24 h Öffnungszeit), dass viele Nachbarn einen sogenannten Migrationshintergrund aufweisen (ich inklusive). Das hindert niemanden daran, die angebotenen Dienstleistungen nicht in Anspruch zu nehmen. Kurz: Die Mehrheit der Bevölkerung ist mit dem sozialen Zustand im Quartier mehr oder weniger zufrieden - BILD und dergleichen hin oder her.

    2.)"Politiker und weltfremde Idealisten":
    Herr Ress bemüht sich um einen ganz bestimmten Jargon: Politiker! Wie kann man denen denn überhaupt irgend etwas zutrauen, was "das Volk" will, nicht wahr! Da schimmert die SVP-Propagandasprache der letzten 20 Jahre durch, deren "classe politique" - Beschimpfung, deren Ablehnung von Kompromissen. Es ist die Geschichte von Schwarzenbach über die NA, die Republikaner, die Autopartei, die Freiheitspartei ("Schweigende Mehrheit"), die AUNS hin zur Sammelbewegung namens SVP-Verallgemeinerungen, welche in der Beschwörung, dass Politiker nichts "für" das Volk zu Stande bringen, weil sie, und da kommt die zweite Stereotype zum Einsatz, unter anderem von "weltfremden Idealisten" angetrieben seien, von "den Linken", vom angeblich links beherrschten veröffentlichten Mainstream. Tatsächlich aber liegt der Migration in die Schweiz erkennbar ein grundlegendes Bedürfnis der Unternehmerwirtschaft in all ihren Formen (KMU oder Pharmariesen, Bankensektor oder Tourismus und auch die Landwirtschaft) nach Mitarbeitern zu Grunde. Die Zahl der Asylsuchenden spielt - ausser in den wenigen ländlichen Inseln, die es in der Schweiz noch gibt - innerhalb der Zahl der jährlichen Einwanderung keine nennenswerte Rolle. "Idealisten" , welche das Asylrecht als Recht verstehen, nicht als Gnade, sind demzufolge keine Zerstörer einer "guten Durchmischung" der Bevölkerung. Die fortgesetzte Behauptung, sie seien genau dies, ist reine Hetze gegen Andersdenkende.

    3. Die "angepriesene Multikulti-Gesellschaft" sei gescheitert:
    Da will ich eine kleine Geschichte erzählen:
    Vor etwa 15 Jahren sind mein Freund und ich aus dem Grün 80-Park in Brügglingen zum Tramhaltestelle St. Jakob (so hiess das damals) gegangen. Es war ein lauer Sommerabend. Unterwegs roch man den Duft von zahlreichen Bratstellen, an denen viele Familien und Gruppen ihre Würste brieten und lachten, spielten, Musik hörten usw. Mein Freund fotografierte Situationen, deswegen hielten wir an. Es kam ein Ehepaar, beide etwa 50 Jahre alt. Die Frau sprach uns an, sagte: Es ist doch unerhört, wie sich hier die Türken und Mohammedaner breitmachen mit ihrem Gestank und dem infernalischen Lärm. Wenn die schon hier sein wollen, haben die sich doch ohne Faxen uns anzupassen.
    Wir waren vor allem deshalb sprachlos, weil die Frau ein uns aus bestimmten Gründen bekanntes Idiom sprach, nämlich tiefstes Sächsisch. Auf meinen Hinweis, dass sie ja wohl ursprünglich auch nicht aus Basel oder der Schweiz stamme, sagte sie: Aber wir sind seit 5 Jahren da und haben uns angepasst.

