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Olympische Spiele 

22.6.2012, 18:10 Uhr

«Ich bin da halt so reingerutscht»

22.6.2012, 18:10 Uhr

Sie war nach 2004 zum zweiten Mal an den Olympischen Spiele dabei: Katrin Leumann, Mountainbikerin aus Riehen, erreichte dieses Jahr beim Rennen den 20. Platz. Im Interview sprach sie vorab über bewundernswerte Frechheit, ihre Vergangenheit als Fussballerin und Erfolg, der eben vielleicht doch süchtig macht. Von und Dominik Plüss

2004 war sie als Ersatzfahrerin ins Olympische Rennen gerutscht – und wurde Neunzehnte. 2012 startet Katrin Leumann mit anderen Ambitionen. Die Riehenerin weiss inzwischen, wie es ist, ein grosses Rennen zu gewinnen: 2010 ist sie Europameisterin geworden.

Ein Jahr darauf wurde sie 2011 von einer verklebten Niere zurückgeworfen – aber rechtzeitig auf die Olympia-Saison ist die 30-Jährige wieder in Form gekommen. Im Testrennen auf der Olympia-Strecke im Juli 2011 wurde sie Elfte – obwohl sie noch nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte war.

Die TagesWoche hat Katrin Leumann vor den Olympischen Spielen interviewt.

Worin liegt die Essenz Ihrer Sportdisziplin – in zwei Sätzen?

Bei uns gibt es eigentlich nur Vollgas, und zwar anderthalb Stunden – das Geheimnis liegt aber darin, trotz hoher Intensität konzentriert fahren zu können. Und in gewissen Situationen muss schon taktisch klug gefahren werden.

Was ist Ihr grösster Erfolg?

Der Europameister-Titel im israelischen Haifa im Jahr 2010.

Wo liegen Ihre Stärken, wo Ihre Schwächen?

Die Stärken liegen sicher im technischen Bereich. Und jetzt, mit dem Alter, kommen auch die Erfahrung und die Ausdauer hinzu. Daraus kann ich Vorteile ziehen, das war früher nicht so. Eher schwach bin ich, wenn es auf Rollerqualitäten ankommt. Also wo viel Kraft benötigt wird – dafür bin ich zu leicht. Ich bin in etwa das Gegenteil von Fabian Cancellara (lacht).

Wie motivieren Sie sich, wenn es gerade nicht rund läuft?

Ich habe inzwischen ein grosses Vertrauen in mich und in was ich trainiert habe. Natürlich war es letzte Saison schwierig, als es nicht lief und ich zuerst nicht wusste, dass es an einer ganz besonderen Verletzung lag, nämlich an einer Verklebung der Niere. Aber auch damals bin ich nie in ein grosses Motivationsloch gefallen.

Was geben Sie auf für den Sport?

Jeder Spitzensportler gibt viel auf. Ich zum Beispiel habe die Fasnacht. Ich pfiff in einer Clique. Fussball habe ich auch gespielt, für Amicitia Riehen. Bei Congeli war ich im Mittelfeld. Auch ist es schwierig, einen grossen Freundeskreis zu pflegen. Und die Freunde, die man hat, müssen verständnisvoll sein.

Was haben Sie in dieser speziellen olympischen Saison anders gemacht?

Wir wollten auf Altbewährtes zurückgreifen und haben eigentlich alles gleich gemacht. Ich hatte etwas mehr unbezahlten Urlaub, war vor der Saison eine Woche länger in Südafrika im Trainingslager, für insgesamt drei Wochen. Aber das war eigentlich alles.

Was ist Ihr Ziel in London?

Ein Diplom, also ein Platz unter den ersten Acht, ist das Minimalziel. Aber dass ich Europameisterin werde, hat ja eigentlich auch niemand erwartet. Meisterschafts-Rennen sind immer ganz besonders, da kann alles passieren.

Was ist Ihr grösster Traum?

Viele Journalisten fragten mich, ob mit der Olympia-Qualifikation ein Traum in Erfüllung gegangen sei. Aber eigentlich war das ja gar nie ein Traum, sondern einfach ein Ziel. Zum heutigen Zeitpunkt ist Olympia-Gold ein Traum, ganz sicher. Und wer weiss, in vier Jahren ist es vielleicht ein Ziel.

Welche andere Sportart würden Sie ausüben, wenn nicht Mountainbiken?

Da gibt es vieles. Zum Beispiel Kanufahren im Wildwasser. Das reizt mich. Aber gemacht habe ich es noch nie. Auf dem See habe ich es mal ausprobiert. Irgendwann hat man den Dreh raus, und dann muss man nur noch schnell werden. Das ist irgendwie wie Rennradfahren. Kanufahren im Wildwasser wäre dann die Mountainbike-Variante.

Was machen Sie gerne, wenn Sie gerade nicht mit Sport beschäftigt sind?

Schlafen und essen (lacht). Klarinette spiele ich regelmässig.

Wer ist für Sie der beste Sportler resp. die beste Sportlerin aller Zeiten?

Roger Federer. Es ist beeindruckend, dass er nach so vielen Erfolgen immer noch siegen will. Und weiterhin voll für den Sport lebt, auch nachdem er Vater geworden ist. Er schafft es immer wieder, neue Reize zu setzen. Also das Training anzupassen, damit sein Niveau hoch bleibt.

Wer ist es in Ihrer eigenen Sportart?

Mich beeindruckt Nino Schurter. In allen Kategorien war er sehr dominierend und hat die Coolness immer bewahrt. Im ersten Jahr bei der Elite hat er Julien Absalon im Sprint eiskalt abgetrocknet. Die Frechheit zu haben und zu sagen: Mir ist eigentlich egal, wie du heisst – das beeindruckt mich.

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?

«Rien à déclarer». Eine französische Komödie, die mir gut gefallen hat – mal nicht so Hollywood-Zeugs.

Welches ist Ihr Lieblingslied?

Wenn ich an die EM zurückdenke: So eine Nationalhymne auf dem Podest zu hören, das ist schon geil. Wenn ich sie jetzt wieder höre, assoziiere ich dieses Erlebnis aus dem Jahr 2010 damit – das fährt einfach ein. (Denkt nach.) Das klingt jetzt zwar recht patriotisch. Singen kann ich sie jedenfalls nicht (lacht)!

Kochen Sie selber?

Ja

Was am liebsten?

Im Moment probiere ich gerade Getreide aus, das man nicht so kennt. Zum Beispiel Quinoa, Buchweize oder Hirse. Das mische ich mit Gemüse und überbacke es mit Käse. Und Dörrtomaten tue ich noch dazu.

Was würden Sie gerne gefragt werden?

Wieso wird man Spitzensportlerin? Wieso quält man sich eigentlich jedes Wochenende (lacht)? Von aussen gesehen muss doch das eigenartig erscheinen.

Wie lautet Ihre Antwort?

Ich bin da halt so hineingerutscht. Das war nie geplant. Und wenn man mal drin ist – der Erfolg macht vielleicht schon süchtig. Den Ehrgeiz habe ich jedenfalls nicht, auf Biegen und Brechen etwas zu erreichen. Glaube ich zumindest. Aber mit dem Training wird man auch besser, hat mehr Zug, das tut gut und ist ein schönes Gefühl.

www.katrinleumann.ch

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22.6.2012, 18:10 Uhr

«Ich bin da halt so reingerutscht»

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