LOGIN

Registrierung

  • Mit Ihrem Benutzerkonto können Sie Ihr Abo verwalten, Artikel kommentieren und mit anderen Leserinnen und Lesern in Kontakt treten.

    Das Benutzerkonto ist kostenlos und kann jederzeit wieder gelöscht werden.

    Bitte geben Sie Ihre E-Mail Adresse ein. Wir werden diese unter keinen Umständen an Dritte weitergeben.

Registrierung

Fast fertig...

Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt. Bitte prüfen Sie Ihren Posteingang und aktivieren Sie Ihr Benutzerkonto, indem Sie auf den Link in der E-Mail klicken.

Basel

Open

eingeloggt als
Ausloggen


An Redaktion schreiben

  • Erlaubte Dateiformate: Bilder (jpg, png, gif) Dokumente (pdf)

Registrierung

Mit Ihrem Benutzerkonto können Sie Ihr Abo verwalten, Artikel kommentieren und mit anderen Leserinnen und Lesern in Kontakt treten.

Das Benutzerkonto ist kostenlos und kann jederzeit wieder gelöscht werden.

Bitte geben Sie Ihre E-Mail Adresse ein. Wir werden diese unter keinen Umständen an Dritte weitergeben.

Fast fertig...

Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.

Bitte prüfen Sie Ihren Posteingang und aktivieren Sie Ihr Benutzerkonto, indem Sie auf den Link in der E-Mail klicken.

Sollten Sie die E-Mail innert 10 Minuten nicht erhalten haben, kontrollieren Sie, ob die E-Mail möglicherweise im Spam-Filter hängen geblieben ist. Ist die E-Mail auch dort nicht aufzufinden, schreiben Sie uns an anmelden@tageswoche.ch und wir kümmern uns darum.

Wir freuen uns, Sie in wenigen Minuten in unserer Community begrüssen zu dürfen.

Passwort wiederherstellen

Ein kleiner Nachruf 

20.6.2012, 15:33 Uhr

«Und wenn die Welt auch untergeht, das Twist wird für immer bleiben»

20.6.2012, 15:33 Uhr

In der Nacht auf diesen Mittwoch ist in Sissach nicht irgendein Pub abgebrannt. Mit dem «Twist» an der Bahnhofsstrasse verschwindet eine der letzten Gewissheiten. Ein kleiner Nachruf für einen verachteten Ort. Von

Polizei BL (ausgerechnet!): Da geht es hin, das «Twist».

Da geht es hin, das «Twist». (Bild: Polizei BL (ausgerechnet!))

Sie haben uns erzählt von früher, von Säcken voller Drogen, von gescheiterten Existenzen und Randfiguren. Sie haben uns gewarnt vor zwielichtigen Gestalten und unklaren Absichten.

Und genau darum drückten wir die schwere, dunkle Türe immer wieder auf und betraten einen Ort, den es eigentlich gar nicht mehr geben konnte. Nicht geben durfte. Wir tranken Bügelbier (denn wir trauten der Zapfanlage nicht), wir tranken mehr Bügelbier, wir rauchten tausend Zigaretten und gingen manchmal mit den Kiffern nach draussen. Wir wählten Hotel California auf der Jukebox (2201), alles von Pink Floyd und Black Sabbath und Herbert Grönemeyer und manchmal auch den einen Song von Stiller Has (kam aber nicht so gut an).

Wir wussten viele Dinge über diesen Ort und wir wiederholten sie gerne. Wir sagten: «Hier kannst du hin, und du weisst, es gibt immer jemanden, dem es noch schlechter geht als dir.» Wir schauten die stehengebliebene Pendule an, die abgeschliffenen Tische, die dunklen Balken, den verschmierten Töggelikasten und wir sagten: «Wenn die Welt auch untergeht, das Twist wird für immer bleiben.» Und manchmal schrieben wir unseren Kummer zu all den anderen Botschaften auf dem Fensterrahmen neben dem Pissoir und sagten nichts mehr.

Alle brauchen ein «Twist»

Wer das alles nun für die unreifen Schwärmereien eines heranwachsenden Mannes hält, der hat natürlich recht. Aber eben nicht ganz. Das in der Nacht auf Mittwoch abgebrannte «Twist» an der Bahnhofsstrasse in Sissach (die Brandursache wird noch ermittelt) war nicht nur der Ort der eigenen verlorenen Jugend und der durchzechten Nächte. Das «Twist» war ein Ort, wie ihn jedes mittelgrosse, mittelspiessige, mittelmässige Dorf braucht: Es war ein Platz für alle Anderen. Für die Durchgefallenen, für die verlorenen Seelen, die sonst niemanden hatten. Im Dorf selber (und über das Dorf hinaus, wenn ich mir vergegenwärtige, was für böse Dinge die Kollegen am Tag nach dem Brand über das Pub von sich gaben!) war das «Twist» ein schlechter und schändlicher Ort. Die Behörden wollten es schon lange schliessen, wollten eine Garage oder einen Parkplatz oder ein Einkaufscenter oder was auch immer an die Stelle des Hauses an der Bahnhofsstrasse bauen. Dabei verkannten sie den tieferen Sinn, den das «Twist» für die Dorfgemeinschaft hatte. Das «Twist» war ein Korrektiv für das durchorganisierte Leben auf dem Land. Ein Sehnsuchtsort für kleine Fluchten. Eine der letzten Gewissheiten.