    Es geht im Begriff "Multikulti" stillschweigend um die Forderung nach einer Migranten-Bringschuld. Die Einwanderer sollen sich gefälligst spurlos anpassen.
    Rein wirtschaftsgeschichtlich gesehen würde die Schweiz weder industriell noch etwa auf dem Bankensektor, weder im Bildungsstatus noch in der Landwirtschaft die Entwicklung erlebt haben, welche sie eben erlebt hat, hätten sich früher, etwa im 18. oder 19. Jahrhundert, Einwanderer den einheimischen Gegebenheiten der untergehenden Eidgenossenschaft spurlos angepasst. Die ersten Banquiers von Rang waren Hugenotten, viele der ersten kleinen und vor allem die bedeutenden Industriellen waren häufig Schwaben, Italiener, Niederländer oder gar Engländer und Amerikaner (Brown Boveri, Nestlé), welche auch den schweizerischen Alpentourismus erfunden haben. Die meisten Professoren der Universitäten waren im 19. Jahrhundert Ausländer, und gerade in Basel sind vor und nach dem Ersten Weltkrieg Tausende, wenn nicht Zehntausende von Nachbarn aus dem Badischen eingebürgert worden, weil sie seit Jahrzehnten den "Gewerbefleiss" der Stadt angeführt hatten.

    Damit weise ich auf ein Phänomen hin, welches immer schon dazu führte, dass sich gesellschaftlicher Wandel vollziehen konnte: Migration ist ein fester Bestandteil der Menschheitsgeschichte. Allerdings ist es so, dass die grössten Verbrechen in dieser Geschichte meistens mit der Leugnung dieses Phänomens zu tun haben, zuletzt in Europa der systematische Mord der Nationalsozialisten und ihrer Helfer und Helfershelfer an den europäischen Juden zwischen 1940 und 1945.

    Natürlich geht es bei der Vertäuung eines Hotelschiffs am St.Johann-Rheinufer, in welchem Asylsuchende vorübergehend wohnen sollen, nicht um die grosse Menschheitsgeschichte, auch nicht um "die" Migration an und für sich. Interessant ist aber, dass Herr Ress als Präsident des "Neutralen Quartiervereins St. Johann" in seiner Argumentation genau jene Behauptungsversatzstücke vorträgt, mit denen nicht nur in der Schweiz das sozial nun einfach existierende Phänomen der Migration als ausschliessliches Bedrohungsszenario dargestellt wird, welchem man nur mit der Subordinationsforderung unter die eigenen Vorstellungen Herr werden könne. Das heisst: Herr Ress macht aus einer Mücke, über die man sowohl in zeitlicher als auch in örtlicher Hinsicht immer wieder diskutieren können muss, den Elefanten namens "totaler Überfremdung". Damit verunmöglicht er differenzierende Diskurse - was man ja seit über 20 Jahren von der SVP kennt.
    (Hat diese Propagandamaschinerie irgend ein relevantes Migrationsproblem - solche Probleme existieren selbstredend - in der Schweiz "gelöst"? Ist es nicht eher so, dass die "Totalhaltung" gar keine Lösungen, sondern blosses Rechthaberei will, quasi die Reinheit der (Irr)-Lehre, damit man weiteres Hetzpotential zur Verfügung hat ?)

  2. jb

    am 30.06.2012, 11:38

    "Das Boot ist voll!" — kommt mit irgendwie bekannt vor...

  3. Sundak Klaastrik

    am 30.06.2012, 16:22

    Es bleibt zu beurteilen, ob der Standort auf einem Schiff für eine Asylunterkunft unbotsmässig ist oder nicht. Ich finde der Standort im Quartier St. Johann sollte dann nicht mehr viel Diskussionsstoff bieten können. Aber abgesehen von der Günstigkeit und der leichten Einsatzbarkeit von diesen Unterkünften frage ich mich immer noch, ob es wirklich eine gute Idee ist die Unterkunft auf dem Rheinschiff festzulegen. Irgendwie kann man sich trotz allem etwas an dieser schaukelnden Unterkunft... ... mehrEs bleibt zu beurteilen, ob der Standort auf einem Schiff für eine Asylunterkunft unbotsmässig ist oder nicht. Ich finde der Standort im Quartier St. Johann sollte dann nicht mehr viel Diskussionsstoff bieten können. Aber abgesehen von der Günstigkeit und der leichten Einsatzbarkeit von diesen Unterkünften frage ich mich immer noch, ob es wirklich eine gute Idee ist die Unterkunft auf dem Rheinschiff festzulegen. Irgendwie kann man sich trotz allem etwas an dieser schaukelnden Unterkunft stören ob das nun rationell zu begründen ist oder nicht. Aber die Verbindung mit der Unterkunft auf dem Schiff mit der Diskussion um dessen Anlegeplatz macht sich dann irgendwie schon etwas komisch aus finde ich.

