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TagesWoche

Tages Woche

Mo, 20.05.2013

Kultwerk 

15.6.2012, 00:01 Uhr

Kultwerk #34: Pickelporno

15.6.2012, 00:01 Uhr

Pipilotti Rist überzeugte schon früh mit jugendlicher Aufmüpfigkeit. Nun wird sie 50 Jahre alt. Von Karen N. Gerig

Video by Pipilotti Rist (video still) Courtesy the artist and Hauser & Wirth: Weiblichkeit im Zentrum: Der «Pickelporno» provoziert mehr durch seinen Namen als durch seinen Inhalt.

Weiblichkeit im Zentrum: Der «Pickelporno» provoziert mehr durch seinen Namen als durch seinen Inhalt. (Bild: Video by Pipilotti Rist (video still) Courtesy the artist and Hauser & Wirth)

Auf Youtube muss sich registrieren, wer Pipilotti Rists «Pickelporno» sehen will: Zu gewagt scheint das Kunstwerk den Site-Betreibern – für Kinder ungeeignet. Ein Videofilm, der sich zum Höhepunkt steigert. In dem ein Liebespaar sich zum Liebesakt vereint. In dem man steife Brustwarzen, eine Vagina im Close-up und einen erigierten Penis sieht, wenn man nicht an den falschen Stellen blinzelt. Das Schlimmste, was passieren kann, wenn ein Kind diesen Film mitsieht, ist, dass es Fragen stellt. Für mehr sind die Bilder zu wenig explizit.

Die Brustwarzen, sie sehen aus wie Himbeeren durch die extreme Nähe der Kameralinse. Finger, Knie und andere Körperteile sind kaum mehr zuzuordnen, sie ver-mengen sich zu fremdartigen Strukturen. Die Vagina erinnert an eine Blume, jenes stetig präsente Gewächs in Rists bunten Filmen. Die Kamera imitiert den forschenden Blick des Partners, der über den Körper schweift, so wie Hände ihn streicheln.
Die grobkörnigen, leicht unscharfen Aufnahmen erhalten eine fast taktile Beschaffenheit. Gefühle werden ausgedrückt in schril­len Farben, und der Zuschauer kann sich verlieren in Rists Reich der Bilderspiele. Muscheln, Blumen oder Korallen wirken als erotisch aufgeladene Metaphern, ein Vulkanausbruch steht stellvertretend für den Orgasmus.

Rist beschrieb den «Pickelporno» immer wieder als einen Versuch, eine weibliche Vorstellung von Erotik kulturell zu verankern, bei der der Körper des Mannes als positives und kreatives Lustobjekt gesehen wird. Diese weibliche Position, die in ihren Videoarbeiten eingenommen wird, war 1992 noch ziemlich neu. So war es kein Wunder, dass Pipilotti Rist mit dem «Pickelporno» nicht nur bekannt wurde, sondern regelrecht Aufsehen erregte. Rist interessiert sich immer für die Hingabe an das Leben, und das Ziel des «Pickelporno» war es, sexuelle Empfindungen zu visualisieren.

Der Videofilm tut dies mit viel Leichtigkeit und mit einer Prise feinen Humors, der sich schon im Titel spiegelt und der in der visuellen Sprache immer wieder durchdringt.

Um Pornografie jedenfalls geht in diesem Werk in keiner Weise. Zwar werden die Körper exhibitionistisch zur Schau gestellt, zwar bleibt alles im Auge des Betrachters, doch es bleibt kein Raum für Voyeurismus oder gar Schamgefühle. Auch auf Youtube nicht.

Elisabeth Rist, wie Pipilotti mit bürgerlichem Namen heisst, wurde am 21. Juni 1962 in Grabs (SG) geboren. Sie studierte in den Achtzigerjahren in Basel und kam bald bei der Galerie Stampa unter, die ihr 1993 eine Einzelausstellung einrichtete. Damit begann der Aufstieg der St. Galler Künstlerin. Heute gehört sie zu den Top Ten der weltweit besten Künstler. Im Kunstmuseum St. Gallen ist noch bis Ende November 2012 eine Retrospektive mit Rists Werken zu sehen.

Bisher wurden keine Kommentare zu diesem Artikel von der Redaktion hervorgehoben.

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Informationen zum Artikel

15.6.2012, 00:01 Uhr

Kultwerk #34: Pickelporno

Text

Text:

  • 17.05.2013 um 14:06
    Bilder gehen wohl doch auf Wanderschaft

    Teile der Sammlung sollen während der Schliessung des Kunstmuseums nun eventuell doch im Ausland zu sehen sein. An einer Medienkonferenz wurde am Freitag sonst vor allem erklärt, aber wenig Neues bekannt gegeben.

  • 08.05.2013 um 16:57
    Immer noch voller Pläne

    Seit 20 Jahren führt Tony Wuethrich seine Galerie an der Vogesenstrasse. Ein Grund zum Feiern.

  • 08.05.2013 um 10:44
    Das Kunstmuseum macht ein Jahr Pause

    Das Kunstmuseum Basel muss wegen Sanierungsarbeiten ab Februar 2015 für ein Jahr seine Türen schliessen. Gemeinsam mit dem Erweiterungsbau soll der aufgefrischte Altbau im März 2016 wiedereröffnet werden.

  • 07.05.2013 um 16:08
    Comixshop
    Zum Artikel: Basler Kult.kino Atelier will expandieren

    Liebe Frau Suess, wie mir gerade offiziell bestätigt wurde: Der Comixshop wird sicher in der Thaterpassage verbleiben – dies auf ausdrücklichen Wunsch der kult.kino-Leute, die dessen Nachbarschaft sehr schätzen, wie Suzanne Schweizer mir soeben versich...

  • 26.01.2013 um 20:14
    Fotostrecke
    Zum Artikel: Ein Auftakt nach Mass

    Lieber Kulturbetrachter, tatsächlich haben wir ansonsten noch keine Klagen erhalten, und bei uns funktionieren die Fotostrecken auch von ausserhalb. Ich leite das Problem aber gerne trotzdem mal an unsere Techniker weiter. Schönen Wochenendrest, Karen ...

  • 23.12.2012 um 14:06
    Heieiei....
    Zum Artikel: 7 Weihnachtsfilme für Stubenhocker

    Lieber Herr Wilhelm, Sie haben recht. Zwar haben wir Edward gefunden, als wir anfingen, die Liste zu erstellen - doch jetzt kommt der Film im Programm tatsächlich nicht mehr vor. Äusserst schade, finde ich. Wir haben den Tipp nun ausgetauscht gegen ein...

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