LOGIN

Registrierung

  • Mit Ihrem Benutzerkonto können Sie Ihr Abo verwalten, Artikel kommentieren und mit anderen Leserinnen und Lesern in Kontakt treten.

    Das Benutzerkonto ist kostenlos und kann jederzeit wieder gelöscht werden.

    Bitte geben Sie Ihre E-Mail Adresse ein. Wir werden diese unter keinen Umständen an Dritte weitergeben.

Registrierung

Fast fertig...

Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt. Bitte prüfen Sie Ihren Posteingang und aktivieren Sie Ihr Benutzerkonto, indem Sie auf den Link in der E-Mail klicken.

Kultur

Open

eingeloggt als
Ausloggen


An Redaktion schreiben

  • Erlaubte Dateiformate: Bilder (jpg, png, gif) Dokumente (pdf)

Registrierung

Mit Ihrem Benutzerkonto können Sie Ihr Abo verwalten, Artikel kommentieren und mit anderen Leserinnen und Lesern in Kontakt treten.

Das Benutzerkonto ist kostenlos und kann jederzeit wieder gelöscht werden.

Bitte geben Sie Ihre E-Mail Adresse ein. Wir werden diese unter keinen Umständen an Dritte weitergeben.

Fast fertig...

Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.

Bitte prüfen Sie Ihren Posteingang und aktivieren Sie Ihr Benutzerkonto, indem Sie auf den Link in der E-Mail klicken.

Sollten Sie die E-Mail innert 10 Minuten nicht erhalten haben, kontrollieren Sie, ob die E-Mail möglicherweise im Spam-Filter hängen geblieben ist. Ist die E-Mail auch dort nicht aufzufinden, schreiben Sie uns an anmelden@tageswoche.ch und wir kümmern uns darum.

Wir freuen uns, Sie in wenigen Minuten in unserer Community begrüssen zu dürfen.

Passwort wiederherstellen

Philosophie 

28.6.2012, 15:44 Uhr

Rousseau als einsamer Spaziergänger

28.6.2012, 15:44 Uhr

Heute vor 300 Jahren, am 28. Juni 1712, kam Jean-Jacques Rousseau in Genf zur Welt. Während der letzten fünf Tage erinnerten wir an bemerkenswerte Schriften des Philosophen und Pädagogen. Im letzten Teil der Serie widmen wir uns seinen letzten Jahren und seiner Vorstellung von Glück. Von Mario Schärli

Artwork Nils Fisch: Rousseau, einsam unterwegs.

Rousseau, einsam unterwegs. (Bild: Artwork Nils Fisch)

«Dauerhaftes Glück jedoch hat, so glaube ich, noch nie ein Mensch kennengelernt.»

Jean-Jacques Rousseau fiel nach einem Spaziergang am 2. Juli 1778 im Park von Ermenonville tot um. Dieses Ereignis sollte den Schlusspunkt hinter die bewegte Lebensgeschichte des passionierten Spaziergängers setzen, eine Geschichte, die voller Kehren und Wendungen, voller Widersprüche ist.

Nachdem Rousseau seine beiden systematischen Hauptwerke – den Émile (vgl. Teil 4 dieser Serie) und den Contrat social (vgl. Teile 2 und 3) – im Jahre 1762 zu Ende gebracht hatte, wandte sich der französische Staat gegen ihn und erliess einen Haftbefehl. Grund dafür war ein Passus aus dem Émile, das «Glaubensbekenntnis des savoyischen Vikars», in dem Rousseau sein Konzept der «Religion seines Herzens», die mit der christlichen Dogmatik nicht zu vereinbaren war, kundtat. Rousseau ergriff (wie schon ein paar Mal in seinem Leben) die Flucht und versuchte zunächst in seiner Heimatstadt Genf unterzukommen – vergebens, wie sich herausstellen sollte. Die Genfer goutierten nicht nur den Émile, sondern auch den Contrat social nicht, und Rousseau musste mit seiner Frau Thérèse weiterziehen, bis die beiden schliesslich im preussischen Môtiers nahe Neuenburg aufgenommen wurden.

