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TagesWoche

Tages Woche

Do, 23.05.2013

Durness Sizilien 

24.6.2012, 06:00 Uhr

Keine Bar, kein Bistro, nichts 24. Juni 2002

24.6.2012, 06:00 Uhr

Ein richtiger Montag. Alle Läden und Bistros sind geschlossen. Aber der Vorteil. Wir kommen tüchtig voran. Von Urs Buess

Urs Buess: Ein Weg oder was? Jedenfalls gehts hier durch.

Ein Weg oder was? Jedenfalls gehts hier durch. (Bild: Urs Buess)

Gray – wir haben das Städtchen nicht mehr erkundet, gestern Abend, haben uns im Hotel einquartiert, ich bin kurz und erfolglos auf der Suche nach Zigaretten durch ein paar Strassen gegangen, es war Sonntagabend, alles geschlossen, etwas trostlos. Und sonst sind wir im Hotel geblieben, haben gegessen, eine gute Flasche getrunken und uns Gray auf heute aufgespart.

Die Sâone fliesst breit und behäbig durch, ergiesst sich über ein längliches Wehr, für Boote liegt eine Schleuse bereit. Und das alles ist schon die Sehenswürdigkeit. Auf dem Hügel trohnt eine mächtige Kirche, nicht unbedingt einladend. Den zwei, drei Gassen entlang stehen die Boulangeries, Boucheries, Apotheken und was es so hat in diesen kleinen Zentren. Auch Kleidergeschäfte, alle geschlossen an einem Montagvormittag, heruntergezogene Rollläden an feuchter Gasse, noch nass von den Gewittern der vergangenen Nacht. Auch Bäckereien sind zu, Metzgereien ebenfalls. Man verweist auf das Kaufhaus am Rande der Ortschaft: Ein riesiger Schuppen, in dem vom Baguette bis zum Gummistiefel und vom Kondom bis zum Aufschnitt alles zu haben ist. An der Cafeteria bauen sie erst, die meisten Kassen ohnehin geschlossen an diesem Vormittag. Wir kaufen unser Picknick ein, spazieren durch das heruntergekommene, etwas abgewirtschaftete Gray zurück zum Hotel und suchen einen Weg hinaus.

Kleine Bauernweiler bald, von denen wir nach den Erfahrungen von gestern nicht erwarten, dass ein Restaurant geführt wird. Wir setzen uns von Zeit zu Zeit ans Strassenbord, trinken Wasser aus unseren Flaschen und schwatzen über gemeinsame Bekannte, Freunde, den Tagi, schwatzen drauflos, schweifen hin, schweifen her, lachen, erzählen Anekdötchen, und wenn´s bergauf geht, schweigen wir.

Plötzlich tauchen stillgelegte Geleise auf. Bei einem verlassenen Bahnwärterhäuschen biegen wir auf die Schwellen, ziehen an wuchernden Sträuchern und Gräsern vorbei und stehen dann unvermittelt auf einer längeren Beton-Stahlbrücke, die uns recht hoch über ein kleines Tal und einen Kanal führt. Ein eigenartiges Erlebnis, über eine nicht mehr gebrauchte und langsam verfallende Eisenbahnbrücke zu spazieren –es  kommt so etwas wie Endzeitstimmung auf, in diesem jauchzenden Sommerwetter besonders schräg. Büttner sagt, es erinnere an Tarkowski-Filme, an Wim Wenders-Szenen und im Hintergrund jaule Ry Cooders Gitarre.

Mücken und Bremsen

Ein neues Dorf nach Battrans, Echevanne zum Beispiel. Ein Schloss steht dort, mit farbig leuchtenden Ziegeln, Maurer verputzen ein Wand, Bauern fahren Heuballen ein, ein paar Häuser stehen renoviert im Wochenend-Gewand da – aber es hat keine Bar, kein Restaurant, nichts. Mücken und Bremsen verfolgen uns durch den Wald, die Sonne hat nach durchdonnerter Nacht wieder zum Sommer zurückgefunden, es ist schwül am Nachmittag.

Ein neues Dorf: Velesmes. Grösser, stattlicher, viele Einfamilienhäuser ringsum, im Dorfkern die gemörtelten Bruchsteinhäuser, grösser als im Loire-Gebiet, der Bretagne, zweistöckig mindestens sind sie alle, steile, höhere Dächer, Ansätze von Vordächern manchmal. Hier müsste ein Bier zu kaufen sein. Doch keine Bar, kein Restaurant, nichts. Wir sitzen auf den Kirchplatz, picknicken und trinken Wasser.

Natel-Netz und Beizen-Dichte

Wir geben die Hoffnung auf, philosophieren darüber, ob es einen  Zusammenhang zwischen Natel-Netz und Restaurant-Dichte gibt. In der Bretagne, im Loire-Gebiet trifft man in jedem Nest auf eine Bar, doch das Natel funktioniert nicht. Hier lässt sich aus jeder Ecke in Feld und Wald telefonieren, aber ein Bier gibt es nicht.

Aber es gibt ein Dorf, das schlicht Gy heisst. Hier, so sagen uns die Leute, gebe es Bars und ein Hotel. Und so ist es. Das Hotel hat ein Schwimmbad, und das entschädigt nach langem, durstigen Tag doch ganz gehörig.

(Gy, 24. Juni 2002)

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Informationen zum Artikel

24.6.2012, 06:00 Uhr

Keine Bar, kein Bistro, nichts 24. Juni 2002

Text

Text:

  • 23.05.2013 um 12:00
    Duftmarken

    Kommen die warmen Sommerabende, sammelt sich der Müll auf Strassen und Plätzen. Das hat so seine verschiedenen Ursachen, eine davon ist das offenbar menschliche Bedürfnis, Präsenz zu markieren.

  • 16.05.2013 um 15:44
    «Das hilft nicht nur der Pharma»

    Die Finanzdirektorinnen und Finanzdirektoren setzen im Steuerstreit mit der EU auf die Einführung von Lizenzboxen – und handeln damit ganz im Sinne von Basels Finanzdirektorin Eva Herzog.

  • 09.05.2013 um 16:45
    TagesWoche vom 10. Mai: Die Themen

    Unterschätzte Hilfe – weltweit schicken Migranten über 500 Milliarden Dollar in ihre Heimat. Die neue Präsidentin der Basler Liberalen, Patricia von Falkenstein, sagt, wie sie ihrer Partei mehr Gehör verschaffen will. Dies und weitere Themen in der TagesWoche vom 10. Mai im Abo oder an Ihrem Kiosk.

  • 27.09.2012 um 21:26
    Fonzi trainiert
    Zum Artikel: Fonzi trainiert

    Heute Abend ist der Helikopter schon sehr zielgerichtet geflogen.

  • 20.08.2012 um 16:11
    TagesWoche im Gundeli
    Zum Artikel: «Basel ist ein Paradies – eigentlich»

    Lieber Anton, Du bist ja nicht der einzige, der sich beklagt, weil die TagesWoche-Redaktion nicht ins Quartier – in diesem Fall ins Gundeli – kommt. Eigentlich hätten wir uns gern mal auf dem Tellplatz gezeigt, mussten uns aber auf fünf Standorte b...

  • 19.08.2012 um 21:01
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    Zum Artikel: Weder Hügel der Reichen noch Luxus-Probleme

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