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TagesWoche

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Do, 20.06.2013

Fussball, Euro 2012 

27.6.2012, 23:53 Uhr

Spanien gewinnt ein wenig liebenswertes Duell

27.6.2012, 23:53 Uhr

120 Minuten lang war es ein zähes Ringen gewesen. Im Elfmeterschiessen entschieden dann die Zentimeter für Spanien und gegen Portugal. Bruno Alves traf bloss die Unterkante der Latte, Cesc Fabregas via Innenpfosten zum Endstand von 4:2. Von Roland Zorn

Endlich etwas zu jubeln nach 120 Minuten zähen Ringens: Spaniens Spieler nach dem entscheidenden Penalty zum Finaleinzug.

Endlich etwas zu jubeln nach 120 Minuten zähen Ringens: Spaniens Spieler nach dem entscheidenden Penalty zum Finaleinzug. (Bild: Reuters/EDDIE KEOGH)

Was auch immer Cristiano Ronaldo mit seinen Hosen angefangen hat – es hat nicht geholfen. «Ungerecht» murmelte Portugals Star nach dem Aus im Penaltyschiessen.

Was auch immer Cristiano Ronaldo mit seinen Hosen angefangen hat – es hat nicht geholfen. «Ungerecht» murmelte Portugals Star nach dem Aus im Penaltyschiessen. (Bild: DARREN STAPLES)

Und einfach, weil er so aussieht, wie er aussieht. Noch einmal Cristiano Ronaldo nach der Entscheidung. Diesmal von hinten.

Und einfach, weil er so aussieht, wie er aussieht. Noch einmal Cristiano Ronaldo nach der Entscheidung. Diesmal von hinten. (Bild: MICHAEL DALDER)

«Stellen Sie mit einem Ball und einem Pfosten das Wort Schwein dar.» Cesc Fabregas meistert die Aufgabe gegen Rui Patricio mit Bravour – Spanien ist im Final.

«Stellen Sie mit einem Ball und einem Pfosten das Wort Schwein dar.» Cesc Fabregas meistert die Aufgabe gegen Rui Patricio mit Bravour – Spanien ist im Final. (Bild: MICHAEL DALDER)

Doch, doch. Auch wenn es gar nicht danach aussieht, findet dieser Ball noch den Weg ins portugiesische Herz – beziehungsweise Tor.

Doch, doch. Auch wenn es gar nicht danach aussieht, findet dieser Ball noch den Weg ins portugiesische Herz – beziehungsweise Tor. (Bild: ALESSANDRO BIANCHI)

Weit weniger Glück hatte Bruno Alves, der nicht an Spaniens Goalie Iker Casillas scheitert, sondern an der Unterkante der Latte.

Weit weniger Glück hatte Bruno Alves, der nicht an Spaniens Goalie Iker Casillas scheitert, sondern an der Unterkante der Latte. (Bild: ALESSANDRO BIANCHI)

Der Panenka kommt immer mehr in Mode. Hier zeigt Sergio Ramos seine Variante – erfolgreich.

Der Panenka kommt immer mehr in Mode. Hier zeigt Sergio Ramos seine Variante – erfolgreich. (Bild: DARREN STAPLES)

Begonnen hatte das Penaltyschiessen für Portugal ideal: Rui Patricio hält den ersten spanischen Elfmeter, getreten von Alonso.

Begonnen hatte das Penaltyschiessen für Portugal ideal: Rui Patricio hält den ersten spanischen Elfmeter, getreten von Alonso. (Bild: ALESSANDRO BIANCHI)

Und wie war das Spiel sonst so? Andres Iniesta demonstriert kurz die Reaktionen der neutralen Zuschauer. Viel zu sehen gab es nicht.

Und wie war das Spiel sonst so? Andres Iniesta demonstriert kurz die Reaktionen der neutralen Zuschauer. Viel zu sehen gab es nicht. (Bild: MICHAEL DALDER)

Und wenn es etwas zu sehen gab, dann war es meist ein mehr oder weniger freundlich geführter Zweikampf. Hier dargestellt von Xabi Alonso und Nani.

Und wenn es etwas zu sehen gab, dann war es meist ein mehr oder weniger freundlich geführter Zweikampf. Hier dargestellt von Xabi Alonso und Nani. (Bild: YVES HERMAN)

Huch, ein Schuss. Xavi (nicht im Bild) brockte nach der Pause Portgals Keeper Rui Patricio tatsächlich Arbeit ein. Es blieb Spaniens einziger Schuss aufs Tor in der zweiten Halbzeit.