Flucht auf Flucht

Zur Ruhe kam Rousseau indes auch in der neuenburgischen Provinz nicht, denn in einer anonymen Schrift (dahinter verbarg sich wahrscheinlich kein geringerer als Voltaire) wurde publik gemacht, dass der grosse Pädagoge Jean-Jacques Rousseau alle seine fünf Kinder ins Findelhaus gab; in der Folge warfen die Dorfbewohner Steine nach ihm und so musste er abermals flüchten, nächste Station: Petersinsel. Doch auch die Offiziellen in Bern, unter deren Verwaltung die Insel stand, waren ihm nicht wohlgesinnt, weshalb er von dem schottischen Philosophen David Hume, der von seinem Schicksal erfuhr, eine Einladung nach England erhielt, die er annahm, mit dem er sich aber nach gut einem Jahr schon wieder überworfen hatte. Danach begab sich Rousseau dem trotz Haftbefehl erneut nach Paris, wo er von den Behörden aber geduldet wurde. Er verdiente sich mit dem Abschreiben von Noten den Lebensunterhalt, bis er im Mai des Jahres 1778 schliesslich einer Einladung des Marquis de Girardin auf Schloss Ermenonville folgte, in dessen Park er schliesslich (vermutlich an einem Schlaganfall) starb.

Nach der Publikation seiner Hauptwerke beschäftigte sich Rousseau stark mit sich selbst und seinem Leben, begann das autobiografische Werk «Die Bekenntnisse», die er allerdings nie vollendete, und versuchte, in Inszenierung eines Dialogs mit sich selbst (Rousseau juge de Jean-Jacques), die Verschwörung, als deren Opfer er sich sah, aufzudecken und sich selbst zu rechtfertigen. Rousseau litt vermutlich während vieler Jahre seines Lebens unter einer Paranoia, hegte stets Verdacht und Misstrauen gegenüber seinen Mitmenschen. So ergab es sich beispielsweise auch, dass er die Einladung David Humes nach England als «Plan gewisser Leute, mich nach England zu verfrachten» sah. Das letzte Projekt, Fragment geblieben, das er in Angriff nahm, waren die Träumereien des einsamen Spaziergängers, aus denen auch das eingangs genannte Zitat stammt.

Rousseaus Träumereien sind Meditationen, Niederschriften gedanklicher Erfahrungen mit sich und der Welt, von der er den Eindruck gewinnt, dass sie sich gegen ihn gewendet habe. Rousseau ist einsam, die Träumereien beginnen mit dem Satz: «So bin ich nun allein auf dieser Welt, habe keinen Bruder mehr, keinen Nächsten, keinen Freund, keine Gesellschaft ausser mir selber.» Die Gesellschaft habe ihn, der «geselligste und warmherzigste» unter ihnen, «verbannt». Die Einsamkeit hinterlässt beim Leser allerdings einen zwiespältigen Eindruck: Einerseits tut er sein Leiden an ihr kund, bedauert Missmut und Ablehnung, die ihm zuteil wurden, andererseits erfährt er in der Einsamkeit auch sein vollendetes Glück.

Flüchtiges Glück

Glück erfahren, was heisst das? Die weltlich-sinnlichen Freuden sind in einer Welt, in der alles «in stetigem Fluss» ist, vergänglich, Glück kann so nur ein flüchtiger Zustand sein. Doch Rousseau fragt sich, mit welchem Recht man einen «flüchtigen Zustand», der uns doch nie zufrieden zu stellen vermag, Glück nennen könne. Rousseau glaubt, in seinen «einsamen Träumereien» im Bott oder am Ufer des Sees auf der Petersinsel eine andere Qualität von Glück erreicht zu haben: «makelloses, vollkommenes Glück, das in der Seele keine Lücke hinterliesse, die man noch zu schliessen begehrte.» Glücklichsein versteht Rousseau als einen unzeitlichen Zustand, der natürlich nicht für immer andauert, aber doch nicht immer schon entflieht, sobald er da ist; ein Zustand in dem man weder auf das Noch-Nicht hoffen, noch sich nach dem Nicht-Mehr sehnen muss – vollendete Gegenwart, sofern man von Gegenwart ohne Zeit noch sprechen kann. Er erfährt in solch einem Moment nur sich selbst, «nichts jedenfalls, das ausser uns wäre. Solange dieser Zustand währt, sind wir, wie Gott, uns selbst genug.»

