LOGIN

Registrierung

  • Mit Ihrem Benutzerkonto können Sie Ihr Abo verwalten, Artikel kommentieren und mit anderen Leserinnen und Lesern in Kontakt treten.

    Das Benutzerkonto ist kostenlos und kann jederzeit wieder gelöscht werden.

    Bitte geben Sie Ihre E-Mail Adresse ein. Wir werden diese unter keinen Umständen an Dritte weitergeben.

Registrierung

Fast fertig...

Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt. Bitte prüfen Sie Ihren Posteingang und aktivieren Sie Ihr Benutzerkonto, indem Sie auf den Link in der E-Mail klicken.

Basel

Open

eingeloggt als
Ausloggen


An Redaktion schreiben

  • Erlaubte Dateiformate: Bilder (jpg, png, gif) Dokumente (pdf)

Registrierung

Mit Ihrem Benutzerkonto können Sie Ihr Abo verwalten, Artikel kommentieren und mit anderen Leserinnen und Lesern in Kontakt treten.

Das Benutzerkonto ist kostenlos und kann jederzeit wieder gelöscht werden.

Bitte geben Sie Ihre E-Mail Adresse ein. Wir werden diese unter keinen Umständen an Dritte weitergeben.

Fast fertig...

Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.

Bitte prüfen Sie Ihren Posteingang und aktivieren Sie Ihr Benutzerkonto, indem Sie auf den Link in der E-Mail klicken.

Sollten Sie die E-Mail innert 10 Minuten nicht erhalten haben, kontrollieren Sie, ob die E-Mail möglicherweise im Spam-Filter hängen geblieben ist. Ist die E-Mail auch dort nicht aufzufinden, schreiben Sie uns an anmelden@tageswoche.ch und wir kümmern uns darum.

Wir freuen uns, Sie in wenigen Minuten in unserer Community begrüssen zu dürfen.

Passwort wiederherstellen

Gay Basel 

15.6.2012, 00:01 Uhr

Schwul – na und?

15.6.2012, 00:01 Uhr

«Gay Basel»-Aktivist Johannes Sieber und der Basler FDP-Präsident Daniel Stolz reden über Coming-outs, gesellschaftliche Probleme und politische Ziele der Schwulen. Von und

Basile Bornand: Machen sich stark für die rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen – und gegen Diskriminierung: Daniel Stolz und Johannes Sieber.

Machen sich stark für die rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen – und gegen Diskriminierung: Daniel Stolz und Johannes Sieber. (Bild: Basile Bornand)

Daniel Stolz dürfte den meisten Baslern als Grossrat und Präsident der Basler FDP bekannt sein. Im Herbst letzten Jahres trat er gegen Ständerätin Anita Fetz (SP) an – und unterlag deutlich gegen die bisherige Amtsinhaberin. Eine Regierungskandidatur lehnte er dieses Jahr ab, weil er im Januar zum Statthalter des Grossen Rats gewählt wurde und als solcher gute Chancen hat, nächstes Jahr zum Grossratspräsidenten gewählt zu werden. Stolz ist Geschäftsleiter der Aids-Hilfe beider Basel.

Johannes Sieber ist Kulturunternehmer und Kopf der eigenen Kulturmanagementfirma Netzlabor. Seit 2005 leitet er als Gründungsmitglied und Geschäftsführer die Nonprofit-Orga­nisation «Gay Basel», eine Plattform zur Förderung der lesbisch-schwulen Kultur in Basel und der Region. «Gay Basel» organisiert alljährlich anstelle der in vielen anderen Städten traditionellen Feier zum Christopher Street Day eine grosse Party auf dem Basler Schiff, die jeweils um die tausend Leute anzieht. Dieses Jahr findet die «Gay Basel»-Sause am Abend des 23. Juni statt. Was gibt es zu feiern? Und wogegen kämpfen Homosexuelle heute noch an? Im Vorfeld des Anlasses baten wir ­Daniel Stolz, der die Basler FDP präsidiert und die regionale Aids-Hilfe leitet, und den Veranstalter und Netzwerker Johannes Sieber an einen Tisch.

Wann hatten Sie Ihr Coming-out?

Johannes Sieber: Das lässt sich nicht auf einen bestimmten Zeitpunkt beschränken, sondern ist ein Prozess, der mit 14 Jahren begann und bis heute andauert.

Inwiefern?

Sieber: Heute noch fragen mich Leute: «Und wie läufts privat? Hast du eine Freundin?» Worauf ich antworte: «Nein, aber einen Freund.»

Gibt es Situationen, in denen Sie das verschweigen?

Sieber: Ja, natürlich. Wenn ich in der Bäckerei stehe und Brot kaufe, gibt es ja keinen Grund, meine Homosexualität zu thematisieren. Wenn sich aber andere nach meinem Privatleben erkundigen, dann rede ich offen darüber.

Wie ist es bei Ihnen, Herr Stolz?

Daniel Stolz: Sehr ähnlich. Ich stehe nicht jeden Morgen auf und sage mir: Wow, ich bin schwul! Ich habe den ­Anspruch an unsere Gesellschaft, dass sie das als normal betrachtet. Hat aber jemand Fragen, gehe ich gerne darauf ein. Ich kann Ihnen auch keine spek­takuläre Coming-out-Story liefern: Seit 20 Jahren lebe ich in einer Beziehung und habe nie ein Geheimnis ­daraus ­gemacht. Dennoch ist es in den Medien nur selten ein Thema gewesen – und wenn, dann störte das andere Leute meist stärker als mich selber.

Worauf spielen Sie an?

Stolz: Nun, als ich mich 2006 für das Präsidium der FDP zur Verfügung stellte, strahlte Telebasel einen Bericht über die Kampfwahl aus und setzte dabei die Schlagzeile «Schwuler Angestellter gegen Immobilien-Hai». Mein Konkurrent Urs Gribi regte sich darüber auf, ganz im Unterschied zu mir: Dass ich ein schwuler Angestellter war, entsprach ja der Tatsache. Dennoch fanden viele Freunde in meinem Umfeld, dass ich mich wehren sollte.

Weil es als diskriminierend ­gewertet werden kann, dass die ­sexuelle Orientierung so in den Vordergrund gerückt wird?

Stolz: Ja. Ich sehe das aber gelassen. Als Politiker muss man sich bewusst sein, dass man in der Öffentlichkeit steht und stärker durchleuchtet wird als andere Menschen. Hätte ich mich über diese Schlagzeile beklagt, hätte ich dieser eine viel grössere Bedeutung eingeräumt. Das wollte ich nicht.

Was hat Sie eigentlich politisiert? Die fehlende Gleichstellung?

Stolz: Nein. Ich war zwar von 2001 bis 2005 im Vorstand von Pink Cross tätig, der schwulen Dachorganisation in der Schweiz, doch war das vielmehr die ­Folge meines politischen Engagements. Politik und Geschichte interessierten mich schon als Teenager.

