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Jugendforensik 

15.6.2012, 00:01 Uhr

Weder Knast noch Freizeitpark

15.6.2012, 00:01 Uhr

Ein Blick hinter die Glasscheiben der psychiatrischen Abteilung für junge Straftäter. Von

Ihm wurde plötzlich schwarz vor Augen. Er rannte davon. Es passierte immer wieder. Die Eltern brachten ihn erstmals in die Psychiatrie, als er 13 Jahre alt war. Die Ärzte stellten fest: Matthias* hat dissoziative Zustände: Die Funktionen seines Bewusstseins werden unterbrochen, er nimmt die Umwelt anders wahr als andere Menschen.

Matthias wurde behandelt. Durfte die Klinik verlassen, bei seinem Vater in der Firma helfen. Metallbau. Später hätte er gern eine Lehre bei ihm begonnen. Doch es passierte wieder. Ihm wurde schwarz, er rannte davon. «Ich spürte eine grosse Wut in mir.» Er wollte sie loswerden, die Wut.
Matthias fing an, Brände zu legen. Er zündete Mülleimer an, Autos, Gartenhäuser. Am Schluss setzte er eine Tiefgarage in Brand. Von der Jugendfeuerwehr her kannte er sich aus mit Bränden. «Es war die einzige Möglichkeit, Druck abzubauen.» Nur durch Glück wurde nie jemand verletzt.

Delikt nicht im Vordergrund

Inzwischen ist Matthias 20 Jahre alt. Und wieder in einer Klinik, zum ­x-ten Mal. Er war einer der ersten Pa­tienten der jugendforensischen Abteilung in den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK). Vor gut einem halben Jahr wurde die Abteilung eröffnet, es ist schweizweit die einzige Station dieser Art. Jugendliche Straf­täter mit psychischen Erkrankungen werden dort behandelt. Sie haben schizophrene, autistische oder andere Störungen in der Entwicklung. Und sie haben jemanden schwer verletzt, Tiere gequält – oder Brände gelegt.

Doch nicht die Delikte stehen hier im Vordergrund, sondern die psychischen Probleme. Ziel ist es, die Jugendlichen zu heilen oder die Störung zu verbessern. Die acht Patienten auf der Abteilung wussten schon vorher, wie es ist, eingesperrt zu sein. Alle waren in Massnahmeeinrichtungen, im Gefängnis oder in psychiatrischen Abteilungen für Erwachsene. Oberarzt Peter ­Tischer besucht die potenziellen Patienten, bevor er der Jugendanwaltschaft des zuständigen Kantons grünes Licht für eine Aufnahme gibt.

Er weiss: «Eine geringe Frustra­tionstoleranz haben die meisten.» Wenn jemand aber nicht in die Gruppe passt, sich der Therapie komplett verweigert, die psychische Störung nicht ausgeprägt oder die «Frustrationstoleranz» besonders tief ist, lehnt er eine Aufnahme auch schon mal ab. Derzeit sind zwei Plätze auf der Abteilung frei.

TV-Gerät ersetzt, Sofa repariert

Matthias isst sein Mittag- und Abendessen jeweils auf seinem Zimmer. An der Wand hängt ein Lastwagen-Poster, auf dem Kopfkissen sitzt ein Esel aus Stoff. Der Raum ist karg eingerichtet: ein Bett, ein Tisch, ein Schrank. Es sind keine Gitter angebracht, öffnen lässt sich das Fenster aber nicht. Die Tür ist nur nachts zu, ein Schlüssel fehlt.

Matthias gehört zu den wenigen ruhigen Patienten hier, das gemeinsame Essen wird ihm rasch zu viel. «Es ist mir zu laut», sagt er. Frühstücken muss er jedoch in der Gruppe, das ist Teil der Therapie. Dort bekommt er manchmal mit, wie «ein Stuhl durch die Gegend fliegt oder etwas zu Bruch geht».

Das einzige TV-Gerät musste bereits ersetzt werden. Auch das Sofa, das vor einem halben Jahr noch dort stand, wird derzeit repariert. Sitzsäcke müssen seither genügen, wobei auch diese schon erneuert werden mussten.

