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TagesWoche

Tages Woche

Mo, 20.05.2013

Theaterfestival Basel 

19.6.2012, 14:52 Uhr

Theater ohne Grenzen

19.6.2012, 14:52 Uhr

2008 wurde es zuerst verschoben, 2009 dann sang- und klanglos begraben; vom 29. August bis 9. September 2012 nun steht dem Theaterfestival Basel unter der künstlerischen Leitung von Carena Schlewitt eine vielversprechende Wiedergeburt bevor. Von Dominique Spirgi

: Tanz mit Mensch und Maschine: «Sans objet» von Cie. 111

Tanz mit Mensch und Maschine: «Sans objet» von Cie. 111

Ein poetisch-spektakulärer pas de trois mit Mensch und Maschine, eine «Live-Show mit echten Kindern», ein skulptural-performativer Durchbruch des Kasernen-Kopfbaus, ein riesiges Mitmach-Streetart-Gemälde, zum Leben erweckte Möbelstücke und vieles mehr, was sich mit dem Begriff Theater allein eigentlich nur ungenau beschreiben lässt: «Es ist was los im Welttheater», verspricht die künstlerische Leiterin des Theaterfestivals Basel und der Kaserne Basel, Carena Schlewitt, im Editorial des Festivalprogramms. Man könnte diesen Leitsatz leicht abändern zu «Es ist etwas lose im Welttheater». Lose oder bereits gänzlich aufgelöst präsentieren sich am Basler Festival die Spartengrenzen zwischen den guten alten darstellenden Künsten von einst und der bildenden Kunst von heute.

Das wurde ersichtlich noch bevor an der Medienkonferenz zum Festivalprogramm das erste Wort gesprochen ware. Die «altmodischen Live-Künste» (Schlewitt) werden mit Videotrailern präsentiert. Zum Beispiel zum Projekt «Sans objet» der Compagnie 111 aus Frankreich. Ein zwei Tonnen schwerer Industrieroboter gibt den Schritt vor für einen ebenso spektakulären wie berührenden pas de trois mit Mensch und Maschine. Mit bewegten Bildern (Videoseite des Theaterfestivals auf www.vimeo.com) ist solches einfacher zu illustrieren als mit Worten, mit denen man rasch einmal in technische Details abschweifen würde. Ein Videozusammenschnitt vermittelt auch einen besseren Vorgeschmack auf die herrlich verschrobene Outdoor Performace «above under inbetween» der Truppe des österreichischen Stadtinterventionisten Wili Dorner, die am letztjährigen ZAP!-Performance-Festival in Basel bereits für hintersinnige Überraschungsmomente im öffentlichen Raum gesorgt haben.

Das Live-Erlebnis

Aber natürlich können, sollen und wollen diese kurzen Filmchen das Original nicht ersetzen. Theater, und das ist nach wie vor das Besondere daran, ist Live-Kunst – so postdramatisch und vermeintlich unliterarisch es auch daherkommen mag. Etwa beim gefeierten Bühnenprojekt «Before Your Very Eyes» von Gob Squad, eine «Live-Show mit echten Kindern», wie es im Programm heisst. In einem Glascontainer werden Kinder auf eine geraffte Zeitreise von der Kindheit in die Pupertät und über das Erwachsenendasein bis in den Bühnentod geschickt. Die Produktion wurde zum diejährigen Berliner Theatertreffen eingeladen.  Oder bei der Skulpturen-Performance «Carry-in-Project #9» des japanischen Künstlers und Architekten Noriyuki Kiguchi, der in Zusammenarbeit mit Szenografie-Studierenden der Fachhochschule Nordwestschweiz und dem Publikum mit einer riesigen schlangenartigen Plastik den Kopfbau der Kaserne durchbrechen wird. Von dieser Performance gibt es (noch) kein Videodokument, weil diese erst während des Festivals – eben live – entstehen wird.

«Das Festival hat kein einheitliches Thema und auch keinen besonderen regionalen Bezugspunkt», sagte Schlewitt an der Präsentation des Programms. Zu erleben sein werden 18 Produktionen aus 12 Ländern in 46 Vorstellungen an 12 Tagen. Es sind dies Produktionen der unterschiedlichsten Art: Theatermonologe, getanzte Skulpturen, Streetart-Projekte, Interventionen im öffentlichen Raum, konzertantes Theater, performative Lebensfiktionen, Theater mit Puppen. Oder Projekte, die irgendwie in gar keine Schublade passen wie «Urwald», mit dem sich eine der Vorzeigetruppen der freien Schweizer Theaterszene, Far A Day Cage, von der freie Szene verabschieden wird, um sich dann im erneuerten Schauspiel des Theater Basel einbetten zu lassen. Zwei rote Faden nannte Schlewitt aber dennoch: «Erinnerung» und «Raum». Das sagt an und für sich nicht gerade viel aus. Aber ein Theaterfestival ist schliesslich auch da, um sich als Zuschauender vom Gezeigten überraschen zu lassen. Und um zu feiern, was am Samstag, 1. September, an einer «Comback-Party» explizit und während des gesamten Festivals an und zwischen den verschiedenen Verpflegungsständen sowieso geschehen soll.

