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TagesWoche

Tages Woche

Di, 18.06.2013

Fussball, Euro 2012 

24.6.2012, 08:00 Uhr

Reif für den Titel

24.6.2012, 08:00 Uhr

Ein Trainer, der alles richtig zu machen scheint, eine Mannschaft, die 15 Siege in Folge erreicht hat und Spieler, die ihrem Vormann quasi blind vertrauen: Halbfinalist Deutschland berauscht sich ein bisschen an sich selbst. Von Christoph Geiler

Zwei der herausragenden deutschen Spieler dieser Euro: Sami Khedira (links) und Mesut Özil.

Zwei der herausragenden deutschen Spieler dieser Euro: Sami Khedira (links) und Mesut Özil. (Bild: Keystone/Filip Singer)

Bernsteinfarben: Das Stadion Danzig.

Bernsteinfarben: Das Stadion Danzig. (Bild: Keystone/Adam Warzawa)

Joachim Löw: Erst dem Verzweifeln nahe...

Joachim Löw: Erst dem Verzweifeln nahe... (Bild: Keystone/OLIVER WEIKEN)

...dann den Emotionen freien Lauf gelassen.

...dann den Emotionen freien Lauf gelassen. (Bild: Reuters/KAI PFAFFENBACH)

Ein Schuss wie ein Naturereignis: Philipp Lahm machte mit dem 1:0 den Türöffner, ein Schuss...

Ein Schuss wie ein Naturereignis: Philipp Lahm machte mit dem 1:0 den Türöffner, ein Schuss... (Bild: Reuters/KAI PFAFFENBACH)

gegen den für Michalis Sifakis kein Kraut gewachsen war.

gegen den für Michalis Sifakis kein Kraut gewachsen war. (Bild: Reuters/LEONHARD FOEGER)

Deutsche Torschützen Philipp Lahm (vorne, beim 1:0) und Marco Reus.

Deutsche Torschützen Philipp Lahm (vorne, beim 1:0) und Marco Reus. (Bild: Keystone/Frank Augstein)

Kurzer Moment der Hoffnung: Giorgos Samaras trifft zum Ausgleich.

Kurzer Moment der Hoffnung: Giorgos Samaras trifft zum Ausgleich. (Bild: Reuters/KAI PFAFFENBACH)

Volley ins Glück: Sami Khedira.

Volley ins Glück: Sami Khedira. (Bild: Reuters/BARTOSZ JANKOWSKI)

Khediras Tor aus der Tornetzperspektive.

Khediras Tor aus der Tornetzperspektive. (Bild: Reuters/PASCAL LAUENER)

So jubelt die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, daneben DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

So jubelt die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, daneben DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. (Bild: Keystone/Gero Breloer)

Wie stoppt man die Deutschen? Giannis Maniatis.

Wie stoppt man die Deutschen? Giannis Maniatis. (Bild: Keystone/Filip Singer)

64. Tor im 120. Länderspiel: Miroslav Klose mit typischem Kopfballtreffer.

64. Tor im 120. Länderspiel: Miroslav Klose mit typischem Kopfballtreffer. (Bild: Reuters/PASCAL LAUENER)

Losgelöste deutscher Torjubel: Marco Reus und Jerome Boateng (rechts).

Losgelöste deutscher Torjubel: Marco Reus und Jerome Boateng (rechts). (Bild: Keystone/Michael Sohn)

Deutschland feiert wieder: Puplic Viewing in Berlin.

Deutschland feiert wieder: Puplic Viewing in Berlin. (Bild: Reuters/TOBIAS SCHWARZ)

Da half auch kein höherer Beistand: Der orthodoxe Erzbischof Apostolos Malamoussis neben einem deutschen Fan in einem griechischen Restaurant in München.

Da half auch kein höherer Beistand: Der orthodoxe Erzbischof Apostolos Malamoussis neben einem deutschen Fan in einem griechischen Restaurant in München. (Bild: Keystone/TOBIAS HASE)

Griechen ohne Rettungsschirm.

Griechen ohne Rettungsschirm. (Bild: Keystone/Gero Breloer)

Bitte nicht schon wieder. Joachim Löw verdreht die Augen. Er kann diese Frage langsam nicht mehr hören. Seit zwei Jahren, seit der 0:1-Niederlage im WM-Semifinale gegen Spanien, vergeht kaum ein Interview, in dem er nicht auf den Welt- und Europameister angesprochen wird: «Herr Löw, bitte einen kurzen Kommentar zu Spanien.» «Herr Löw, wie beurteilen Sie die Leistung von Torres?» Und die allerallernervigste Frage überhaupt: «Wie kann man gegen Spanien gewinnen?» Oder auch: «Was würden Sie heute gegen die Spanier anders machen?»

«Wenn du das ständig hörst, beginnt es irgendwann nur noch zu nerven», erklärt Joachim Löw. Dabei müsste die Frage eigentlich doch längst lauten: Wie kann man gegen Deutschland gewinnen?

Denn tatsächlich ist es die deutsche Fussball-Nationalmannschaft, die mittlerweile fast unbezwingbar scheint. Seit Sommer 2010, seit der Niederlage gegen – erraten – Spanien haben die Deutschen kein Wettbewerbsspiel mehr verloren. Mehr noch: Der hochverdiente, phasenweise sogar hochklassige 4:2-Erfolg im EM-Viertelfinal gegen Griechenland war der 15. Pflichtspielsieg in Folge – Weltrekord. «Wir können wirklich stolz sein», sagt denn auch Joachim Löw und verweist auf eine andere beeindruckende Bilanz: «Das ist das vierte Turnier hintereinander, bei dem wir im Halbfinale stehen.»