Es mag tendenziös erscheinen, wenn jemand darüber schreibt, was es bedeutet, glücklich zu sein. Man mag sagen, dass jeder und jede doch selbst fühlen müsse, wann sie glücklich sei und wann nicht. Rousseaus Reflexionen sind auch nicht als Anweisung zu verstehen, sondern geben einen tiefen Einblick ein sein Inneres, das von einer Seelenkrankheit getriebene, und erschliessen seltene Momente des Glücks. Aus ihnen spricht mit einer Sprachgewalt, die ihresgleichen sucht, die Tragik der Existenz Rousseaus, der die Welt liebte und retten wollte, obschon sie ihm nicht Freund war, der die Kultur kritisierte, obschon er wusste, dass er selbst Kultur produzierte, der sich gegen Widerstände zur Wehr setzte, auch wenn er wohl wissend selbst ein Widerstand war. In diesem Sinne mag man ihm sein Glück in Einsamkeit gönnen – in Gesellschaft und mit der Welt hat und hätte er es nicht finden können.

Mehr zum Thema

Mehr zum Thema

Literatur & Lyrik, Frankreich

Die Geschichten des Tages

Abonnieren Sie unseren Newsletter. Die Geschichten des Tages, jeweils um 17 Uhr bequem und kostenlos per Mail geliefert.

Verwandte Artikel

Rousseaus pädagogische Einsichten Weiterlesen

Rousseau und der Zwang zur Freiheit Weiterlesen

Rousseau und die Staatstheorie Weiterlesen

Rousseaus Kritik am Wissenschaftsfortschritt Weiterlesen

Tageswoche honorieren

Alternativen:

Postfinance, Paypal, Flattr

Reaktionen

Bisher wurden noch keine Beiträge von der Redaktion hervorgehoben.

Noch keine Beiträge. Schreiben Sie den ersten.

Informationen zum Artikel

28.6.2012, 15:44 Uhr

Rousseau als einsamer Spaziergänger

Text

Text: Mario Schärli

  • 20.09.2012 um 11:25
    Am Anfang war das Bild

    Nicht er, das Bild steht im Zentrum. Nach 26 Jahren Lehren und Forschen wird Gottfried Boehm, Ordinarius für Neuere Kunstgeschichte an der Uni Basel, emeritiert. 

  • 28.06.2012 um 15:44
    Rousseau als einsamer Spaziergänger

    Heute vor 300 Jahren, am 28. Juni 1712, kam Jean-Jacques Rousseau in Genf zur Welt. Während der letzten fünf Tage erinnerten wir an bemerkenswerte Schriften des Philosophen und Pädagogen. Im letzten Teil der Serie widmen wir uns seinen letzten Jahren und seiner Vorstellung von Glück.

  • 27.06.2012 um 11:54
    Die pädagogischen Einsichten von Rousseau

    Am 28. Juni 1712 kam Jean-Jacques Rousseau in Genf zur Welt. Bis zum Jahrestag erinnern wir an bemerkenswerte Schriften des Philosophen und Pädagogen. Im vierten Teil dieser Serie widmen wir uns seinem pädagogischen Denken. Rousseau glaubte, dass das Kindesalter eine Sphäre eigenen Werts ist, in der das Kind nur vor sich selbst geschützt werden muss.

Aktuell

sda: Renzi mit einer Printversion des «1000 Tage-Plans»

Regierungsprogramm 

Renzi will mit «1000-Tage-Plan» Italien umkrempeln

Sechs Monate nach seinem Amtsantritt startet Italiens Premier Matteo Renzi mit der Phase Zwei seines Regierungsprogramms. Am Montag stellte der Regierungschef seinen Plan für langfristige Reformen vor. Sein Programm will er in einem Zeitraum von drei Jahren umsetzen. Von sda. Weiterlesen

sda: Eine Mutter mit ihrem Kind in Liberias Hauptstadt Monrovia

Ebola 

Weltbank-Chef rügt die Weltgemeinschaft

Die Ebola-Epidemie in Westafrika schränkt zunehmend die Nahrungsversorgung in den betroffenen Staaten ein. Die Welternährungsorganisation (FAO) warnte am Dienstag, viele Familien könnten sich Lebensmittel schlicht nicht mehr leisten.Von sda. Weiterlesen

sda: Vorerst fertig gefahren in Deutschland: Taxidienst Uber (Archiv)

Taxis 

Richter verbieten Uber in Deutschland

Der umstrittene Fahrdienst-Vermittler Uber darf seine Leistungen in Deutschland vorerst bundesweit nicht mehr anbieten. In der Schweiz bietet Uber seine Taxi-Dienstleistungen bisher nur in der Stadt Zürich an. Von sda. Weiterlesen