  4. Martin Seeger

    am 30.06.2012, 14:15

    ... Herr Ress, zu behaupten die Multikulti-Gesellschaft sei gescheitert. Wir haben sie längst und zwar erfolgreich: Italienier, Spanier, Portugiesen, "Jugoslawen", Türken etc. etc. Sie ist auch nicht von weltfremden Idealisten "eingeführt" worden, sondern von der Wirtschaft - welche notabene ohne all diese "Fremden" gar nicht funktionieren würde. Wie wohltuend unaufgeregt und differenziert dagegen die Meinung von David Wüest! Es geht nicht darum, bestehende Probleme zu negieren oder Aengste... ... mehr... Herr Ress, zu behaupten die Multikulti-Gesellschaft sei gescheitert. Wir haben sie längst und zwar erfolgreich: Italienier, Spanier, Portugiesen, "Jugoslawen", Türken etc. etc. Sie ist auch nicht von weltfremden Idealisten "eingeführt" worden, sondern von der Wirtschaft - welche notabene ohne all diese "Fremden" gar nicht funktionieren würde. Wie wohltuend unaufgeregt und differenziert dagegen die Meinung von David Wüest! Es geht nicht darum, bestehende Probleme zu negieren oder Aengste und Sorgen nicht zu verstehen und ernst zu nehmen. Es geht darum, Missbräuche, kriminelles und anderes Fehlverhalten fair, rasch und konsequent zu ahnden statt ganze Volks-/Religionsgruppen in "Sippenhaft" zu nehmen. Es geht darum, nicht nur jene in die ach so heile Schweiz zu lassen (oder gar zu holen), von welchen wir ganz gezielt und direkt profitieren, sondern auch jenen Fairness, Achtung und Respekt entgegen zu bringen, die sich anständig verhalten und die - meist richtigerweise - unser Land wieder verlassen müssen. Es ging der Schweiz und ihren Einwohnern auch nicht immer so gut wie jetzt. Mancher Schweizer war damals froh, in anderen Ländern aufgenommen zu werden - als Wirtschaftsflüchtling ...! Und wenn man schon gegen Ausländer ist, sollte man ehrlicherweise aufhören zu beteuern, dass es "nicht um Stimmungsmache gegen Asylbewerber oder gar um Fremdenfeindlichkeit geht", sondern dazu stehen, dass man einfach keine Fremden will - nicht wahr, Herr Ress?

  5. Andreas Wyss

    am 30.06.2012, 18:01

    Nein, das St. Johann hat in keiner Weise entschieden. Ich und mit mir noch viele andere haben die Abstimmung boykottiert. Der NQV hat nicht die Legitimation eine solche im Namen des Quartiers durchzuführen. Wo kämen wir da hin wenn Hinz und Kunz eine Abstimmung organisieren und dann behaupten das sei nun die Mehrheitsmeinung? Ein weiteres Problem ist, dass der NQV die nötige Neutralität (was für eine Ironie) im Vorfeld dieser Abstimmung hat vermissen lassen und das ganze sehr tendenziös... ... mehrNein, das St. Johann hat in keiner Weise entschieden. Ich und mit mir noch viele andere haben die Abstimmung boykottiert. Der NQV hat nicht die Legitimation eine solche im Namen des Quartiers durchzuführen. Wo kämen wir da hin wenn Hinz und Kunz eine Abstimmung organisieren und dann behaupten das sei nun die Mehrheitsmeinung? Ein weiteres Problem ist, dass der NQV die nötige Neutralität (was für eine Ironie) im Vorfeld dieser Abstimmung hat vermissen lassen und das ganze sehr tendenziös vorbereitete.

    Dann kann ich in keiner Weise eine Ghettoisierung im St. Johann feststellen, nein eher gibt es den entgegengesetzten Trend. Parallelgesellschaften gibt es im St. Johann auch nicht, denn um eine wirkliche Parallelgesellschaft zu bilden muss man über die ökonomischen Voraussetzungen dafür verfügen, was gerade bei den meisten Migrantinnen und Migranten ja nicht der Fall ist.