Huch, ein Schuss. Xavi (nicht im Bild) brockte nach der Pause Portgals Keeper Rui Patricio tatsächlich Arbeit ein. Es blieb Spaniens einziger Schuss aufs Tor in der zweiten Halbzeit. (Bild: JUAN MEDINA)

Sie haben es aufs Äusserste ankommen lassen und nach zwei torlosen Stunden den Sieg im ersten Halbfinal der Fussball-Europameisterschaft per Elfmeterschiessen gefunden. Der Titelverteidiger Spanien hatte am Ende nach einem 4:2-Erfolg dank der Treffer von Iniesta, Piqué, Ramos und Fabregas noch einmal Glück in der Donbass-Arena von Donezk, weil er in den Momenten, da es endlich darauf ankam, die besseren Nerven besass.

Portugal scheiterte einmal bei Moutinhos Versuch an Torhüter Casillas und ein zweites Mal an der Latte, die Bruno Alves traf. Da half auch der von Rui Patricio im Duell mit Xabi Alonso parierte Strafstoss nichts mehr.

Nach neunzig und auch nach 120 Minuten hatte sich der Welt- und Europameister am Mittwochabend noch keinen Vorteil in diesem sehr hart umkämpften Duell mit dem iberischen Nachbarn Portugal erkämpft. So aber kann die Mannschaft von Trainer Vicente del Bosque am Sonntagabend etwas Einmaliges schaffen: Bei einem Endspielsieg über Deutschland oder Italien, die an diesem Donnerstag in Warschau den zweiten Halbfinal bestreiten, winkt der dritte grosse Titel nacheinander.

Portugal zeigt Spaniens Finalgegner, wie es gehen könnte

Portugal dagegen wartet weiter auf sein zweites Endspiel nach der Finalteilnahme bei der EM 2004 im eigenen Land. Damals verloren die Portugiesen 0:1 gegen Griechenland; diesmal reichte ein Remis über 120 Minuten nicht aus. Gleichwohl zeigte das Team von Trainer Paulo Bento dem spanischen Finalgegner, wie man den Spaniern beikommen kann: mit Selbstvertrauen, taktischer Disziplin, Härte und dem Mut zum eigenen Spiel.

Vier Meisterprofis von Real Madrid (Casillas, Arbeloa, Sergio Ramos, Xabi Alonso) schmückten das Ensemble des Titelverteidigers, drei Madrilenen (Crostiano Ronaldo, Pepe, Fabio Coentrao) das Team des Herausforderers. Vor allem die direkte Konfrontation zwischen Linksaussen Ronaldo, dem je nach Sichtweise besten oder zweitbesten Spieler der Welt, und dem kreuzsoliden Rechtsverteidiger Arbeloa deutete auf ein Schlüsselerlebnis in dieser Partie hin, war es aber nicht.

Vor der Pause war Portugal überzeugender

Die Portugiesen jedenfalls, die sich bei der EM von Spiel zu Spiel gesteigert hatten, sahen sich von vornherein auf einer Höhe mit dem Souverän, der in den vergangenen vier Jahren bei EM- und WM-Endrunden nur ein Spiel (0:1 gegen die Schweiz bei der Weltmeisterschaft 2010) verloren hatte. «Wir bleiben unserem Stil treu», hatte es aus beiden Lagern vor dem grossen Showdown geheissen.

Vieles an dieser Stil- und Spielprobe unter Ernstfallbedingungen wirkte vor der Pause bei Portugal überzeugender. Die Lusitanier, vor allem die Mittelfeldreihe Meireiles, Veloso und Moutinho, setzten Spanien mit ihrem aggressiven Pressing laufend unter Druck, waren bei Ballverlusten rasch wieder hinter dem Ball und wirkten so athletischer als der amtierende Champion.

Doch mehr als ein das Ziel knapp verfehlender Schuss des abermals guten Ronaldo (31.) sprang bei den Kontern nicht heraus. Auch Spanien geizte mit spektakulären Szenen vor dem Tor des Gegners. Arbeloa (9.), ausnahmsweise mal nicht in der Nähe seines vertrauten Gegenspielers, und Iniesta (29.) setzten ihre Schüsse eine Spur zu hoch an.

Eine verkrampft wirkende Rote Furie

Die «Furia Roja» produzierte mehr Fehlpässe als sonst. Sie wirkte leicht verkrampft, wurde sie doch mehr als in allen Begegnungen davor unter Druck gesetzt. Dazu pfiff ein Grossteil der Zuschauer die Stars aus Madrid und Barcelona bei deren Kombinationsbemühungen immer wieder aus.