Die meisten Jugendlichen hatten das, was als «schwere Kindheit» bezeichnet wird. Trinkende, schlagende Eltern, keinen Halt, niemanden, der sich kümmert. Bei Matthias war das anders. Er spricht von einer «glücklichen Kindheit». Und freut sich immer, wenn Eltern und Geschwister aus Zürich ­anreisen. Dann wird Matthias in den Besucherraum gebracht. Er muss mehrere Türen passieren, bis er die Familie umarmen kann. Die Sicherheitsvorkehrungen sind streng – an ein Gefängnis erinnert optisch jedoch nichts. «Wir sind weder Knast noch Vergnügungspark», sagt Peter Tischer.

Wenn die «Brandgedanken» kommen

Ein Vergnügen besteht darin, auf dem Hometrainer die Muskeln zu trainieren oder Tischtennis zu spielen. Meist haben solche Aktivitäten nebst Gruppentherapien, Einzelgesprächen und medikamentösen Behandlungen therapeutische Hintergründe. Tischtennis hilft bei Matthias nicht, er macht Liegestützen, spricht mit der Therapeu­tin oder isst etwas, wenn die «Brand­gedanken» kommen.

Jeder Patient hat seine eigenen Vorlieben und Fähigkeiten. In die Ergotherapie müssen alle ­gehen. Ob sie malen, flechten oder Kunstobjekte aus Speckstein herstellen, entscheiden sie selber. Wir lange kann sich ein Patient konzentrieren? Wie geschickt stellt er sich an? Die Antworten sind wichtig für eine allfällige berufliche Zukunft.

Die forensische Abteilung hat im März für Schlagzeilen gesorgt, als ein Mann ausbrach und mit einem gestohlenen Auto flüchtete. Die Irrfahrt endete mit dem tragischen Unfall auf der Mitt­leren Brücke, wo der Mann Menschen überfuhr und dabei eine Frau tötete. Mit seinen 27 Jahren war er auf der Erwachsenenstation untergebracht. Es gebe jedoch häufig junge Männer, die mit über 18 Jahren gesetzlich als erwachsen gelten würden, es aber noch nicht seien, sagt Peter Tischer. Er wünscht sich, dass in Ausnahmen Strafmassnahmen verlängert werden könnten. In der jetzigen Praxis kann eine Massnahme nur bis zum 22. Lebensjahr ausgesprochen werden.

Höhere Altersgrenze erwünscht

Auch Beat Burkhardt, Leitender Jugendanwalt der Basler Staatsanwaltschaft, wäre froh, Massnahmen könnten in Einzelfällen bis zum 25. Le­bensjahr weitergezogen werden, wie es bis zur Revision des Jugendstrafrechts 2007 der Fall war. «Das wäre in speziellen Fällen zweckmässig», sagt er. Auch in Bundesbern ist eine An­hebung der Altersgrenze Thema – und es spricht vieles dafür, dass die Revision in diesem Punkt rückgängig gemacht wird. Noch ist es aber nicht so weit.

Im Fall von Matthias heisst das: Für ihn als ältester Patient auf der Abteilung muss spätestens in zwei Jahren ein neuer Ort gesucht werden – sofern er dann noch Behandlung braucht. Ein Ort, an dem nur Erwachsene sind. Das kennt er bereits, bis vor einem halben Jahr war er in einer forensischen Sicherheitsstation bei Zürich unter­gebracht – als jüngster Patient. «Es war ein Hochsicherheitstrakt. Doch mit den Leuten kam ich zurecht.»

Dennoch: Zurück wolle er nicht. Weil er die Gefängnissituation nicht möge. Und weil er hoffe, in der UPK die Voraussetzungen für eine «normale» Zukunft schaffen zu können. Im Hinblick auf eine spätere Lehre wird er jeden Morgen in Englisch, Deutsch und Mathematik unterrichtet.

Doch da ist auch die andere Seite: Nach zwei Suizidversuchen verbringt Matthias die Nachmittage im Isola­tionsraum. Das stört ihn nicht. Dort kann er lesen, Bücher über Lastwagen und Architektur. «Ich traue mir nicht zu, in Freiheit zu leben.» Noch nicht, sagt er.

*Name der Redaktion bekannt

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15.6.2012, 00:01 Uhr

Weder Knast noch Freizeitpark

Text

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