Ohne sozialen Kodex

Dass im Pub nur «niedrige soziale Schichten» und «Schüler» verkehrt haben sollen, wie «Onlinereports» heute geschrieben hat, ist Ausdruck vom verqueren Bild der Aussenwelt auf dieses Pub. Und es ist falsch. Das wirklich schöne am «Twist» war eben gerade die soziale Durchmischung. Regierungsräte, Geschäftsleute, Journalisten (viele!), Arbeiter, Alkoholiker, Kiffer – niemand wurde beim Eintreten ins «Twist» schräg von der Seite angeblickt oder komisch angemacht. Der soziale Kodex, wie es ihn an so vielen anderen Orten gibt, der fehlte im «Twist».

Und nun fehlt es selber. Die Welt dreht sich weiter, das «Twist» gibt es nicht mehr. Dabei waren wir uns so sicher.

Mehr zum Thema

Die Geschichten des Tages

Abonnieren Sie unseren Newsletter. Die Geschichten des Tages, jeweils um 17 Uhr bequem und kostenlos per Mail geliefert.

Verwandte Artikel

Zwei Verletzte bei Hausbrand in Sissach Weiterlesen

Oder spended Sie
einen eimaligen
Betrag

Reaktionen

  1. Henri Ginther

    am 20.06.2012, 16:00

    Sehr gut dieser kleine Nachruf. Ich wünsche der trauernden Kundschaft alles Gute für die Zukunft.

  2. Fränzi Reist

    am 20.06.2012, 20:31

    Man kann's nicht anders nennen als einen Nachruf, denn nachgerufen wird verstorbenen Lebenden: "Leben" passt so gut zum Twist. Versuchen nicht die viele stylische Bars eigentlich so zu sein wie das Twist, machen auf abgenutzt und Brockenstuben-Interieur mit verschriebenen Pissoirs und Jukeboxen - und zum Schluss sitzen nur Hipster drin, gar nicht der wahre lebendige Querschnitt? So ein schöner Artikel Philipp, vielen Dank!

  3. Danny Exnar

    am 21.06.2012, 01:46

    Schön gerufen, Philipp!
    Ein Freund von mir hat das Twist mal so beschrieben: "Stell Dir vor, Du wärest auf Interrail und würdest in irgend einem zufälligen Kaff aussteigen, aus dem Bahnhof torkeln und in einer Kneipe wie dem Twist landen - Du wärest ein Leben lang stolz auf Deine Entdeckung und würdest zu Hause Deinen Freunden von diesem unverfälschten Geheimtipp in the middle of nowhere vorschwärmen."
    So sehr ich dem Twist eine Wiedereröffnung wünsche, es wird nicht mehr das Gleiche sein.... ... mehrSchön gerufen, Philipp!
    Ein Freund von mir hat das Twist mal so beschrieben: "Stell Dir vor, Du wärest auf Interrail und würdest in irgend einem zufälligen Kaff aussteigen, aus dem Bahnhof torkeln und in einer Kneipe wie dem Twist landen - Du wärest ein Leben lang stolz auf Deine Entdeckung und würdest zu Hause Deinen Freunden von diesem unverfälschten Geheimtipp in the middle of nowhere vorschwärmen."
    So sehr ich dem Twist eine Wiedereröffnung wünsche, es wird nicht mehr das Gleiche sein. Adieu!

  1. Henri Ginther

    am 20.06.2012, 16:00

    Sehr gut dieser kleine Nachruf. Ich wünsche der trauernden Kundschaft alles Gute für die Zukunft.

  2. Fränzi Reist

    am 20.06.2012, 20:31

    Man kann's nicht anders nennen als einen Nachruf, denn nachgerufen wird verstorbenen Lebenden: "Leben" passt so gut zum Twist. Versuchen nicht die viele stylische Bars eigentlich so zu sein wie das Twist, machen auf abgenutzt und Brockenstuben-Interieur mit verschriebenen Pissoirs und Jukeboxen - und zum Schluss sitzen nur Hipster drin, gar nicht der wahre lebendige Querschnitt? So ein schöner Artikel Philipp, vielen Dank!

