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Fussball, Euro 2012 

10.6.2012, 08:44 Uhr

«Wenn wir abheben, wird es eine Explosion geben»

10.6.2012, 08:44 Uhr (aktualisiert: 13:57)

Kroatiens Nationaltrainer Slaven Bilic spricht offen vom Gewinn der Europameisterschaft, erklärt, warum im modernen Fussball starre Aufstellungen keine Chance mehr haben und ernennt Pep Guardiola zum Retter des offensiven Fussballs. Von Aleksandar Holiga

Es wird das letzte Turnier sein, an dem Slaven Bilic die kroatische Nationalmannschaft betreut. Lange vor dem Turnier hat er bereits seinen Rücktritt auf das Ende der Europameisterschaft angekündigt, er wird nach der Endrunde bei Lokomotive Moskau arbeiten. Und Bilic glaubt daran, dass es für ihn einen Abgang durch die ganz grosse Tür geben könnte. Nachdem die Kroaten an der EM 2008 im Viertelfinal gegen die Türkei ausschieden, obwohl sie bis zur letzten Minute der Verlängerung wie die sicheren Sieger ausgesehen hatten, visiert Bilic nun den Titel an.

Er wird das mit einer für Nationalmannschaften schon fast unglaublich offensiv besetzten Mannschaft tun. «Reiner Pragmatismus» meint Bilic dazu – und erklärt gleichzeitig, warum es Teams mit starren Systemen in Zukunft schwer haben werden, und woran die Engländer in den letzten Jahren stets gescheitert sind.

Slaven Bilic, Sie haben gesagt, Kroatien könne an dieser EM «bis ganz zum Ende gehen», wenn gewisse Dinge zusammenpassen. Glauben Sie wirklich daran?

Sie können sagen, ich sei verrückt, ich aber glaube, dass ich nur realistisch bin. Es gibt Teams, die auf dem Papier stärker sind als wir, genauso, wie es Teams gibt, die schwächer sind – ebenfalls auf dem Papier. In den letzten fünf Jahren waren wir gemäss der Fifa-Weltrangliste entweder in den Top Ten oder sehr nahe. Und diese Tabelle ist sehr realistisch, weil sie auf Resultaten basiert, und nicht auf natürlicher Schönheit oder dem Design der Leibchen. Wenn wir von Verletzungen verschont bleiben und uns gut vorbereiten, und davon bin ich überzeugt, dann haben wir gegen jeden eine Chance.

Es gibt nur fünf Spiele auf dem Weg in den Final – wenn wir jedes nehmen, wie es kommt, mit dem richtigen Plan und voll motiviert, können wir wirklich den ganzen Weg gehen. 2008 waren wir nur eine Minute vom Halbfinal entfernt. Und wenn wir in diesem Jahr die Gruppenphase überstehen, haben wir eine grosse Chance, das Turnier zu gewinnen. Ich sage das, weil ich den Charakter des Teams kenne: Wenn wir abheben, wird es eine Explosion geben.

Wie wichtig ist es für Sie, dass Sie erstmals seit vier Jahren genügend Zeit haben, um Ihr Team auf die kommenden Aufgaben vorzubereiten?

Das ist der grösste Segen, den wir nur haben können. Kroatien ist ein kleines Land und hat eine sehr limitierte Anzahl von guten Spielern, die meisten spielen im Ausland. Während der Qualifikation hatten wir vor jedem Spiel nur ein paar gemeinsame Tage. Also mussten wir manchmal temporäre Lösungen suchen oder improvisieren. Aber jetzt, endlich, haben wir genügend Zeit, um die Probleme anzugehen, die sich uns stellen. Vielleicht können wir sie nicht vollständig lösen, aber wir werden alles tun, um ihren Einfluss auf unser Spiel zu minimieren. Und wir werden unsere Stärken auf ein Höchstmass bringen. Ausserdem haben wir vor vier Jahren gute Erfahrungen in der Vorbereitung und im Turnier gemacht. Diese Spieler lieben es, zusammen zu sein.

Es scheint, dass sie als Stratege den Schwerpunkt mehr auf individuelle Anweisungen als auf spezifische Formationen legen. Stimmt dieser Eindruck?

Meiner Meinung nach sterben strikte Aufstellungen aus. Es ist schwierig geworden, die Bewegungen der Spieler, die sich nach dem Ball richten, einfach mit einer Zahl für jede Linie (Verteidigung, Mittelfeld, Sturm, d. Red.) zu umschreiben. Es ist viel wichtiger geworden, flüssig zu spielen – du willst, dass dein Team kompakt steht, und deine Linien müssen eng zusammenstehen, so dass sie ineinander fliessen können. Du musst sicherstellen, dass es keine Lücken gibt. Und das passiert meistens jenen Mannschaften, die mit starren Linien spielen. Ein guter Gegner wird immer eine Schwachstelle finden und dich dafür bestrafen.