2001 wurden Sie in den Grossen Rat gewählt. Damals machten Sie sich in einem Interview mit -minu für die registrierte Partnerschaft stark. Seit fünf Jahren ist diese möglich: Haben Sie es getan?

Stolz: Jetzt haben Sie mich erwischt! Wir haben es bisher versäumt, uns eintragen zu lassen.

Dabei war diese Forderung doch Ihr erster Vorstoss als Grossrat.

Stolz: Ich weiss. Ich war selber überrascht, wie rasch es auf eidgenössischer Ebene realisiert wurde. Mir ging es darum, das Thema voranzutreiben, die rechtliche Möglichkeit zu schaffen. Man muss als Mann ja auch nicht verheiratet sein, nur weil man mit einer Frau zusammen ist und das Recht dazu hätte.

Das stimmt. Es scheint, dass homosexuelle Politiker oft in Linksparteien zu Hause sind: Ständerat Claude Janiak, die Zürcher Stadtpräsidentin Corinne Mauch, der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit. Sie sind in der FDP gelandet, Herr Stolz. Was lief da falsch?

Stolz: (lacht) Gar nichts! «Schwul gleich links», diese Gleichung ist schlicht falsch. Es gibt viele schwule Führungskräfte – und auch in der ­Politik findet man durchaus schwule Bürgerliche, denken Sie nur an den deutschen Aussenminister Guido Westerwelle. Aber ich bezeichne mich lieber als liberal, weil ich von der Freiheit des Einzelnen ausgehe.

Hat sich Ihr Bekenntnis politisch auch mal als Nachteil erwiesen?

Stolz: Nicht dass ich wüsste, nein.

Die LDP empfahl Sie 2011 aber nicht für den Ständerat. Das hat uns überrascht.

Stolz: Das stimmt. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass der Grund dafür in meinem Privatleben zu suchen ist. Die politische Lage war sehr komplex.

Welche Gründe gibt es heute noch, als Schwuler auf politischer Ebene zu kämpfen?

Sieber: Zum Beispiel für das Recht, Kinder adoptieren zu können. Das sollte auch gleichgeschlechtlichen Paare möglich sein. Sollte das in zehn Jahren ein Thema in meinem Leben werden, wäre ich froh, wenn die Rechtsgrundlage ­dafür geschaffen worden ist.

Wofür kämpfen Sie sonst noch?

Sieber: Für gesellschaftliche Akzeptanz. Da sind längst nicht alle Ziele ­erreicht, solange ich auf der Strasse als «schwule Sau» beschimpft werde. Kürzlich erlebte ich im Tram, wie Jugend­liche mit dem Schimpfwort «schwul» um sich schlugen. Dagegen sollte man ankämpfen. Würde jemand in einer Klasse als «jüdische Sau» bezeichnet, würde der Lehrer ja auch völlig zu Recht intervenieren. In diesem Bereich gibt es noch viel Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit zu leisten, weshalb ich schon bei der Fachstelle für Integration in Basel vorstellig geworden bin.

Stolz: Aufklärung ist auch nötig, weil das Coming-out keineswegs bei allen so problemlos verläuft wie bei uns. Je nach familiärem oder religiösem Hintergrund kann das einen enorm grossen Schritt bedeuten und einen jungen Menschen vor grosse Probleme stellen. Selbst in modern-aufgeklärter Umgebung ist ein Coming-out immer eine Herausforderung.

Inwiefern?

Stolz: Weil die Feststellung, dass man nicht der gesellschaftlichen Norm entspricht, verunsichert. Es gibt heute noch junge Schwule, die ein Doppelleben ­führen, weil sie sich nicht trauen, sich in ihrem Familien- und Freundeskreis zu outen. Zum Beispiel, weil um sie herum Homosexualität als Sünde verdammt wird und sie mit Repressionen rechnen müssen. Das erklärt auch, weshalb es eine massiv überdurchschnittliche Anzahl Suizide von Jugendlichen und jungen Erwachsenen gibt.

Ist das so?

Stolz: Leider, ja. Manche Jugendliche sind verzweifelt, so gross ist die Furcht vor Ablehnung innerhalb der Familie, im Freundeskreis oder in der Schule. Deshalb müssen wir weiter kämpfen und sicherstellen, dass das Pendel nicht zurückschlägt. Man darf nicht vergessen, wie sehr Homosexuelle in Ländern wie Serbien, Russland oder im arabischen Raum unterdrückt werden. Auch in den USA bilden evangelikale Christen und Fundamentalisten eine Macht, die nichts von Gleichstellung hält.

US-Präsident Obama hält dagegen. Er hat sich kürzlich für die schwule und lesbische Ehe starkgemacht. Ist das ein rein strategischer Entscheid, um sich Stimmen einer Minderheit zu sichern?

Stolz: Es ist ihm persönlich sicher ein Anliegen, kostet ihn dieses Bekenntnis doch auch einige Wählerstimmen. Im Gegenzug gewinnt er aber sicher die Sympathien bürgerlicher Schwuler. Er ist im Wahlkampf, da spielt Strategie ­sicher auch eine Rolle. Das ist bei uns nicht anders: Wir verzichteten bewusst darauf, die Adoption als Bestandteil des neuen Partnerschaftsgesetzes zu fordern. Die Akzeptanz wäre in der Bevölkerung geringer gewesen, hätten wir auf unserer Maximalforderung beharrt. Also entschieden wir uns, etappenweise vorzugehen, um die Ziele zu erreichen.

Leben wir heute in einem besonders fortschrittlichen Land?

Stolz: Ja. Doch sind uns Länder wie Holland oder Schweden noch immer ­voraus – dort kann man längst Kinder adoptieren. Auch fehlen uns in der Schweiz im Vergleich zu anderen west­lichen Staaten Antidiskriminierungs­artikel – allerdings habe ich ein gespaltenes Verhältnis zu solchen Gesetzen, weil sie dazu beitragen, dass Meinungen völlig tabuisiert werden.

Diskriminierung und Homophobie sind auf den Schulhöfen Themen, angefeuert durch Texte wie jene des deutschen Rappers ­Bushido. Wer gibt da Gegensteuer?

Sieber: Meiner Meinung nach sollte Basel-Stadt die Aufklärung und Sensibilisierung für Homosexualität im Lehrplan implementieren – auch wenn schon einige Fortschritte erzielt wurden. In meiner Schulzeit vor 20 Jahren war ­Homosexualität im Sexualkundeunterricht noch als Perversion aufgelistet.

Müsste man nicht auch den umstrittenen «Sexkoffer» um einen Baustein erweitern?

Sieber (lacht): Doch, das wäre sicher eine sehr gute Idee.
Stolz: Es gibt Angebote, zum Beispiel das Schulprojekt «Gleichgeschlechtliche Liebe leben»: Hier können Aufklärungsstunden gebucht werden. Wir von der Basler Aids-Hilfe bieten zudem Unterrichtsstunden an, in denen auch Homosexualität angesprochen wird.