    Das St. Johann ist wohl der Beweis, dass Multikulti funktioniert. Nun bedeutet dies, dass auch andere Gedanken und Gewohnheiten in das Quartier kommen (die einem vielleicht persönlich nicht so gefallen) doch das gehört dazu. Wirkliche Integration bedeutet Aushandlung und nicht auswählen, was wir von den anderen Kulturen wollen und was nicht.

    Das Schiff soll nur kommen, denn wo sonst gibt es ein so grosser Erfahrungsschatz wie im St. Johann der optimal für ein gelingendes Miteinander ist. Ich freue mich und mit mir auch ganz viele andere.

  6. Verifiziert

    Tonja Zürcher

    am 30.06.2012, 19:48

    Ist das Asylschiff im St. Johann am richtigen Platz?

    Das ist eindeutig die falsche Frage. Anstatt Scheindiskussionen darüber zu führen, ob St. Johann, Schifflände oder Kleinhüningen besser ist, müssen wir uns die Frage stellen, ob ein Schiff die richtige Unterkunft für Flüchtlinge ist.

    Ich wage zu behaupten: Nein. Rheinschiffe sind für ein paar Tage vielleicht ein angenehmer Aufenthaltsort, aber kaum für Monate. Ausserdem ist ein Boot kein guter Ort für Personen, deren Verwandte oder... ... mehrIst das Asylschiff im St. Johann am richtigen Platz?

    Das ist eindeutig die falsche Frage. Anstatt Scheindiskussionen darüber zu führen, ob St. Johann, Schifflände oder Kleinhüningen besser ist, müssen wir uns die Frage stellen, ob ein Schiff die richtige Unterkunft für Flüchtlinge ist.

    Ich wage zu behaupten: Nein. Rheinschiffe sind für ein paar Tage vielleicht ein angenehmer Aufenthaltsort, aber kaum für Monate. Ausserdem ist ein Boot kein guter Ort für Personen, deren Verwandte oder Bekannte auf einem Schlepperboot ums Leben gekommen sind.

  7. Verifiziert

    Karl Linder

    am 30.06.2012, 23:36

    Kein Quartier stellt sich in die erste Reihe, wenn es darum geht, negative Dinge einer Gesellschaft bei sich haben zu wollen. Irgendwo müssen aber die Asylbewerber wohl unterkommen - und auch bei Immobilien kann sich im Umfeld ein Problem ergeben. Wichtig in dieser Frage scheinen mir drei Dinge. 1. Wir sollten nicht den Fehler machen, aufgrund der schleppenden Verfahren der Asylanträge die Situation am Ende der Kette verhindern zu wollen. Primär sollte die Schweiz analog dem holländischen... ... mehrKein Quartier stellt sich in die erste Reihe, wenn es darum geht, negative Dinge einer Gesellschaft bei sich haben zu wollen. Irgendwo müssen aber die Asylbewerber wohl unterkommen - und auch bei Immobilien kann sich im Umfeld ein Problem ergeben. Wichtig in dieser Frage scheinen mir drei Dinge. 1. Wir sollten nicht den Fehler machen, aufgrund der schleppenden Verfahren der Asylanträge die Situation am Ende der Kette verhindern zu wollen. Primär sollte die Schweiz analog dem holländischen Prinzip möglichst rasch Bescheid geben, ob sie da bleiben können oder nicht. Das kriegen wir bislang nicht in den Griff; Aber es bestehen Anzeichen, dass die Behörden sich dieser Problematik annehmen. Das Schiff hat deutliche Vorzüge: Man kann es rasch wieder vom Standort zurückschiffen. Bei einer Immobilie ist dies deutlich schwieriger. Was mich in der Politik aber massiver ärgert ist Punkt 2: Die Verhaltensweise von manchen Vertretern der Politik. Man war gegen ein Schiff als Asylstandort, weil eine Parteiführung (hier die Linke) bestimmt, dagegen zu sein (weil es von einer anderen Partei stammt, die Idee). Dann halten alle wie im Obersten Sowjet den Arm hoch, ohne Reflexion in der Sache. Ein paar Monate später, als der Vorschlag von den Behörden (also Rot-Grün) neu aufgerollt wird, ist alles anders. Oder um die Worte eines ex-Bundeskanzlers zu verwenden: 'Was kümmert mich mein Geschätz von gestern?'. Damit tut man alles, um Politverdrossenheit zu sähen. Punkt 3 wäre Thema 'Opfersymmetrie der Quartiere': Wenn - hypothetisch formuliert - sämtliche Quartiere Rheinanschluss hätten, müsste man diejenigen auswählen, die überprivilegiert sind. Kleinhüningen /Klybeck darf nicht noch mehr herhalten in dieser Frage für die übrigen Quartiere. Es ist nunmal so, dass nicht überall dort wo Rhein ist, auch Anlagestellen bestehen. Inwiefern das Breite Quartier z.B besser wäre wie St. Johann, ob dort Anlagestellen für das Schiff möglich wären, und ob ein temporärer Wechsel denkbar ist, und müssten die entspr. Behörden vorgeben. Wir sollten den Versuch im St. Johann mal wagen, ohne aber als Präjudiz stets nur jene Quartiere auszuwählen, wo man den niedrigeren Oppositionswiderstand erwartet wie in den gut bürgerlich dominierten Quartieren.