Aber das bedeutet nicht, dass das System weniger wichtig geworden ist. Organisation und Automatismen sind das Fundament für alles. Nur wenn du das hast, wird die individuelle Qualität des einzelnen Spielers im positiven Sinn zum Tragen kommen. Ich werde nie den Wert von Individualität und Inspiration unterschätzen – aber ohne solides System, bleibt Improvisation reine Anarchie. Und Anarchie kann dir manchmal sogar ein besseres Resultat bringen, als wenn du deinen bewährten Plänen folgst. Aber sie kann nie eine langfristige Lösung sein.

Kroatien hatte immer starke Individualisten. Wie sehr wurde ihre taktische Anschauung dadurch beeinflusst, dass Sie Teil jener Mannschaft waren, die 1998 an der Weltmeisterschaft Platz drei erreichte? Damals waren drei Spielmacher auf dem Platz, Boban, Prosinecki und Asanovic.

Sehr, weil ich damals begriffen habe, welche Art von Fussball dem kroatischen Charakter am meisten entspricht. Wir haben auch heute noch starke Individualisten. Mein Ziel war es nicht, ein System um sie herum zu bauen, aber ich wollte sie auch nicht in ein System pressen. Ich versuche einfach, für jeden Einzelnen einen verpflichtenden Rahmen zu stecken, in welchem hoffentlich ihre Qualitäten aufblühen.

Sie sind als einer der wenigen Nationaltrainer bekannt, der fünf, manchmal so gar sechs offensiv ausgerichtete Spieler gleichzeitig aufstellt. Spiegelt das Ihre Lust auf Angriffsfussball, oder ist es bloss eine Notwendigkeit, weil Kroatien in der Offensive schlicht mehr Möglichkeiten besitzt als in der Abwehr?

Es ist purer Pragmatismus. Natürlich bevorzuge ich ein Spiel, das auf Passspiel, Ballbesitz und Angriff basiert. Aber Sie müssen immer schauen, was mit Blick auf die zur Verfügung stehenden Spieler das beste für das Team ist. Als ich diesen Job übernommen habe, haben mein Assistent und ich die Auswahl an Spielern analysiert. Und wir haben realisiert, dass wir auf den Positionen in der Offensive viel besser abgedeckt sind. Wir haben daraus geschlossen, dass wir gegen stärkere Mannschaften bessere Chancen haben, wenn wir versuchen, unser Spiel mit vielen Offensivleuten zu gestalten. Wenn wir einen anderen Weg versucht hätten, wären wir schwächer und die Spieler wären unglücklich.

Aber selbst wenn wir viele Spieler einsetzen, die offensiv eingestellt sind, ist eine solide Abwehr das Fundament unseres Spiels. Du kannst nie so viele Tore schiessen, wie du durch eine löchrige Abwehr einfängst. Wissen Sie, die Leute sagen seit langem, dass die Stürmer die erste Linie der Abwehr sind. Aber war nur eine hohle Phrase, die das Team motivieren sollte. Heute aber sind die Angreifer wirklich verpflichtet, ihre defensiven Aufgaben zu erfüllen. Und das gilt ganz speziell für meine Jungs. Wir sind gefährlicher, wenn wir mit zwei Stürmern spielen, aber dann müssen die beiden auch sehr hart in der Defensive arbeiten – so wie Olic und Mandzukic es im Play-off gegen die Türkei getan haben.

Sie verfolgen die globalen Trends im Fussball und Sie haben bewiesen, dass Sie durchaus flexibel sein können. Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie eine taktische Überraschung für die EM im Köcher haben?

Es ist möglich, obwohl unser Stil mehr oder weniger bekannt ist. Vielleicht werden wir nicht so weit gehen, dass wir mit drei Verteidigern auflaufen, obwohl wir das schon einige Male versucht haben. Aber der Fussball hat sich in den letzten Jahren so stark verändert, und es ist extrem wichtig, Schritt zu halten. Vor allem jetzt, da wir genügend Zeit haben, um uns vorzubereiten.

Was hat sich im Fussball in den letzten Jahren am meisten verändert?