Anderseits ist die Aufhebung der Trennlinien en vogue: Die ­Szenen sind durchmischter, was sich im gängigen Label «heterofriendly gay party» manifestiert.

Stolz: Was zu einer gesellschaftlichen Entwicklung passt. Jugendliche nehmen sich heute eher die Freiheit zu sagen: «Ich weiss nicht, ob ich schwul, bisexuell, hetero oder was auch immer bin. Ich nehme mir Zeit, es herauszufinden, und entscheide dann.» Das ist eine emanzipierte Haltung. Wenn man ehrlich ist, lässt sich ja auch nicht immer alles trennscharf voneinander unterscheiden.

Das sorgt für Kritik bei älteren Schwulen: Im Gay-Basel-Blog wünscht sich der langjährige Basler Aktivist Peter Thommen eine klarere Abgrenzung. Tun sich innerhalb der Szene Gräben auf?

Sieber: Die Idee einer einheitlichen schwulen Subkultur ist in meinen Augen eine romantische Verklärung, Schwule gab es immer schon in allen Nuancen und Schichten. Viele Ziele sind erreicht, man muss seine Homosexualität nicht mehr so im Versteckten leben wie noch vor 40 Jahren. Es gibt daher eine An­näherung an die Normalität. Denkbar, dass sich manche danach zurücksehnen, als die Abgrenzung noch stärker war.

Stolz: Die Zeiten haben sich geändert, ich wünsche mir kein schwules Ghetto mehr zurück. Aber ich bin den Vorreitern dankbar für ihre Arbeit, ich sehne mich aber nicht nach den alten Zeiten zurück. Die Aids-Hilfe in Basel wurde vor über 25 Jahren in einer Wohnung gegründet, wo am Telefon rund um die Uhr Fragen beantwortet wurden. Keine Ahnung, ob das in der heutigen Zeit wieder der Fall wäre.

Damals gehörten die Schwulen zur grössten Risikogruppe für HIV-Ansteckungen. Und heute?

Stolz: Ist das leider noch immer so. Das Risiko, dass ein Mann bei einem ­sexuellen Gelegenheitskontakt auf einen HIV-positiven Mann trifft, liegt bei zirka 1 zu 7. Bei einem heterosexuellen Kontakt ist das Risiko, dass einer der beiden HIV-positiv ist, vielleicht 1 zu mehrere Tausend. Das heisst aber nicht, dass bei ihnen keine Gefahr besteht – jeder Mensch kann sich beim ersten Mal bei ­ungeschütztem Verkehr anstecken.

Sieber: Dann gibt es Männer, die in einer heterosexuellen Beziehung leben und trotzdem Sex mit Männern haben.

Stolz: Das ist so. Wir nennen dieses Segment MSM, «Männer, die mit Männern Sex haben» – eine sehr schwer zu erreichende Gruppe, die eher spon­tane, anonyme sexuelle Kontakte hat und die sich von der Prävention für Schwule kaum angesprochen fühlt …

Sieber: ... weil sie ja nicht «schwul» sind, und wenn sie Sex haben, dann meist mit einer Flasche hartem Alk im Kopf.

Stolz: Was natürlich das Risikover­halten wieder erhöht.

Sie haben Aids erwähnt: Ist die Krankheit noch immer ein Tabuthema?

Stolz: Ja. Schauen Sie nur, wie viele HIV-Positive sich outen – so gut wie kei­ne. Hier ist die Angst vor Ablehnung so gross, dass man kaum jemanden findet, der öffentlich zu dieser Krankheit steht.

Ist Prävention weiterhin nötig?

Stolz: Ja. Im Grossen und Ganzen weiss die Bevölkerung zwar über die Über­tragungswege Bescheid. Trotzdem muss das Wissen immer neu geschaffen werden. Studien haben gezeigt, dass unter Jugendlichen Unsicherheiten bestehen. Manche meinen etwa, die Pille schütze auch vor HIV-Infektionen. Allein das zeigt, dass es noch viel zu tun gibt.

Auch im Fussball sind Schwule nach wie vor ein grosses Tabu.

Stolz: Ja, nur zwei Profis haben sich meines Wissens geoutet. Der Brite Justin Fashanu nahm sich 1998 verzweifelt das Leben, die Karriere des anderen war ruiniert und er psychisch am Ende. Diese Zeichen sind nicht aufbauend. Solange junge Schwule schlimme Konsequenzen befürchten müssen, kann ich ihnen auch nicht guten Gewissens raten, sich in diesem Umfeld zu outen.

Sieber: Es würde sicher helfen, wenn ein Heiko Vogel in seiner lockeren Art mal sagen würde, ein schwuler Fussballer wäre in seinem Team willkommen. Aber ob die Zeit dafür schon reif ist? Ich weiss es nicht. Obwohl es ja sogar einen schwulen FCB-Fanclub gibt. Das ist ­immerhin ein Anfang.

Sportlerinnen haben es scheinbar einfacher, sich zu outen.

Sieber: Ja, bei Frauen ist das Vorurteil umgekehrt: Gerade bei Fussballerinnen geht man schon fast davon aus, dass sie lesbisch sind.Stolz: Schwule Männer galten aber schon immer, schon seit der Antike, als «grössere Gefahr» – gerade für heterosexuelle Männer. Sie waren auch stets sichtbarer im Vergleich zu Lesben, deren Existenz oft schlicht negiert wurde.

Auch in Basel scheinen die Lesben weniger sichtbar als die Schwulen.

Sieber: Vordergründig vielleicht, ja. Aber gerade in Basel ist die Gay-Party-Szene sehr durchmischt. Mit DJane Mary und der Partyorganisatorin ­Maggie Kaenel prägen zwei Frauen seit ­vielen Jahren das Nachtleben und lassen ihre sehr guten Netzwerke spielen. Schwieriger wird es, wenn es um poli­tische Fragen geht. Da habe ich tat­sächlich oft Mühe, lesbische Vertreterinnen zu finden, etwa für Podien. Dies wurde von lesbischer Seite auch schon kritisiert. Meine Antwort ist jeweils simpel: Ich will nicht für die Lesben sprechen, sondern bin froh, wenn sich diese melden und sich selbst vertreten. Sie sind bei «Gay Basel» mehr als willkommen!

Können Sie eigentlich auf der Strasse beurteilen, ob jemand schwul ist oder nicht?

Stolz: Ja. Fragen Sie mich nicht, wieso.

Sieber: Es gibt so was wie einen «Gay Radar» (beide lachen). Kommt mir ein heterosexuelles Pärchen entgegen, dann blicke ich zuerst automatisch den Mann an. Es geht in dieser Beurteilung vordergründig gar nicht um die sexuelle Orientierung, sondern um die Frage: Könnte ich Interesse an dieser Person haben – und diese Interesse an mir?