  8. Christian Vontobel

    am 30.06.2012, 20:29

    Während im St- Johannsquartier gerne die Alarmglocken geläutet werden, wenn die Stadtentwicklung auch in diesem Quartier ihre neuen Spuren hinterlässt, so hat sich im Matthäus eine andere Haltung durchgesetzt. Im Falle der neuartigen Zwischennutzung des Restaurants Feldbergstrasse ist auch mit dem Engagement des Stadtteilsekretariats Kleinbasel eine Lösung gefunden worden, die auf Integration und nicht auf Ausgrenzung setzt. Im Matthäusquartier sind wir mit den Asylbewerbern, die meist aus... ... mehrWährend im St- Johannsquartier gerne die Alarmglocken geläutet werden, wenn die Stadtentwicklung auch in diesem Quartier ihre neuen Spuren hinterlässt, so hat sich im Matthäus eine andere Haltung durchgesetzt. Im Falle der neuartigen Zwischennutzung des Restaurants Feldbergstrasse ist auch mit dem Engagement des Stadtteilsekretariats Kleinbasel eine Lösung gefunden worden, die auf Integration und nicht auf Ausgrenzung setzt. Im Matthäusquartier sind wir mit den Asylbewerbern, die meist aus Kleinhüningen Richtung Innenstadt unterwegs sind, längst vertraut und wir akzeptieren das Phänomen der Migration und der Asylsuche als leider reale Begleiterscheinung der modernen Welt. Im St. Johann sollte die Angst vor den Ghettos nicht auf Kosten der Asylsichenden bemüht werden. In diesem Stadtteil sind ja mit dem LoLa und dem Quartiertreffpunkt im St. Johannpark auch vorbildliche Integrationsangebote entstanden. Nur eine offensive Stadtentwicklungspolitik kann für alle Bewohner eine gute Lebensqualität erreichen.

  9. Nein danke

    am 1.07.2012, 09:14

    Als schwuler Ausländer hab ich Angst vor schwulenhassenden Immigranten und Asylanten.

    Manche Homosexuelle flüchten aus ihren rückständigen Ländern um hier Sicherheit zu finden - was absolut richtig und verständlich ist; ein Teil der Immigranten/Asylanten aber sind Schwulenhasser, die Westeuropa mit ihrer Verwandschaft und Einstellung erobern wollen. In einem chauvinistischen, fussballverrückten Basel - ob Schweizer, Secondo oder "frischer" Immigrant - fühle ich mich jetzt schon nicht wohl.... ... mehrAls schwuler Ausländer hab ich Angst vor schwulenhassenden Immigranten und Asylanten.