Neugeburt

Apropos Comeback: Mit dem diesjährigen Theaterfestival erlebt eine längere Tradition in Basel seine Wiedergeburt. 1991 fand das Festival, damals noch mit dem Titel «Welt in Basel», zum ersten Mal statt. In Erinnerung geblieben sind viele herausragende Theatermomente von charismatischen Theaterleuten wie Christoph Marthaler, Ariane Mnouchkine, Peter Brook oder vom Handspring Puppet Theatre aus Südafrika. Das als Biennale angesetzte Festival fand zwei längere Unterbrüche. Zuletzt im Jahr 2009, als das bereits um ein Jahr verschobene Theaterfestival mehr oder weniger sang- und klanglos verschwand. Dass es nun seine Wiederauferstehung feiern kann, ist zu einem massgeblichen Teil den beiden engagierten Theaterleuten Carena Schlewitt von der Kaserne Basel und Christoph Meury vom Theater Roxy Birsfelden zu verdanken.

Das Theaterfestival 2012 muss mit einem Gesamtbudget von 1,1 Millionen Franken auskommen. Das Geld stammt zu einem grösseren Teil aus den Swisslos-Fonds beider Basel (zusammen 750'000 Franken) und von diversen Stiftungen. Insgesamt kommen rund 7000 Eintrittskarten in den Verkauf, wie Kasernen- und Festivalbetriebsleiter Thomas Keller sagte. Wer sofort zugreifen mag, kann sich bis zum 30. Juni im Vorverkauf Karten zum Vorzugspreis von nur 25 Franken (oder ermässigten 15 Franken) sichern. Zu den Plätzen im Verkauf kommen noch grob gerechnet 5000 Gratisplätze bei den Performances und Kunstaktionen im öffentlichen Raum oder in der Installation «Nowhere and Everywhere at the Same Time» des Starchoreografen William Forsythe in der Klingentalturnhalle.

Theaterfestival Basel, 29. August bis 9. September 2012 in der Kaserne Basel, auf dem Kasernenareal, in der Klingentalturnhalle, im jungen theater basel, im Theater Basel (Grosse Bühne und Schauspielhaus) und im Theater Roxy Birsfelden. Vorverkaufsstellen und Programm: www.theaterfestival.ch
Bis 30. Juni können alle Tickets zum ermässigten Preis von CHF 25.- (CHF 15.- für SchülerInnen, StudentInnen, AHV / IVund Bühnenschaffende) erworben werden.

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Informationen zum Artikel

19.6.2012, 14:52 Uhr

Theater ohne Grenzen

Text

Text:

  • 16.05.2013 um 12:00
    «Die Zeit sitzt uns im Nacken»

    Martin Wigger, Tomas Schweigen und Simon Solberg sollten das Schauspiel des Theater Basels ein Jahr lang interimistisch führen. Jetzt ist Solberg weg, und Wigger und Schweigen können für zwei weitere Jahre planen. Wie lebt es sich im künstlerischen Provisorium?

  • 07.05.2013 um 18:37
    Das Theater Basel lüftet den Vorhang

    Bei der Saisonvorschau 2013/14 bestätigte das Theater Basel offiziell, was die TagesWoche bereits verkündet hatte: Das Schaupiel macht ohne Simon Solberg im Leitungsteam weiter, während Calixto Bieito neu als «Artist in Residence» ans Haus gebunden wird.

  • 04.05.2013 um 12:26
    Ein spätwinterlicher Sommernachtstraum

    Einen Jux wollen sie sich machen: Mit «Vaudeville! Open Air» setzt das Basler Schauspiel auf dem Theaterplatz einen luftigen, spielfreudigen, letztlich aber recht belanglosen Schlussstrich unter die Saison 2012/13.

  • 15.05.2013 um 21:03
    Dass ich einmal ...
    Zum Artikel: Ein ganz knapper Entscheid gegen die Schweizerdeutsch-Quote

    ... einem liberaldemokratischen Grossratspräsidenten dankbar sein muss, dass er mit seinem Stichentscheid, die (nicht mehr betroffenen) Genossen auf dem Bruderholz und die SVP-Populisten von sonst wo vor einer unüberlegten Aktion bewahrt – wer hätte da...

  • 21.03.2013 um 17:07
    Tag des Denkmals
    Zum Artikel: Schulhausarchitektur-Führung meidet das Kleinbasel

    Vielen Dank für Ihren Hinweis. Selbstverständlich werden wir gerne über den Europäischen Tag des Denkmals berichten.

  • 07.03.2013 um 18:42
    Die Bebbi haben doch ...
    Zum Artikel: «Wir haben gesündigt, weil wir nicht stricken können»

    ... als Männerclique viel zu wenige Pfeifer, weshalb sie auch eine Punk-Band auftreten lassen müssen. Was aber keineswegs als Votum gegen den Super-Zug aufgefasst werden sollte. Ganz und gar nicht! Der Zug war super!

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