Hat Ihnen schon mal jemand gesagt: «Sie sind schwul? Sie sehen aber gar nicht so aus!» Oder haben wir diese Zeiten überwunden?

Stolz: Ich kann mich nicht daran erinnern. Aber vielleicht haben das Leute schon gedacht. Da muss man aufpassen. Schliesslich leben wir in einer Gesellschaft, die derartige Verstösse sanktioniert – gerade in der Politik. Was aber nicht heisst, dass Bilder wie die eines Paradiesvogel-Schwulen mit Federboa nicht mehr vorhanden wären. Die gibt es, und das ist auch okay. Abgesehen ­davon: An der Fasnacht gibt es auch ­heterosexuelle Männer, die sich gerne als Alte Tante verkleiden.

Mehr zum Thema

Mehr zum Thema

FDP, Homosexualität, Menschenrechte, Interview, LDP

Die Geschichten des Tages

Abonnieren Sie unseren Newsletter. Die Geschichten des Tages, jeweils um 17 Uhr bequem und kostenlos per Mail geliefert.

Verwandte Artikel

8000 Menschen ziehen an Pride-Parade durch Zürich Weiterlesen

Ständerat sagt knapp Ja zu Adoption für homosexuelle Paare Weiterlesen

Tageswoche honorieren

Alternativen:

Postfinance, Paypal, Flattr

Reaktionen

  1. Nein danke

    am 19.06.2012, 19:20

    Ein bisschen ab den Themen im Interview, aber weil ich dieses Wochenende in Züri an der Pride war, hier meine Meinung warum ich noch nie an der Basler Schiffsparty war:

    ZH: Findet auf einem flachen, grossen, offenen Gelände statt. Von allen Seiten her zugänglich.
    BS: Abgesperrtes Gebiet, Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer nicht vorhanden.

    ZH: Jeder kann dabeisein, einfach mal losziehen, irgendeine Bekanntschaft ist sicher dort. Chill with your friends.
    BS: Beschränkte Besucherzahl, in... ... mehrEin bisschen ab den Themen im Interview, aber weil ich dieses Wochenende in Züri an der Pride war, hier meine Meinung warum ich noch nie an der Basler Schiffsparty war:

    ZH: Findet auf einem flachen, grossen, offenen Gelände statt. Von allen Seiten her zugänglich.
    BS: Abgesperrtes Gebiet, Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer nicht vorhanden.

    ZH: Jeder kann dabeisein, einfach mal losziehen, irgendeine Bekanntschaft ist sicher dort. Chill with your friends.
    BS: Beschränkte Besucherzahl, in gewissem Masse elitär.

    ZH: Gratis, nur Verpflegung an den Ständen kostet.
    BS: Eintritt mit Abendkasse und Vorverkauf, zusätzlich zur Konsumation.

    ZH: Fluchtwege/Notausgänge bei Panik reichlich vorhanden.
    BS: Kommt einem KZ ähnlich. Homosexuelle auf dem Schiff ansammeln, Anschlag verüben oder sinken lassen, alle tot.

    ZH: Von Mainstream über Markenkleider-Tunten über Kampflesben über Bären über Lederkerle über Lipstick-Lesbians alles vertreten.
    BS: junges Mainstream-Publikum bis dein-Alter-tolerieren-wir-noch-aber-mach-uns-nicht-an.

    ZH: Full of win.
    BS: Epic fail.

    Bitte ändern, wenn möglich.

  2. Phil Boesiger

    am 19.06.2012, 20:46

    Wenn ich dieses Interview und ähnliche Artikel so lese, bekomme ich immer stärker den Eindruck, die einzigen, die sich ausgrenzen, sind die Schwulen und Lesben selbst. Gerade mit der Betonung auf ihre "Andersartigkeit" wird doch erst eine Trennlinie geschaffen.
    Ich glaube, viele Heteros sind da in unseren Breiten schon sehr viel weiter. Als Beispiel nehme ich mich selbst: die sexuelle Ausrichtung einer Person interessiert mich so lange nicht, als sie sich im gesetzlichen Rahmen bewegt. Also... ... mehrWenn ich dieses Interview und ähnliche Artikel so lese, bekomme ich immer stärker den Eindruck, die einzigen, die sich ausgrenzen, sind die Schwulen und Lesben selbst. Gerade mit der Betonung auf ihre "Andersartigkeit" wird doch erst eine Trennlinie geschaffen.
    Ich glaube, viele Heteros sind da in unseren Breiten schon sehr viel weiter. Als Beispiel nehme ich mich selbst: die sexuelle Ausrichtung einer Person interessiert mich so lange nicht, als sie sich im gesetzlichen Rahmen bewegt. Also eine klare Abgrenzung gegen beispielsweise Pädophilie. Alles was legal ist, freiwillig genossen wird und Spass macht, ist OK und wünschenswert. Ob Hetero, Schwul, Lesbisch oder eine Mischform davon - who cares?
    Ausgrenzungen erlebe ich im Alltag höchstens durch die Schwulen selbst mit der Betonung auf irgend eine Art von "anders sein" oder, noch schlimmer "speziell sein". Die sexuelle Ausrichtung alleine macht noch keinen Menschen, da sind mir Eigenschaften wie Charakter, Empathie oder Aufrichtigkeit entschieden wichtiger.

  3. René Reinhard

    am 19.06.2012, 22:13

    Kann den Ansichten dieser beiden gesitteten und für Basler Verhältnisse wohl "prominenten" bekennenden schwulen Herren auch von der Mehrheit der "Community" beigepflichtet werden, oder repräsentieren sowohl Herr Stolz wie auch Herr Sieber nur ihre eigenen persönlichen Erfahrungen?

    Spannender wäre es vielleicht gewesen, wenn nebst den beiden "arrivierten" Mittelstands-Männern etwa auch ein arbeitsloser schwuler Jugendlicher, der z.B. im Schützenmattpark "anschaffen" geht, und ein... ... mehrKann den Ansichten dieser beiden gesitteten und für Basler Verhältnisse wohl "prominenten" bekennenden schwulen Herren auch von der Mehrheit der "Community" beigepflichtet werden, oder repräsentieren sowohl Herr Stolz wie auch Herr Sieber nur ihre eigenen persönlichen Erfahrungen?

    Spannender wäre es vielleicht gewesen, wenn nebst den beiden "arrivierten" Mittelstands-Männern etwa auch ein arbeitsloser schwuler Jugendlicher, der z.B. im Schützenmattpark "anschaffen" geht, und ein vereinsamter, nach sexuellen Kontakten lechzender "Alter Sack" am Interview hätten teilnehmen können.

  4. Thommen_63

    am 19.06.2012, 23:16

    Nach meiner Erfahrung und Literatur ist die Abgrenzung von 'Pädophilie' vor allem bei heterosexuell orientierten Frauen und Männern ein Problem. Aber diese Polizeimeldungen gibt es entweder gar nicht, oder nie auf der ersten Seite...