    Manche Homosexuelle flüchten aus ihren rückständigen Ländern um hier Sicherheit zu finden - was absolut richtig und verständlich ist; ein Teil der Immigranten/Asylanten aber sind Schwulenhasser, die Westeuropa mit ihrer Verwandschaft und Einstellung erobern wollen. In einem chauvinistischen, fussballverrückten Basel - ob Schweizer, Secondo oder "frischer" Immigrant - fühle ich mich jetzt schon nicht wohl.

    Basel vergisst gewisse Minderheiten die auch gerne besser "geschützt" und akzeptiert sein wollen.

  10. Angelo Rizzi

    am 1.07.2012, 16:11

    Die Diskussion ähnelt der über Fahrende mit ihren Wohnwagen. Da man diese Menschen, wie auch Asylsuchende, nicht einfach auf den Mond schiessen kann, landen sie meistens irgendwo im Niemansland, ausserhalb den Toren einer Stadt. Wie früher Aussätzige, die an Pest erkrankten. Da sich das humanistische Basel so etwas nicht leisten kann, dockt das Asylschiff im Arbeiterquartier St. Johann an, dort wo schon jetzt Menschen aus 121 Nationen leben. Wäre es nicht sinnvoll - für eine gesunde... ... mehrDie Diskussion ähnelt der über Fahrende mit ihren Wohnwagen. Da man diese Menschen, wie auch Asylsuchende, nicht einfach auf den Mond schiessen kann, landen sie meistens irgendwo im Niemansland, ausserhalb den Toren einer Stadt. Wie früher Aussätzige, die an Pest erkrankten. Da sich das humanistische Basel so etwas nicht leisten kann, dockt das Asylschiff im Arbeiterquartier St. Johann an, dort wo schon jetzt Menschen aus 121 Nationen leben. Wäre es nicht sinnvoll - für eine gesunde Durchmischung in der ganzen Bevölkerung - anstelle dieses Schiffs eine temporäre Containersiedlung in den Nobelquartieren Gellert oder Bruderholz einzurichten? Man darf auf die Antwort der „ckdt“-Bewohner gespannt sein…

  11. Verifiziert

    Hans Rudolf Hecht

    am 1.07.2012, 20:13

    Wenn wir in unserer Stadt genügend Platz hätten, dann könnten wir uns tatsächlich überlegen, ob es nicht bessere Unterkünfte für Asylsuchende gäbe als ein Schiff auf dem Rhein. Trotzdem, ein Hotelschiff auf dem Rhein ist immer noch beser als ein Haus an einer lärmigen Lage oder ein Zeltlager auf einem Platz, den wir in Basel nicht haben.

    Vor zwei Jahren hatte ich in der Basler Empfangsstelle für Asylsuchende zu tun. Die Angestellten tun wirklich ihr Bestes, daran liegt es nicht. Aber die... ... mehrWenn wir in unserer Stadt genügend Platz hätten, dann könnten wir uns tatsächlich überlegen, ob es nicht bessere Unterkünfte für Asylsuchende gäbe als ein Schiff auf dem Rhein. Trotzdem, ein Hotelschiff auf dem Rhein ist immer noch beser als ein Haus an einer lärmigen Lage oder ein Zeltlager auf einem Platz, den wir in Basel nicht haben.

    Vor zwei Jahren hatte ich in der Basler Empfangsstelle für Asylsuchende zu tun. Die Angestellten tun wirklich ihr Bestes, daran liegt es nicht. Aber die Räume waren überbelegt und man kann beim besten Willen nicht behaupten, dort wohne man angemessen und komfortabel, das Wort Privatsphäre ist dort ein Fremdwort. Da ist jedes Schiff besser.

    Die Anlegestelle am Elsässer-Rheinweg im St. Johann-Quartier ist, wenn auch nicht ideal, so doch für diese Zwecke geeignet. Jedes Quartier hat seine Vor- und Nachteile. Kleinhüningen ist bereits bedient mit der Empfangsstelle und dem Ausschaffungsgefängnis, das Hegenheimerquartier weist seit neuestem ein Asylheim auf, gegen das ebenfalls lauthals protestiert wurde.