Das Tiki-Taka-Kurzpassspiel der Fussball-Majestäten war zweifellos schon einmal beliebter als bei dieser EM. Gleichwohl deuteten vor allem Iniesta, aber auch Xavi immer wieder an, dass sie auch an diesem Abend zu der einen grossen Aktion mit durchschlagendem Erfolg jederzeit in der Lage seien.

Del Bosque reagierte auf das nicht so recht vorankommende Spiel seiner Mannschaft mit einem Wechsel, der strukturelle Veränderungen verhiess. Negredo, spielerisch ähnlich limitiert wie auf der Gegenseite der frühere Bremer Mittelstürmer Hugo Almeida, ging, und Cesc Fabregas kam (54.).

Ein wenig liebenswertes Duell

Noch ein Mittelfeldkünstler in der Gelegenheitsrolle als Sturmspitze. So wurde aus einem 4-2-3-1-System eine 4-6-0-Formation, die dem Europa- und Weltmeister schon öfters Erfolg gebracht hatte. Doch davon blieb Spanien fürs erste weit entfernt. Die Partie, durchsetzt mit mehr Fouls als vor dem Wechsel, wurde immer zäher und verbissener – und hatte im türkischen Schiedsrichter Cakir einen schwachen Spielleiter.

Liebenswert war da wenig in diesem ausgeglichenen Duell unter Nachbarn. Bei den paar Halbchancen hüben und drüben kam keine der beiden Mannschaften dem erlösenden Moment sehr nah. Bis auf Ronaldo, der aber in der 90. Minute eine grosse Konterchance vertat. Es kam, wie es kommen musste: Verlängerung.

In der bekam Spanien, durch die Einwechslungen von Navas und Pedro inzwischen auf ein für Portugal gefährliches 4-3-3 umgestiegen, so etwas wie die zweite Luft, als Iniesta nach traumhafter Vorbereitung von Jordi Alba an Torhüter Rui Patricio scheiterte (104.), Sergio Ramos' Freistoss (105.) um Zentimeter über den Torbalken flog, Rui Patricio Navas' Schuss parierte (111.) und Pedro kurz vor dem Torschuss gestoppt wurde (114.). Portugal rettete sich ins Elfmeterschiessen – und verlor danach trotzdem.

Portugal - Spanien 0:0 n.V.; Spanien 4:2-Sieger n.P.
Donbass Arena, Donezk. - 45'000 Zuschauer. - SR Cakir (Tür). - Penaltyschiessen: Xabi Alonso (Rui Patricio wehrt ab), Joao Moutinho (Casillas wehrt ab), Iniesta 0:1, Pepe 1:1, Pique 1:2, Nani 2:2, Sergio Ramos 2:3, Bruno Alves (Latte), Fabregas 2:4.
Portugal: Rui Patricio; Joao Pereira, Bruno Alves, Pepe, Fabio Coentrao; Miguel Veloso (106. Custodio); Raul Meireles (112. Varela), Joao Moutinho; Nani, Hugo Almeida (81. Nelson Oliveira), Cristiano Ronaldo.
Spanien: Casillas; Arbeloa, Pique, Sergio Ramos, Alba; Busquets, Xabi Alonso; Silva (60. Navas), Xavi (87. Pedro), Iniesta; Negredo (54. Fabregas).
Bemerkungen: Portugal ohne Postiga (verletzt). Spanien komplett. Verwarnungen: 40. Ramos (Foul). 45. Coentrao. 60. Busquets (beide wegen Unsportlichkeit). 61. Pepe. 64. Joao Pereira (beide wegen Fouls). 84. Arbeloa (Hands). 86. Bruno Alves. 93. Miguel Veloso. 113. Xabi Alonso (alle wegen Fouls).

 

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Informationen zum Artikel

27.6.2012, 23:53 Uhr

Spanien gewinnt ein wenig liebenswertes Duell

Text

Text: Roland Zorn

  • 20.06.2013 um 09:43
    Die Wut vor den Stadien

    Der Confederations Cup wird von der Protest-Bewegung in Brasilien genutzt, um dem Ärger über so vieles Luft zu machen. Das ist kein Zufall – die WM 2014 wird längst nicht von allen Brasilianern als Geschenk an das Land verstanden.

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    Arjen Robben war im Champions-League-Final der Mann des Spieles. Er, der so viel einstecken musste, befreite sich – und konnte den Erfolg dennoch kaum glauben – auch nach dem Spiel.

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