    Herr Bösiger widerspricht mit seinem Argument, dass sich Homosexuelle selber ausgrenzen würden gerade durch sich selber. Er würde nie 'Pädophilie' und Schutzalter den Heterosexuellen vorwerfen... ;)

    Es gibt in der heterosexuellen Kultur vielfältige Anzeichen... ... mehrNach meiner Erfahrung und Literatur ist die Abgrenzung von 'Pädophilie' vor allem bei heterosexuell orientierten Frauen und Männern ein Problem. Aber diese Polizeimeldungen gibt es entweder gar nicht, oder nie auf der ersten Seite...

    Herr Bösiger widerspricht mit seinem Argument, dass sich Homosexuelle selber ausgrenzen würden gerade durch sich selber. Er würde nie 'Pädophilie' und Schutzalter den Heterosexuellen vorwerfen... ;)

    Es gibt in der heterosexuellen Kultur vielfältige Anzeichen von Mädchenklischees, die von Frauen erwartet werden. Erwähnt sei nur die Unart, die Körperhaare abzurasieren, damit's den Männern nicht zu erwachsen oder zu schwul vorkommt! Das reicht mal als nachvollziehbares Beispiel.

    Historisch nachzutragen gibt es immerhin noch, dass das "Schutzalter" für homosexuelle Handlungen von 1942-1992 strafrechtlich bei 20 Jahren war. Heteros durften schon immer ab 16 Jahren. In einigen kantonalen Strafgesetzen schon früher...

    Das Problem in diesem Artikel sind nicht die Abgrenzungen oder die Viefältigkeiten. Das Problem sind die starken schwulen Identitäten. Die sind auch nicht erwünscht. Denn die sind dann nicht mehr in "Varianten" einzuordnen. Hingegen ist es selbstverständlich, dass es angeblich 95 % stramme und treue und unbeirrbare Heterosexuelle geben soll! Deren Ordnung ist eben die Natur, oder so ähnlich...

    Soll mir eineR noch weismachen, dass der Blick und die Erfahrung von Schwulen oder homosexuell orientierten Männern eh der "männliche Blick" sei und sie auch nur "männliche Erfahrungen" machen, oder dann gerade ganz auf der weiblichen Seite... Solche Argumentationen zeugen von wenig queerem Verständnis und wenig Ahnung vom Sexualleben im "Heterror".

    Was denkt sich ein Jugendlicher, der in unserer Stadt einen Homosexuellen mit Baseballschlägern halbtot prügelt (5.1.12) , ohne auch nur mit ihm geredet zu haben? Es reicht, dass er an einem "Treffpunkt" sich aufgehalten hat. Für diesen verschwindet die Homosexualität eben NICHT im Alltäglichen, wie hier bramarbasiert wird. Und dies ist einem langjährigen Schwulen passiert, keinem "sichtbaren", sondern einem unsichtbaren Schwulen!

  5. Annabelle Wiegart

    am 20.06.2012, 10:26

    Warum macht ihr einen Artikel über die SCHWULENbewegung und nicht über Homosexuellen- oder noch besser queere Bewegungen? Wie soll sich an der Unsichtbarkeit von Lesben und queer lebenden Menschen im öffentlichen Diskurs etwas ändern, wenn weiterhin selektiv nur die Schwulen wahrgenommen werden?

  1. Nein danke

    am 19.06.2012, 19:20

    Ein bisschen ab den Themen im Interview, aber weil ich dieses Wochenende in Züri an der Pride war, hier meine Meinung warum ich noch nie an der Basler Schiffsparty war:

    ZH: Findet auf einem flachen, grossen, offenen Gelände statt. Von allen Seiten her zugänglich.
    BS: Abgesperrtes Gebiet, Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer nicht vorhanden.

    ZH: Jeder kann dabeisein, einfach mal losziehen, irgendeine Bekanntschaft ist sicher dort. Chill with your friends.
    BS: Beschränkte Besucherzahl, in... mehrEin bisschen ab den Themen im Interview, aber weil ich dieses Wochenende in Züri an der Pride war, hier meine Meinung warum ich noch nie an der Basler Schiffsparty war:

    ZH: Findet auf einem flachen, grossen, offenen Gelände statt. Von allen Seiten her zugänglich.
    BS: Abgesperrtes Gebiet, Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer nicht vorhanden.

    ZH: Jeder kann dabeisein, einfach mal losziehen, irgendeine Bekanntschaft ist sicher dort. Chill with your friends.
    BS: Beschränkte Besucherzahl, in gewissem Masse elitär.

    ZH: Gratis, nur Verpflegung an den Ständen kostet.
    BS: Eintritt mit Abendkasse und Vorverkauf, zusätzlich zur Konsumation.

    ZH: Fluchtwege/Notausgänge bei Panik reichlich vorhanden.
    BS: Kommt einem KZ ähnlich. Homosexuelle auf dem Schiff ansammeln, Anschlag verüben oder sinken lassen, alle tot.

    ZH: Von Mainstream über Markenkleider-Tunten über Kampflesben über Bären über Lederkerle über Lipstick-Lesbians alles vertreten.
    BS: junges Mainstream-Publikum bis dein-Alter-tolerieren-wir-noch-aber-mach-uns-nicht-an.

    ZH: Full of win.
    BS: Epic fail.

    Bitte ändern, wenn möglich.

  2. Phil Boesiger

    am 19.06.2012, 20:46

    Wenn ich dieses Interview und ähnliche Artikel so lese, bekomme ich immer stärker den Eindruck, die einzigen, die sich ausgrenzen, sind die Schwulen und Lesben selbst. Gerade mit der Betonung auf ihre "Andersartigkeit" wird doch erst eine Trennlinie geschaffen.
    Ich glaube, viele Heteros sind da in unseren Breiten schon sehr viel weiter. Als Beispiel nehme ich mich selbst: die sexuelle Ausrichtung einer Person interessiert mich so lange nicht, als sie sich im gesetzlichen Rahmen bewegt. Also... mehrWenn ich dieses Interview und ähnliche Artikel so lese, bekomme ich immer stärker den Eindruck, die einzigen, die sich ausgrenzen, sind die Schwulen und Lesben selbst. Gerade mit der Betonung auf ihre "Andersartigkeit" wird doch erst eine Trennlinie geschaffen.
    Ich glaube, viele Heteros sind da in unseren Breiten schon sehr viel weiter. Als Beispiel nehme ich mich selbst: die sexuelle Ausrichtung einer Person interessiert mich so lange nicht, als sie sich im gesetzlichen Rahmen bewegt. Also eine klare Abgrenzung gegen beispielsweise Pädophilie. Alles was legal ist, freiwillig genossen wird und Spass macht, ist OK und wünschenswert. Ob Hetero, Schwul, Lesbisch oder eine Mischform davon - who cares?
    Ausgrenzungen erlebe ich im Alltag höchstens durch die Schwulen selbst mit der Betonung auf irgend eine Art von "anders sein" oder, noch schlimmer "speziell sein". Die sexuelle Ausrichtung alleine macht noch keinen Menschen, da sind mir Eigenschaften wie Charakter, Empathie oder Aufrichtigkeit entschieden wichtiger.

