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TagesWoche

Tages Woche

Di, 21.05.2013

Migration 

4.7.2012, 15:11 Uhr

Eine Begrüssung als Investition in die Integration

4.7.2012, 15:11 Uhr

Die «flächendeckenden» Begrüssungsgespräche für Migranten erweise sich als wichtiger Teil der Integrationsbemühungen, sagen die Baselbieter Migrationsbehörden. Begrüsst werden überwiegend Menschen aus der EU – und vor allem aus Deutschland. Von Peter Sennhauser

Sicherheitsdepartement BL:

(Bild: Sicherheitsdepartement BL)

Ein wesentlicher Paradigmenwechsel habe stattgefunden: Der Staat mache den Neuankömmlingen klar, welche Erwartungen an sie gestellt würden, sagt Hans Beat Moser, der Integrationsbeauftragte des Kantons Baselland. Das ist eine Funktion der Begrüssungsgespräche, die der Kanton seit gut einem Jahr «flächendeckend» durchführt. Rund 1200 dieser neu «Erstinformationsgespräche» bezeichneten Treffen haben die sechs Mitarbeiter, die 12 Sprachen abdecken, im letzten Jahr durchgeführt. Die Erwartung lautet: Integriert Euch in der neuen Heimat.

Denn Integration beginne mit dem Zuzug, erklärten die für Migration zuständigen Mitarbeiter der Sicherheitsdirektion unter Isaac Reber an einer Medienkonferenz in Liestal. Ziel der «Erstinformationsgespräche» sei, Parallelgesellschaften zu verhindern. Das soll mit einer Begrüssungskultur ausgedrückt werden, die als Investition in die vorhandenen Fähigkeiten der Zugewanderten zu sehen sei. «Das ist erfolgversprechender als nur auf mögliche Defizite zu reagieren», sagte Reber. Das Credo heisse «Investieren statt reparieren». Werkzeuge dazu seien die persönlichen Gespräche, die in elf Sprachen vorliegende Willkommensbroschüre, die Integrationsdatenbank beider Basel und das neue, zumindest teilweise mehrsprachige Angebot i-Pool.

Die Migration hat sich radikal gewandelt

Dabei hat sich allerdings das Gesicht der Migration in den letzten zehn Jahren radikal verändert. Der Anteil der im Baselbiet ansässigen Ausländer aus Nicht-EU/Efta-Staaten liegt bereits bei 60 Prozent und ist im Steigen begriffen. 2011 machten die Deutschen mit 947 Neuankömmlingen den Löwenanteil aus; es folgen Amerikaner (158), Briten (129), Italiener (123), Polen (106) und Flüchtlinge aus Eritrea (102).

Sie alle werden «flächendeckend» (Martin Bürgin, Amt für Migration) zu einem persönlichen Gespräch eingeladen. Im Falle von Nicht-Deutschsprachigen Personen wird dabei eine «Integrationsempfehlung» ausgesprochen und bei Personen aus dem Asyl- und Flüchtlingsbereich (5 Prozent) eine «Integrationsvereinbarung» getroffen. Bei letzterer handelt es sich eigentlich um eine «Integrationsverpflichtung», erklärte Hanspeter Spaar, Leiter des Amts für Migration. Sie ist einseitig und verbindlich, wobei gegen sie auch Rechtsmittel ergriffen werden können.

Expats: «Wissen nicht, wie lang sie bleiben»

Dass Deutschsprachige keine explizite Aufforderung oder Empfehlung zur Integration erhalten, erklärte Isaac Reber damit, dass es bei den Gesprächen um das Fundament der Integration gehe: vor allem um die wirtschaftliche und  sprachliche Eingliederung und weniger um die sozio-kulturelle. Bei deutschen Staatsangehörigen könne man davon ausgehen, dass sie über die Mittel und das Wissen zur selbständigen Integration verfügten.

Angesprochen auf unerwünschte «Parallelgesellschaften», betonten Moser und Reber, dass die Tendenz in dieser Richtung in der Schweiz vergleichsweise klein sei. Dass ausgerechnet die von der Wirtschaft begrüssten hochqualifizierten Expats, die für den gehörigen Anstieg der asiatischen (Indien) und amerikanischen Bevölkerung im Baselbiet in den letzten zehn Jahren verantwortlich sein dürften, sich am sichtbarsten von der einheimischen Gesellschaft abgrenzten, habe nicht nur mit den internationalen Schulen zu tun, betonte Isaac Reber, die man zudem als Standortvorteil sehen müsse. Es sei halt auch so, dass diese Spezialisten anfänglich nicht wüssten, wie lange sie in der Schweiz sein werden. Man kann also zum Eindruck kommen, dass Integration doch nicht in allen Fällen mit dem Zuzug beginnt.

Herausforderung Eritrea

Auf die Schweiz kommt laut Hanspeter Spaar, seit knapp einem Jahr Leiter des Baselbieter Migrationsamtes und davor 14 Jahre beim Bundesamt für Migration tätig, eine grosse Herausforderung in Form des Flüchtlingsstroms aus Eritrea zu.