    Sobald das Asylschiff vertäut ist und die Asylsuchenden auf dem Schiff angekommen sind dürfte sich der ganze Sturm legen. Die Normalität kehrt dann wieder ein und wir können uns über die nächsten schrecklichen Meldungen unterhalten, die Basel angeblich an den Abgrund führen.
    Hans Rudolf Hecht Basel

  12. Verifiziert

    Dorothee Widmer

    am 1.07.2012, 20:29

    Der Quartierverein St. Johann hat aufgrund einer Bevölkerungsbefragung Beschwerde gegen das Asylschiff eingelegt. Auch wenn dies sein demokratisches Recht ist, so müsste doch zumindest gewährleistet sein, dass die Fragen einigermassen professionell gestellt werden und nicht Suggestivfragen sind, die einseitig negative Gefühle ansprechen. Asylantinnen und Asylanten sind ein Stück Realität unserer reichen Schweiz. Das heisst aber nicht, dass wir einfach alle Probleme verdrängen und leugnen... ... mehrDer Quartierverein St. Johann hat aufgrund einer Bevölkerungsbefragung Beschwerde gegen das Asylschiff eingelegt. Auch wenn dies sein demokratisches Recht ist, so müsste doch zumindest gewährleistet sein, dass die Fragen einigermassen professionell gestellt werden und nicht Suggestivfragen sind, die einseitig negative Gefühle ansprechen. Asylantinnen und Asylanten sind ein Stück Realität unserer reichen Schweiz. Das heisst aber nicht, dass wir einfach alle Probleme verdrängen und leugnen sollen, die damit verbunden sind. Eine Beschleunigung der Asylverfahren ist dringend notwendig. Gleichzeitig sind wir es den betroffenen Menschen schuldig, dass wir sie für die Zeit, in der sie unter uns leben, menschenwürdig unterbringen. Wenn ich die Wahl habe, zwischen einem Schiff und z.B. einer unterirdischen Zivilschutzanlage ist mein Entscheid klar. Selbstverständlich wäre es wünschenswert, Schiffstandorte über den ganzen Kanton zu verteilen. Leider fliesst der Rhein aber nicht durch Riehen.
    Dorothee Widmer, Basel

  13. René Reinhard

    am 2.07.2012, 13:55


    Was wäre denn die eindeutig richtige Frage, die gestellt werden müsst, wenn es um die "Platzierung" von Wohnmöglichkeiten für Asylbewerber geht? Egal ob das Rheinschiffe, unterirdische Militärspitäler, Zivilschutzanlagen, Abbruchhäuser, Notbaracken, sind. Oder, als besondere Variante, vielleicht ein von der Swiss gemieteter Airbus 340, der, einmal in der Luft, höchstens Klagen wegen des Fluglärms provozieren kann.

    Doch auch ich kann mir vorstelle, dass ein Schiff möglicherweise nicht... ... mehr
    Was wäre denn die eindeutig richtige Frage, die gestellt werden müsst, wenn es um die "Platzierung" von Wohnmöglichkeiten für Asylbewerber geht? Egal ob das Rheinschiffe, unterirdische Militärspitäler, Zivilschutzanlagen, Abbruchhäuser, Notbaracken, sind. Oder, als besondere Variante, vielleicht ein von der Swiss gemieteter Airbus 340, der, einmal in der Luft, höchstens Klagen wegen des Fluglärms provozieren kann.

    Doch auch ich kann mir vorstelle, dass ein Schiff möglicherweise nicht gerade der ideale Aufenthaltsort ist. Und zwar weniger deswegen, aber schon auch, weil möglicherweise "Verwandte oder Bekannte" von Zuflucht Suchenden "auf einem Schlepperboot ums Leben gekommen sind", als wegen der Bedenken, die mir eingefallen sind: Was geschieht mit Familien die Kinder haben? Und auf dem Kahn, sofern sie die erste Scheu, oder selbst ein „Trauma“ abgelegt haben, auf dem „Kahn rumturnen" und dabei tatsächlich ins Wasser fallen.

    Doch auch dies, scheint mir letzten Endes nur ein, von mir, vorgeschobenes Argument zu sei, denn wenn man will, findet man auch Lösungen.
    Doch ich vermute die ach so "Neutralen", langsam wird der Begriff zum Schimpfwort, im Quartier wie anderswo, wollen einfach nicht.