  3. René Reinhard

    am 19.06.2012, 22:13

    Kann den Ansichten dieser beiden gesitteten und für Basler Verhältnisse wohl "prominenten" bekennenden schwulen Herren auch von der Mehrheit der "Community" beigepflichtet werden, oder repräsentieren sowohl Herr Stolz wie auch Herr Sieber nur ihre eigenen persönlichen Erfahrungen?

    Spannender wäre es vielleicht gewesen, wenn nebst den beiden "arrivierten" Mittelstands-Männern etwa auch ein arbeitsloser schwuler Jugendlicher, der z.B. im Schützenmattpark "anschaffen" geht, und ein... mehrKann den Ansichten dieser beiden gesitteten und für Basler Verhältnisse wohl "prominenten" bekennenden schwulen Herren auch von der Mehrheit der "Community" beigepflichtet werden, oder repräsentieren sowohl Herr Stolz wie auch Herr Sieber nur ihre eigenen persönlichen Erfahrungen?

    Spannender wäre es vielleicht gewesen, wenn nebst den beiden "arrivierten" Mittelstands-Männern etwa auch ein arbeitsloser schwuler Jugendlicher, der z.B. im Schützenmattpark "anschaffen" geht, und ein vereinsamter, nach sexuellen Kontakten lechzender "Alter Sack" am Interview hätten teilnehmen können.

  4. Thommen_63

    am 19.06.2012, 23:16

    Nach meiner Erfahrung und Literatur ist die Abgrenzung von 'Pädophilie' vor allem bei heterosexuell orientierten Frauen und Männern ein Problem. Aber diese Polizeimeldungen gibt es entweder gar nicht, oder nie auf der ersten Seite...

    Herr Bösiger widerspricht mit seinem Argument, dass sich Homosexuelle selber ausgrenzen würden gerade durch sich selber. Er würde nie 'Pädophilie' und Schutzalter den Heterosexuellen vorwerfen... ;)

    Es gibt in der heterosexuellen Kultur vielfältige Anzeichen... mehrNach meiner Erfahrung und Literatur ist die Abgrenzung von 'Pädophilie' vor allem bei heterosexuell orientierten Frauen und Männern ein Problem. Aber diese Polizeimeldungen gibt es entweder gar nicht, oder nie auf der ersten Seite...

    Herr Bösiger widerspricht mit seinem Argument, dass sich Homosexuelle selber ausgrenzen würden gerade durch sich selber. Er würde nie 'Pädophilie' und Schutzalter den Heterosexuellen vorwerfen... ;)

    Es gibt in der heterosexuellen Kultur vielfältige Anzeichen von Mädchenklischees, die von Frauen erwartet werden. Erwähnt sei nur die Unart, die Körperhaare abzurasieren, damit's den Männern nicht zu erwachsen oder zu schwul vorkommt! Das reicht mal als nachvollziehbares Beispiel.

    Historisch nachzutragen gibt es immerhin noch, dass das "Schutzalter" für homosexuelle Handlungen von 1942-1992 strafrechtlich bei 20 Jahren war. Heteros durften schon immer ab 16 Jahren. In einigen kantonalen Strafgesetzen schon früher...

    Das Problem in diesem Artikel sind nicht die Abgrenzungen oder die Viefältigkeiten. Das Problem sind die starken schwulen Identitäten. Die sind auch nicht erwünscht. Denn die sind dann nicht mehr in "Varianten" einzuordnen. Hingegen ist es selbstverständlich, dass es angeblich 95 % stramme und treue und unbeirrbare Heterosexuelle geben soll! Deren Ordnung ist eben die Natur, oder so ähnlich...

    Soll mir eineR noch weismachen, dass der Blick und die Erfahrung von Schwulen oder homosexuell orientierten Männern eh der "männliche Blick" sei und sie auch nur "männliche Erfahrungen" machen, oder dann gerade ganz auf der weiblichen Seite... Solche Argumentationen zeugen von wenig queerem Verständnis und wenig Ahnung vom Sexualleben im "Heterror".

    Was denkt sich ein Jugendlicher, der in unserer Stadt einen Homosexuellen mit Baseballschlägern halbtot prügelt (5.1.12) , ohne auch nur mit ihm geredet zu haben? Es reicht, dass er an einem "Treffpunkt" sich aufgehalten hat. Für diesen verschwindet die Homosexualität eben NICHT im Alltäglichen, wie hier bramarbasiert wird. Und dies ist einem langjährigen Schwulen passiert, keinem "sichtbaren", sondern einem unsichtbaren Schwulen!

  5. Annabelle Wiegart

    am 20.06.2012, 10:26

    Warum macht ihr einen Artikel über die SCHWULENbewegung und nicht über Homosexuellen- oder noch besser queere Bewegungen? Wie soll sich an der Unsichtbarkeit von Lesben und queer lebenden Menschen im öffentlichen Diskurs etwas ändern, wenn weiterhin selektiv nur die Schwulen wahrgenommen werden?

  6. René Reinhard

    am 20.06.2012, 13:44

    Sehr richtig Ihre "Kritik" Frau Wiegart, Ich sehe das genau so.

    Doch ich denke, dass Frauen liebende Frauen oder die Frauen generell, sich selbst äussern sollten. Was Sie ja in bemerkenswerter Weise hier auch getan haben. Ich für mich masse mir jedenfalls nicht an, auch zu den Belangen der Frauen oder gar der "irgendwie Sexuellen" Stellung zu beziehen.

  7. Janik Ackermann

    am 20.06.2012, 15:54

    Ich verstehe nicht, wie Sie beim Durchlesen dieses Interviews das Gefühl bekommen konnten, Schwule und Lesben (welche in diesem Interview im Übrigen gar nicht zu Wort kamen) würden «sich ausgrenzen» bzw. «ihre ‹Andersartigkeit› betonen». Der Begriff der «Ausgrenzung» empfinde ich insofern fehl am Platz, weil eine Ausgrenzung von Seite der Gruppe definiert wird, aus der jemand ausgeschlossen wird. Und hier zeigt sich auch das grösste Problem, dass ich mit Ihrer Aussage habe: Nur von Ihrer... mehrIch verstehe nicht, wie Sie beim Durchlesen dieses Interviews das Gefühl bekommen konnten, Schwule und Lesben (welche in diesem Interview im Übrigen gar nicht zu Wort kamen) würden «sich ausgrenzen» bzw. «ihre ‹Andersartigkeit› betonen». Der Begriff der «Ausgrenzung» empfinde ich insofern fehl am Platz, weil eine Ausgrenzung von Seite der Gruppe definiert wird, aus der jemand ausgeschlossen wird. Und hier zeigt sich auch das grösste Problem, dass ich mit Ihrer Aussage habe: Nur von Ihrer (möglicherweise auch nur subjektiv als solche empfundenen) Akzeptanz der sexuellen Orientierung darauf zu schliessen, dass der Fehler in den «Befindlichkeiten» der Betroffenen zu finden ist, zeugt von wenig Reflexionsfähigkeit. Aus der Warte des heterosexuellen Mannes (deren ich mich im Übrigen selbst auch zurechne), ist die sexuelle Orientierung vielleicht keine grosse Sache, weil ich selber nicht ständig darüber definiert werde. Natürlich ist dies für sich genommen sehr zu begrüssen! Doch erfolgt diese Aussage aus der privilegiertesten Postition, die man sich vorstellen kann und lässt sich möglicherweise nicht so einfach auf jeden anderen Menschen übertragen. – Und es wäre wohl viel gewonnen, wenn man sich dessen bewusst ist.