Neue Sympathien, aber kein Titel

Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Den Rest der Geschichte unterschlägt der Bundestrainer, möglicherweise ganz bewusst. Denn Konstanz und Siegesserien in allen Ehren, den grossen Coup konnte die deutsche Mannschaft trotzdem nicht landen. Zwar heimsten die Deutschen in den letzten Jahren für ihren attraktiven Spielstil zunehmend Lob und Sympathien ein, aber bislang hatte sich noch bei jedem Turnier ein Stolperstein gefunden: 2006 waren es die Italiener, 2008 und 2010 die von Löw so verehrten Spanier.

Diesmal scheint die Zeit freilich reif für den ersten Titel einer deutschen Nationalmannschaft seit dem EM-Gewinn vor 16 Jahren. Das belegen die bisherigen Auftritte bei dieser EM, das bestätigt auch das neue Selbstbewusstsein und Selbstverständnis dieser Mannschaft. «Der EM-Titel geht nur über uns», verkündet Marco Reus, einer dieser jungen Wilden, die den neuen Spirit und Stil der deutschen Nationalelf verkörpern.

Die mutige Rochade

Joachim Löw hatte den Aufsteiger der vergangenen Bundesliga-Saison in Reihen von Borussia Mönchengladbach zur Überraschung aller für das Viertelfinale gegen Griechenland nominiert. Mehr noch: Der Bundestrainer führte das eiserne Fussballgesetz «Never change a winning team» ad absurdum und kegelte nach drei Gruppensiegen mit Mario Gomez (3 Treffer), Lukas Podolski und Lars Bender (je 1 Treffer) sogar alle bisherigen deutschen EM-Torschützen aus der Mannschaft. «Die Zeit war reif, ich hatte das Gefühl, etwas verändern zu müssen», begründet Löw seine unorthodoxe und nicht ganz unmutige Rochade.

Der starke Offensivauftritt gegen, zugegeben, schwache Griechen, bestätigte den Bundestrainer in seinem Wirken. Er hatte vollkommen Recht, nicht zum ersten Mal in seiner erfolgreichen Ära. Als er seinerzeit Altstar Michael Ballack ins Abseits gestellt hatte,wurde er öffentlich kritisiert. Heute redet längst keiner mehr von Ballack. Als er bei dieser EM den unerfahrenen Bender in die Viererkette stellte, erntete er Kopfschütteln. Prompt erzielte Bender den Siegestreffer gegen Dänemark.

Mitr der Aura der Allwissenheit

So viele richtige Entscheidungen verleihen Löw eine Aura der Allwissenheit und Unbesiegbarkeit. Und die Spieler gehen diesen, seinen Weg bedingungslos und zielstrebig mit. «Wir vertrauen dem Trainer fast schon blind. Alles, was er macht, hat Hand und Fuss», schwärmt etwa Mittelfeldstratege Sami Khedira.

So siegessicher wie 2012 haben sich Jogis Jungs noch bei keinem der letzten Turniere präsentiert. «Wir haben einen sensationellen Kader», gibt Captain Philipp Lahm zu verstehen. Auf dem Mannschaftsbus steht in grossen Buchstaben und für alle Gegner sichtbar die deutsche Mission geschrieben. «Von Spiel zu Spiel zum grossen Ziel!»

Und dann ist da noch eine Frage

Zuversicht und Euphorie kennen jedenfalls keine Grenzen. In Berlin feierte eine halbe Million Fans den 4:2-Sieg gegen Griechenland, in Umfragen hat Deutschland den Titelverteidiger Spanien bereits überflügelt. Nebengeräusche, die Joachim Löw nicht interessieren. Er hat anderes im Kopf, ersucht nach einer Antwort auf die ungeliebte Frage. Wie kann man gegen Spanien gewinnen? «Denn wir müssen trotzdem zugestehen, dass die Spanier technisch überragend sind.»

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Informationen zum Artikel

24.6.2012, 08:00 Uhr

Reif für den Titel

Text

Text: Christoph Geiler

  • 10.06.2013 um 14:40
    Zwischen dem Flug nach Brasilien und dem Feldweg nach Grödig

    Nicht zuletzt dank dem Schweizer Marcel Koller hofft Österreichs Nationalteam auf die Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Brasilien. Die heimische Liga allerdings macht vor allem durch Peinlichkeiten und Dorfclubs auf sich aufmerksam.

  • 24.05.2013 um 12:52
    Der Groll des Almwirts

    Bei Champions-League-Endspielen werden nicht nur Heldengeschichten geschrieben. Für den Österreicher Wolfgang Feiersinger war der Final 1997 mit Borussia Dortmund eine seiner bittersten Stunden.

  • 23.05.2013 um 17:13
    Veilchen für den österreichischen Fussball

    Violett ist die Modefarbe in Wien – die Austria hält den Krösus aus Salzburg auf Distanz und holt nach 2006 wieder den Meistertitel, angeführt von einem Trainer, dem ein Engagement im Ausland zugetraut wird.

Aktuell

SRF: Ivo Adam (l.) kocht mit Murat Yakin.

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Meze mit Murat, Werben mit Wagen

Was liegt näher, als unter dem Titel «Schwiizer Chuchi» mit Murat Yakin türkische Meze zu kochen? Höchstens noch, einen Kesselwagen mit FCB-Logo zu versehen. Gut, wurde gleich beides getan.Von Florian Raz. Weiterlesen

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Auf nicht weniger als 799 Seiten spricht der Autor des Buchs «Ready to Rumble» mit Akteuren aus dem Boxsport. Zum Beispiel mit dem Schweizer Stefan Angehrn, der zugibt, sich manchmal gefragt zu haben: «Wie blöd kann man sein, in den Ring zu gehen, um sich auf die Fresse hauen zu lassen?»Von Bertram Job. Weiterlesen