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Galerie 

8.6.2012, 00:01 Uhr

Die Senkrechtstarter

8.6.2012, 00:01 Uhr

Jung, beherzt und erfolgreich: Die Galerie RaebervonStenglin stellt nach nur zweijähriger Existenz bereits an der Art Basel aus. Von

Renate Wernli: Am Ort des noch jungen Erfolgs: Beat Raeber neben dem Werk Robert Kinmonts «Standing here in front of these mountains is success» (1970/2012).

Am Ort des noch jungen Erfolgs: Beat Raeber neben dem Werk Robert Kinmonts «Standing here in front of these mountains is success» (1970/2012). (Bild: Renate Wernli)

Weiss getünchte Wände begrüs­sen den Besucher in den zwei grosszügigen Galerieräumen. Und wo ist hier die Kunst? Die ist halb verpackt oder schon versandt. In den kommenden zwei Wochen bewältigt die Galerie ­RaebervonStenglin ein vollbepacktes Programm: mit Künstlern wie Saâdane Afif, Karsten Födinger sowie Taiyo Onorato & Nico Krebs ist sie an «Art and the City»  vertreten, dem Festival für Kunst im öffentlichen Raum in Zürich West. Eine Woche ­später eröffnet die Ausstellung «WAIT» des amerikanischen Installations-Künstlers Robert Kinmont in den Ga­lerieräumen.

Gleichzeitig ist die Galerie in den Kojen der «Art Statements» an der Art Basel präsent. Dort wird aufstrebenden Galerien aus der ganzen Welt eine Plattform geboten. Die Art ist aber nicht die einzige Messe, an der RaebervonStenglin dieses Jahr zu Gast ist, sondern auch noch an der Frieze Art Fair in London, der Art Berlin Contemporary abc oder der Art Basel Miami Beach.
Wie ihnen so viel Messetrubel bekommt? «Das ist sehr anstrengend. Aber wir arbeiten mit Künstlern zusammen, die Sammler anziehen und den jeweiligen Messeort bereichern», sagt Beat Raeber, der personell eine Hälfte der Galerie ausmacht.

Vor einem Jahr stellte Raeber, der in Basel aufgewachsen ist, mit seinem deutschen Geschäftspartner und Kurator Matthias von Stenglin an der Liste aus. Die beiden Junggaleristen nahmen dann auch gleich den «redtoo Art Prize» als beste Newcomer-Galerie des Jahres mit nach Hause.

Schritte mit Bedacht

Nach nur zwei Jahren selbstständiger Existenz an der Art Basel teilzunehmen, sei nicht ein gesetztes Ziel, sondern einfach eine Chance, die man ­nutze, sagt Raeber. War die Bewerbung für die «Art Statements» also lediglich ein logischer Schritt die Karriereleiter hoch? «Überhaupt nicht», sagt Raeber, das vorgeschlagene Projekt mit dem Karlsruher Künstler Karsten Födinger habe wohl zum positiven Entscheid ­ihrer Bewerbung beigetragen. Darüber freut man sich. Einerseits. «Auf der anderen Seite sind wir traurig, dass wir nicht mehr an der Liste sind – sie ist eine der besten Kunstmessen weltweit für junge Galerien», so die Einschätzung Raebers.

Trotzdem war eine Galerie mit Standort im kunstaffinen Basel für ihn und Mat­thias von Stenglin nie ein Thema. «Ich liebe Basel, aber Zürich ist internationaler und geniesst in Europa eine gewichtigere Aufmerksamkeit bei Kuratoren, Sammlern und Museumsleuten», erklärt Raeber, warum sie vor zwei Jahren in einer ehemaligen Garage auf dem Welti-Furrer-Areal in Zürich Position bezogen.

An der Art Basel zeigen sie nun aber ein Werk, das besonders auf die Stadt Basel zugeschnitten ist. Die installative Kunst von Karsten Födinger macht den Stand an der Basler Kunstmesse erdbebensicher und nimmt damit Bezug auf das verheerende Erdbeben von 1356, als fast die ganze Stadt zerstört wurde.

Ortsbezogene Arbeiten

Das Werk Födingers illustriert gut das Konzept, das die beiden Inhaber der Galerie verfolgen: Sie interessieren sich für die Materialität und den spezifischen Raum, mit denen ein Künstler arbeitet. Ihr Galeristenherz schlägt für Künstler, die ortsbezogen arbeiten. Eher als Kulturförderer denn als Kunsthändler sehen sie sich. Und so wollen sie auch mit den von ihnen vertretenen Künstlern langjährig zusammenarbeiten.

Voller Tatendrang verlassen sie sich bei der Auswahl von Werken auf ihr Bauchgefühl und sind bescheiden, wenn es um ihre Arbeit geht. Zurückhaltend und bedacht sprechen sie über die finanziellen Aspekte ihres Berufs, als ob sie nicht wollten, dass die Kunstwerke den nüchternen Handel mit ihresgleichen mitbekommen.

Als Galerist hat man einen speziellen Bezug zur Kunst: Man lebt vom Verkauf, baut aber gleichzeitig eine persönliche und lang andauernde Beziehung zu den Künstlern und zu einzelnen Kunstwerken auf. Da kann es auch mal schwierig werden, ein Werk ziehen zu lassen. «Wir versuchen immer, ein Werk in eine gute Sammlung oder in ein tolles Museum zu geben. Wenn das gelingt, ist der Abschied ein bisschen einfacher. Aber schwierig ist er trotzdem», sagt Raeber.
Wo ein Abschied ist, ist immer auch ein Anfang möglich. Und den ­haben RaebervonStenglin schon mit Bravour gemeistert.

  • Art Basel, 14. 6. bis 17. 6. 2012, Art Statements, Halle 1, Stand S16. www.raebervonstenglin.com
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