  8. Alois Karl Hürlimann

    am 20.06.2012, 23:22

    Wenn ich in Berlin ans schwule Stadtfest in Schöneberg (Nollendorfplatz, Motzstrasse usw. und Umgebung) gehe, mich an Ständen über alle Möglichkeiten des schwulen Lebens in Berlin informiere, die neueste Männersexmode vorgeführt bekomme, Prosecco und Weiswein konsumierend Bekannte treffe oder Leute kennen lerne, dann erfahre ich: Wir sind ja doch viele! Und hier sind wir wohl sogar "Mehrheit".
    Wenn ich mich hinter einem der zahlreichen mit brummenden Verstärkern auf Techno oder House oder... mehrWenn ich in Berlin ans schwule Stadtfest in Schöneberg (Nollendorfplatz, Motzstrasse usw. und Umgebung) gehe, mich an Ständen über alle Möglichkeiten des schwulen Lebens in Berlin informiere, die neueste Männersexmode vorgeführt bekomme, Prosecco und Weiswein konsumierend Bekannte treffe oder Leute kennen lerne, dann erfahre ich: Wir sind ja doch viele! Und hier sind wir wohl sogar "Mehrheit".
    Wenn ich mich hinter einem der zahlreichen mit brummenden Verstärkern auf Techno oder House oder andere Musik ausgerüsteten Wagen und deren fröhlichen Gay-oder Lesbenbesatzung oder von gar von politischer Prominenz besetzten, also etwa hinter einem Wagen einer politischen Partei, zusammen mit Freunden am CSD stundenlang durch innere Stadtteile Berlins ziehe:
    Ja, es stehen Hunderttausende an den Strassenrändern. Und:
    Ja, wir sind interessant genug, beachtet zu werden!
    "Mann" ist also durchaus in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Etwas genauer formuliert müsste es wohl eher heissen: Man ist als Schwuler in den urbanen Verhältnissen in Westeuropa angekommen. Eigentlich ging dieses Ankommen überraschend rasch vor sich. Wenn ich mich an die frühen Achzigerjahre des letzten Jahrhunderts zurückerinnere, bin ich über die seither stattgefundene Anerkennung meiner sexuellen Orientierung in meiner Welt manchmal durchaus etwas erstaunt. Es ist mir bewusst, dass diese Anerkennung viel mit dem Mut von einzelnen schwulen Männern jeweils vor Ort zu tun hat, welche sich nicht scheuten, ihr coming-out wirklich der lokalen weiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen oder, deutlicher gesagt, zu demonstrieren.
    Der Tageswoche-Titel "Schwul - na und ? weist auf urbane Verhältnisse hin.
    Wenn es heissen würde: Schwul - und gleichberechtigt!, würde der Titel übertreiben.
    Dies sowohl in sozialer, also gesellschaftlicher als auch in zivilrechtlicher Hinsicht, von den "Bedingungen, welche etwa die katholische Kirche Schwulen und Lesben stellt, zu schweigen. Das Adoptionsrecht ist sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland - und natürlich auch anderswo in Westeuropa - für unsereiner nicht durchgesetzt. Dieses Beispiel ist zwar nicht unbedingt Ausdruck von tiefer Ungleichheit, aber es weist auf Vorbehalte hin. Vorbehalte, welche unter anderem mit dem extensiven Gebrauch der Begriffe "Ehe" und "Familie" zu tun haben. Wenn man allerdings weiss und anerkennt, dass heute sehr viele Frauen als Einzelelternteil Kinder erziehen, dass Patchwork inzwischen eine schlichte Normalität geworden ist, dass es " die" Familie als "Kern" der Gesellschaft oft nicht mehr gibt, wundert es schon, mit welcher politischen und auch ökonomischen Akribie der Familienbegriff des bürgerlichen 19.Jahrhunderts nach wie vor hochgehalten wird. Die tatsächliche soziale Heterogenität, die wirkliche Farbenfülle der westeuropäischen Gesellschaften, namentlich der Stadtgesellschaften, ist im Zivilrecht keineswegs real erfasst.
    Ich denke, dass Schwule und Lesben diesbezüglich ihre Anliegen im Interesse zahlreicher anderer von der "Norm" abweichender Gruppen in der Gesellschaft weiter energisch vertreten müssen - angefangen vom Sexualkundeunterricht an den Schulen bis hin zur Bekämpfung von dogmatisch inspirierten Religiösen jeglicher Couleur, welche mit Verurteilungen und Vorbehalten herumhausieren. Mich jedenfalls stört es sehr, dass katholische Bischöfe von unsereiner sexuelle Enthaltsamkeit und Sublimation verlangen, bloss, weil ihre Dogmatik Homosexualität seit Jahrhunderten als "Naturrechtswidrigkeit" definiert. Ich bin wie sie Teil einer staatlich organisierten Gesellschaft. Es verletzt meine unmittelbare Gleichheit vor dem Gesetz, wenn staatlich anerkannte Körperschaftsvertreter (also etwa Kirchen und deren Vertreter) meine Sexualitätsorientierung quasi nolens volens als widernatürlich an den Pranger stellen dürfen, ohne dass der Rechtsstaat mich vor solcherlei schützt. Zum Beispiel.