  3. Burkhard Jörg

    am 20.06.2012, 20:48
  4. A S

    am 20.06.2012, 22:33

    Wenn so ein Ort verschwindet, hinterlässt er ein Vakuum und es kann lange dauern, bis etwas Neues entsteht, das auf diese Art Leben in die Kleinstadt bringt. Ein Nachruf ist deshalb sehr angebracht und dieser hier spricht mir direkt aus dem Herzen, auch wenn "meine" Beiz woanders war und schon länger nicht mehr ist.

  5. Danny Exnar

    am 21.06.2012, 01:46

    Schön gerufen, Philipp!
    Ein Freund von mir hat das Twist mal so beschrieben: "Stell Dir vor, Du wärest auf Interrail und würdest in irgend einem zufälligen Kaff aussteigen, aus dem Bahnhof torkeln und in einer Kneipe wie dem Twist landen - Du wärest ein Leben lang stolz auf Deine Entdeckung und würdest zu Hause Deinen Freunden von diesem unverfälschten Geheimtipp in the middle of nowhere vorschwärmen."
    So sehr ich dem Twist eine Wiedereröffnung wünsche, es wird nicht mehr das Gleiche sein.... mehrSchön gerufen, Philipp!
    Ein Freund von mir hat das Twist mal so beschrieben: "Stell Dir vor, Du wärest auf Interrail und würdest in irgend einem zufälligen Kaff aussteigen, aus dem Bahnhof torkeln und in einer Kneipe wie dem Twist landen - Du wärest ein Leben lang stolz auf Deine Entdeckung und würdest zu Hause Deinen Freunden von diesem unverfälschten Geheimtipp in the middle of nowhere vorschwärmen."
    So sehr ich dem Twist eine Wiedereröffnung wünsche, es wird nicht mehr das Gleiche sein. Adieu!

Informationen zum Artikel

20.6.2012, 15:33 Uhr

«Und wenn die Welt auch untergeht, das Twist wird für immer bleiben»

Text

Text:

  • 20.08.2013 um 12:04
    Zu schön
    Zum Artikel: Im Reservat der Lokalchauvinisten

    Soeben erreicht mich eine Mail von Matthias Müller, dem Gründer des «Club de Bâle». Er schreibt, dass seinen Informationen zufolge niemand der Involvierten des Club de Bâle hinter dem gleichnamigen Pseudonym in unseren Kommentaren steht. Wir sind im...

  • 19.08.2013 um 21:08
    Vorurteile
    Zum Artikel: Im Reservat der Lokalchauvinisten

    Sehr geehrte Damen und Herren des Club de Bâle, Ich kann mich nur wiederholen: Es ist Ihr gutes Recht, einen exklusiven Club zu gründen. Sie dürfen auch gerne Spässe über meinen Nachnamen machen – da wären Sie nicht die Ersten. Wo ich hingegen Mühe hab...

  • 12.08.2013 um 22:10
    Wägen, wägen
    Zum Artikel: Die BVB schaffen Raum für Spekulationen

    Liebe Herren, die «Dienstwägen» gehen auf das Konto des Dienstchefs (was ja noch passend ist), meine Kollegin Yen hatte damit nichts zu tun. Und: Aus den Wägen sind nun wieder Wagen geworden. Die von den BVB-Kaderleuten privat gefahren werden oder auch...

Aktuell

Reuters/MIGUEL VIDAL: Zuverlässiger Goalgetter des FC Porto: Der Kolumbianer Jackson Martinez trifft auch beim 4:0 gegen Setubal.

Fussball, Portugal 

Die makellose Antwort des FC Porto

Die Torjäger treffen beim 4:0-Heimsieg des FC Porto in der heimischen Meisterschaft. Der Gegner des FC Basel in der Champions League hat in den nächsten Wochen ein vollgepacktes Programm vor sich.Von Christoph Kieslich. Weiterlesen

SI: Die Schweizer gingen durch Simon Moser 1:0 in Führung

Eishockey 

Schweiz gewinnt Heimturnier

Das Schweizer Eishockey-Nationalteam gewinnt zum zweiten Mal nach 2012 das Heimturnier in Arosa. Im Final bezwingen sie Weissrussland, das ehemalige Team von Nationaltrainer Glen Hanlon, mit 3:2.Von SI. Weiterlesen

SI: Simon Ammann musste sich mit Platz 9 begnügen.

Skispringen 

Sieg für Freitag, Ammann auf Platz neun

Mit einer deutlichen Leistungssteigerung im zweiten Durchgang verbessert sich Simon Ammann beim Weltcup-Skispringen in Engelberg noch vom 15. auf den 9. Platz. Den Tagessieg holt sich Richard Freitag. Von SI. Weiterlesen