Es war noch vor kurzem taktisch ein ganz anderes Spiel. Diese Begegnungen zwischen Chelsea und Liverpool in der Champions League (2005, die Red.), das waren Schachspiele zwischen den beiden Trainern Mourinho und Benitez. Der Zweck hat die Mittel geheiligt. Aber dann hat Pep Guardiola mit seinem FC Barcelona alles grundlegend geändert. Darum verspüre ich nichts anderes als Respekt für ihn. Er hat den Blick revolutioniert, mit dem die Trainer auf das Spiel schauen. Es stimmt, dass Barcelona schon zuvor attraktiven Offensivfussball gespielt hat und dass das Tiki-Taka von Cruyff und Rexach kommt. Aber sie haben noch nie so gespielt wie unter Guardiola. Und das hatte einen grundlegenden Einfluss auf die anderen Trainer, weil jeder das Beste nachahmen will. Die meisten Mannschaften versuchen heute, Fussball zu spielen, sie bemühen sich kreativ zu sein, nicht destruktiv. Sogar die Italiener haben bei dieser Entwicklung mitgemacht – sowohl Clubteams als auch die Nationalmannschaft. Mit Ausnahme von Inter Mailand und ein paar kleineren Clubmannschaften. Das hatte es vor Guardiola nicht gegeben.

Jetzt realisieren alle, dass es neben dem Resultat auch noch wichtig ist, wie du spielst. Die Fans akzeptieren praktisch alles, solange du Erfolg hast. Aber auf lange Sicht wollen die Leute unterhalten werden, sie wollen an den Matches Freude haben. Und darum muss Fussball attraktiv sein und Spass machen. In Kroatien haben wir schon immer versucht zu spielen, und wir sehen immer besser aus, wenn der Gegner auch positiven Fussball spielt.

Die kroatischen Fans scheinen trotzdem nicht gerade optimistisch gestimmt auf die EM zu blicken.

Die gesamte Atmosphäre im kroatischen Fussball ist nicht gut, mit dem Chaos im Verband und zahlreichen Skandalen in der nationalen Liga. Aber das muss nicht unbedingt ein Nachteil sein. Die Italiener hatten 2006 eine ähnliche Situation und sie wurden Weltmeister. Viel negative Energie ist uns aus den Medien entgegengeschlagen. Die Kritik war manchmal verdient und manchmal völlig haltlos. Aber das hat uns nur noch stärker zusammengeschweisst.

Was haben Sie als Trainer aus Ihren Jahren als Spieler in England gelernt?

Was mich am meisten beeindruckt hat, war die fantastische Balance zwischen Druck und Freiheit. Druck ist in jedem Job als Antrieb wichtig – aber es geht darum, den Druck in positive Energie umzuwandeln. Und das ist es, was die Engländer am besten tun. Auch wenn die Presse wirklich grausam sein kann, lernt man in der Premier League, wie man Angst und negative Emotionen überwinden kann.

Was denken Sie denn über die Chancen der Engländer an der EM?

Sie könnten weit kommen. Ich teile die Meinung nicht, dass England an den vergangenen Turnieren daran gescheitert ist, dass die Spieler nach einer langen Saison müde waren. Aber einiges liegt bei den Engländern seit langem im Argen. Sie sprechen von Einheit, den «Three Lions» und diesen Dingen. Aber sie haben riesige persönliche Probleme innerhalb der Mannschaft. Wenn sie diese nicht hätten, würden sie mit Garantie Erfolge feiern. Denn die einzelnen Spieler sind eigentlich zu gut, um immer hinter den Erwartungen zurückzubleiben. Aber vielleicht gelingt England an diesem Turnier ja ein Chelsea. Für viele Spieler wird es der letzte Auftritt an einem grossen Turnier sein. Daraus sollten sie ihre Motivation ziehen.

Wer hat Sie als Trainer am meisten beeinflusst – und in welche Richtung?

Ich habe nie geplant, Trainer zu werden. Aber dann hat sich mein Club Hajduk Split an mich gewandt, da hat mich der Trainer-Virus infiziert. Später war ich bei zwei der besten Trainer aller Zeiten, bei Arsène Wenger bei Arsenal und bei Marcello Lippi bei Juventus Turin, um ihre Methoden zu studieren. Sie haben nur bestätigt, was ich immer gedacht habe, was richtig sei, was aber in starkem Gegensatz zu den alten Dogmen in Ex-Jugoslawien stand. Du musst kein Tyrann sein, um den Respekt deiner Spieler zu gewinnen. Die einzige Autorität, die du brauchst, ist die Autorität, die du durch Wissen ausstrahlst.

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10.6.2012, 08:44 Uhr

«Wenn wir abheben, wird es eine Explosion geben»

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Text: Aleksandar Holiga

  • 10.06.2012 um 08:44
    «Wenn wir abheben, wird es eine Explosion geben»

    Kroatiens Nationaltrainer Slaven Bilic spricht offen vom Gewinn der Europameisterschaft, erklärt, warum im modernen Fussball starre Aufstellungen keine Chance mehr haben und ernennt Pep Guardiola zum Retter des offensiven Fussballs.

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