  9. Thommen_63

    am 21.06.2012, 14:53

    Ein intelligenter schwuler Journalist hat 1994 etwas sehr Treffendes über die Ausgrenzung geschrieben - Der Textschluss in original italienisch:

    „Nessuno di noi “ghettizzati” discrimina le persone eterosessuali impedendo loro di frequentare il nostro mondo: sono le persone “normali” a restarne accuratamente fuori, per paura che si pensi che sono “come noi”; sono loro che non vogliono farsi vedere assieme a noi per le strade del paesello per paura che si dica che sono “così”…

    A questo punto... mehrEin intelligenter schwuler Journalist hat 1994 etwas sehr Treffendes über die Ausgrenzung geschrieben - Der Textschluss in original italienisch:

    „Nessuno di noi “ghettizzati” discrimina le persone eterosessuali impedendo loro di frequentare il nostro mondo: sono le persone “normali” a restarne accuratamente fuori, per paura che si pensi che sono “come noi”; sono loro che non vogliono farsi vedere assieme a noi per le strade del paesello per paura che si dica che sono “così”…

    A questo punto il gioco è finalmente chiaro: signori e signore che avete la parola “ghetto” a fior di labbra, e che la sputate come insulto ogni volta che nominate l’omosessualità, abbiamo capito il vostro errore. Avete scambiato l’interno con l’esterno. Adorate stare incarcerati nel ghetto (e questo sì che è un ghetto vero, perché è obbligatorio, perché chi osa uscirne viene disprezzato) meschino, barbaro, razzista e idiota in cui grufola gran parte della società eterosessuale.
    Siete incatenati a quel mondo, e di fronte a quel portone che vi tiene rinchiusi avete la faccia tosta di dire che siamo noi che ci siamo chiusi fuori, “autoghettizzandoci”.
    Chiusi fuori, noi? Davvero?
    Strano. Io avrei detto l’esatto contrario…“

    www.giovannidallorto.com/attualita/vita/ghetto/ghetto.html

    Das einzige obligatorische (Ghetto) ist die Heterosexualität. Wer sich daraus befreit, kann sich nicht mehr ghettosieren. Diese Argumentation ist ideologisch, weil verhüllend. Wir Schwulen verkehren ohne Probleme im hetero Milieu und haben auch Sex mit Heteros. Nur umgekehrt ist es sehr schwierig. Es könnte ja der Eindruck entstehen, ein Hetero sei schwul. Doch schwul sein muss keiner, der mit Männern Sex hat, Frauen tuns auch und sind es nicht! :P

Informationen zum Artikel

15.6.2012, 00:01 Uhr

Schwul – na und?

Text

Text:

  • 23.10.2014 um 11:16
    Der Basler Kunstkredit verteilt 353'200 Franken

    Der städtische Kunstkredit empfiehlt zwei Kunst-am-Bau-Projekte zur Ausführung und vergibt fünf Beiträge im Bereich «Freies Kunstprojekt».

  • 18.10.2014 um 17:52
    Skandal! Bilder aus dem Berghain aufgetaucht!

    Der Berliner Technoclub Berghain ist berühmt für seine strikte Einlasspolitik: Neu werden beim Eingang sogar die Kameras von Smartphones zugeklebt, auf dass keine Bilder nach aussen dringen. Darauf wird jetzt im Netz mit Satire reagiert.

  • 17.10.2014 um 05:00
    «Ich orte in der Kulturpreis-Flut eine gewisse Gefahr»

    Philippe Bischof leitet seit 2011 die Abteilung Kultur des Kantons Basel-Stadt. Er hat neue Kulturpreise eingeführt, betrachtet aber die Vielzahl an Kulturpreisen in der Schweiz auch mit skeptischem Blick.

  • 19.10.2014 um 17:35
    Zum Artikel: Skandal! Bilder aus dem Berghain aufgetaucht!

    Ich auch nicht, aber das ist auch Jahre her. Wann waren Sie denn zuletzt da? Die Sticker wurden vor einer Woche eingeführt, wie man den Tweets entnehmen konnte.

  • 28.09.2014 um 12:08
    BB? Deneuve? Larsson!
    Zum Artikel: Schmollmund ohne Lifting: Brigitte Bardot feiert den 80. Geburtstag

    Sie haben nur zum Teil Recht, Ihr harscher Ton ist daher vermessen. Das Bild war falsch beschriftet, aber auch nicht Deneuve war darauf zu sehen, sondern Mirja Larsson, Gunter Sachs' damalige Verlobte. Das Bild haben wir entfernt, danke für den Hi...

  • 31.08.2014 um 10:22
    Zum Artikel: Viel Bass macht Spass

    Bester Ben Pinsel Wird gleich geändert. Man verzeihe mir die Verwechslung, die Trommeln haben mich annehmen lassen, es handle sich um Fasnächtliches...

Text

Text:

  • 13.09.2013 um 17:53
    «1 City 1 Song» landet in der Hitparade

    Der 84-minütige Monster-Track «1 City 1 Song» steigt in die Schweizer Singles-Hitparade ein: 147 Basler Rapper haben daran mitgewirkt. Wir erinnern an die Entstehung.

  • 28.08.2013 um 13:59
    Revolverheldin mit Lasso und Raketenantrieb

    Ariane Koch gehört zu den «jungen Wilden» der Nordwestschweizer Kulturszene. Ob Kunst, Literatur oder Theater: Der 25-jährigen Baslerin scheint alles spielend von der Hand zu gehen. An den Treibstoff-Theatertagen präsentiert sie mit «Mein Enkel 2072» ihr erstes Stück.

  • 25.08.2013 um 05:33
    Der Katalysator für junge Kultur

    Boris Brüderlin ist neu Basler Beauftragter für Jugendkultur. Wie soll diese künftig gefördert werden? Der bisherige Leiter der Treibstoff-Theatertage gibt Auskunft.

  • 18.06.2013 um 23:34
    @ Jennifer Jans
    Zum Artikel: Die blaue Königin wird gekrönt

    Liebe Jennifer, es tut mir leid, wenn Du dich falsch zitiert fühlst – gerne ergänze ich den entsprechenden Satz. Die Tatsache, dass viele Stimmen sich zur Rochade so geäussert haben, kann ich allerdings persönlich auch nicht übergehen. Es ging nun mal ...

  • 15.03.2013 um 12:46
    @Walter Meier
    Zum Artikel: Vom Narziss zum Goldmund: Die Renaissance des Schweizer Rap

    Schon erstaunlich, wie sehr sich manche Mitglieder der Szene angegriffen fühlen, wenn man konstatiert, dass die Phase, wo sich Hip-Hop (zunächst) als Trend und (dann) dominierende Subkultur etablierte, vorbei ist, und Rap wieder vermehrt aus dem Unterg...

  • 28.01.2013 um 21:54
    Zum Abschluss
    Zum Artikel: Morgengrauen: Nüblings virtuose Verstörung

    Christian, ich glaube grundsätzlich sind wir nicht so weit voneinander entfernt in unseren Haltungen. Mich stört wie gesagt nicht, dass solche Themen aufgegriffen und inszeniert werden, sondern «wie», nämlich sehr explizit und in einer teils filmisch...

Aktuell

Galerie Georges-Philippe & Nathalie Vallois © 2014 ProLitteris, Zürich: Von der Strasse auf die Leinwand: «Rue de Tolbiac – Le crime ne paie pas (1962) von Jacques Villeglé

Ausstellung 

Die radikale Poesie der Plakatabreisser

Was vor der Graffitiwelle geschah: Das Museum Tinguely eröffnet mit der Ausstellung «Poesie der Grossstadt. Die Affichisten» einen lohnenswerten Einblick in die Avantgarde der Street Art.Von Dominique Spirgi. Weiterlesen