Wie in den 1980er- und frühen 1990er-Jahren die Tamilen aus dem bürgerkriegsversehrten Sri Lanka kämen auf nicht absehbare Zeit viele Menschen aus dem Land am Horn von Afrika in die Schweiz – auf der Flucht vor einem Regime, das sie zu zeitlich unbeschränktem Militärdienst zwingt. Er glaube persönlich nicht, dass die jüngste Verschärfung des Asylgesetzes durch den Nationalrat, wonach Desertion kein Asylgrund mehr sei, die rasch steigenden Zahlen an eritreeischen Asylsuchenden eindämmen werde.

Aber anders als im Falle der Tamilen, die sich schnell integriert hätten und in der Wirtschaft in Dienstleistungsjobs untergekommen seien, werde das bei den Eritreern nicht der Fall sein: Die Wirtschaftslage sei vergleichsweise schlecht, vor allem aber handle es sich bei den Ankömmlingen aus Eritrea vielfach um Analphabeten oder sehr schlecht gebildete Menschen, die mit dem aktuellen Angebot an Integrationshilfen nichts anfangen könnten. Die Behörden suchen deshalb jetzt am «Runden Tisch Eritrea» nach spezifischen Wegen, um die Bildung einer grossen, aber abgeschotteten Diaspora von Eritreern zu verhindern.

  1. Fehler

    von Janik Ackermann am 4.07.2012 um 15:35Uhr

    Wenn ich mich nicht irre hat sich in Ihrem Artikel ein Fehler eingeschlichen. Laut der Grafik stammen nämlich rund 68 % der im Baselbiet ansässigen Ausländer aus EU/EFTA-Staaten & die Ausländer aus Nicht-EU/Efta-Staaten machen derweilen gerade mal 32% aus.
    Direktlink zum Kommentar

  2. TagesWoche Redaktion

    Verschiedene Zahlen

    von peter sennhauser am 4.07.2012 um 15:58Uhr

    @Janik Ackermann: Sie rechnen richtig, verwechseln aber die Zahlen der 2011 durchgeführten *Gespräche* (ausschliesslich Neuankömmlinge) mit der Zahl der *ansässigen* Ausländer.
    Direktlink zum Kommentar

  1. Fehler

    von Janik Ackermann um 4.07.2012 um 15:35Uhr

    Wenn ich mich nicht irre hat sich in Ihrem Artikel ein Fehler eingeschlichen. Laut der Grafik stammen nämlich rund 68 % der im Baselbiet ansässigen Ausländer aus EU/EFTA-Staaten & die Ausländer aus Nicht-EU/Efta-Staaten machen derweilen gerade mal 32% aus.
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  2. TagesWoche Redaktion

    Verschiedene Zahlen

    von peter sennhauser um 4.07.2012 um 15:58Uhr

    @Janik Ackermann: Sie rechnen richtig, verwechseln aber die Zahlen der 2011 durchgeführten *Gespräche* (ausschliesslich Neuankömmlinge) mit der Zahl der *ansässigen* Ausländer.
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Informationen zum Artikel

4.7.2012, 15:11 Uhr

Eine Begrüssung als Investition in die Integration

Text

Text:

  • 02.05.2013 um 14:30
    Wochenendlich in London

    Wer wirklich etwas von London sehen will, muss sich bei den Museumsbesuchen zurückhalten.

  • 01.05.2013 um 17:08
    Das Ende eines genialen Geschäftsmodells

    Vor wenigen Jahrzehnten wurde der Name «Kodak» noch mit Fotografie gleichgesetzt. Jetzt hat sich der Konzern aus dem Geschäft verabschiedet und all seine Patente verkauft. Die Basler Fotografen-Legende Kurt Wyss erinnert sich an die Hochzeiten der Marke.

  • 24.04.2013 um 15:24
    Hälfte der Bienen dahingerafft

    Binnen fünf Jahren hat sich der Bestand an Bienenvölkern in der Region Basel halbiert. Gleichzeitig verdoppelte sich die Zahl der Anmeldungen für Imkerkurse: Immer mehr Menschen machen sich Sorgen um die nützlichen Insekten.

  • 23.04.2013 um 09:45
    Kompletter Blödsinn
    Zum Artikel: Kriminalität im Internet stark gestiegen

    Liebe sda Wer "mehr Verdachtsmeldungen über Internetkriminalität" aus der Bevölkerung bei einer weiten Kreisen unbekannten Dienststelle und deren "verdachtsunabhängigen Recherchen" im Titel mit einer absoluten "Steigerung der...

  • 30.03.2013 um 09:27
    Fakten
    Zum Artikel: Swissport verliert Investitionen in der Ukraine

    ... waren hier wohl angesichts der bizarren Abläufe gar nicht zu erfahren, was die weit verbreitete Einschätzung eines "Raids" nährt: Gerichtsbehörden wurden in drei von fünf Fällen Minuten vor der Sitzung ausgewechselt, Swissport wurde keine...

  • 25.01.2013 um 18:17
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    Zum Artikel: Auch Tina Stürzinger für EM-Kür qualifiziert

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